Welche Flugzeuge sind bei Lufthansa derzeit bestellt?

Corona hat die Pläne aller Abteilungen bei Lufthansa ordentlich durcheinander gewirbelt. Zahlreiche Mitarbeiter mussten das Unternehmen verlassen, Sparmaßnahmen und die Verschlankung bedeutete für ganze Teilflotten zunächst das Aus. Die Flottenplaner müssen flexibel reagieren und auf vieles gefasst sein, auch die Erholung kam mit überraschender Geschwindigkeit. Lufthansa hat daher viele ausrangierte Jets wieder aus der Wüste holen lassen, weit über 100 neue Maschinen sollen in den nächsten Jahren ausgeliefert werden.

Während fünf der totgesagten Airbus A340-600 wieder im Liniendienst sind, wird derzeit auch der erste Airbus A380 aus dem Dornröschenschlaf geholt. Im kommenden Sommer sollen zunächst drei und später fünf Superjumbos das Münchner Flugprogramm verstärken und Routen mit hoher Nachfrage bedienen. Die Entscheidung wurde aus der Not getroffen, da zum einen die Nachfrage stark zugenommen hat und sich zum anderen die Auslieferung einiger neuer Flugzeuge verzögert.

Eine lange Zukunft haben die beiden Flugzeugtypen trotzdem nicht mehr, 2025 sollen diese wieder die aktive Flotte verlassen. Mit dem Airbus A340-600 und A380 sollen auch noch weitere Teilflotten in Rente gehen. Die älteren A340-300 und Boeing 747-400 kommen im Schnitt auf ein Alter von etwa 23 Jahren und müssen ebenfalls ersetzt werden. Mit Ausnahme der Boeing 747-8 werden in den nächsten Jahren also alle Vierstrahler den Kranich verlassen.

Flottenmix auf der Langstrecke

Einen Nachfolger für die großen Langstreckenflugzeuge hat man schon längst gefunden, Lufthansa setzt auf die weiterentwickelte Boeing 777-9. Der Auftrag über 34 Flugzeuge wurde bereits 2013 getätigt, später legte man sich auf 20 Exemplare fest. Immer wieder wurde der Auslieferungstermin verschoben, derzeit erwartet man das erste Flugzeug mit der gigantischen Spannweite und den markanten einklappbaren Flügelspitzen nicht vor 2025.

Erste Lufthansa Boeing 777X | Die D-ABTA kommt!

Mit der Krise taten sich für Lufthansa mehrere Möglichkeiten auf, so hat man in diesem Jahr unter anderem auch sieben zusätzliche Boeing 787-9 Dreamliner geordert. Diese wurden initial von anderen Gesellschaften bestellt und könnten sich zum Teil schon in der Produktion befinden. Hier hat man sich mit dem US-Flugzeugbauer sicherlich auf einen guten Deal einigen können und gleichzeitig einige Frachtversionen der Triple Seven geordert.

Zuvor hatte man bereits fünf bereits fertiggestellte Dreamliner übernommen, die von der Hainan Group nicht übernommen werden konnten. Inzwischen wurde der zweite davon nach Frankfurt überführt. Ursprünglich hatte die LH-Group 20 Boeing 787-9 bestellt, mit den zusätzlichen Order wird der Auftrag also um 12 weitere Jets erweitert, zieht man die beiden Auslieferungen ab, bleiben:

  • 30 Boeing 787-9 und die
  • 20 Boeing 777-9 in der Passagierversion

Der Airbus A350 ist der aktuelle Star der Interkontinentalflotte, während der Pandemie wurden die meisten Fernstrecken mit dem sparsamen Zweistrahler bedient. Insgesamt 17 neue Exemplare wurden bisher an Lufthansa übergeben, vier weitere Maschinen hat man von Philippine Airlines übernommen.

Die nächsten zehn Airbus A350 kommen ab 2023, diese werden eine First Class an Bord haben und kommen zu den anderen nach München. Die Konfiguration und die künftige Stationierung der restlichen Maschinen ist noch unbekannt, insgesamt steht bei Airbus noch dieser Auftrag im Buch:

  • 28 Airbus A350

NEOs auf der Kurzstrecke

Auch im Kontinentalverkehr tut sich einiges, dort kommt man bei der Kernmarke mit Maschinen der Airbus A320 Familie aus. Die ältesten A319, A320 und A321 sind aber schon über 25 Jahre alt und wurden zum Teil schon ausrangiert. Diese Maßnahme und die Einflottung neuerer Jets haben das Durchschnittsalter der Teilflotte bereits spürbar gesenkt, so ist der Wert bei den A320 Flugzeugen bereits auf unter 10 Jahre gesunken.

Die Effizienz wurde auch durch eine andere Sitzversion gesteigert, so wurden neuere A320 mit 180 statt 168 Sitzen bestuhlt und bieten bei gleicher Größe zwei zusätzliche Sitzreihen. Eine ganz neue Generation wurde aber mit den NEO Triebwerken eingeläutet, diese sorgen für einen deutlich geringeren Treibstoffverbrauch und niedrigere Lärmemissionen. Lufthansa ist Erstkunde der A320neo und betreibt bereits 30 Einheiten.

Die New Engine Option wird auch beim A321 angeboten, auf dem weiterentwickelten Jet werden bei Lufthansa 215 Sitze angeboten. Der Verbrauch liegt in etwa bei dem eines herkömmlichen A320- doch im A321neo sind fast 50 zusätzliche Plätze vorhanden. Die Zukunft gehört auf Kurz- und Mittelstrecken also den NEO-Maschinen, derzeit sind schon 30 Airbus A320neo und 15 Airbus A321neo im Einsatz, der Großteil wird aber noch ausgeliefert:

  • 34 Airbus A320neo
  • 25 Airbus A321neo

Für Euch getestet: Lufthansa Airbus A321neo

Welche Flugzeuge sind bei Lufthansa derzeit bestellt? | Frankfurtflyer Kommentar

In den Auftragsbücher von Airbus und Boeing stehen 137 Passagierflugzeuge für die Lufthansa Group, hinzu kommen noch einige Frachter. Nicht alle Flugzeuge sind für die Kernmarke bestimmt, die genaue Aufteilung an die einzelnen Konzerngesellschaften steht offiziell noch nicht fest.

Neben Swiss und Edelweiss wartet man insbesondere bei Austrian sehnsüchtig auf neue Flugzeuge, in diesem Jahr sind dort die ersten A320neo eingetroffen. Welche Typen die AUA Langstreckenjets ersetzen sollen ist immer noch unklar, es könnten auch gebrauchte Flugzeuge wie die ersten Dreamliner oder die geleasten A350 sein.

Lufthansa Chef Spohr hat bereits angekündigt, dass man weitere Kurzstreckenjets benötigt um verstärkt in tertiäre Märkte zu gehen. Hier würden auch kleinere Modelle wie Embraer oder Airbus A220 in Frage kommen, die Platzierung der Bestellung wird in Kürze erwartet.

 

1 Kommentar

  1. Ich schätze man darf davon ausgehen, dass MUC auf der Langstrecke mittelfristig wahrscheinlich ein reiner A350 Hub wird (man überlegt ja scheinbar auch A350-1000 zu bestellen) und FRA der Hub für B748, B779 und B787… Da die A330 Flotte der LH mehr und mehr schrumpft könnte ich mir vorstellen, dass die restlichen A330 auch zu Brussels / Discover / Swiss gehen um dort ältere „Geschwister“ zu ersetzen oder auszubauen…

    Swiss bekommt ja halb-offiziell 5x A359 als Ersatz für ihre A343, bei Austrian würde ich entsprechend B787 als Ersatz für B772 und B763 vermuten…

    Egal wie es kommt und so schön und effizient die neuen auch sein mögen, man wird das Bild der alten Vierstrahler dann wahrscheinlich doch vermissen. Vor allem die guten alten A346 werden mir fehlen 🙁

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