Italien verspricht Lufthansa freie Hand beim Umbau von ITA Airways (ex Alitalia)

Lufthansa will schon seit Jahren Alitalia bzw. nun die Nachfolgerin ITA Airways übernehmen, allerdings adressierte man hier an die Regierung in Rom auch immer, dass Lufthansa nur bei einer „echten Privatisierung“ Interesse an der Airline hat, sprich wenn sich der Staat aus dem Tagesgeschäft heraushält und nicht versucht politisch Einfluss zu nehmen.

Gerade bei dem Rechtsbündnis um die neue Ministerpräsidentin Meloni, hatte man hier massive Zweifel ob man erwarten kann, dass ITA Airways wirklich privatisiert wird und dass man sie nicht als politisches Instrument nutzen will. Etwas das Alitalia in den letzten 20 Jahren zu einer extrem verlustreichen Airline gemacht hatte.

Die Regierung Meloni ist aber nicht nur entschlossen, dass man ITA Airways nun sehr schnell über den Prozess einer Kapitalerhöhung an Lufthansa zu 49% verkauft, sondern man will sich auch aus dem operativen Geschäft der Airline komplett heraushalten.

So geht es aus einem Dekret aus dem Finanzministerium in Rom hervor, welches der Zeitung „Corriere Della Sera“ vorlegen würde. Dabei sehe das Dekret vor, dass „Italien einem Industriepartner direkt nach einer Absichtserklärung weitreichende Kontrollbefugnisse über ITA einräumen werde und sich auf eine strategische Kontrollfunktion zurückziehen möchte.“

Konkret würde dies bedeuten, dass Lufthansa sehr schnell anfangen könnte ITA Airways umzubauen und man hier nicht erst eine doch langwierigen Übernahme oder Teilübernahme Prozess durchlaufen müsste, bis man die Kontrolle bei ITA an Frankfurt abgibt.

Foto: ITA Airways

Zeit hat man bei ITA Airways nämlich nicht mehr, denn die Airline macht weiterhin Verluste und das zitierte Dekret spricht hier von Produktionskosten, die bei 8 Cent pro Sitzkilometer liegen, während man im Schnitt nur 6,7 Cent pro Sitzkilometer einnimmt. Alleine zwischen November 2022 und März 2023 habe ITA Airways fast eine viertel Milliarden Euro verbrannt und die Regierung in Rom ist weder Willens, noch ist es ihnen erlaubt weiter Geld in ITA Airways zu stecken.

Nun soll Lufthansa die Airline wohl bei einer Kapitalerhöhung 49% der Anteile für gerade einmal 200 Millionen Euro kaufen, was eine extrem niedrige Bewertung ist. So wollte Italien einmal bis zu 1,4 Milliarden Euro für die Fluggesellschaft und auch im Angebot von vor wenigen Monaten haben MSC und Lufthansa für ITA Airways noch eine Bewertung von etwa 1 Milliarde Euro gesehen. Der Wertverlust ist auf jedenfalls beachtlich.

Italien verspricht Lufthansa freie Hand beim Umbau von ITA Airways (ex Alitalia) | Frankfurtflyer Kommentar

ITA Airways muss dringend umgebucht werden um rentabel zu werden. Dabei kann man die Airline vermutlich nie alleine in die Gewinnzone bringen und auch in Italien hat man dies nun verstanden und daher sucht man sich nun mit Lufthansa einen Partner der schon unter Beweis gestellt hat, dass man Genua solche Turn Arrounds bei Airlines beherrscht.

Dabei wird man ITA Airways wohl sehr schnell in die Tarifstruktur von Lufthansa integriert und die Kosten durch einen gemeinsamen Einkauft versuchen zu senken. Dazu kommt, dass man ITA Airways in die Star Alliance holen und sie in die Lufthansa Joint Venture integrieren will. Auch eine Integration in das Miles&More Programm ist geplant.

Es scheint nun bei ITA Airways sehr schnell zu gehen und wir werden vermutlich schon bald öffentliche Details zu dem Deal lesen könne.

Danke: aero.de

7 Kommentare

  1. „Gerade bei dem Rechtsbündnis um die neue Ministerpräsidentin Meloni, hatte man hier massive Zweifel…“
    Ja, klar, bei der ehemaligen Regierung war alles ohne Zweifel perfekt.

    • Es ist Italien, da ist man in der Regierung ja einiges gewöhnt…. Aber wie immer, bei einer komplett neuen Regierung ist man immer am Zweifeln wohin die Reise geht.

  2. Ja, wie schön. Lufthansa wird den Umbau ohne Zweifel sehr effektiv umgestalten. Wie sieht das aber mit dem Wettbewerb aus? Für die Kunden, besonders in Zentraleuropa?Billigairline Service mit himmelhohen Ticketpreisen? LH, LX und OS werden sich schließlich nicht gegenseitig unterbieten. Da bleibt einem dann wirklich nur noch der Billigflieger. Von Brüssel erwarte ich mir in dieser Hinsicht gar nichts mehr. Das war schon mal anders..

  3. Das wird ja spannend werden.
    Da bekommt eine Airline Ihre eigene Probleme nicht in Griff und übernimmt eine Airline mit noch mehr Problemen.
    Klingt nach Kaufhof und Karstadt. 😂

    • Grundsätzlich ist für LH das Modell ja durchaus, dass man die Airline entweder hin bekommt, oder man wird sie wieder abstoßen. Das galt bei Austrian und Brussels Airlines auch immer. Schauen wir mal was passiert.

      Ich erinnere mal an BMI, die Lufthansa auch einfach dann verkauft hat.

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