Eine Boeing 737 von Ryanair fliegt jetzt mit einem Kuckuck. Das Flugzeug wurde am Montag (9. März 2026) von einem österreichischen Gerichtsvollzieher gepfändet. Ryanair selbst streitet den Vorfall ab, obwohl die beauftragte Rechtsanwaltskanzlei ein Beweisfoto veröffentlicht hat. In diesem Beitrag geht es um den kuriosen Fall der Pfändung einer Boeing 737 von Ryanair in Linz.
⚖️ Kurioser Fall: Ein Gerichtsvollzieher hat eine Boeing 737 von Ryanair am Flughafen Linz gepfändet.
✈️ Auslöser war eine offene Entschädigungszahlung nach einer Flugverspätung von zunächst 355 Euro.
📸 Symbolische Maßnahme: Das Flugzeug erhielt einen „Kuckuck“, durfte aber weiter durch Europa fliegen.
Der Gerichtsvollzieher klopfte am vergangenen Montag, den 9. März 2026, nicht zum ersten Mal an die Tür eines Flugzeuges. Solche Fälle kamen in der Vergangenheit schon einmal vor. Sie sind jedoch selten. So wollte ein österreichischer Gerichtsvollzieher (dort Exekutor genannt) im Jahr 2016 ein geleastes Flugzeug des Ferienfliegers Condor pfänden. Damals zahlte die Airline kurz bevor es brenzlig wurde. Auch in Deutschland gab es mal einen Fall. Im Jahr 2019 bediente sich ein Gerichtsvollzieher an der Bordkasse einer Crew von Onur Air. 743 Euro aus Duty-Free-Verkäufen gingen damals an den rechtmäßigen Besitzer.
Zwangsvollstreckung einer Boeing
Dass ein komplettes Flugzeug gepfändet wird, ist jedoch eher selten. Denn die Wirkung ist eher gering. Trotzdem kam dieser Fall nun im österreichischen Linz vor. Zuvor hatte eine Frau nach einer Verspätung eines Ryanair-Fluges von Österreich nach Palma de Mallorca vergeblich versucht, ihre Entschädigungszahlung und die Differenz für einen Ersatzflug bei Ryanair einzufordern. Ursprünglich ging es noch um rund 355 Euro, die Ryanair nicht zahlte.
Daraufhin beauftragte die Frau eine Rechtsanwaltskanzlei mit der Geltendmachung ihrer Forderung. Der irische Billigflieger zahlte jedoch weiterhin nicht und so sammelten sich mit Zinsen und Verfahrenskosten mittlerweile 890 Euro an. Die wollte sich die Kanzlei „Florianer Anwälte“ nun auf einem eigentlich gar nicht so kreativen Weg endlich holen. Sie erwirkte einen Vollstreckungstitel.
Ryanair streitet ab
„Grundsätzlich kann alles von Wert gepfändet werden“, bewertete Anwalt Georg Wageneder die Aktion gegenüber dem Portal heute.at und ergänzt: „Nachdem es ein irisches Unternehmen ist, muss man schauen, was in Österreich greifbar ist.“ Die Entscheidung fiel darauf, eine Boeing 737-800 des Lowcosters zu pfänden, die am Montag in Linz landete. Der Akt in dem Fall ist eher symbolisch, denn der Flieger wurde mit einem Siegel beklebt, welches im Volksmund als Kuckuck bekannt ist.
Ryanair wiederum streitet den Fall ab. Seitens der Airline heißt es: „Das ist nicht wahr. Keines unserer Flugzeuge wurde gepfändet. Alle Berichte, die etwas anderes behaupten, sind sachlich falsch.“ Spannend nur, dass die Kanzlei „Florianer Anwälte“ ihren Teilerfolg per Foto dokumentiert hat.

Doch es bleibt nur bei einem Teilerfolg, denn nach dem „Zwischenfall“ setzte die Boeing 737-800 von Ryanair ihre Reise durch Europa fort.
Das sind die Rechtsfolgen der Pfändung
Das Flugzeug fliegt weiter. Es hat lediglich einen kleinen Aufkleber in der Kabine. Nur ein symbolischer Akt? Nein, denn bei einer Pfändung nach österreichischem Recht wird ein beweglicher Gegenstand nicht direkt beschlagnahmt. Auch wird das Flugzeug nicht an die Kette gelegt. Lediglich verkaufen, verschenken oder beleihen kann Ryanair das Flugzeug derzeit nicht.
Für die Geschädigte ist es dennoch ein Erfolg. Denn mit der Vollstreckung kann sie bei weiterer Nichtzahlung direkt oder über ihren Anwalt eine Verwertung beantragen. Dann würde das Flugzeug zwangsversteigert. Dieser Fall ist jedoch eher hypothetisch, denn die Wahrscheinlichkeit, dass Ryanair nun die Schuld begleicht, ist jetzt sehr hoch.
Ryanair-Flugzeug gepfändet | Frankfurtflyer Kommentar
Ryanair zeigt sich renitent bei der Begleichung einer Entschädigungszahlung. Das kommt für viele nicht unerwartet. Für den Billigflieger und seine Crew war die Vollstreckung in Linz aber vermutlich sehr unerwartet. Falls Ihr demnächst also eine Boeing 737-800 mit Kuckuck seht, wisst Ihr jetzt warum.
Seid Ihr schon einmal bis vor Gericht gegangen, um eine Entschädigung einzufordern? Was war Euer härtester Kampf gegen eine Fluggesellschaft? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare.
Das kommt selten vor? Ich bin Anwalt mit Schwerpunkt Fluggastrechte. Vollstreckungsaufträge gegen säumige Fluggesellschaften gehen bei uns fast jede Woche raus an die Gerichtsvollzieher. So selten ist das ganze nicht. Die meisten Kollegen hängen es nur nicht so medienwirksam an die große Glocke.