Ryanair muss bei Gebühren für Sitzplatzreservierung zurückrudern

Im Ryanair Flugzeug. Foto: Robert

Ryanair ist bekannt dafür, für alle Zusatzleistungen Geld zu verlangen. Damit man auch mit der Gebühr für Sitzplatzreservierungen weiterhin Kasse machen kann, werden seit einigen Jahren auch alle Passagiere in derselben Buchung beim Check-in zuverlässig auseinandergesetzt. Selbst für Familien mit Kindern galt: Wer zusammen sitzen will, muss zahlen. Doch damit ist nun Schluss, der Lowcoster beugt sich dem Druck der Behörden. Dem Chef der irischen Billigfluglinie schmeckt das natürlich gar nicht.

Das Wichtigste auf einen Blick:

👨‍👩‍👧 Familien erhalten beim kostenlosen Check-in künftig automatisch zusammenhängende Sitzplätze.
💺 Wer den Sitzplatz bereits bei der Buchung auswählen möchte, muss künftig für alle Familienmitglieder bezahlen.
⚖️ Die Änderung erfolgt nach dem Druck der britischen Wettbewerbsbehörde gegen Ryanair.

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Die britische Wettbewerbsbehörde hatte vor wenigen Wochen Ermittlungen gegen Ryanair aufgenommen. Aus Sicht der Aufseher benachteiligte die bisherige Regelung Familien, da Eltern bzw. Begleitpersonen gezwungen wurden, eine kostenpflichtige Sitzplatzreservierung zu erwerben, um neben ihren Kindern sitzen zu können. Für andere Passagiere blieb die Sitzplatzwahl hingegen freiwillig.

Neue Familienregelung bei Ryanair

Bislang verlangte Ryanair, dass mindestens ein Erwachsener einen kostenpflichtigen Sitzplatz buchte. Anschließend konnten bis zu vier Kinder ohne zusätzliche Gebühren auf den benachbarten Plätzen sitzen. Die Airline argumentierte deshalb, dass sie Kinder selbst nie für das Zusammensitzen zur Kasse gebeten habe. Regulierungsbehörden sahen darin jedoch eine Umgehung der Verbraucherschutzregeln.

Foto: Ryanair

Seit dem 25. Juni 2026 gilt nun eine neue Regelung. Familien, die auf eine kostenpflichtige Sitzplatzreservierung verzichten, erhalten ihre Plätze erst beim Online-Check-in automatisch zugewiesen. Ryanair verspricht dabei, Eltern und Kinder gemeinsam unterzubringen. Nach Angaben der Airline werden diese Plätze allerdings meist im hinteren Bereich der Kabine liegen.

Wer dagegen bereits bei der Buchung selbst bestimmen möchte, wo die Familie sitzt, muss künftig für sämtliche Familienmitglieder eine reguläre Sitzplatzreservierung erwerben. Damit entfällt die bisherige Vergünstigung, bei der lediglich ein Erwachsener zahlen musste. Nach eigenen Angaben orientiert sich Ryanair damit nun an der Praxis vieler anderer europäischer Fluggesellschaften. Für Flüge nach Deutschland gilt diese Regelung für Kinder bis elf Jahre, in Großbritannien bis einschließlich 14 Jahre.

Michael O’Leary kritisiert die Behörden

Ryanair-Chef Michael O’Leary reagierte erwartungsgemäß scharf auf die Entscheidung. Er sprach von fehlgeleiteten Regulierungsbehörden und erklärte, seine Airline passe sich lediglich widerwillig dem Branchenstandard an. Die bisherigen Regeln seien aus seiner Sicht transparenter und verbraucherfreundlicher gewesen. Statt sich mit den seiner Meinung nach wirklich wichtigen Problemen wie überhöhten Flughafenentgelten oder dem Wiederverkauf von Flugtickets durch Drittanbieter zu beschäftigen, hätten die Behörden unnötig in das Geschäftsmodell von Ryanair eingegriffen.

Europäische Regulierungsbehörden wie die britische CMA haben Verbraucher wiederholt im Stich gelassen, indem sie den offensichtlichen verbraucherfeindlichen Weiterverkauf überhöhter Flugpreise durch nicht autorisierte OTAs, überhöhte Gebühren von Flughafenmonopolen sowie Serviceausfälle der europäischen Flugsicherungen ignoriert haben. Während sie die hohen Preise von Fluggesellschaften auf Strecken ohne Ryanair-Wettbewerb ausblenden, hat sich die CMA nun auf unsere Familien-Sitzplatzpolitik eingeschossen, die von Verbrauchern durchweg als die fortschrittlichste und transparenteste in Europa angenommen wurde. Statt Wettbewerbsfähigkeit und niedrigere Preise für Verbraucher zu fördern, ist die CMA auf einer Mission, Ryanair zu zwingen, die weniger transparente und weniger verbraucherfreundliche Familien-Sitzplatzpolitik zu übernehmen, die von den meisten anderen Fluggesellschaften angewendet wird – nur weil sie dem Branchenstandard entspricht.

Wir werden uns widerwillig an diesen Branchenstandard anpassen, da wir keine Zeit damit verschwenden wollen, fehlgeleiteten Regulierungsbehörden zu erklären, wie stark sie missverstehen, was im besten Interesse der Verbraucher in Großbritannien und Europa liegt. Im Rahmen unserer überarbeiteten Familien-Sitzplatzpolitik müssen Familien möglicherweise bis nach dem Check-in warten, um ihre Sitzplatzzuweisung zu erfahren, und werden eher im hinteren Teil der Kabine sitzen – aber zumindest kann die CMA behaupten, etwas für Verbraucher getan zu haben, auch wenn die meisten Verbraucher es leider nicht bemerken werden.

Ryanair, Foto: Sebastian

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Dass Familien mit kleinen Kindern ohne Zusatzkosten zusammensitzen können, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Ryanair war auch hier in Sachen gesetzlichen Vorgaben äußerst kreativ und sich dabei eine wichtige Einnahmequelle gesichert. Die neue Regelung beendet diese Praxis zwar, ist für Familien aber nicht ausschließlich ein Vorteil. Wer seinen Sitzplatz bereits bei der Buchung auswählen möchte, muss künftig sogar tiefer in die Tasche greifen als bisher.

Kostenloses Zusammensitzen gibt es künftig nur noch für diejenigen, die sich bis zum Check-in gedulden und akzeptieren, wahrscheinlich in den hinteren Reihen des Flugzeugs zu landen. Rache muss sein- oder wie seht Ihr diese Neuerung? Hinterlasst uns gerne einen Kommentar!

 

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