Lufthansa hatte vor einigen Wochen mit wirklich massiven Streiks zu tun, die der ganzen Firma sehr zugesetzt haben. Rund um die Feierlichkeiten des 100-jährigen Geburtstages haben die Piloten und Flugbegleiter der Lufthansa immer abwechselnd die Airline für vier Tage am Stück bestreikt und lahmgelegt, und dies nicht ohne Folgen. Diese Eskalation sieht man als klares Eigentor der Arbeitnehmer, zumindest im Vorstand der Lufthansa.
💶 200 Millionen Euro Streikkosten: Lufthansa beziffert die Kosten der Piloten- und Flugbegleiterstreiks auf insgesamt 200 Millionen Euro.
✈️ Spohr sieht Personalkosten unter Druck: Der Lufthansa-CEO rechnet die Streikkosten den Personalkosten zu und warnt vor Nachteilen für den Standort Deutschland.
📈 Auswirkungen auf die Zukunft: Höhere Kosten könnten den Ausbau von Lufthansa-Töchtern im Ausland weiter begünstigen und den Sparkurs in Deutschland verschärfen.
Dabei ist diese Streikwelle auch alles andere als folgenlos geblieben, und für die Lufthansa-CityLine-Mitarbeiter waren die folgenden Entscheidungen sogar sehr drastisch, denn binnen weniger Tage hat man die Regionaltochter von Lufthansa direkt vom Netz genommen und den Flugbetrieb eingestellt. Die Mitarbeiter, vor allem in Kabine und Cockpit, wurden hier mit sofortiger Wirkung freigestellt.
Mit dieser drastischen Entscheidung, welche durchaus den Beigeschmack einer emotionalen Reaktion in ihrer Heftigkeit und Plötzlichkeit hat, hatte man wohl seitens der Gewerkschaften nicht gerechnet, und seither hat man auch keine weiteren Streiks mehr angekündigt, wobei das eigentliche Tarifthema noch lange nicht ausgehandelt ist.
Im Lufthansa-Vorstand ist man aber offensichtlich nachhaltig verärgert, und in einem Interview mit dem Politmagazin Pioneer sieht Carsten Spohr durch die Streikkosten die Personalkosten in Deutschland weiter unter Druck.
200 Millionen Euro hätten die Streiks dieses Jahr die Lufthansa bereits gekostet, und man rechnet hierbei Streikkosten immer der betroffenen Gruppe der Mitarbeiter als „Personalkosten“ zu. Damit haben Flugbegleiter und Piloten nun je 100 Millionen Euro an Zusatzkosten angesammelt.

Brisant ist diese Aussage wohl auch dahingehend zu verstehen, weil hier im Kontext fast eine unterschwellige Drohung mitschwingt. Der Lufthansa-CEO führt aus, dass die Standortkosten in Deutschland ohnehin eigentlich zu hoch seien, weshalb der Kranich auch lieber im Ausland über Töchter wachsen will. Hierbei sind aber auch Personalkosten ein großer Kostenpunkt.
Ohne dass Spohr es explizit ausspricht, macht er im Interview klar, dass ausufernde Streikkosten dazu führen, dass die Personalkosten in Deutschland in der Lufthansa-Rechnung weiter in die Höhe steigen und damit Lufthansa eigentlich dazu veranlassen müssen, weiter die Personalkosten zu senken.
200 Millionen Euro Kosten: Lufthansa-CEO rechnet vor, wie der Streik die Position der Piloten und Flugbegleiter verschlechtert | Frankfurtflyer Kommentar
Der Lufthansa-CEO macht sicherlich keinen Hehl daraus, wie unzufrieden er mit den andauernden Streiks und sicher auch dem Versuch der Gewerkschaften ist, andauernd Einfluss auf die Geschäftsentscheidungen der Gruppe nehmen zu wollen, zum Beispiel indem man garantiert haben will, wie viele Flugzeuge über Jahre von Lufthansa und damit in Deutschland betrieben werden sollen.
Deutschland als Standort ist inzwischen ein Wettbewerbsnachteil für Lufthansa geworden, und hier spielen vor allem die hohen Personalkosten eine Rolle. Natürlich hat Carsten Spohr auch recht, wenn er Streikkosten den Personalkosten zurechnet, denn nur in wenigen Ländern der Erde sind derartig ausufernde Streiks, wie sie die Lufthansa kennt, überhaupt möglich, denn der Schaden, der hier entsteht, ist enorm.
Das eigentliche Problem, das man bei Lufthansa und den Personalvertretern aber inzwischen zu haben scheint, ist das unglaublich zerklüftete Verhältnis, das man offenkundig zu pflegen scheint. Es ist nicht normal, dass zwei entscheidende Personalgruppen gezielt während der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag eines Unternehmens die Firma bestreiken und lahmlegen, und es ist auch nicht normal, dass man als Reaktion einen Flugbetrieb direkt stilllegt und hier alle Mitarbeiter freistellt.
Vermutlich wäre es für beide Seiten sehr hilfreich, wenn die gegenseitigen Realitäten anerkannt werden. Hierzu gehört, dass Personalkosten besonders in Deutschland für Lufthansa ein Problem geworden sind und man daher die Produktivität der Mitarbeiter steigern müsste, um dies auszugleichen, und auch, dass die Mitarbeiter offenkundig nach langfristigen Garantien bei Lufthansa suchen. Ob dieser Spagat gelingen kann? Ich kann es nicht sagen!
Die Taktik der Piloten und Flugbegleiter Gewerkschaften bei Lufthansa erinnert an die taktischen Fähigkeiten von Donald Trump, man macht einfach was, ohne Chancen und Risiken sauber abzuwägen und ohne klar Ziele zu formulieren und die entsprechenden Mittel zur Erreichung der Ziele realistisch zu kalkulieren. Wenn ich wie die Gewerkschaften rund um das Firmenjubiläum einen massiven Streik mache und die Firma bewegt sich 0, dann muss ich weiter streiken, sonst mache ich mich lächerlich. Wenn ich das aus irgendwelchen Gründen nicht kann oder will, dann darf ich den Kampf gar nicht erst beginnen. Beim Lufthansa Vorstand ist doch jetzt die Botschaft angekommen, die Gewerkschaften haben uns aus Frust das Jubiläum versaut aber nicht den Mumm für ihre Forderungen weiter zu streiken, also sitzen wir das aus, fertig. Die Vorgehensweise der Gewerkschaften bei Lufthansa ist ein Musterbeispiel an planlosem Dilettantismus, komplett unprofessionell.