Man hört die Ansage an Bord immer wieder und nimmt sie nicht sonderlich ernst, aber die Gefahr von eingeklemmten Elektrogeräten in den nicht zugänglichen Bereichen des Sitzes ist tatsächlich real. Dies zeigte nun ein Fall auf einem SWISS-Flug von Zürich nach New York, der aufgrund eines eingeklemmten Kopfhörers sehr abrupt eine Notlandung einleiten musste.
🚨 Notlandung: Ein SWISS-Airbus A330 musste wegen Rauchentwicklung an Bord außerplanmäßig in Bangor landen.
🎧 Ursache: Ein eingeklemmtes Lade-Etui von kabellosen Kopfhörern mit Lithium-Akku löste den Zwischenfall aus.
✈️ Schnelle Hilfe: SWISS schickte ein Ersatzflugzeug nach Bangor, damit die Passagiere noch am selben Tag New York erreichen konnten.
Dabei verlief der Flug LX16 von Zürich nach New York am 27. Juli weitestgehend normal bis etwa eine Stunde vor der Landung. Hier meldete die Crew einen Notfall in Form von Rauch an Bord mit unklarer Quelle. Die Crew entschloss sich hier zur sofortigen Reaktion und leitete eine sehr zügige Notlandung in Bangor im US-Bundesstaat Maine ein.
Die Situation an Bord war hierbei wohl ein wenig unübersichtlich, denn laut den Funkprotokollen, die Aviation Herald zitiert, wurde wohl sogar eine Rauchentwicklung im Cockpit gemeldet. Später wurde diese Beschreibung von der Crew in Rauch mit unklarer Quelle in der vorderen Business-Class-Kabine abgeändert.
Wenn man sich den Flugverlauf von LX-16 anschaut, sieht man auch, dass man es offenkundig äußerst eilig hatte, zu landen, denn das Flugzeug ist zwischenzeitlich mit fast 5.000 ft/min gesunken. Von dem Moment des Abdrehens bis zum Aufsetzen sind auch weniger als 20 Minuten vergangen, was auf einen sehr schnellen Sinkflug hinweist.
Bis zur Landung blieb die Quelle der Rauchentwicklung unklar, weshalb direkt nach der Landung die Flughafenfeuerwehr an Bord des Flugzeugs gekommen ist. Die Flugzeugkabine wurde mit einer Infrarotkamera nach der Wärmequelle abgesucht, allerdings konnte diese auch hierbei nicht ausfindig gemacht werden, was darauf hindeutet, dass der in der Luft brennende Lithium-Akku bereits abgebrannt war.
Man beschloss, das Flugzeug mit der Registrierung HB-JHK weitergehend zu untersuchen, und die Passagiere haben das Flugzeug vorerst verlassen. Später stellte sich heraus, dass das Lade-Etui von kabellosen Kopfhörern, das sich offensichtlich in der Mechanik eines der Business-Class-Sitze verhakt hatte, zu der Rauchentwicklung geführt hat.
https://avherald.com/img/swiss_a333_hb-jhk_bangor_260727_1.jpg
Der Airbus A330-300 von SWISS blieb zwei Tage bis zum 29. Juli in Bangor am Boden und wurde danach zurück nach Zürich geflogen. Seither befindet er sich auch wieder ohne Zwischenfälle im Einsatz.
Kreative Rettung von SWISS
Für die in Bangor gestrandeten Passagiere hatte SWISS tatsächlich eine recht kreative Lösung parat, die mit einem gewissen Aufwand verbunden war. SWISS schickte einen Airbus A330-300 mit der Registrierung HB-JHD, der am Morgen aus Genf in New York gelandet war, nach Bangor, um die Passagiere abzuholen.
Nach etwa 90 Minuten am Boden flog der Airbus A330-300 die Passagiere von Bangor nach New York, wo sie schlussendlich mit einer Verspätung von etwas über 9 Stunden angekommen sind. Auch wenn diese Verspätung sicherlich ärgerlich war, war es wohl die einzige Möglichkeit für die Passagiere, hier noch in endlicher Zeit weiterzukommen.
Bangor ist ein außerordentlich kleiner Flughafen und wird aus New York nur viermal am Tag mit Regionaljets bedient. Hierbei sind diese Flüge auch noch auf die Airports JFK, LaGuardia und Newark aufgeteilt. Vermutlich über 200 Passagiere des Airbus A330 hier mit Linienflügen weiterzutransportieren, wäre vermutlich nicht möglich gewesen.
Nachdem der Airbus A330-300 von SWISS aus Bangor wieder nach New York geflogen ist, ist man planmäßig mit einiger Verspätung wieder nach Zürich zurückgeflogen. Diese Rettungsaktion sorgte zwar dafür, dass einige Flüge von SWISS aus New York an diesem Tag deutlich verspätet waren, allerdings konnten so die Passagiere des betroffenen Fluges LX-16 wenigstens noch ihr Ziel am selben Tag erreichen.
SWISS Airbus A330-300 muss wegen eingeklemmter Kopfhörer notlanden | Frankfurtflyer Kommentar
Auch wenn hier alles glimpflich ausgegangen ist, ist dieser Vorfall wohl eine gute Erinnerung daran, dass Lithium-Batterien in der Kabine auch eine Gefahr sein können. Insbesondere wenn Elektronik, und sei sie in diesem Fall auch sehr klein, in den unzugänglichen Bereich des Sitzes fällt, ist es wirklich wichtig, dass man die Crew darüber informiert, damit diese sie auch wieder bergen kann und genau so etwas wie hier verhindert wird.
Es ist übrigens nicht garantiert, dass ein Passagier, bei dem sich das Etui an Bord befunden hat, auch der Verursacher dieses Zwischenfalls war. Denn es ist durchaus möglich, dass sich das Kopfhörer-Etui schon mehrere Tage unbemerkt in einem der Business-Class-Sitze versteckt hat und dann zufällig auf diesem Flug zerstört wurde.
Für die pragmatische und schnelle Rettung der in Bangor gestrandeten Passagiere muss man SWISS hier auch tatsächlich ein Lob aussprechen. Denn hätte man kein eigenes Flugzeug geschickt, hätte es vermutlich relativ lange gedauert, alle Passagiere an ihren Zielort zu bringen. Die wahrscheinlichste Lösung wäre hier wohl sogar ein Bustransfer zu einem anderen Flughafen gewesen, was vermutlich am selben Tag schwierig geworden wäre.


Kann ich davon ausgehen, dass ein AirPod-Case als Akku/Lithium-Ionen-Batterie zählt und nicht als Powerbank?
Zurück ins Case gelegt werden die Kopfhörer automatisch geladen, entweder voll oder optimiert bis zu einem bestimmten Ladestand. Und das Laden von Geräten im Flugzeug ist mittlerweile verboten.
Sonst beginge ich eine Ordnungswidrigkeit, wenn ich meine AirPods zurück ins Case lege und müsste die beiden Kopfhörer separat vom Case transportieren.
Das Case von AirPods sollte als genau das gelten, was es ist: als ein Case und nicht als eine Power Bank. Die Frage, ob man airports an Bord laden darf, ist tatsächlich sehr interessant, denn immer mehr Airlines verbieten ja den Nutzen von Power Banks bzw. das Laden von Batterien an Bord.
Ich glaube allerdings nicht, dass es wirklich eine Ordnungswidrigkeit ist, denn soweit ich weiß, ist dies noch in keiner offiziellen Vorschrift geregelt. Es sind alles einzelne Regeln von Airlines.
Bei Batterien aber nur außerhalb von Geräten, sonst wären ja alle Steckdosen überflüssig. Man darf doch das Handy oder den Laptop an den Strom hängen, und da ist ja am Ende immer eine Batterie drin, die theoretisch auch überhitzen könnte.
Da würde ich den Kopfhörer jetzt auch einordnen. Kenne mich nun mit Apple nicht aus, aber den könnte man doch auch ganz normal an den Strom hängen, oder?
Ja, eingebaute Akkus wie im Laptop dürfen im Gegensatz zu Powerbanks geladen werden. Zumindest werden sie in der Regel geladen, wenn ein Netzteil angeschlossen ist.
Meine beiden kleinen In-Ear-Kopfhörer kann ich nur im Case laden (jedenfalls kenne ich keine andere Option). Dieses Case hat einen USB-C-Anschluss oder kann induktiv mit Energie versorgt werden. Das sollte beides gehen, sofern ein Case ein Case bleibt oder interner Akku angesehen wird und nicht als Powerbank.
Wahrscheinlich ist es gar nicht kompliziert und läuft auf intern vs. extern hinaus und ich denke zu kompliziert.
Ob das eine sinnvolle Differenzierung ist, müsste ich aber gleich wieder hinterfragen. 😆