Yakovlev MC-21: Die Russische Boeing 737 Antwort startet mit 10 Jahren Verspätung zum Erstflug.

Die Zeiten, in denen man in Russland erfolgreiche Passagierflugzeuge gebaut hat, liegen eigentlich Jahrzehnte zurück. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat man auch in den ehemaligen UdSSR-Ländern damit begonnen, seine Flugzeuge vorrangig bei Airbus und Boeing einzukaufen. Mit der MC-21 plante man Anfang der 2000er Jahre ein neues, in Russland entwickeltes Passagierflugzeug für Kurz- und Mittelstrecken, welches nun vor wenigen Tagen tatsächlich seinen Erstflug machte.

Das Wichtigste auf einen Blick:

✈️ Erstflug absolviert: Die russische Yakovlev MC-21 ist erstmals in einer vollständig russischen Konfiguration gestartet.
🇷🇺 Eigenständige Entwicklung: Nach den Sanktionen wurden westliche Triebwerke und Komponenten durch russische Technik ersetzt.
🛫 Konkurrenz für Airbus und Boeing: Die MC-21 soll künftig Kurz- und Mittelstrecken bedienen und vor allem bei Aeroflot eingesetzt werden.

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Der offizielle Programmstart der MC-21 war bereits 2007, und man wollte das Flugzeug eigentlich 2016 das erste Mal an Kunden ausliefern. Wie es in der Branche üblich ist, kam es hierbei allerdings zu einigen Verspätungen. Allerdings hat die MC-21 bereits 2021 die Zulassung der russischen Behörden erhalten und war damit grundsätzlich bereit zur Auslieferung. Mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine und den darauffolgenden Sanktionen standen allerdings viele westliche Bauteile nicht mehr zur Verfügung, die man für dieses Flugzeug vorgesehen hatte.

So sollte die MC-21 unter anderem mit dem Pratt & Whitney PW1000G-Turbofan-Triebwerk ausgestattet werden, welches man in einer ähnlichen Variante vom Airbus A220 und dem Airbus A320neo kennt. Mit diesen hocheffizienten Triebwerken wollte man Leistungsdaten erreichen, die denen der Boeing 737 und des Airbus A320 nahekommen. Diese Triebwerke standen allerdings aufgrund der Sanktionen nicht mehr zur Verfügung, und auch eine Vielzahl von Bauteilen der MC-21 konnte nicht mehr von westlichen Zulieferern bezogen werden.

In Russland hat man sich dazu entschlossen, das Flugzeug nun komplett mit russischer Technik auszustatten, und Anfang August ist man nun auch erstmals zu einem Testflug in Russland gestartet, welcher bereits eine Stunde und 23 Minuten dauerte. Hierbei erreichte man Flughöhen von 6.000 m und Geschwindigkeiten von etwa 600 km/h.

Zu den genauen Leistungsdaten dieses Flugzeugs ist nicht viel bekannt. Allerdings darf man davon ausgehen, dass sie bei Weitem nicht so gut sein werden wie die einer modernen Boeing 737 MAX oder eines Airbus A320neo.

Bestellungen für dieses Flugzeug liegen aktuell nur von der staatlichen Aeroflot und ihren Töchtern vor, welche allerdings wohl weit über 100 Maschinen abnehmen sollen.

Im Inneren ähnelt die MC-21 sehr stark der Boeing 737, welche auch als Vorbild diente. Die Kabine hat unter anderem abgerundete Overhead Bins und soll mit einer 2-2-Bestuhlung in der Business Class sowie einer klassischen 3-3-Bestuhlung in der Economy Class ausgestattet werden.

Der Hersteller schlägt eine Bestuhlung mit 16 Business-Class-Sitzen und 147 Sitzen in der Economy Class vor, was 163 Passagieren entsprechen würde. Damit wäre die Größe vergleichbar mit der Boeing 737-800 oder dem Airbus A320.

Yakovlev MC-21: Die russische Antwort auf die Boeing 737 startet mit 10 Jahren Verspätung zum Erstflug | Frankfurtflyer Kommentar

Die russische Luftfahrt steht mit dem Rücken an der Wand. Nachdem es für Airlines in Russland offiziell nicht mehr möglich ist, neue Flugzeuge von Airbus und Boeing oder Ersatzteile zu beziehen, müssen schon jetzt Dutzende Flugzeuge von Aeroflot und Co. am Boden bleiben, um als Ersatzteilspender zu dienen. Auch wenn es keine öffentlichen Informationen gibt, gilt die Sicherheitslage dieser Flugzeuge als nicht ideal.

Es ist nicht überraschend, dass man in Russland daher nun auf eigene Produktionen setzt, wie man es aus Sowjetzeiten kennt. In der Vergangenheit hatte man allerdings selbst mit westlichen Bauteilen Probleme, konkurrenzfähige Flugzeuge zu bauen. Man denke hier nur an den Sukhoi Superjet, welcher ein kapitaler Flop war.

Gerade da man in Russland nun keinen Zugriff mehr auf moderne Triebwerke und auch keinen Zugang zur modernen Elektronik und Avionik des Westens hat, wird es wohl fast unmöglich gewesen sein, hier ein Flugzeug zu bauen, welches mit einem modernen Airbus oder einer Boeing konkurrieren kann. Allerdings brauchen die Airlines in Russland das gar nicht unbedingt, denn die Verfügbarkeit neuer Flugzeuge wäre überhaupt schon ein großer Fortschritt.

Wann die MC-21 allerdings jemals mit Passagieren fliegen wird, ist offen, denn nach diesem ersten Testflug muss das Flugzeug nun auch in Russland zertifiziert werden, und dies soll mindestens bis Ende 2027 dauern. Weitere Verspätungen sind nicht ausgeschlossen, und dann wird die MC-21 wohl sogar die Boeing 777-9 als Verspätungsspitzenreiter ablösen.

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