Lufthansa Group betreibt mehr Flugzeuge im Ausland als in Frankfurt und München zusammen

ITA Airways Airbus A321, Foto: Robert

Lufthansa ist zwar ein deutsches Unternehmen, die wirtschaftliche Bedeutung des Heimatmarktes nimmt aber ab. Zum Konzern gehören mehrere Fluggesellschaften im Ausland, deren Geschäft immer wichtiger wird. Das kann man auch an der Flotte und der Anzahl der Flugzeuge ablesen, die in Belgien, Italien, Österreich oder der Schweiz stationiert sind. CEO Spohr hat im SPIEGEL-Interview eine bemerkenswerte Zahl genannt: Im Sommer waren an den ausländischen Drehkreuzen des Konzerns mehr Flugzeuge stationiert als in Frankfurt und München zusammen.

Das Wichtigste auf einen Blick:

✈️ Im Sommer 2026 standen mehr Konzernflugzeuge an ausländischen Drehkreuzen als in Frankfurt und München zusammen.

📉 Nur noch 20 Prozent des Konzernumsatzes entfallen auf den deutschen Markt.

💶 Spohr kritisiert hohe Standortkosten, sieht aber auch Probleme bei Lufthansa selbst.

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Lufthansa Group wächst zunehmend außerhalb Deutschlands

Die Lufthansa Group ist längst mehr als die deutsche Airline. Neben der Kernmarke gehören unter anderem Air Dolomiti, Austrian Airlines, Brussels Airlines, ITA Airways und SWISS zum Konzern. Entsprechend verteilen sich die Flugzeuge auf mehrere Drehkreuze in Europa. Wie groß die Bedeutung der ausländischen Standorte inzwischen ist, machte Lufthansa-Chef Carsten Spohr in einem Interview mit dem SPIEGEL deutlich. Demnach waren im Sommer 2026 an den nicht deutschen Drehkreuzen des Konzerns zusammen mehr Flugzeuge stationiert als in Frankfurt und München.

Konkrete Flugzeugzahlen nannte Spohr in dem Interviewauszug nicht. Für den Konzern ist diese Entwicklung nicht zwangsläufig negativ. Die verschiedenen Fluggesellschaften ermöglichen es Lufthansa, mehrere europäische Märkte zu bedienen und das Geschäft breiter aufzustellen. Für den Standort Deutschland zeigt die Entwicklung allerdings, dass Frankfurt und München innerhalb des Konzerns nicht mehr die gleiche dominierende Rolle spielen wie früher.

Nur noch 20 Prozent des Umsatzes entfallen auf Deutschland

Auch wirtschaftlich hat sich das Gewicht verschoben. Laut Spohr liegt der Umsatzanteil des deutschen Marktes inzwischen bei nur noch 20 Prozent. Der überwiegende Teil des Konzernumsatzes wird damit auf anderen Märkten erwirtschaftet. Besonders deutlich werden die Unterschiede beim Blick auf die Ergebnisse der einzelnen Fluggesellschaften. Im ersten Halbjahr verbuchte die Lufthansa-Kernmarke einen operativen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe.

SWISS war laut den im SPIEGEL-Interview genannten Zahlen die einzige Passagierairline der Gruppe, die in diesem Zeitraum operativ einen Gewinn erzielte. Spohr verweist allerdings darauf, dass andere deutsche Konzernunternehmen durchaus erfolgreich sind. Dazu gehören Lufthansa Cargo und Lufthansa Technik. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten betreffen nach seiner Darstellung vor allem das Passagiergeschäft der deutschen Fluggesellschaften.

Spohr kritisiert Standortkosten, aber auch die eigene Produktivität

Als wesentlichen Grund für die Entwicklung nennt der Lufthansa-Chef die hohen Kosten am Standort Deutschland. Nach seinen Angaben haben sich die Standortkosten im Luftverkehr verdoppelt. Das erschwert es den deutschen Airlines, mit den übrigen europäischen Konzerngesellschaften mitzuhalten. Allerdings schiebt Spohr die Verantwortung nicht ausschließlich auf die Politik und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Er räumt ausdrücklich ein, dass Lufthansa auch eigene Probleme lösen müsse.

Laut Spohr erreicht Lufthansa Classic weniger Flugstunden pro Mitarbeiter als jede andere Airline der Gruppe. Er sieht darin Parallelen zu den strukturellen Schwierigkeiten Deutschlands und kritisiert die geringe Bereitschaft, notwendige Reformen umzusetzen. Trotzdem betont der Konzernchef, dass Lufthansa weiterhin stolz auf ihre deutsche Herkunft sei. Die internationale Entwicklung der Gruppe steht für ihn nicht im Widerspruch zur Identität der Marke.

Ankunft Jubiläumsflieger 100 Jahre Lufthansa Boeing 787, D-ABPU

Lufthansa Group betreibt mehr Flugzeuge im Ausland | Frankfurtflyer Kommentar

Der Kranich-Konzern besteht längst nicht mehr nur aus der deutschen Lufthansa. Die Aussage von Carsten Spohr macht deutlich, wie stark sich die Gewichte innerhalb der Gruppe inzwischen verschoben haben. Bemerkenswert finde ich, dass der Chef auch die Probleme im eigenen Unternehmen anspricht. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten lassen sich schließlich nicht allein mit Steuern und Gebühren hierzulande erklären.

Für Lufthansa ist es sicherlich ein Vorteil, dass man mit Austrian Airlines, Brussels Airlines, ITA Airways und SWISS auf mehrere Märkte setzen kann. Aus deutscher Sicht ist die Entwicklung allerdings weniger erfreulich. Frankfurt und München bleiben wichtige Drehkreuze, doch das Wachstum der Lufthansa Group findet nicht zwangsläufig dort statt. Um die Kosten im Heimatmarkt zu senken, setzt Lufthansa unter anderem auf die günstigeren Konzerntöchter Lufthansa City Airlines und Discover Airlines. Beide übernehmen zunehmend Verbindungen, die zuvor von der Kernmarke bedient wurden.

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