KLM muss sparen | Sind kleinere Flugzeuge und weniger Personal eine gute Strategie?

Foto: Air France KLM

Man sollte meinen, dass KLM eine gut aufgestellte Airline ist, die von ihrem riesigen Drehkreuz in Amsterdam profitieren kann. Ein Stück weit stimmt das auch, doch unterm Strich bleibt der niederländischen Fluggesellschaft zu wenig Gewinn. Das hat nun Konsequenzen: KLM muss Stellen abbauen, Aufgaben auslagern und ihre Flottenplanung verändern. Künftig sollen auf europäischen Strecken verstärkt kleinere Flugzeuge eingesetzt werden.

Das Wichtigste auf einen Blick:

✈️ KLM will rund 5.000 Stellen verlagern oder abbauen, etwa 1.000 sollen tatsächlich wegfallen.

🛫 Neun geplante Airbus A320neo entfallen, stattdessen setzt KLM stärker auf Embraer E195-E2.

💶 Bis 2028 soll die Produktivität um mindestens acht Prozent steigen.

Mit dem kostenlosen Frankfurtflyer Newsletter keine News mehr verpassen

KLM muss 5.000 Stellen verlagern oder abbauen

Nach der Vorstellung der letzten Quartalszahlen sieht es so aus, als ob KLM unter erheblichem wirtschaftlichem Druck steht. Obwohl die Fluggesellschaft mit ihrem Drehkreuz Amsterdam-Schiphol über ein großes internationales Streckennetz verfügt, reicht die Profitabilität aus Sicht des Managements nicht aus.

KLM-Chefin Marjan Rintel warnte sogar, dass der Fortbestand der Airline keine Selbstverständlichkeit sei. Hohe Treibstoffpreise, steigende Standortkosten und ein schwieriges Marktumfeld erforderten einschneidende Maßnahmen. Im Mittelpunkt steht eine umfassende Neuorganisation, von der rund 5.000 Stellen betroffen sind. Allerdings werden nicht alle Arbeitsplätze vollständig gestrichen. Etwa 1.250 Stellen im Catering wurden bereits in eine Zusammenarbeit mit gategroup überführt, weitere rund 800 Stellen in der Bodenabfertigung sollen an externe Dienstleister gehen.

Zusätzlich werden rund 2.000 Stellen innerhalb der Air-France-KLM-Gruppe verlagert, darunter etwa 1.500 im Kundenservice. Durch Produktivitätssteigerungen sollen weitere rund 1.000 Stellen tatsächlich wegfallen. KLM möchte dies möglichst durch natürliche Fluktuation, freiwillige Regelungen und interne Versetzungen erreichen. Gleichzeitig strebt das Management bis 2028 eine Produktivitätssteigerung von mindestens acht Prozent sowie sehr moderate Lohnsteigerungen an.

Der Airbus A350 fliegt jetzt auch bei KLM. Foto: KLM

KLM verzichtet auf Airbus A320neo und setzt auf kleinere Flugzeuge

Auch bei der Flotte wird KLM umplanen. Die Fluggesellschaft verzichtet auf neun ursprünglich vorgesehene Airbus A320neo, die ab 2028 hinzukommen sollten. Stattdessen sollen verstärkt Embraer E195-E2 eingesetzt werden. Die größeren Airbus A321neo bleiben dagegen ein wichtiger Bestandteil der Europaflotte. Mit dem veränderten Mix aus größeren und kleineren Maschinen möchte KLM die Kapazitäten besser an die Nachfrage anpassen.

Davon profitiert insbesondere KLM Cityhopper, die Regionaltochter des Unternehmens. Sie soll künftig eine größere Rolle im europäischen Streckennetz übernehmen. Die älteren Boeing 737 und Embraer E190 werden in den kommenden Jahren schrittweise ausgeflottet. KLM will sich stärker auf profitable Verbindungen und die rund 160 Ziele konzentrieren, die nonstop ab Amsterdam-Schiphol angeflogen werden. Insgesamt sieht die langfristige Flottenplanung rund 185 Flugzeuge von Airbus, Boeing und Embraer vor.

Trotz Einsparungen reicht das Ergebnis nicht aus

Mit dem Sparprogramm „Back on Track“ hat KLM nach eigenen Angaben strukturelle Verbesserungen von mehr als 750 Millionen Euro erreicht. Trotzdem reicht dies nicht aus, um die wirtschaftlichen Ziele zu erfüllen. Die Airline hält eine weitere jährliche Ergebnisverbesserung um eine Milliarde Euro für notwendig. Insgesamt soll damit eine Verbesserung erreicht werden, um Investitionen in Flugzeuge, Kundenservice und Personal finanzieren zu können.

Dabei läuft das Geschäft auf Konzernebene durchaus erfolgreich. Air France-KLM steigerte im dritten Quartal den Umsatz um knapp acht Prozent auf über 9,9 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Sondereffekten wuchs um rund zehn Prozent auf 1,35 Milliarden Euro. Die guten Konzernzahlen können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die niederländische Tochter unter Druck steht. Der Wettbewerb in Europa bleibt intensiv, während hohe Kosten am Standort Amsterdam die Wirtschaftlichkeit belasten.

Kostenloser Bordservice bei KLM gehört jetzt der Vergangenheit an, Foto: Robert

KLM muss sparen: Sind kleinere Flugzeuge und weniger Personal eine gute Strategie? | Frankfurtflyer Kommentar

Ich bin von dem Ausmaß der Maßnahmen bei KLM etwas überrascht. Die Niederländer haben mit Amsterdam-Schiphol eines der wichtigsten europäischen Drehkreuze und sind international gut vernetzt. Offenbar reicht das nicht aus, um langfristig die gewünschten Margen zu erzielen. Die Entwicklung zeigt einmal mehr, wie hart der Wettbewerb in Europa geworden ist. Hohe Standortkosten, steigende Kerosinpreise und der Druck auf die Ticketpreise machen es den Fluggesellschaften schwer. KLM hat bereits zahlreiche Einsparungen umgesetzt und verändert nun auch die Flottenplanung.

Auch beim Bordservice wird jetzt gespart. Die in der Pressemitteilung angekündigte größere Speisenauswahl klingt zunächst positiv, dahinter steckt aber das neue Buy-on-Board-Konzept. Mehr Auswahl gibt es also vor allem gegen Bezahlung. Kritisch erscheinen auch die Maßnahmen beim Personal. Zwar sollen nicht 5.000 Arbeitsplätze ersatzlos verschwinden, doch die Auslagerung von Tätigkeiten und die geplanten Produktivitätssteigerungen werden für viele Beschäftigte spürbare Folgen haben.

Am Ende muss also die Belegschaft einen erheblichen Teil der Einsparungen tragen. Während die Beschäftigten den Gürtel enger schnallen sollen, fliegen im neuen Airbus A350 gleich 34 teure Business-Class-Sitze ungenutzt durch die Welt. Auch wenn die fehlende Zulassung nicht unbedingt dem Management anzulasten ist, dürfte dieses Problem erhebliche Kosten verursachen. Da stellt sich schon die Frage, ob KLM wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, bevor man weitere Einschnitte beim Personal beschließt. Für zusätzliche Motivation dürften diese jedenfalls kaum sorgen.

 

Schreibe den ersten Kommentar

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*