Keine Schwäche zu erkennen: Bei Lufthansa wird trotz steigender Ticketpreise kräftig gebucht

Im Lufthansa Airbus, Foto: Robert

Die Ausgaben für Kerosin sind aktuell hoch und die Fluggesellschaften sehen sich gezwungen, ihre Ticketpreise zu erhöhen. Einige Manager wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr rechnen damit, dass diese auch im nächsten Jahr zweistellig steigen werden. Die Nachfrage ist dennoch robust, bei Lufthansa ist derzeit keine Schwäche zu erkennen. Das zeigen auch die jüngsten Quartalszahlen des Konzerns.

Das Wichtigste auf einen Blick:

✈️ Lufthansa erwartet auch 2027 zweistellige Steigerungen bei den Ticketpreisen.

💶 Trotz weniger Passagieren stiegen die Verkehrserlöse im dritten Quartal um sieben Prozent.

🛫 Premiumklassen und kurzfristige Buchungen sorgen für zusätzliche Einnahmen.

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Lufthansa rechnet mit weiter steigenden Ticketpreisen

Die hohen Treibstoffkosten setzen die Luftfahrtbranche erheblich unter Druck. Lufthansa rechnet für 2026 mit einer Kerosinrechnung von rund 9,3 Milliarden Euro. Das sind etwa zwei Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Entsprechend deutlich müssen aus Sicht des Managements auch die Ticketpreise steigen. Konzernchef Carsten Spohr geht davon aus, dass die Flugpreise 2027 im zweistelligen Prozentbereich zulegen werden. Bereits für das vierte Quartal 2026 zeichnet sich eine entsprechende Entwicklung ab.

Trotzdem sieht Lufthansa derzeit keine Anzeichen für eine nachlassende Nachfrage. Finanzvorstand Till Streichert erklärte bei der Vorstellung der Geschäftszahlen, dass keine Schwäche zu erkennen sei. Dabei beförderte die Lufthansa Group im dritten Quartal rund 651.000 Passagiere weniger als im Vorjahreszeitraum. Dennoch wurde ungefähr die gleiche Verkehrsleistung erzielt, während die Verkehrserlöse um sieben Prozent auf knapp zehn Milliarden Euro stiegen.

Foto: Lufthansa

Premiumklassen und Upgrades bringen zusätzliche Einnahmen

Ein wichtiger Faktor sind die höheren Erlöse pro Passagier. Besonders auf den Langstrecken nach Nordamerika und Asien entwickelte sich die Nachfrage positiv. Lufthansa profitiert dabei von kurzfristigen Buchungen, höheren Buchungsklassen und zusätzlichen Upgrades. Nach Angaben von Spohr lassen sich dadurch höhere Einnahmen erzielen, ohne die Kapazitäten entsprechend ausbauen zu müssen.

Auch die flexible Steuerung des Streckennetzes hilft. Lufthansa kann Flugzeuge gezielt dort einsetzen, wo die Nachfrage und die erzielbaren Ticketpreise besonders attraktiv sind. Damit gelang es den Netzwerkairlines im dritten Quartal, rund 85 Prozent der gestiegenen Treibstoffkosten durch höhere Erlöse auszugleichen. Eurowings erreichte nach Konzernangaben sogar 100 Prozent.

Eine Suite in der Lufthansa Allegris Business Class kostet zusätzlich, Foto: Robert

Lufthansa Group profitiert von mehreren Geschäftsfeldern

Im dritten Quartal verbuchte die Lufthansa Group beim bereinigten operativen Ergebnis ein Plus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber: nicht alle Gesellschaften profitieren gleichermaßen. Während SWISS, Austrian Airlines und weitere Konzerntöchter ihre Ergebnisse steigern konnten, ging der Gewinn im Bereich Lufthansa Airlines um etwa ein Drittel auf 300 Millionen Euro zurück. Dazu trugen unter anderem Entschädigungen im Zusammenhang mit den Streiks im Frühjahr bei.

Wichtige Stützen sind weiterhin Lufthansa Cargo und Lufthansa Technik. Die Frachtsparte konnte ihren operativen Gewinn verdreifachen, auch das Wartungsgeschäft fällt deutlich besser aus. Für das Gesamtjahr erwartet Lufthansa trotzdem nur noch ein bereinigtes operatives Ergebnis zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro. Die steigenden Kosten belasten das Geschäft trotz der robusten Nachfrage.

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Über Lufthansa wird gerne geschimpft, und dafür gibt es durchaus Gründe. Neuerungen dauern häufig länger als geplant, bei der Flottenmodernisierung gibt es immer wieder Verzögerungen und auch der Service könnte an einigen Stellen besser sein. Eines muss man der Airline beziehungsweise dem Management aber lassen: Der Kranich ist in der Vergangenheit immer wieder vergleichsweise gut durch Krisen gekommen. Auch diesmal zeigt sich, dass Lufthansa auf mehrere Geschäftsfelder und unterschiedliche Fluggesellschaften zurückgreifen kann. Hinzu kommt die konservative Absicherung der Treibstoffpreise durch Hedging, mit der sich zumindest ein Teil der Preisschwankungen abfedern lässt.

Während die Kernmarke unter Druck steht, liefern andere Gesellschaften bessere Ergebnisse. Lufthansa Cargo und Lufthansa Technik sind zusätzliche Standbeine, die sich erneut als Vorteil oder gar Rettung erweisen. Dass Lufthansa trotz der hohen Treibstoffkosten und steigender Ticketpreise keine Schwäche bei der Nachfrage erkennt, ist zunächst eine gute Nachricht. Für die Passagiere bedeutet das allerdings, dass sie sich wohl auch im kommenden Jahr auf höhere Flugpreise einstellen müssen.

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