Alitalia hatte beim Verkauf einen negativen Wert | Ein Euro war noch zu viel

Arrivederci Alitalia Mille Miglia.

Es ist nun etwas über ein Jahr her, da wurde der Flugbetrieb der einst stolzen Alitalia an die Nachfolgegesellschaft ITA Airways verkauft. Hierfür hat man symbolisch einen Euro bezahlt, was sich für den Kauf aller Wertgegenstände einer Airline als ein absurder Wert darstellt, aber ein Gutachten ist nun zu dem Schluss gekommen, dass dieser Preis eigentlich noch zu hoch war, denn Alitalia hatte beim Verkauf einen negativen Wert und man hätte ITA Airways sogar noch Geld dafür zahlen müssen, dass man Alitalia übernimmt.

Das Gutachten, welches in der Zeitung Corriere della Sera veröffentlicht und durch Wirtschaftswissenschaftler Professor Giovanni Fiori erstellt wurde, kommt zu dem Schluss, dass Alitalia beim Verkauf einen negativen Wert von etwa 5 Millionen Euro hatte und dies bezieht noch nicht einmal die gewaltigen Schulden mit ein, die man in den letzten 20 Jahren angehäuft hatte, in denen man nicht einmal Geld verdient hat und sich mehr oder weniger dauerhaft in Insolvenz befand.

Den Rückschluss auf den negativen Wert von Alitalia zieht Fiori vor allem aus den hohen Verlusten, welche die Airline weiterhin eingeflogen hat, denn dem gegenüber stünden keine vergleichbaren Wertgegenstände. Vor allem aber die Flugzeuge, welche oft der wertvollste Vermögenswert einer Airline sind, hätte man mit null bewerten müssen, denn diese waren zum Zeitpunkt des Verkaufs alle geleast und ITA Airways musste ohnehin neue Verträge mit den Leasinggebern schließen, was unabhängig von einer Übernahme des Alitalia Flugbetriebes möglich war.

ITA Airways bekommt zwar viele neue Flugzeuge, man hat aber auch Maschinen aus der Flotte von Alitalia übernommen.

Den Wert den die Vermögenswerte von Alitalia beim Verkauf noch hatten, beziffert das Gutachten wie folgt:

  • Uniformen und Ersatzteile: 44,6 Millionen Euro
  • Markenrechte, Domains, Copyright, Software, Datenbanken und andere Systeme: 79,7 Millionen Euro
  • Lande Rechte (Slots) in Mailand Linate: 125,55 Millionen Euro
  • Emissionsrechte: 125,41 Millionen Euro

In Summe hatte Alitalia also noch einen Wert von 375,26 Millionen Euro. Allerdings hat die Übernahme der Gesellschaft bereits auch über 380 Millionen Euro  gekostet, sodass ITA Airways hier klare Verluste gemacht hat. Rechnet man die Gewinnerwartung von Alitalia für fünf Jahre gegen, welche durch die andauernden Verluste hoch negativ war, dann hätte man eigentlich ITA Airways noch Millionen für die Übernahme zahlen müssen.

Interessant ist allerdings, dass nur die Landerechte in Mailand Linate noch als Wertgegenstand gesehen werden. Dies wird darin begründet, dass ITA Airways hier tatsächlich Schwierigkeiten bekommen hätte, alle Slots in einem Bieterverfahren zu erhalten. In Rom dagegen, hätte man problemlos die Slots bekommen können, welche die Airline benötigt, da der Flughafen nicht an der Kapazitätsgrenze ist.

In wieweit dies auch für alle anderen Flughäfen auf der Welt zutreffend ist, erwähnt zumindest der Zeitungsbericht nicht und es ist durchaus wahrscheinlich, dass z.B. die Slots in London Heathrow oder New York JFK durchaus einen recht beachtlichen Wert hatten.

Auch Dinge wie das Vielfliegerprogramm und die Lounges finden keine explizite Erwähnung, allerdings kann es durchaus sein, dass diese als nahezu wertlos betrachtet wurden. Das Vielfliegerprogramm von Alitalia wurde eingestellt und durch ein neues ersetzt, sodass maximal die Kundendaten von Wert waren und auch die Lounges gehörten vermutlich nicht Alitalia selbst, sondern waren gemietet, sodass ITA Airways auch hier wieder neue Verträge schließen musste.

Review: Casa Alitalia Lounge Rom Terminal E

Aktuell will Lufthansa gerade ITA Airways und damit viele Teile der alten Alitalia übernehmen. Hierbei steht aktuell noch die Genehmigung der EU aus, was den Prozess aktuell verzögert. Ob Lufthansa dann mit ITA Airways die Kehrtwende schafft und die Airline wieder profitabel wird, bleibt abzuwarten.

Alitalia hatte beim Verkauf einen negativen Wert | Ein Euro war noch zu viel | Frankfurtflyer Kommentar

Tatsächlich ist es noch nicht einmal so selten, dass wenn defizitäre Airlines übernommen werden, diese einen Verkaufspreis von 1 Euro haben. Bei Alitalia war dies nicht anders, wobei es durchaus beeindruckend ist, zu welchem Schluss dieses Gutachten gekommen ist. Dass Alitalia derartig wertlos war, hat mich im ersten Moment durchaus überrascht, allerdings konnte man mit der Airline auch über Jahrzehnte nicht einmal Geld verdienen, sodass der eine Euro wohl wirklich ein guter Deal für Alitalia war.

Lufthansa selbst wird für die „neue Alitalia“ in Gestallt von ITA Airways nun aber deutlich mehr als nur einen Euro bezahlen. Für die ersten 41% die man übernehmen will, sollen 325 Millionen Euro fällig werden.

1 Kommentar

  1. Ich verstehe den Artikel mal wieder nicht. Warum wertlos? Immerhin betrug der Wert nach diesem Gutachten 375 Mio. EUR. Da kann man von wertlos nicht sprechen. Insbesondere auch deshalb nicht, weil ja nicht einmal Flugzeuge enthalten waren, Die Frage ist ja auch, was z.B. im Gutachten angesetzt wurde. Bei IT der Anschaffungswert oder der Zeitwert? Die reinen Lizenzkosten oder auch die Installation. Was ist mit Büroausstattung? Außerdem darf auch nicht vergessen werden, was es kosten würde ein Unternehmen aus dem Nichts aufzubauen. Wenn man also 380 Mio. investiert hat und dafür 375 Mio. an materiellen und immateriellen Wirtschaftsgütern bekommen hat, hat man zunächst zwar 5 Mio. EUR mehr bezahlt, bekommt dafür aber ein funktionierendes und arbeitendes Unternehmen mit hunderten von Angestellten, Büros, Servern… Das ist ein Schnäppchen.

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