Keine Business Class mehr: Air India verbannt CEO & Führungskräfte in die Holzklasse

Foto: Air India

Air India hat die internen Reiserichtlinien radikal verändert. Seit dem 1. April 2025 müssen selbst die höchsten Führungskräfte, einschließlich des CEO, auf allen Flügen in der Economy Class reisen. Ab dem 1. Juni 2025 gilt diese Regelung auch für die anderen Angestellten. Der Star-Alliance-Carrier will dadurch den zahlenden Kunden eine höhere Priorität und eine bessere Verfügbarkeit gewährleisten.

Das Wichtigste auf einen Blick:

Führungskräfte in Economy: Seit April 2025 reisen selbst die höchsten Air-India-Manager in der Economy Class.
Priorität für zahlende Kunden: Premium-Sitze werden erst kurz vor Abflug für Angestellte freigegeben.
Expansion & Modernisierung: 400-Millionen-Dollar-Investition in neue Kabinen & über 65.000 Premium-Sitze bis Oktober 2025.

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Maximierung der Einnahmen durch konsequente Belegung von Premium-Sitzen

Die neue Richtlinie sieht vor, dass Business-Class- und Premium-Economy-Sitze erst 50 Minuten vor Abflug für Air-India-Mitarbeitende freigegeben werden. Das gilt auch dann, wenn es noch zahlreiche freie Plätze in den vorderen Klassen gibt. Mit dieser Entscheidung stellt Air India sicher, dass Premium-Sitze vorrangig an zahlende Kunden vergeben werden, anstatt vom Personal belegt zu werden.

Diese Maßnahme resultiert aus einer steigenden Nachfrage nach Premium-Sitzen. Die Fluggesellschaft verspürt dies sowohl auf nationalen als auch internationalen Strecken. Air India will ohnehin eine ganz neue Richtung einschlagen. Der Carrier hat Hunderte neuer Flugzeuge bestellt und investiert in ein besseres Produkt. Künftig will man auch die Premium-Kabinen bestmöglich auslasten und damit die Erträge maximieren.

„Seit der Privatisierung hat sich der Verkauf von Premium-Sitzen verdoppelt. Wir wollen sicherstellen, dass unsere besten Sitze für unsere zahlenden Kunden zur Verfügung stehen“, erklärte ein Sprecher von Air India gegenüber der Economic Times.

Air India. Archivfoto

Eine Kulturveränderung bei Air India?

Die Maßnahme sorgt auch für ein starkes Signal innerhalb des Unternehmens. Es geht um Gleichbehandlung auf allen Ebenen. Von der Einsteigerposition bis zum CEO unterliegen nun alle Mitarbeitenden den gleichen Reisebedingungen.

Gleichzeitig investiert Air India stark in den Ausbau und die Verbesserung ihrer Kabinen. Ein 400-Millionen-Dollar-Programm zur Modernisierung der Sitze in allen Klassen ist in vollem Gange. Auch die 53 Airbus A320 aus der Vistara-Flotte werden in das Netzwerk integriert, jede Maschine hat ist mit Premium-Economy-Sitzen ausgestattet worden.

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Air India will und muss auch die alten Gewohnheiten aufbrechen. Die Airline wird umstrukturiert, man will mit dem Premium Carriern mithalten können. Die Entscheidung, das eigene Management in die Economy Class zu versetzen, ist nur einer von vielen konsequenten Schritten in der Neuausrichtung der Fluggesellschaft.

Wer den Kunden in den Fokus setzen will und auf Profitabilität sowie Transparenz setzt, muss auch solche Maßnahmen ergreifen. Man setzt auf strikte Kostendisziplin und Umsatzmaximierung, zum langfristigen Transformationsprozess gehören aber auch Investitionen ins Produkt.

Auch außerhalb der Branche buchen so manche Manager längst freiwillig die Holzklasse um mit gutem Beispiel voranzugehen und Kosten zu sparen. Bei Air India ist dies nun Pflicht. Ob deren CEO die neue Reiserichtlinie persönlich abgesegnet hat?

 

6 Kommentare

  1. Sehr gut! Das sollte dir LH auch einführen! Wichtigster Effekt wäre vielleicht, dass Herr Spohr und andere einmal das echte Eco-Feeling mitbekommen würden, vielleicht würden sich dann die Bedingungen in der Eco verbessern! 😉

  2. Wow, beeindruckend. So erfahren die die Mitarbeiter hautnah, was für ein Produkt sie entworfen haben, va eben für normale Reisende. Sollte die LH Gruppe auch mal einführen.

  3. Was fuer eine daemliche Idee…..

    Ich bin klar dafuer, dass das Management von Zeit zu Zeit das Produkt erlebt (darin fliegt) und auch in der Kabine arbeitet, aber das C-Level in der Holzklasse zu Meetings Long-haul zu senden grenzt an Gehirnlosigkeit. Folgerichtig sollte Air India die Business Class abschaffen, da diese ja offensichtlich aus Sicht einer Airline nicht notwendig ist.

    Es waere eher mal angebracht die Anzahl an Dienstreisen zu reduzieren, wenn es ein Problem sein sollte, dass die eigenen Mitarbeiter die Kapazitaet der Business Class vs. der Kunden beeintraechtigt.

  4. Ob das eine gute Idee ist? Erinnert mich ein wenig an den alten DDR-Slogan: „Wir sparen, koste es, was es wolle.“
    Reisen in den höheren Klassen bedeutet nicht so selten auch eine gute Arbeitsmöglichkeit oder zumindest Erholung vor dem nächsten Termin.
    Dass alle Mitarbeiter ihr eigenes Produkt an jeder Stelle kennenlernen, ist natürlich begrüßenswert, da genügt es aber, wenn dies von Zeit zu Zeit geschieht.

  5. Lobenswert und sollte man bei LH und den anderen Firmen der LH Group auch einführen. Und dieses alte Argument, dass die Mitarbeiter dann auch arbeiten können lasse ich außer bei Tagesflügen auf Langstrecke nicht gelten – wenn man sich umschaut, sieht man, dass auf den Nachtflügen fast alle mit Essen, Trinken und Schlafen beschäftigt sind und höchstens auf den Tagflügen einige produktiv arbeiten, während auch dann viele schlafen und die meisten eher Filme anschauen. Aber wenn viele LH Group Manager erleben würden, was den zahlenden Kunden geboten wird, würden sie sich vielleicht doch für etwas mehr Service engagieren und nicht nur am weiteren auspressen der Zitrone arbeiten. Und gerade wieder erlebt, wie die LH Mitarbeiter sich gegenseitig „Gutes“ tun – da wurde der neben mir sitzenden LH Mitarbeiterin von der Purserin gleich zugetuschelt: „Wir holen Dich gleich hier raus, damit Du den Flug wenigstens etwas genießen kannst“ ….

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