Notlandung: Lufthansa Passagiere aus Kapstadt landen im Chaos – Ohne Pässe in Angola gestrandet

Ein Airbus A350 der Lufthansa. Foto: Lufthansa

286 Passagiere der Lufthansa wollten am Samstag einfach nur zurück nach Hause. Sie waren auf einem Flug von Kapstadt zurück nach München. Doch sie erlebten sicher nicht nur an Bord sorgenvolle Momente, sondern versanken auch im Chaos, nachdem sie in Luanda im afrikanischen Staat Angola notlanden mussten. Ihre Reise endete teilweise erst im Laufe des Dienstag (6. Dezember 2022) nachdem die letzten Passagiere auf die reguläre Lufthansa-Verbindung von und nach Angola umgebucht wurden Ein Teil der Passagiere wird nun mit einem extra eingesetzten A220 von Air Baltic nach Hause geflogen.

Wie das Fachportal Aviation Herald am Sonntag (4. Dezember 2022) berichtete, war ein Lufthansa Airbus A350 auf dem Flug LH575 unterwegs von Kapstadt (CPT) zurück nach München (MUC). Nicht viel Zeit verging nach dem Start, als sich die Cockpit-Crew des Flugzeuges mit der Registrierung D-AIXE dazu entschied, von Flightlevel 380 auf FL340 zu sinken. Die Crew meldete Probleme mit dem linken Triebwerk. Während laut Lufthansa das Problem in „technischen Unregelmäßigkeiten in einer Triebwerksanzeige“ bestand, berichten andere Medien, wie es in einem n-tv-Artikel heißt, von Feuer im Triebwerk.

Screenshot: Flightradar24

Der Pilot entschied sich laut Lufthansa-Informationen dazu, das linke Triebwerk abzuschalten und der Airbus A350 wurde weiter auf Flightlevel 200 (ca. 6.000 Meter Höhe) abgesenkt. Das Cockpit informierte zwischenzeitlich die Passagiere, dass der Flug LH575 nicht wie geplant nach München gehen würde. Stattdessen habe man sich für eine Sicherheitslandung in Luanda entschieden habe, wo der A350 dann auch etwa eine Stunde nach dem Aufkommen des Problems landete.

Lufthansa Passagiere aus Kapstadt landen im Chaos | Gestrandete Passagiere

Doch damit endeten die Aufregung für die 286 Passagiere nicht. Mehr als eine Stunde mussten die Touristen und Geschäftsreisenden noch warten, ehe sie das Flugzeug verlassen durften. Keiner der Passagiere hatte die für die Einreise in Angola notwendigen Visa- oder Covid19-Dokumente.

Das veranlasste das angolanische Militär auch dazu, vorsorglich alle Pässe einzukassieren. Erst danach wurden die Passagiere in Hotels untergebracht. Und laut Medienberichten versagte am Frankfurter Flughafen beheimatete Fluggesellschaft von diesem Moment an richtig. Viele Fluggäste wurden in Unkenntnis gelassen, wie es nun weiter geht. Eine zentrale E-Mail an alle Passagiere des Fluges soll es nicht gegeben haben.

Stattdessen wurden die Passagiere nach und nach auf andere Flüge umgebucht. So fliegen zwar Lufthansa selbst und auch die portugiesische TAP nach Luanda, doch darüber hinaus ist das Flugangebot überschaubar. Und trotzdem schockierte es die Passagiere des Fluges LH575, dass ihnen teilweise erst Rückflüge am 7. Dezember 2022 angeboten wurden. Eine 5-köpfige Familie soll angeblich sogar bis zum 12. Dezember 2022 auf ihre Heimreise warten.

Der Heimflug mit dem D-AIXE selbst bietet sich derzeit nicht an, da das Triebwerk ausgetauscht werden müsse.

Ein Airbus A350-Triebwerk. Foto: Frankfurtflyer

[Update] Frankfurtflyer-Leser Klaus machte darauf aufmerksam, dass mittlerweile eine Ersatzmaschine nach Luanda geflogen ist, um die gestrandeten Passagiere zurück nach München zu fliegen. Von Palma de Mallorca startete ein Airbus A220 von Air Baltic nach Angola, um dort die noch festsitzenden Passagiere wieder in Richtung Heimat zu bringen. Der Flug kann aufFlightradar24.com verfolgt werden. [Update Ende]

[Update] Während einige Passagiere sich auf eigene Faust ihren Weg nach Hause organisierten, kamen am Dienstagmorgen (6. Dezember 2022) auch die letzten verbleibenden Fluggäste in Deutschland an. Statt direkt nach München zu fliegen, endete ihre Reise zunächst in Frankfurt, von wo aus die Fluggäste dann nach München weiterreisen konnten. Lufthansa hatte die übrigen Passagiere zusammen mit der gestrandeten Crew auf den regulären Flug LH561 von Luanda (LAD) nach Frankfurt (FRA) am 5. Dezember 2022 gebucht. Der A330 mit der Kennung D-AIKO landete dann am Folgetag um 6:54 Uhr in Frankfurt und das zumindest für einige Passagiere dann früher als zwischenzeitlich angekündigt.

Der Airbus A350 mit der Registrierung D-AIXE steckt weiterhin in Angola fest. [Update Ende]

Lufthansa Passagiere aus Kapstadt landen im Chaos | Frankfurtflyer Kommentar

Als ich die Erstmeldung dieses Vorfalls von LH-Flug 575 las, ging mein Gedanke zunächst in die Richtung „ist es in Angola derzeit überhaupt sicher“. Soweit gehen meine Kenntnisse über die politische Struktur des afrikanischen Kontinents nicht, als dass ich diese Frage aus dem Stehgreif hätte beantworten können. Die Antwort war schnell gefunden. Zwar ist Angola kein Demokratieparadies, aber eine unmittelbare Gefahr lauert auch nicht auf die Fluggäste, die eigentlich nach München wollten.

Nachdem ich dann die weitere Geschichte auf n-tv.de gelesen hatte, schoss mir durch den Kopf, dass Lufthansa zwar „Diversity“ aber nicht „Diversion“ – also das außerplanmäßige Umleiten eines Fluges an einen anderen Flughafen – kann. Dabei sollte letzteres eher zur Kernkompetenz eines Unternehmens gehören, welches sich mit dem Transport von Menschen von A nach B beschäftigt.

Jeder Passagier, der schon einmal woanders als geplant gelandet ist, kennt das: Die ersten Fragen dreht sich darum, wie komme ich jetzt heim und wo komme ich währenddessen unter. Zumindest etwas Glück hat, wer an einem Standort landet, den die Airline sowieso bedient. Das ist bei Luanda zum Glück der Fall.

Dennoch trifft man vor Ort auf meist für solch eine Situation wenig vorbereitetes Personal. Ein Hotel ist da meist noch schnell organisiert, wie es dann weiter geht, ist schon deutlich komplexer. Daher ist Kommunikation unglaublich wichtig. Diese sollte in der heutigen Zeit auch alles andere als eine Herausforderung sein. Warum sich die Passagiere hier dennoch allein gelassen gefühlt haben, lässt sich nur schwer beantworten.

Quellen: AvHerald und n-tv.de

24 Kommentare

  1. Also ich habe vor ein paar Tagen diese Webseite für mich entdeckt und fand bisher die Artikel interessant. Vielleicht liegt es daran, das heute Monatg ist, aber ich habe 2 Artikel gelesen, die würde ich eher blinder der BILD Zeitugn zuschreiben. Erst wird mit dem Flug des A380 suggeriert, dass es auf dem Weg ein Problem mit Fahrwerk gab, obwohl in der Flugplanung dies bereits als Sicherheitsprozedere vorgesehen war. Dann lese ich, dass die Lufthansa nicht in der Lage ist innerhalb eine Stunde, Kommunikation, Hotels, Ersatzflüge in Mitten von Afrika auf die Beine zu stellen. Sorry, Lufthansa hat auf jeden Fall Defizite im Kundenservice und ich möchte auch nicht in Angola stranden, aber geht es in der Presse nur noch um die geilste Überschrift? Der mittlere Teil des Artikels bleibt ohne belegbare Quellen und ist so schwamig wie ein Pudding, den man an die Wand nagelt, das hätte man sich sparen können und der Artikel wäre lesenswert.

  2. Teilweise finde ich die Kommentare übertrieben. Trotzdem, ich bin im Sommer unplanmäßig mit EW in Paderborn/Lippstadt gelandet. Tür auf und ‚viel Glück‘, mehr gabs nicht. Ich bin dann für €350 auf eigene Faust nach Düsseldorf gefahren. In Angola möchte ich soetwas nicht erleben. Dann muss man irgendwo einen Flieger organisieren der die Passagiere abholt. Bei der Nationalmannschaft ging das ja auch kurzfristig und andere Airlines können das auch.

  3. Das ist das letzte was einem als Passagier bzw als Kunde passiert. Die Notlandung mit Sicherheit völlig richtig und Lob an den Kapitän. Alles was danach folgte ist das allerletzte….LH hätte sofort einen Flieger auf dem schnellsten Weg frei machen müssen um die Passagiere nach München zu fliegen . Als Fluggesellschaft sollte das wohl kein großes Problem sein .

  4. Hi Sebastian,

    da die Antwort-Funktion nicht verfügbar war, hier die Antwort auf deine Antwort…
    —————
    „Hi Bastian,

    Dein Kommentar beruht leider auf einem Fehler, der mir unglücklicherweise im Artikel passiert ist. Die Fluggäste haben nach meinem Kenntnisstand mehrere Stunden warten müssen. Das habe ich heute Morgen falsch formuliert und dann auch nicht mehr korrigiert.

    Wie bewertest Du mit diesem neuen Kenntnisstand den Artikel?

    LG
    Sebastian“
    ————-

    Mehrere Stunden sind natürlich noch ärgerlicher… wobei das in dem Fall vermutlich vollständig auf die Behörden vor Ort zurückgeht und nicht auf die LH. Persönlich hätte ich den Artikel sachlicher geschrieben und noch stärker betont, dass die Informationen spärlich und zumindest teilweise unbestätigt sind. Da gibt es meist verschiedene Perspektiven. Ich stimme dir aber definitiv zu, dass das Service-Niveau der LH im allgemeinen unterirdisch ist. Und ja, insbesondere in einer Situation, wie der im Artikel beschriebenen, ist gute Kommunikation essentiell, vertrauenserweckend und hinterlässt die Kunden vermutlich mit einem besseren Gefühl, selbst wenn konkrete Maßnahmen möglichweise verständlich erst zeitverzögert durchführbar sind.

    • Natürlich wird das allein ein Behördenthema sein. Hab ich das an der Stelle jemand anderem zugeschrieben? Der Teil des Textes sollte ja auf die Situation aufmerksam machen, in der sich die Paxe befunden haben.

      Ich habe ja auch in einem der Kommentare über ein eigenes Erlebnis berichtet. Da war es ganz ähnlich. Und an der Beschlagnahmung der Pässe hat ja auch nicht die LH Schuld. Die Wertung wird ja hier reingelesen.

      Aber ganz offen: Ich find die Kritik hier super. Natürlich bin ich auch etwas peinlich berührt von den LH-Angestellten, die ihren Saftladen auf Teufel komm raus verteidigen müssen. Aber auch das ist interessant zu lesen.

      Und auch ganz ehrlich zum Abschluss: Ich würde den Artikel morgen noch einmal so schreiben, weil er gewirkt hat. Abgesehen von meinem Flüchtigkeitsfehler natürlich.

        • Verstehe ich nicht? Hat Wirkung in Deinem Horizont zwingend etwas mit Provokation zu tun? Ich weiß nicht, was Du Dir in Deinem Kopf da ausmalst. Da musst Du mich schon genauer an deiner Welt teilhaben lassen, damit ich Deine Fragen beantworten kann.

          • Ich glaube es wurde schon genug gesagt, von mehreren Personen, ich will da nicht weiter gehen. Das nervt schon genug auf anderen Plattformen und in Foren, ich fand es immer angenehm hier, dass man sich sachlich unterhalten kann und es sollte auch so bleiben.
            Es soll nicht der Anschein erweckt werden, dass ich jemanden persönlich angreife und es unschön wird. Alles gut, von mir aus können wir weiterziehen.

        • @O.H.: Hier fehlen grundlegende semantische Kenntnisse. Zwischen „auf etwas aufmerksam machen“ und „provozieren“ liegen inhaltlich Welten.

          • Für mich lag seine erwähnte Wirkung in Provokation, für ihn war die erwünschte Wirkung die Aufmerksamkeit. Zwei Meinungen, hat mit Semantik nix zu tun.

          • @O.H.: Du erfasst den Begriff „Semantik“ nicht. Sebastian schrieb , dass er eine Wirkung mit seinem Artikel erzielen wollte. Das du dich von dem Artikel provoziert fühlst, hat inhaltlich nichts mit dem Wort „Wirkung“ zu tun.
            @Dirk: Kurt bestätigt die Aussagen von Sebastians Artikel. Damit ist der Recherche Genüge getan. Auch der Begriff Chaos taucht auf(Getting our bags and getting to the hotel was as chaotic as one can imagine…). das der Artikel deutlich anders klingt ist eine sehr großzügige Auslegung.

  5. Auf OMAT ist ein Bericht, der deutlich anders klingt. Insbesondere zu Wartezeit am Flughafen und zum Handling in Angola. Etwas mehr Bedacht und Recherche hätte ich mir hier schon gewünscht.

    Kurt schreibt:

    „I was on this flight so for the first time I’ll comment an article here.
    When the announcement was made that we would divert it took about 30-40 min before we landed. From my perspective this part was not dramatic. The captain was very calm and explained the situation well.
    After landing he informed us that due to the poor infrastructure of the airport it would be more comfortable for us to wait onboard the aircraft as we had air conditioning and drinks available, having seen the terminal upon departure again I totally agree with his assessment!
    Felt a little uncomfortable about surrendering my passport to the immigration/military but that was the only way it seemed. Getting our bags and getting to the hotel was as chaotic as one can imagine, but at least the hotel was prepared (under the circumstances) when we arrived. Nice enough hotel where 3 meals pr day were provided.
    As mentioned in the article no rescue plane was sent and information was pretty much non existent. We recieved our new itinerary by email for flights 4 days later but chose to make own arrangements.

    Getting our passports back again at the airport was as smooth as smooth could be, picked it up at the Lufthansa office and proceeded to check in. Immigration authorities knew about our situation so no problems getting out of the country.

    I’m happy we were able to make own arrangements and that I’ll be home soon. Hope the rest of the passengers will get on their way soon too.“

  6. Der vermeintliche Ersatzflieger YL-ABL steht aktuell noch in Luanda. Evtl muss sich die Crew noch ausruhen?

    Interessant, dass dieser A220 neulich noch in Montreal gewesen ist.

    • Was schon echt freaking wäre, denn normalerweise würde man ja eine ausgeruhte Crew mitschicken, die nach kurzer Rast den Rückflug übernehmen kann. Aber gut bin da kein Experte.

      • jetzt wissen wir auch mehr über die YL-ABL:

        „Dear Klaus,

        During this week airBaltic is participating in the aircraft manufacturer’s Airbus demonstration tour in Africa, showcasing its A220-300 to customers, international media and other guests. During the tour, airBaltic’s aircraft is visiting two destinations in the region.

        Best regards
        airBaltic Corporate Communications Unit“

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