Übernahme von ITA Airways durch Lufthansa steht wohl kurz vor dem Scheitern

ITA Airways verlängert den Status bei seinem Vielfliegerprogramm Volare. Foto: ITA

Seit 2017 arbeitet Lufthansa an der Übernahme von Alitalia und später an der Übernahme des designierten Nachfolgers ITA Airways. In Frankfurt und Rom ist man sich seit Monaten über einen Deal einig, allerdings blockieren die EU Wettbewerbshüter aktuell noch den Deal, offiziell weil man sich über die Auflage nicht einigen kann. Nun droht der Deal tatsächlich zu platzen wie die italienische Tageszeitung „Corriere Della Sera“ berichtet.

Zuletzt ist sogar Italiens Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini bei dem Thema ausgerastet und nannte die Situation einen „feindlichen Akt gegenüber Italien und den Italienern“ wenn die EU jetzt noch Vorbehalte gegenüber dem Deal sehen würde. Lufthansa und ITA Airways haben durchaus Zugeständnisse gemacht, allerdings scheint sich dem Vernehmen nach die EU nicht von ihren Maximalforderungen abbringen zu lassen, wo Lufthansa eine rote Linie überschritten sieht und nun steht diese Übernahme wohl kurz vor dem Scheitern.

Am 22. Mai habe der Lufthansa Vorstand Carsten Spohr zuletzt persönlich in Brüssel vorgesprochen um die Bedenken der EU Wettbewerbskommissarin, Margrethe Vestager, zu zerstreuen. Dies soll bisher aber nicht erfolgreich gewesen zu sein. So wäre man sich zwar bei der Aufgabe der Slots in Mailand Linate mit der EU einig geworden, aber gerade bei den Langstrecken nach Nordamerika will die EU Zugeständnisse, welche Lufthansa ihren „Partnern und Aktionären nicht vermitteln könne“.

Lufthansa hat wohl sogar angeboten, dass man ITA Airways bis 2027 aus dem transatlantischen Joint Venture mit United Airlines heraushält, allerdings fordert die EU dies wohl dauerhaft, sowie eine Reduzierung des Angebotes nach Nordamerika, auch aus Frankfurt und München. Lufthansa hingegen will eine Kapazitätsgarantie geben und aktuelle Kapazitäten garantieren, was eigentlich im Sinne der EU sein sollte, zumindest wenn man der aktuellen Argumentation glauben will, welche lautet, „es besteht die Gefahr, dass Flugpreise steigen und Frequenzen sinken“.

Sogar bei den Arbeitnehmervertretern versteht man den Kurs der EU nicht mehr und die Gewerkschaften stärken Lufthansa den Rücken, wie aero.de berichtete. Elf Gewerkschaften aus Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz wandten sich in einem Brief an die EU insbesondere gegen mögliche Einschnitte im Langstreckenangebot des Lufthansa-Konzerns in der Zusammenarbeit innerhalb des transatlantischen Jointventures.

Die Gewerkschaften argumentieren, es müsse das Ziel der EU sein, die europäische Luftfahrtindustrie, ihre Wertschöpfung und ihre Arbeitsplätze mit europäischen Standards zu stärken und ihre Steuereinnahmen in Europa zu halten. Vielmehr müsse der derzeitige Langstreckenbetrieb der ITA beibehalten und künftig ausgeweitet werden, um Wachstum zu gewährleisten und Arbeitsplätze zu sichern.

In Italien geht man inzwischen soweit, dass man Lobby Arbeit von Air France und KLM, sowie von Frankreich in Brüssel vermutet, den Deal aktuell zu blockieren. Air France und KLM hatten auch schon gemeinsam mit Delta Airlines und eine Finanzinvestor versucht ITA Airways zu übernehmen, sind hieran aber aus nicht ganz klaren Gründen gescheitert.

Übernahme von ITA Airways durch Lufthansa steht wohl kurz vor dem Scheitern | Frankfurtflyer Kommentar

Der Eindruck, dass die EU den Zusammenschluss aus Lufthansa und ITA Airways nicht möchte erhärtet sich immer mehr. Nach allem was man aus den Verhandlungen zwischen Lufthansa, ITA Airways und der EU mitbekommt, beharrt man in Brüssel auf einer Forderung, bei der allen Beteiligten eigentlich klar sein müsste, dass sie nicht erfüllbar ist.

Für Lufthansa wäre ein Platzen des Deals zwar ärgerlich, aber nicht so dramatisch wie für ITA Airways selbst und auch der EU Wettbewerbsbehörde kann eigentlich nicht an einem Kollaps von ITA Airways gelegen sein, denn dies wird die Preise in Italien nicht gerade senken.

Möglicherweise wird hier von allen Seiten auch nur hart gepokert, aber aktuell stehen die Zeichen auf einem geplatzten Deal.

 

12 Kommentare

  1. Qui bono muss man hier wohl fragen: wer profitiert von einem Scheitern des Deals? Wohl kaum die ITA Mitarbeiter und indirekt auch nicht die italienischen Kunden sowie wenn man darüber nachdenkt, auch die sonstigen Kunden nicht unmittelbar. Auch für die LH wäre ein Scheitern zu verschmerzen. Profitieren würden demnach die Wettbewerber, auf der Kurz- und Mittelstrecke primär Ryanair, auf der Langstrecke AF/KL und BA/IB sowie die Golfairlines. Daher erscheint mir eine politische Einflussnahme hier tatsächlich als die wahrscheinlichste Motivation, zumal diverse Forderungen der Komission ebenfalls in diese Richtung weisen.

    • Aber genau die Konkurrenz brauchen wir doch. Wir sehen doch wie sich die LH zum Kundenunfreundlichsten Monopolisten entwickelt hat und so kommt die LH (vielleicht) mal in Zukunft von ihren Thron herunter.

  2. Monopolist? Das sehe ich – zumindest interkontinental – überhaupt nicht. Vielleicht kannst du das belegen? Woran machst du das fest?

    Interkontinental konkurriert die Lufthansa doch mindestens mal mit den Skyteam und Oneworld Airlines sowie je nach Destination mit tap, Turkish Airlines, (SAS), Ethiopian, Thai,…, sowie den Airlines vom arabischen Golf sowie Condor.

    Ich verstehe es wirklich nicht, wie man hier von einem Monopol reden kann.

    Kundenunfreundlich? Ja…

    • Wollte gerade mal schauen ob es schon eine Antwort gibt (leider nicht) und mir ist aufgefallen: es gibt noch einen Klaus. Wir (Klaus 10:06 und Klaus 15:55) sind unterschiedliche Klaus.

  3. Ich kann also noch hoffen. Ganz ehrlich, für den Passagier hätte die Übernahme des Italien-Marktes durch LH ganz sicher keine Vorteile. Es würde hohe Preise weiter zementieren und Italien als einen der letzten nahen und günstigen Abflugorte beenden.

    Allerdings ist das m.E. alles nur ein Spiel und Propaganda. die Übernahme wird kommen. Leider.

  4. Cui bono war ja meine Frage: ich bin viel in Italien unterwegs und die ITA ist im Norden bis auf ihre Zubringer nach Rom quasi nicht existent. Die Punkt zu Punkt Verbindungen auf dem Kontinent deckt Ryanair ab, hinzu kommen die KLM, Eurowings, Air Dolomiti, BA etc. Feeder der Netzwerkcarrier. Bologna bspw. wird dazu noch von EK und TK bedient. Ähnlich ist es auch in Turin oder Venedig, wo Delta Direktflüge anbietet. In Mailand findet man ein noch größeres Angebot. Warum eine Übernahme der ITA durch die LH den Wettbewerb einschränken soll, erschließt sich mir nicht.

  5. Was ist denn die Alternative zu einer Verschmelzung von LH und ITA? Langfristig ist es durchaus möglich, dass ITA wieder verschwindet. Und dann hätte Frau Vestager dem Wettbewerb und den Kunden einen Bärendienst erwiesen. Ich bin nicht dagegen, dass die Wettbewerbsbehörde sich die Deals anschaut. Ich bin aber dagegen, dass dies nicht aus allen Perspektiven passiert. Und ganz ehrlich: es wäre Lufthansa auch nicht zu verdenken, wenn sie nach dem Scheitern der Übernahme einen Preiskampf vom Zaun bricht um ITA vom Markt zu bekommen. Im Gegensatz zu ITA wäre LH dazu sicherlich in der Lage.

    • Tatsächlich sind die Optionen für ITA inzwischen wohl recht dünn. Man kann die Airline nicht mehr beliebig finanziell stützen (erlaubt die EU ja auch nicht) und braucht eigentlich vor allen die Kapitalerhöhung, die Lufthansa direkt einbringen würde.

      Die einzige Alternative wäre wohl ein Finanzinvestor. Wie das langfristig funktionieren soll, ist aber fragwürdig. Es geht ja nicht nur um Geld, dass LH bringen würde. Dass nur Geld nicht reicht, hat man ja bis 2017 mit der Beteiligung von Etihad Airways bei Alitalia gesehen.

  6. Ich bin entsetzt, dass die EU-Kommission allem Anschein nach die nach Fluggästen größte in Italien tätige Fluggesselschaft protegiert, nämlich Ryanair. Gewerkschaften, Länder und Unternehmen steigen gegen die EU auf die Barrikaden – auch hier wieder ohne offenkundigen Erfolg. Nächste Woche sind Europawahlen. Lässt sich die EU-Kommission irgendwie abwählen? Die scheint ja nicht mehr im Interesse der EU-Bürger und in der EU ansässigen Unternhemen urteilen zu können. Wer soll bei so etwas für Europa noch begeistert werden können, wenn es irgendwelche unsinnigen Kommissionen mit unsinnigen politischen Richtlinien gibt?! Mein Bedarf an solchen EU-Einrichtungen ist gleich null.

  7. Ja der Konkurs eines Unternehmens wird da extrem hilfreich sein. Ich fliege jede Woche vier bis fünf mal. Konsequent Lufthansa. Ich erkenne keine „Kundenunfreundlichkeit“. Das Billigtickets durch die deutsche Staatsideologie nicht mehr möglich sind kann man höchstens dem deutschen Wähler anlasten.

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