Lufthansa Krisenmanagement im Streik | Eine Blaupause für die Zukunft und Eigentor der Piloten?

Es war der erste Streik des Jahres bei Lufthansa, und obwohl man beim Thema Streik im letzten Jahr weitestgehend zur Ruhe gekommen ist, weckte der Warnstreik der Piloten und Flugbegleiter am vergangenen Mittwoch bei vielen Passagieren die unangenehme Erinnerung an die doch so unbeliebte und unzuverlässige Streikhansa.

Das Wichtigste auf einen Blick:

✈️ 800 Flüge gestrichen – Piloten- und Kabinenstreik legt Lufthansa lahm.
💰 Millionenverluste pro Tag erhöhen Druck auf den Konzern.
🔁 Lufthansa setzt im Krisenmanagement verstärkt auf Partner wie Eurowings und Air Baltic.

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Auch für Lufthansa ist dies ein großes Problem, denn Streiks sind nicht nur für die Kundenzufriedenheit ein Problem, auch die Bemühungen, dass die Lufthansa Mainline endlich wieder profitabel wird, werden hierdurch empfindlich gestört, denn jeder Streiktag kostet den Kranich Millionen, die man eigentlich gar nicht hat. Und dies ist durch die Gewerkschaften auch durchaus so gewollt, denn die Streiks sollen ja den Verhandlungsdruck empfindlich erhöhen.

Insgesamt 800 Flüge mussten bei Lufthansa, Lufthansa CityLine und Lufthansa Cargo gestrichen werden. Nicht betroffen vom Streik waren die Töchter Eurowings, Discover Airlines und auch Lufthansa City, deren bloße Existenz mehr oder weniger auch Anstoß der Streiks war. Diese Flugbetriebe arbeiten deutlich günstiger als die Lufthansa Mainline, was vor allem an den Tarifverträgen liegt, welche eine deutlich höhere Produktivität der Crews ermöglicht.

Auch wenn die Piloten offiziell wegen der Altersversorgung der Piloten gestreikt haben, was auch das legitime Recht der Piloten ist, hat man bei den Summen, mit denen dort hantiert wird, wohl jegliches Verständnis in der breiten Masse der Passagiere längst verloren. Es geht hier nicht um drohende Altersarmut, sondern eher darum, ob in der Rente ein oder zwei Porsche in der Garage stehen können, um es überspitzt zu sagen. Dies wäre aber noch einmal eine eigene Diskussion wert.

Klar ist aber, dass Lufthansa mehr und mehr Kurzstrecken von der Lufthansa Mainline zu günstigeren Flugbetrieben verlagern will, allen voran natürlich zur Lufthansa City Airline, aber auch zu Eurowings und Discover Airlines oder zu Wet-Leasing-Partnern wie airBaltic. Genau diese Airlines sind für Lufthansa im Streik auch eingesprungen, und so hat Eurowings zusätzliche Flüge eingeschoben, etwa von Düsseldorf und Hamburg nach München. airBaltic hat mit vier zusätzlichen Flugzeugen kurzfristig den Flugbetrieb unterstützt und flog mit A220 unter anderem nach Mallorca, Faro, Oslo und Amsterdam im Auftrag von Lufthansa.

Air Baltic Airbus A220-300

Für Lufthansa sind diese Airlines im Streik-Krisenmanagement vor allem die Airlines, denen man am liebsten alle Kurz- und Mittelstrecken übertragen würde. Ginge es nach der Wunschvorstellung von Lufthansa, würde man Lufthansa City alle Kurzstrecken übertragen, und die Lufthansa Mainline würde nur noch Langstrecken fliegen. airBaltic würde als Wet-Leasing-Partner wohl vorrangig noch im Sommer bei hoher Nachfrage aushelfen.

Die Übertragung von weiteren Kurzstreckenflügen an Partner ist für Lufthansa fast eine Blaupause dafür, was man eigentlich gerne machen würde. Will man das Ganze etwas zynisch betrachten, unterstreicht der Streik auch einfach nur, weshalb man diesen Wechsel so gerne vollziehen würde, und es steht zu befürchten, dass es die Verhandlungen bei diesem Thema nicht unbedingt einfacher machen würde.

Es schien ohnehin so zu sein, dass das wichtigste Thema der Gewerkschaften eigentlich nicht die Altersversorgung ist, welche ohnehin auch unter jetzigen Bedingungen sehr gut ist, sondern es geht wohl eher darum, dass man Garantien für die Anzahl der Kurzstreckenflugzeuge bei der Lufthansa Mainline will. Offen als Streikgrund genannt hat man es aber bisher nicht.

Lufthansa Krisenmanagement im Streik | Eine Blaupause für die Zukunft und Eigentor der Piloten? | Frankfurtflyer Kommentar

Die Verhandlungen zwischen den Piloten und Lufthansa scheinen recht festgefahren zu sein. Dabei steht für Lufthansa fest, dass man sich die Forderungen bei der Altersvorsorge nicht leisten kann, denn die Kosten werden hier mit etwa 228 Millionen Euro pro Jahr berechnet. Geld, das Lufthansa aktuell schlicht und einfach nicht verdient.

Die Piloten erwecken aber auch den Eindruck, dass sie eigentlich einen Kuhhandel eingehen wollen: Man verzichtet bei der Altersversorgung, und dafür bleiben mehr Flugzeuge auf der Kurzstrecke bei der Lufthansa Mainline. Letzteres kommt für Lufthansa aber auch nur in Frage, wenn man hier die Kosten senken kann.

Für Lufthansa ist dies eine sehr schwere Situation. Man muss die Kurzstrecken wirtschaftlicher gestalten und hierfür Kosten reduzieren, aber auf der anderen Seite kann man ausgedehnte Streiks aktuell nicht gebrauchen. Ich bin daher sehr gespannt, wie der Deal am Ende aussehen wird, kann aber tatsächlich auch die Lufthansa-Manager verstehen, die am liebsten alle Kurzstreckenflugzeuge bei Lufthansa City haben würden. Ich befürchte nur, am Ende wird die Lufthansa City als Folge des Ganzen nicht der einzige neue Flugbetrieb bleiben.

12 Kommentare

  1. Hallo Christoph, der Streik war am Donnerstag, nicht Mittwoch – solltest du vielleicht ändern.
    Aber ja, das war wohl eher ein Eigentor denn:
    Ich war selbst vom Streik betroffen. Mein Business Flug von Frankfurt 16:45h nach Berlin wurde schlussendlich von Discover durchgeführt. 7 Reihen Business Class Und ja, was soll ich sagen: Business Class Service war hier um Längen besser als bei der Lufthansa. Es gab einen Pre Takeoff Drink, Ein umfangreicheres Catering als bei Lufthansa und zum Abschluss noch einen warmen Cookie. Discover hat für den Flugwohl den eigenen Bord Service für die Business Class einfach beibehalten was ein schönes Beispiel dafür ist, dass diese Töchter eben auch den besseren Service machen. Ich vergaß zu melden: Die Crew war auch ein fröhlicher, lockerer, motivierter und netter- perfekte Werbung für Discover . Der Flieger verfügte auch über Entertainment über die Cloud. Von daher fünf Sterne für Discover.

    • Dann hast du aber Glück gehabt. Meinen C Flug mit Discover nach PMI fand ich das Geld nicht wert. Nicht nur, dass man Y Passagiere in die C gesetzt hat, die Crew war unglaublich träge und hatte keine Lust. Getränkerunde und Essen, dann waren sie einfach weg. Kam mir vor wie Iberia Express. Klar gab es den Begrüßungstrunk und das Essen war ganz ok, wenn auch wieder vegetarische Zwangsernährung, aber wie gesagt, gerade die Crew fand ich absolut daneben.
      Ich werde gerade mit Discover überhaupt nicht warm. Dann nehme ich lieber EW und mache ein paar Abstriche.

      • „Vegetarische Zwangsernährung“ klingt nicht so empathisch.
        Wie stellst du dir das vor in C? Wahl aus zwei Mahlzeiten?
        Der Unterschied ist: Der Mensch mit carnivorer Ernährung kann vegetarisch essen, umgekehrt halt nicht.
        Ich frage für einen Freund, der sicher 500x in den letzten 15 Jahren bei LH innerdeutsch in C Fleisch ohne Wahl vorgesetzt bekam und nichts davon essen konnte.

        Interessanterweise konnte ich bei Air Canada, KLM, Aegean, Qantas, SouthAfrican, Airlink, Garuda, Sti Lankan usw. sogar bei kurzen Flügen vegetarisches Essen vorbestellen.

        • Ich verstehe zwar deinen Punkt und finde das Argument „vegetarische Zwangsernährung“ auch übertrieben, aber „Ich frage für einen Freund, der sicher 500x in den letzten 15 Jahren bei LH innerdeutsch in C Fleisch ohne Wahl vorgesetzt bekam und nichts davon essen konnte.“ zieht halt so überhaupt nicht, wenn man bei jeder Buchung Spezialumstände beim Essen angeben und sich so ein vegetarisches Gericht bestellen kann. Fleischkonsum ist in Deutschland nun mal der Normalzustand, und deswegen sollte man dabei auch grundsätzlich damit rechnen, Fleisch zu erhalten, wenn man seine Wünsche nicht im Vorhinein anders kommuniziert.

          • Jeder kann und soll essen, was er mag.

            Aber kann man innerdeutsch (und davon schrieb ich) ein Essen vorbestellen? Oder habe ich da etwas übersehen?

            Die seit 1,5 Jahren aufgewertete Verpflegung bei LH innerhalb Europas (bei Flügen > 2h) finde ich gut.

            • Auszug aus dem LH Chatbot:

              On domestic Business Class flights within Germany, you can order special meals such as vegetarian options. You can request these special meals directly when booking or subsequently through customer services. There is no additional cost for special meal requests.

              Es geht hierbei offensichtlich nicht darum, ein bestimmtes Gericht vorzubestellen (wie bspw. Book the Cook), sondern um die Möglichkeit, bestimmte Ernährungsanforderungen (bspw. Low Salt, Vegetarian usw.) anzugeben.

        • Na wer nicht alles isst, ob jetzt freiwillig oder aus Gesundheitsgründen, der bestellt halt Essen vor.

          Aber bei 4Y gibts erst gar nicht mit Fleisch oder Fisch. Da ist es vegetarisch für alle, was noch ok ist, oder sogar vegan ohne Auswahl, wie ich es auf der Langstrecke erlebt habe. Und das geht für mich dann nicht mehr. Veganen Fleischersatz mag ich nämlich nicht.
          Und bei 4Y ist das nun mal bei mir ausnahmslos auf alle Flügen so gewesen. Kann nur das berichten, was ich selbst erlebt habe.

          PS: Das ist etwas, dass ich bei BA sehr mag. Auch auf der Kurzstrecke gibt es immer 2 Essen, nicht-vegetarisch und vegetarisch. Finde ich super.

          Ansonsten einfach mal AY nehmen, da gibt es immer Fleisch oder Fisch. Ich nehme auch sehr gerne Fisch. Es muss nicht immer Fleisch sein.

      • „Nicht nur, das man Y-Passagiere in die C gesetzt hat“ – da guckt man als C-Vollzahler vielleicht erst mal etwas dumm, aber manchmal sollte man auch den Grund hinterfragen. Ich war im Januar auch so ein Y-Passagier, der bei Discover in die C gesetzt wurde. Der Purser kam zu mir an den Y-Platz, hat mich begrüßt und zum (relativ) frisch erlangten SEN gratuliert. Und mich daraufhin in die C eingeladen. Fand ich persönlich sehr aufmerksam und damit natürlich auch absolut positiv. Und auch über fehlende Präsenz während der 1,5 Stunden Flugzeit konnte ich mich nicht beschweren. Ist natürlich auch immer nur eine Momentaufnahme.

        • Nee, da verstehst du was falsch, das war kein Upgrade. Das ist kein Ding. Die Passagiere haben zu dritt gesessen und Essen und Getränke gegen Bezahlung bekommen. Dann kann man das mit dem Vorhang auch lassen. Und vor allem setzt man C Passagiere deshalb dicht an dicht zusammen.

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