Lufthansa testet das Sparpotenzial durch „punktuelle Reinigung“ der Flugzeuge

Lufthansa Economy Class Sitze.

Lufthansa will aktuell das Reiseerlebnis für die Passagiere wieder stärker aufwerten, um als „Premium Airline“ wahrgenommen zu werden. Gleichzeitig muss man jedoch Kosten reduzieren, um wieder wirtschaftlich fliegen zu können – denn Lufthansa Airlines selbst verdienen mit dem Flugbetrieb derzeit kaum Geld. In diesem Spannungsfeld hat man nun ein interessantes Experiment gestartet: Lufthansa testet eine reduzierte Reinigung in der Economy Class auf Kurzstrecken und setzt auf eine sogenannte „punktuelle Reinigung“, die nur bei Bedarf erfolgt.

Das Wichtigste auf einen Blick:

🧼 Lufthansa testet reduzierte Reinigung auf Kurzstrecken
✈️ Kabinen werden nur noch bei Bedarf gereinigt
📊 Ziel ist es, Kosten zu senken ohne sichtbaren Qualitätsverlust

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Im Grunde ist die Idee recht einfach und wurde in ähnlicher Form bereits in den USA bei Airlines wie United Airlines umgesetzt. Flugzeuge auf Kurzstrecken werden nicht mehr nach jedem Umlauf vollständig gereinigt, sondern primär an den großen Drehkreuzen. An Außenstationen erfolgt die Reinigung nur dann, wenn die Crew tatsächlich Bedarf feststellt.

Genau dieses System testet Lufthansa nun ebenfalls. Seit dem 16. März läuft auf 20 Strecken ein entsprechender Testlauf, wie Aerotelegraph unter Berufung auf ein internes Schreiben berichtet. Der Test soll noch bis zum 29. März laufen und anschließend ausgewertet werden.

Konkret bedeutet dies: Die Economy Class wird auf Kurzstrecken nicht mehr standardmäßig vollständig gereinigt. Stattdessen erfolgt eine Reinigung nur dort, wo tatsächlich sichtbare Verschmutzungen vorhanden sind. Auch die Toiletten werden nur noch gereinigt, wenn die Crew dies explizit anfordert. Sind sie nach dem Flug noch in einem akzeptablen Zustand, wird auf eine Reinigung an Außenstationen verzichtet.

Erste Anpassungen am Konzept gab es bereits während des Testlaufs. So wurde zunächst – analog zu vielen US-Airlines – darauf verzichtet, die Sicherheitsgurte vor dem Boarding über Kreuz zu legen. Dies führte jedoch zu negativem Feedback der Passagiere und wurde inzwischen wieder zurückgenommen.

Lufthansa testet Sparpotenzial durch „punktuelle Reinigung“ der Flugzeuge | Frankfurtflyer Kommentar

Grundsätzlich ist die Idee nicht neu und auch nicht per se negativ. Tatsächlich gibt es viele sehr kurze Flüge, auf denen beispielsweise die Toiletten kaum oder gar nicht genutzt werden. Ein Umlauf wie Frankfurt–Paris und zurück verursacht deutlich weniger Verschmutzung als ein längerer Europaflug, etwa nach Porto.

Andere Airlines zeigen bereits, dass solche Konzepte funktionieren können. Allerdings stammen diese Beispiele häufig aus Märkten mit geringeren Serviceansprüchen, etwa in den USA oder bei europäischen Low-Cost-Carriern.

Entscheidend wird daher sein, wie konsequent und sorgfältig die Crews die Kabine kontrollieren. Genau hier könnte auch eine Herausforderung liegen, denn diese Aufgabe bedeutet zusätzlichen Aufwand für die Kabinenbesatzung – und dürfte bei den Gewerkschaften nicht auf große Begeisterung stoßen.

Für Lufthansa bleibt zudem die Frage, wie groß das tatsächliche Einsparpotenzial ist. Dieses hängt maßgeblich davon ab, wie oft auf eine vollständige Reinigung verzichtet werden kann. Auf sehr kurzen Strecken könnte das Konzept durchaus aufgehen – vorausgesetzt, die Qualität für die Passagiere leidet nicht sichtbar darunter.

11 Kommentare

  1. nachdem ja bisher angeblich immer gereinigt wurde waren die Krümel und Kaffeeflecken dann sicher absichtliche Dekoration.

    Ja natürlich sparen andere auch, aber niemand posaunt den eigenen Premiumanspruch lauter in die Welt als LH. Das ist doch der Punkt.

  2. Die LH hat keinen Humor, ist aber die lächerlichste Airline weit und breit…

    Wenn ich erinnere, wie die Business Class teilweise beim Einsteigen an den Drehkreuzen nach einer Reinigung ausgesehen hat, dann bekomme ich eine Idee, wie das bei der Economy aussehen wird.

    Eine ganz grandiose Idee ist das für eine selbsterklärte Premium-Airline!

    Erstens lautet eine Grundregel in diesem Geschäft, dass Kunden nicht merken dürfen, wenn/dass an ihnen gespart wird. Beim Thema Sauberkeit merken sie das aber sehr schnell.
    Zweitens verlangt die LH mit dem Ziel des Generierens von Zusatzeinnahmen durch Unbundling immer mehr Geld und bietet immer weniger. Das passt nicht zusammen, und das ist typisch.

    Demnächst gibt es 10 Points und Qualifying Points für Gäste, die während ihres Fluges das Klo putzen.

    • Nicht einmal punktuell ist Hirn vorhanden. Das race-to-the-bottom wird konsequent fortgesetzt. Vorschlag für die Controller: WC-Benutzung einmalig 19,90 Euro pro Flug, 1 eVoucher oder 5 Cards bei Uptrip.

      • Eine Nutzungsgebühr für eine saubere Bordtoilette ist eine sehr gute Idee. Davon wird dann immer 1 Euro zurückgelegt, nicht für die Putzfrau, sondern für die Altersvorsorge der gierigen Hansa-Piloten. 👍

  3. Weiß nicht. Gerade an kleineren Flughäfen ist das Personal zur Reinigung nicht spontan greifbar. Immer gleiche Arbeiten kann man einplanen. Bei sporadisch anfallenden Arbeiten geht das such, aber nur dort, wo viele Flugzeuge mit statistisch schwankenden Forderungen an die Reinigung ankommen.

  4. Nice! Ich muss gerade unwillkürlich an die Toiletten auf dem Autobahnparkplatz oder jene im Regionalexpress der DB AG denken. Also jene Orte, an denen man hofft, man kann den Atem so lange anhalten, wie man für das kleine Geschäft braucht und im Falle der Autobahnroilette, an denen man sich ärgert, keine Gummimatten im Auto zu haben. 🥶

  5. Super Vorstoß!
    Auf vielfachen Kundenwunsch. Damit man auf Niveau von Vueling und Ryanair kommen kann.
    Würde das bei Technik und Catering auch machen.

  6. Bei KLM und SAS habe ich schon erlebt wie gar nicht gereinigt wurde, die Gurte durcheinander waren und das Bild in der Kabine generell unordentlich war.

    Macht es nicht besser wenn LH auch auf diesen Zug will…

    Das mit der Toilette sehe ich nicht wirklich kritisch.
    Auf kurzen Flügen geht kaum jemand aufs Klo, da ist es in meinen Augen nicht so wichtig ob da alle 2 Stunden nach der Landung mit nem Lappen über irgendwas drübergeht.

    Wichtiger ist jedenfalls dass genug Papier da ist.

    Auf einer Langstrecke habe ich erst vor kurzer Zeit erlebt, wie sich jemand gleich nach dem Start ins Waschbecken übergeben hat. Das war natürlich auch eine gute Wahl der Person dadurch auch noch den Abfluss zu verstopfen.
    Will sagen- wenn jede(r) etwas aufpasst und nach der Nutzung für Ordnung sorgt, wäre allen geholfen.

  7. Verstehe das Konzept per se, aber es passt halt nicht zur Realität. Aktuell ist sehr oft dreckig, auch in der C. Krümel, Kaffeeflecken, etc.
    Die richtige Maßnahme zu Premium wäre per se mehr/besser reinigen und dann dies punktuell wegzulassen. Wie immer geht es ums Kostensenkung.

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