Nachdem eine Boeing 787-9 der Lufthansa am Flughafen Frankfurt eingeknickt ist und beschädigt wurde, wird klar, dass dies Pech in mehrfacher Hinsicht bedeutet. Bei dem Flugzeug handelte es sich nicht nur um ein neues Exemplar, mit dem man deutlich effizienter fliegen kann, der Jet ist auch mit der modernen Allegris-Kabine ausgestattet. Lufthansa wird nun eine Weile auf den Dreamliner verzichten und Veränderungen bei den Planungen vornehmen müssen. Immerhin kam dabei niemand ernsthaft zu Schaden, die leicht verletzten Beteiligten konnten das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen.
✈️ Lufthansa-Dreamliner beschädigt: Eine Boeing 787-9 sackte am Flughafen Frankfurt auf das Vorfeld ab.
⚠️ Ursache noch unklar: Das Versagen des Bugfahrwerks wird untersucht.
🛫 Flottenproblem: Lufthansa verliert vorerst einen ihrer modernsten Allegris-Langstreckenjets.
Am Donnerstag, dem 4. Juni 2026 kam es am Flughafen Frankfurt zu einem ungewöhnlichen Zwischenfall. Die Boeing 787-9 mit der Registrierung D-ABPQ und dem Taufnamen Herne stand am Gate A15 und sollte als Flug LH450 nach Los Angeles eingesetzt werden. Während der Abfertigung kam es plötzlich zu einem unerwarteten Versagen des Bugfahrwerks.
Das Flugzeug sackte vorne auf das Vorfeld ab, wobei der Bug den Boden berührte. Durch die Bewegung wurden auch beide Triebwerke beschädigt, da diese ebenfalls Bodenkontakt hatten. Darüber hinaus entstand Schaden an einer angedockten Ladebühne und weiterer Bodenausrüstung.
Zum Zeitpunkt des Unfalls befanden sich noch keine Passagiere an Bord. Nach Angaben von Lufthansa waren jedoch 13 Besatzungsmitglieder sowie Dienstleister im bzw. am Flugzeug tätig. Zwei Flugbegleiter und weitere Beschäftigte wurden zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht. Schwere Verletzungen wurden glücklicherweise nicht gemeldet.
Lufthansa richtete unmittelbar nach dem Vorfall einen Krisenstab ein. Die Ursache des Fahrwerksversagens ist derzeit noch Gegenstand laufender Untersuchungen, die von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) begleitet werden. Dabei könnte ein ähnlicher Vorfall aus dem Jahr 2021 eine Rolle spielen.
Damals war eine Boeing 787-8 von British Airways in London-Heathrow während Wartungsarbeiten ebenfalls auf den Bug gefallen. Die spätere Untersuchung ergab, dass ein Sicherungsstift versehentlich an einer falschen Position angebracht worden war. Als ein Techniker den Fahrwerkshebel betätigte, fuhr das Bugfahrwerk unerwartet ein.
Ob es im aktuellen Fall ähnliche technische oder menschliche Faktoren gab, ist offen. Die Ermittelnden dürften jedoch genau prüfen, ob bei der Vorbereitung des Flugzeugs Arbeiten am Fahrwerk oder den Fahrwerksklappen durchgeführt wurden.
Ausfall trifft Lufthansa an empfindlicher Stelle
Besonders ärgerlich ist der Vorfall für Lufthansa, weil es sich um eine erst im Januar 2026 ausgelieferte Boeing 787-9 handelt. Die D-ABPQ gehört zu den neuesten Flugzeugen der Flotte und verfügt bereits über die moderne Allegris-Kabinenausstattung.
Die Dreamliner spielen gerade die wichtigste Rolle bei der Modernisierung der Langstreckenflotte in Frankfurt. Lufthansa setzt die Boeing 787 zunehmend auf vielen Langstrecken ein und nutzt die Flugzeuge auch, um das neue Bordprodukt im größeren Umfang anbieten zu können.
Der Ausfall eines einzelnen Flugzeugs mag auf den ersten Blick überschaubar erscheinen. Lufthansa hat aber keine große Reserve an Langstreckenjets, die mit dem neuen Produkt ausgestattet sind. Jede ungeplante Herausnahme eines Flugzeugs wirkt sich daher direkt auf die Planung und das Angebot aus. Ob und welche Allegris-Strecke(n) betroffen sind, ist noch nicht bekannt. Derzeit befinden sich elf Boeing 787-9 mit der neuen Kabinengeneration im aktiven Dienst, eine zwölfte Maschine wurde bereits ausgeliefert und wird gerade vorbereitet.

Dreamliner eingeknickt: Warum der Boeing-787-Unfall für Lufthansa besonders schmerzhaft ist | Frankfurtflyer Kommentar
Lufthansa verliert vorerst einen ihrer modernsten Langstreckenjets, der zugleich zu den wenigen Flugzeugen gehört, die mit den neuen Sitzen ausgestattet sind. Wenn die Untersuchungen zum Unfallhergang abgeschlossen sind, müssen die Schäden an Fahrwerk, Struktur und Triebwerken eruiert werden. Je nach Ausmaß könnte die Reparatur mehrere Monate dauern.
Hersteller Boeing und auch andere Betreiber des Dreamliners dürften nun gespannt nach Frankfurt blicken, das Ergebnis der Ermittlungen ist von großem Interesse, damit sich ein solcher Fall nicht noch einmal wiederholt.
Danke: aero.de
Ich verstehe beim besten Willen nicht, warum man nicht technisch ein Fahrwerk so konstruieren kann, dass es bei Bodenkontakt (= Last) definitiv NICHT einfahren KANN; auch ohne Sicherungsbolzen am Gate o.ä. Dass letzteres bei British Airways 2021 ursächlich war und vor allem in Hinblick auf diese absurde „Design-Lösung“ zwei nahezu identische Löcher nebeneinander anzubringen, welche nun nachträglich alle per Blindstopfen abgedeckt wurden (hatte also nie eine Funktion ?!): wer denkt sich sowas aus und wieviele Instanzen danach geben es frei ?? Unfassbar …
Das ist eine der Fragen, die ich mir auch gestellt habe:
Warum konstruieren Ingenieure ein Fahrwerk mit zwei Aussparungen, die sehr dicht beieinander liegen und deswegen einen gravierenden Bedienungsfehler stark begünstigen?
Wir wissen bisher nicht, ob auch hier – wie beim Vorfall von 2021 in London – ein Bedienungsfehler ursächlich ist.
Und egal wer das Fahrwerk konstruiert hat:
Wieder trifft es eine Boeing, konkret einen Dreamliner, der ohnehin schon als „Pannenflieger“ bekannt ist.
Mein Vertrauen Boeing ist grundsätzlich massiv gestört. Ich vermeide Boeing schon seit langer Zeit wann immer möglich. Den jährlichen Senator früher und seit 2024 jedes Jahr Flying Blue Platinum habe ich nahezu ausschließlich mit Airbus-Maschinen erflogen.
Die Zahl der Pannen und der aufgedeckten Mängel bei Boeing bekomme ich gar nicht mehr zusammen. Und das in einer Branche, für die Sicherheit noch mehr als anderswo an allererster Stelle stehen sollte. Wahnsinn.
Davon ausgehend, dass hier kein Totalschaden vorliegt und angesichts der Whistleblower-Berichte über Mängel bei der strukturellen Integrität der Dreamliner:
Nachdem ich das Video gesehen habe, würde ich in diesen Vogel namens „Herne“ auch nach den Reparaturen niemals mehr einsteigen. Der ist ziemlich auf den Boden gekracht. Wer weiß, was da nach Jahren noch an dramatischen Problemen auftreten könnte…
Das ist für die Lufthansa nicht schmerzhaft, da ich ohnehin nicht mehr Lufthansa fliege.
Aropos Boeing und apropos Dreamliner:
Wo bleibt eigentlich der Abschlussbericht für den Absturz des Air India Dreamliners (AI 171)? Das ist jetzt ein Jahr her.
LH760/761 wird seit dem Unfall so wie es aussieht erstmal nur noch mit A340-300 bedient.
Das hier war LH 450. Im Mai 2006 kam es bei der ABTK, geplant als LH 760 zu einem ganz ähnlichen Vorfall. Der Jumbo ist heute noch im Einsatz, bin damit 2017 nach GIG und zurück, 2024 von JFK nach FRA geflogen. Habe mich dort genau so sicher wie in allen Boeing-Jets der Lufthansa gefühlt.
Ignorance is bliss.