Nachdem die Lufthansa die Regionaltochter CityLine über Nacht geschlossen und weitere Maßnahmen zur höheren Profitabilität verkündet hat, signalisiert der Konzernchef, dass dies nicht reichen wird. Das größte Problem sei weiterhin der Europaverkehr, auf der Kurzstrecke werden die Gewinne der Interkontinentalflüge verbrannt. Doch was will der Konzern ohne Zubringer, die den Erfolg der Langstrecken überhaupt sichern?
✈️ Lufthansa plant, bis zu 15 weitere Flugzeuge aus der Europaflotte abzuziehen.
💶 City Airlines soll weitere Kurzstrecken zu niedrigeren Kosten übernehmen.
🤔 Der weitere Abbau wirft Fragen zur Zukunft auf.
Das Management der Lufthansa blickt weiterhin kritisch auf die Kurz- und Mittelstrecke. Vorstandschef Carsten Spohr kündigte an, dass man die Flotte der Kernmarke im kommenden Jahr erneut verkleinern wird. Die Süddeutsche Zeitung zitiert den Konzernchef, der sich konkret zu den anhaltenden Verlusten im Europaverkehr äußerte. Demnach sollen bis zu 15 weitere Flugzeuge aus der Europaflotte abgezogen werden.
Hoffnungsträger City Airlines
Dabei handelt es sich nicht um den ersten Einschnitt. Bereits in diesem Jahr wurde das Europanetz deutlich ausgedünnt. Nach der Schließung der Lufthansa CityLine standen der Airline im Sommerflugplan über 25 Flugzeuge weniger zur Verfügung als ursprünglich vorgesehen. Dadurch mussten zahlreiche Frequenzen reduziert und einzelne Strecken komplett eingestellt werden.
Erst im vergangenen Herbst hatte Lufthansa angekündigt, diverse Kurzstreckenverbindungen zu streichen und sich auf profitablere Märkte zu konzentrieren. Mit dem Aus der CityLine wurde zudem bekanntgegeben, das Kurzstreckenprogramm im kommenden Winter um fünf weitere Flugzeuge zu reduzieren.

Mit der Lufthansa City Airlines hat der Konzern bereits eine Gesellschaft aufgebaut, die große Teile des europäischen Verkehrs zu deutlich niedrigeren Kosten übernehmen soll. Carsten Spohr machte nun deutlich, dass dieser Umbau noch weiter gehen könnte. Sollte es nicht gelingen, die Produktivität der Kernmarke – insbesondere durch neue Tarifvereinbarungen mit den Gewerkschaften – deutlich zu steigern, könnte sich Lufthansa künftig noch stärker auf die Langstrecke konzentrieren und weitere Kurzstrecken an die günstigere Konzerntochter übertragen.
Sorgenkind Kurzstrecke: Lufthansa will Flotte weiter verkleinern | Frankfurtflyer Kommentar
Wenn es um Kosten, Profitabilität und Effizienz geht, muss bei Lufthansa fast immer die Kurzstrecke daran glauben. Im Europaverkehr kann man trotz der zum Teil hohen Tarife und den Einschnitten beim Service kaum mit der Konkurrenz mithalten. Als Ursachen werden gerne die Standortkosten und hohe Abgaben genannt, diesmal ist es das teure Personal.
Gefühlt würde Lufthansa am liebsten so sein wie Virgin Atlantic, die ohne eigene Zubringer auskommt. Die Briten profitieren aber von dem riesigen Einzugsgebiet in London. Lufthansa operiert jedoch in einem anderen Markt und ist alleine durch die Multi-Hub-Strategie auf umsteigende Passagiere angewiesen. Wie das ohne den Kurzstreckenverkehr funktionieren soll, ist schleierhaft.
Die Airline bemüht sich schon seit Jahren, hier gegenzusteuern. Nun scheint man den Fuß nicht mehr vom Gas nehmen zu wollen. Die billigere City Airlines wird mit neuen und wesentlich effizienteren Flugzeugen stark vergrößert, das Personal arbeitet zu schlechteren Bedingungen und trägt so zu mehr Effizienz bei. Mit dem Ende der CityLine wurden viele ältere Maschinen samt Belegschaft über Nacht aussortiert, aber auch das scheint nicht zu reichen.
In den letzten Jahren hat man auch mit Einschnitten beim Service versucht, die Ausgaben zu reduzieren und mehr Einnahmen zu generieren. Längst gibt es Getränke und Snacks in der Holzklasse nur noch gegen Cash, dazu kamen höhere Gebühren für Zusatzleistungen und neue Tarife, bei denen selbst das Handgepäck extra kostet. Sollten die weiteren Maßnahmen nicht ausreichen, könnte man vielleicht mal bei easyJet oder Wizz Air anfragen, ob sie den Job nicht machen wollen.
Antworten