Um die Boeing 777-9 schneller ausliefern zu können, hat man zwischen 2019 und 2021 bereits 30 Flugzeuge vorproduziert, die seither bei Boeing auf dem Hof stehen. Nachdem man sich nun der Zulassung der Flugzeuge nähert, ist aber klar, dass diese Flugzeuge noch umfangreich nachgearbeitet werden müssen. Dies wird Jahre dauern, und vermutlich werden die Flugzeuge nicht einmal die Leistungsdaten erreichen, die Boeing ursprünglich versprochen hat
✈️ United Airlines soll Interesse an rund 20 der bereits produzierten Boeing 777-9 haben.
💰 Boeing könnte die problematischen „Terrible 30“ mit hohen Rabatten an einen neuen Kunden verkaufen.
🌍 Eine Bestellung wäre der erste Boeing-777-9-Auftrag einer US-Airline und ein wichtiger Erfolg für Boeing.
Boeing wird sogar mindestens eines dieser vorproduzierten Flugzeuge verschrotten müssen, da sich hier der Umbau nicht mehr lohnt. Auch Emirates hat bereits angekündigt, dass sie die Flugzeuge aus dieser Charge nicht haben wollen. Vermutlich wird es den anderen vorgesehenen Kunden ähnlich gehen, und Boeing macht sich daher nun Gedanken über eine Verwertung dieser Terrible 30, wie man sie nennen könnte.
Nun gibt es Gerüchte, dass eine große US-Airline Interesse an diesen Flugzeugen hätte und etwa 20 der umgebauten Terrible 30 übernehmen könnte. Auch wenn es natürlich noch nicht bestätigt ist, gilt United Airlines hier als wahrscheinlicher Kandidat, wie aero.de berichtet.
Für Boeing wäre dies sogar ein großer Erfolg, da man die Boeing 777-9 bisher noch bei keiner Airline unterbringen konnte. United Airlines wäre damit vermutlich die erste Airline aus den USA, die dieses Flugzeug bestellt. Man darf davon ausgehen, dass man nicht nur die 20 umgebauten Flugzeuge mit großem Rabatt bestellen wird, sondern vor allen Dingen auch noch weitere Boeing 777-9.
United Airlines ist ein riesiger Betreiber der Boeing 777, und man hat über die verschiedenen Typen (-200 und -300) insgesamt 96 Maschinen in der Flotte. United Airlines setzt bei der Erneuerung der Langstreckenflotte aktuell aber vorrangig auf die Boeing 787, und man hat auch noch 45 Bestellungen für den Airbus A350-900 offen. Die generelle Bestellung der Boeing 777-9 durch United Airlines wäre für Boeing ein Paukenschlag und damit auch ein sehr wichtiger Erfolg.

Tatsächlich ist es nicht ungewöhnlich, dass Vorserienflugzeuge nachgearbeitet und hinterher mit großen Rabatten verkauft werden. So gab es zum Beispiel bei den Boeing 787 aus der Charge der ersten zehn bis zwanzig Flugzeuge eine Reihe von Flugzeugen, die nicht von der japanischen ANA übernommen wurden. Diese wurden später von Ethiopian Airlines abgenommen, Gerüchten zufolge mit einem Rabatt von über 50 %.
Es ist durchaus wahrscheinlich, dass Boeing zum Beispiel mit United Airlines einen vergleichbaren Deal macht, der noch weitere Boeing-777-9-Bestellungen beinhalten könnte. Als Boeing-Großkunde würde United Airlines ohnehin einen großen Rabatt erhalten, und durch die Übernahme einer großen Menge der Terrible 30 könnte hier ein sehr attraktiver Deal für United Airlines entstehen.
Nachdem die Boeing 777-9 umgearbeitet wurden, sind sie nach den FAA-Standards und dem Zertifizierungsprotokoll sicher. Allerdings werden sie vermutlich nicht die Leistungsdaten erreichen, die Boeing für die Flugzeuge ursprünglich versprochen hat. Dies wird sich unter anderem in einem etwas erhöhten Spritverbrauch und vor allen Dingen auch in einer niedrigeren Reichweite niederschlagen.
Da United Airlines diese Flugzeuge vermutlich auch vorrangig auf kürzeren Transatlantikflügen (wie von Chicago nach Frankfurt) einsetzt, könnte dies ein geringeres Problem für die Airline sein. Durch hohe Rabatte bei der Anschaffung und möglicherweise auch anhaltende Zahlungen von Boeing für die fehlende Performance könnte hier für United Airlines ein sehr attraktiver Deal entstehen.
Kauft United Airlines die Boeing 777-9, die keiner haben will? | Frankfurtflyer Kommentar
Die ersten 30 bereits vorproduzierten Boeing 777-9 sind für den Flugzeugbauer aus Seattle aktuell ein großes Problem. Nicht nur, dass man sie aufwendig umbauen muss und hierfür gerade ein Team geschaffen hat, das überhaupt evaluiert, bei welchen Flugzeugen sich der Umbau noch lohnt und welche besser verschrottet werden. Die ursprünglich vorgesehenen Kunden wollen die Flugzeuge vermutlich nicht mehr abnehmen, wobei eine Auslieferung dieser Flugzeuge vermutlich ohnehin noch Jahre dauern wird.
Es ist kein Geheimnis, dass sich Boeing daher jetzt schon Gedanken über die Verwertung dieser Flugzeuge macht, auch im Sinne eines Ersatzkunden, der aufgrund eines hohen Rabatts hieran interessiert ist. Wenn man es schaffen würde, diese Flugzeuge zum großen Teil bei United Airlines unterzubringen, wäre dies auch für Boeing eine sehr angenehme Lösung.
Ich bin tatsächlich sehr gespannt, wie es weitergeht und ob wir vielleicht in den kommenden Tagen eine Bestellung für die Boeing 777-9 von United Airlines sehen werden.
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