Das Boeing 777-X-Programm steht unter keinem guten Stern. Eigentlich wollte man bereits 2020 die erste der neuen Triple Seven an Lufthansa ausliefern, aber dass aus diesem Plan nichts wurde, ist hinlänglich bekannt. Immer weitere Verzögerungen bei der Zulassung sorgten nun dafür, dass das Flugzeug mindestens sieben Jahre Verspätung angehäuft hat, und auch wenn man inzwischen damit rechnet, im kommenden Jahr wirklich die erste Boeing 777-9 an Lufthansa liefern zu können, reißen die schlechten Nachrichten nicht ab.
🛫 Boeing verschrottet erstmals eine bereits gebaute Boeing 777-9 noch vor der Auslieferung.
🔧 Mindestens 30 Vorserienflugzeuge müssen aufwendig umgebaut werden, bevor sie zugelassen und ausgeliefert werden können.
💰 Emirates-Chef Tim Clark hält die ersten Boeing 777-9 für wirtschaftlich kaum noch sinnvoll und hätte sie lieber verschrotten lassen.
Um nach der Zulassung die Flugzeuge möglichst schnell liefern zu können, ist es üblich, dass Flugzeughersteller bereits während des Zulassungsprozesses die ersten Flugzeuge für Airlines bauen. Auch Boeing hat dies für die 777-9 natürlich gemacht, allerdings müssen mindestens 30 dieser ersten vorproduzierten Flugzeuge noch einmal modifiziert werden, um überhaupt zulassungsfähig zu sein. Dieser Prozess wird nicht nur teuer, sondern vermutlich auch Jahre für diese betroffenen Flugzeuge in Anspruch nehmen.
Der Emirates-CEO, Sir Tim Clark, hat schon kundgetan, dass er keine dieser ersten 30 Boeing 777-9 haben möchte, und empfiehlt Boeing sogar, die Flugzeuge nicht mehr nachzuarbeiten, sondern zu verwerten. Spaßeshalber hat er gesagt, dass der wohl beste Einsatz als Dose für Baked Beans ist.
Während der Verwertungsvorschlag sicherlich ein Witz des Emirates-CEO war, schätzt er den Wert dieser Flugzeuge aus den ersten Produktionschargen als äußerst gering ein, da sie umfangreich nachgearbeitet werden müssen, sowohl an der Struktur der Flugzeuge selbst als auch am Triebwerk. Dies ist unglaublich aufwendig und teuer und führt am Ende dennoch zu einem Flugzeug, das nicht die Leistungsdaten erreichen wird, die eigentlich von Boeing versprochen wurden.

Boeing selbst sagt, dass die nötigen Umbauten bei den ersten 30 Vorserienexemplaren sehr unterschiedlich sind, und man kann die genauen Kosten hierfür auch noch nicht beziffern. Allerdings hat man hierfür ein eigenes Team eingerichtet, welches sich genau damit befasst.
Dass der Emirates-CEO mit seiner Bewertung gar nicht so falsch liegt, könnte man auch daran sehen, dass Boeing mindestens eine schon gebaute 777-9 noch vor der Auslieferung verschrotten muss. Bei der Präsentation der Finanzzahlen hat man dies bestätigt, da das Flugzeug nun abgeschrieben wurde und verwertet wird. Ein Umbau dieser Zelle wäre zu teuer und aufwendig.
Tatsächlich handelt es sich bei dem betroffenen Flugzeug auch um die siebte hier gebaute Boeing 777-9, welche auch wirklich für Emirates vorgesehen war. Das Flugzeug wird nun nicht nur nicht nach Dubai ausgeliefert, sondern niemals einen Kunden erhalten.
Boeing muss mindestens eine Boeing 777-9 vor der Auslieferung verschrotten | Frankfurtflyer-Kommentar
Die schlechten Nachrichten rund um das Boeing-777-9-Programm reißen einfach nicht ab. Dabei sind es wohl aber durchaus Dinge, die nun veröffentlicht werden, mit denen man allerdings zumindest intern bei Boeing und vermutlich auch bei den Kunden schon gerechnet hat.
Dass vor der Zulassung produzierte Flugzeuge umgearbeitet werden müssen, um ausgeliefert werden zu können, ist tatsächlich nichts Ungewöhnliches, und dies gibt es auch bei anderen Flugzeugtypen oder bei Airbus. Der Umfang der Nacharbeiten bei der Boeing 777-9 ist nun allerdings doch eher außergewöhnlich und damit vor allen Dingen kostspielig.
Was man aktuell sieht, sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Boeing in den letzten Jahren tatsächlich große Fortschritte bei der Boeing 777-9 gemacht hat, und was nun öffentlich wird, ist wohl eher auf frühere Fehler zurückzuführen. Die Flugzeuge, die dann hoffentlich 2027 endlich ausgeliefert werden, werden nicht nur die sehr strengen Zulassungskriterien der FAA und EASA erfüllen, sondern auch die Spezifikationen der Airlines erreichen müssen.
Wie viele Dosen für Baked Beans bekommt man aus einer Boeing 777-9?
Ein Desaster bleibt ein Desaster, egal welche Fortschritte mittlerweile im Programm angeblich gemacht worden sind.
Umfangreiche Nacharbeiten an der Struktur: Das hört sich ja höchst vertrauenserweckend an, insbesondere angesichts der Berichte der Boeing-Whistleblower.
Wenn selbst diese Nacharbeiten nicht zu einem Flugzeug führen werden, das die von Boeing versprochenen Leistungsdaten erreichet: Was soll das Ganze dann?
Nimmt die Lufthansa die Boeings mit Kusshand, die Emirates ablehnt?
Vermutlich werden aus einer neuen 777 gar nicht so viele Dosen herauskommt, wie man denkt, da viele Teile aus Faserverbundwerkstoffen besteht.
Das vor-produzierte Flugzeuge nachgearbeitet werden müssen, ist absolut normal. Der Umfang der Arbeiten scheint hier allerdings überraschend hoch für Boeing zu sein, was nicht ein direkter Indikator auf die Sicherheit des Flugzeuges ist, sondern eher im Aufwand der Umrüstung liegt.
Das Lufthansa, die Flugzeuge von Emirates übernehmen könnte, die von Emirates abgelehnt wurden, steht aktuell gar nicht so Debatte. Diese 30 betroffenen Flugzeuge stehen aktuell nicht zur Auslieferung zur Verfügung und werden dies auch wohl über Jahre nicht tun. Ich kenne die Zahl nicht, aber es ist davon auszugehen, dass unter den 30 Betroffenen Flugzeuge auch Maschinen sind, die für Lufthansa vorgesehen waren. Wie Lufthansa hiermit verfahren wird, ist nicht klar. Allerdings ist Lufthansa eine der wenigen Airlines, die dafür bekannt sind. Flugzeuge, die die Leistungsdaten nicht erreichen, auch nicht zu übernehmen, siehe Boeing 747-8 wo man eine Maschine abgelehnt hat, trotz sehr hoher Rabatte von Boeing.
Danke Dir!
Bin gespannt, ob sich verfolgen lassen wird, ob/wann die 29 (noch) nicht verschrotteten Maschinen bei irgendwelchen dubiosen Airlines oder Leasinggesellschaften landen.
Für die Lufthansa hoffe ich, dass die Gier nicht wieder den Verstand frisst und sie ebenso verfahren wie Emirates, wenn die Situation vergleichbar ist.
Die FAA hat Boeing-Verstöße gegen Qualitätsstandards, Produktions- und Sicherheitsmängel und Organisationmängel bestätigt. Mir reicht das Gesamtbild dieses Herstellers völlig, um Boeing bereits seit Jahren zu meiden, wo es nur geht.
Über diverse Konstrukte von Airlines und Lessoren und/oder Aircraft Change möchte ich ganz sicher nicht plötzlich in einer dieser Kisten sitzen.
Und dann heißt es, der A380 sei nicht mehr profitabel zu betreiben. Die Abermillionen, die hier verbrannt werden, möchte man mal gegengerechnet sehen, auch wenn der Kostenträger unmittelbar nicht die Airline ist. Am Ende muß sie es aber doch mit der Anschaffung bezahlen, da der der Hersteller das Desaster wohl kaum langfristig nicht weiterbelasten wird.
Na ja, Boeing muss ja konkurrenzfähig zu Airbus sein. Beliebig die Preise hochschrauben kann man daher nicht.
Der wichtigste Teil der Einnahmen kommt bei Boeing allerdings aus dem Defense-Bereich. Am Ende des Tages zahlen das also quasi alle mit ihren Steuergeldern. Zumindest, wenn man nicht in den USA Waffen kauft.
Aber Airbus hat ja schon gesagt: „Sagt niemals nie, vielleicht kommt der Airbus A380 wieder.“
Offenbar hat Boeing mit United schon jemand gefunden, der einen Teil der terrible 30 Maschinen kaufen wird, natürlich zum absoluten Tiefstpreis. Die anderen Maschinen würde ich versuchen in Japan zu verkaufen, ANA und JAL fliegen 777 auf Kurzstrecken, da ist kaum Sprit an Bord und wenig Gewicht, da sollte die fehlende Leistungsfähigkeit auf langen Strecken kein Problem sein. Diese Inlands 777 haben auch eine ganz spezielle high density Bestuhlung mit 550 Sitzen und können daher sowieso nur auf Kurzstrecken eingesetzt werden, es ist keine Flexibilität erforderlich.