Lufthansa Cityline Ende hat 150 Millionen Euro gekostet, aber Lufthansa will hierdurch deutlich mehr einsparen

Lufthansa CityLine. Symbolbild

Es war definitiv ein Ende mit Schrecken. Nachdem sich die Piloten und die Flugbegleiter mit Streiks über mehrere Tage hinweg rund um die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Lufthansa abgewechselt hatten, hat man in Frankfurt beschlossen, zu reagieren, und zwar mit Nachdruck. Eines dieser deutlichen Signale war die sofortige Stilllegung der Regionaltochter Lufthansa CityLine, welche eigentlich erst für 2027 geplant war.

Das Wichtigste auf einen Blick:

✈️ Teures Aus: Die sofortige Stilllegung von Lufthansa CityLine verursachte Kosten von rund 150 Millionen Euro.
💶 Hohe Einsparungen: Lufthansa erwartet durch das Ende der Regionaltochter künftig Einsparungen von rund 180 Millionen Euro pro Jahr.
🛫 Nachfolger steht bereit: Lufthansa City Airlines übernimmt schrittweise einen Großteil der Kurz- und Mittelstrecken ab Frankfurt und München.

Folgt Frankfurtflyer auf GOOGLE NEWS

Was vor allem von den Gewerkschaften und auch Mitarbeitern als sehr drastisches Signal von Lufthansa gewertet wurde, blieb auch für den Kranich nicht kostenlos. Bei der Präsentation der Halbjahreszahlen hat der Lufthansa-Vorstand die Kosten für die vorzeitige Einstellung von Lufthansa CityLine auch benannt. Etwa 150 Millionen Euro an direkten Kosten hat dieser Schritt verursacht, insbesondere da man etwa 20.000 Flüge kurzfristig streichen musste.

Die initial hohen Kosten für das sofortige Lufthansa-CityLine-Aus werden sich allerdings laut Lufthansa-Vorstand relativ schnell amortisieren. Man sieht den Ergebniseffekt durch den Wegfall der Lufthansa CityLine bei etwa 180 Millionen Euro pro Jahr, die dies zum Ergebnis der gesamten Lufthansa-Gruppe beitragen wird.

Lufthansa CityLine hat am Ende noch 23 Regionaljets vom Typ Bombardier CRJ-900 betrieben. Mit dem 90-sitzigen Regionaljet wurden vor allen Dingen wenig nachgefragte Strecken bedient und Lufthansa CityLine galt in der Lufthansa-Gruppe als eine Airline, die vorrangig Geld verbrennt. 2025 hat man für Lufthansa CityLine einen Verlust von 97 Millionen Euro ausgewiesen. Nachdem sich das Ergebnis aller Airlines der Gruppe 2026 aufgrund der deutlich gestiegenen Treibstoffpreise massiv verringert hat, darf man davon ausgehen, dass der Verlust im Jahr 2026 noch einmal deutlich gestiegen wäre.

Ein großer Teil des Geschäfts der Lufthansa CityLine soll nun auf die neu gegründete Lufthansa City Airlines übergehen, welche einen großen Teil der Kurz- und Mittelstrecken der Lufthansa-Gruppe ab Frankfurt und München übernehmen soll. Aktuell hat die Airline bereits 18 Airbus A319 und Airbus A320neo in der Flotte. Allerdings soll die Flottengröße noch dieses Jahr auf 25 Flugzeuge ausgebaut werden. Mindestens 40 Flugzeuge sind schon fest für Lufthansa City Airlines eingeplant.

Foto: Lufthansa

Die Einsparungen ergeben sich hierbei ausschließlich durch die Bezahlung der Crews, welche geringer entlohnt werden als jene bei der Lufthansa-Mainline. Allerdings betont der Lufthansa-Vorstand, dass man bei Lufthansa City die zweithöchsten Vergütungen aller Airlines in Deutschland bezahlen werde, zwar unterhalb dessen, was Lufthansa den Piloten und Flugbegleitern bezahlt, aber oberhalb dessen, was bei Eurowings, Discover oder auch Condor bezahlt wird.

Der wirklich größte Hebel liegt allerdings in der Produktivität von Lufthansa City Airlines und deren Mitarbeitern. Dies bedeutet im Endeffekt nichts anderes, als dass man die Flugzeuge mehr fliegen lassen kann als Lufthansa selbst und vermutlich auch, dass die Nebenkosten geringer sind, wie z. B. Spesen oder auch Übernachtungskosten der Crews, indem man vorrangig zum Dienstende an die Basis zurückkehren kann.

Das Ende von Lufthansa CityLine hat 150 Millionen Euro gekostet, aber Lufthansa will hierdurch nun 180 Millionen pro Jahr einsparen | Frankfurtflyer Kommentar

Die sofortige Einstellung von Lufthansa CityLine wirkte ein wenig wie die Trotzreaktion eines beleidigten Kindes Vorstands. In Teilen, insbesondere in ihrer Plötzlichkeit, war sie das vielleicht auch, denn man macht auch im Lufthansa-Vorstand kein Geheimnis daraus, dass man mit dem Verhalten von Piloten und Flugbegleitern rund um den 100. Geburtstag von Lufthansa recht wenig anfangen konnte.

Allerdings sieht man bei Lufthansa diesen Schritt inzwischen auch außerordentlich positiv, denn auch wenn er mit 150 Millionen Euro erst einmal hohe direkte Kosten mit sich brachte, ist das Einsparpotenzial durch das Ende von Lufthansa CityLine nicht unbedeutend. Dies hatte man sicher bereits vor Jahren ausgerechnet, weshalb das Ende von Lufthansa CityLine auch besiegelt war. Tatsächlich waren es die Mitarbeiter der Airline, die verhindert haben, dass dieses Ende früher, also vor 2027, kommen sollte.

Dass man mit den anhaltenden Streiks sowie den geopolitischen Verwerfungen in der Welt und hohen Ölpreisen nun beste Argumente gefunden hat, Lufthansa CityLine vorzeitig abzuwickeln, ist dem Lufthansa-Vorstand offenkundig gerade recht gekommen.

Schreibe den ersten Kommentar

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*