Noch kein einziges Flugzeug umgerüstet: Macht Lufthansa bei Allegris die Rolle rückwärts?

Foto: Lufthansa

Lufthansa ist gerade dabei, die Langstreckenflotte zu modernisieren und auch die Kabinen der Flugzeuge zu erneuern. Nachdem zehn Airbus A350-900 mit neuen Allegris-Sitzen nach München ausgeliefert wurden, kommen derzeit immer mehr Boeing 787-9 nach Frankfurt. Bei der bestehenden Flotte sieht die Situation allerdings ganz anders aus. Mehr als zwei Jahre nach dem ersten Linienflug mit Allegris wurde noch kein einziges Langstreckenflugzeug auf diese Kabine umgerüstet. Nach den Verspätungen und Zulassungsproblemen stellt sich die Frage, bei welchen Flugzeugen sich Lufthansa diesen aufwendigen Umbau überhaupt noch antun wird. Viele ältere Jets verschwinden in den kommenden Jahren aus der Flotte und selbst beim Airbus A380 hat man sich inzwischen gegen Allegris und für einen anderen neuen Business-Class-Sitz entschieden.

Das Wichtigste auf einen Blick:

💺 Nur 25 von 101 aktiven Lufthansa-Langstreckenflugzeugen verfügen derzeit über Allegris.
🔧 Kein einziges Bestandsflugzeug wurde bislang auf Allegris umgerüstet.
✈️ Zahlreiche ältere Flugzeuge verschwinden bis 2028, während neue Jets mit Allegris nachkommen.

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Nur jeder vierte Lufthansa-Langstreckenjet hat Allegris

Inzwischen ist die Allegris-Flotte durchaus sichtbar geworden. Zehn Airbus A350-900 und 15 Boeing 787-9 verfügen nach unserem aktuellen Flottenstand über die neue Kabine. Bei insgesamt 101 aktiven Langstreckenflugzeugen entspricht dies allerdings erst einem Anteil von 24,8 Prozent.

Etwas besser sieht die Situation aus, wenn man andere moderne Business-Class-Sitze berücksichtigt. Vier Airbus A350-900 verfügen über die sogenannte Sprinter-Kabine, die ursprünglich von Philippine Airlines stammt. Drei Boeing 787-9 haben ebenfalls eine abweichende 1-2-1-Kabine. Dazu kommen die ersten Airbus A380, die mit einer neuen Business Class ausgestattet wurden.

Damit verfügen 35 von 101 Lufthansa-Langstreckenflugzeugen über Allegris oder zumindest einen anderen modernen Business-Class-Sitz mit direktem Zugang zum Gang. Das entspricht 34,7 Prozent. Umgekehrt bedeutet dies aber auch, dass zwei Drittel der Lufthansa-Langstreckenflotte weiterhin mit der alten Business Class unterwegs sind.

Flugzeugtyp Anzahl aktive Flugzeuge Neue Business Class / Allegris Alte Business Class Anteil neue Business Class / Allegris
Airbus A330-300 3 0 3 0 %
Airbus A340-300 12 0 12 0 %
Airbus A340-600 4 0 4 0 %
Airbus A350-900 31 14 17 45,2 %
Airbus A380-800 8 3 5 37,5 %
Boeing 747-400 8 0 8 0 %
Boeing 747-8 17 0 17 0 %
Boeing 787-9 18 18 0 100 %
Gesamt 101 35 66 34,7 %
Lufthansa Allegris Business Class, Foto: Robert

Noch kein einziges Flugzeug wurde auf Allegris umgerüstet

Alle derzeit eingesetzten Allegris-Flugzeuge wurden bereits mit der neuen Kabine an Lufthansa ausgeliefert. Einen Umbau eines bereits im Lufthansa-Dienst stehenden Flugzeugs hat es bislang nicht gegeben. Auch sonst ist über die Retrofit-Pläne bzw. den Zeitplan der Airline wenig bekannt. Klar ist, dass man die A350-Bestandsflotte und die Boeing 747-8 umrüsten will, die anderen Typen sollen ohnehin ausgemustert werden. Der Umbau des Jumbos soll in zwei Phasen erfolgen, ein Termin wurde aber nicht genannt.

Allegris ist dennoch auf immer mehr Routen verfügbar. Dies ist zum einen durch die Dreamliner-Neuauslieferungen möglich, im Herbst erwartet man in München aber auch die ersten Airbus A350-1000. Bis Ende 2026 sollen dann insgesamt 35 Allegris-Flugzeuge von Frankfurt und München aus eingesetzt werden.

Ein Blick auf die Tabelle zeigt auch, warum Lufthansa beim Retrofit möglicherweise so zurückhaltend ist. Die drei verbliebenen Airbus A330-300 sollen zu anderen Konzernairlines wechseln und werden daher bei Lufthansa keine neue Kabine mehr erhalten. Die letzten Airbus A340-600 sollen bereits im Oktober 2026 endgültig aus der Lufthansa-Flotte verschwinden. Die kleineren Airbus A340-300 müssen noch ein wenig durchhalten, die Auslaufmodelle dienen als Lückenfüller, bis die neuen Boeing 777-9 kommen, und sollen spätestens 2028 Geschichte sein.

Ähnlich sieht es bei der Boeing 747-400 aus. Von derzeit acht aktiven Maschinen sollen zwei noch 2026 ausgemustert werden. Die übrigen sechs sollen 2027 folgen. Auch hier ist ein umfangreicher Kabinenumbau kurz vor dem Ende der Einsatzzeit wirtschaftlich kaum noch sinnvoll. Damit verschwinden innerhalb relativ kurzer Zeit gleich mehrere große Teilflotten, die heute noch ausschließlich mit der klassischen Lufthansa Business Class unterwegs sind.

Aussen neu, innen alt: Die Lufthansa 747-830 (D-ABYN) in der Jubiläumslackierung. Foto: Lufthansa

Welche Flugzeuge werden überhaupt noch auf Allegris umgerüstet?

Interessant wird die weitere Entwicklung beim Airbus A350-900. Von derzeit 31 aktiven Maschinen verfügen nur zehn über Allegris. Weitere vier haben die von Philippine Airlines übernommene Sprinter-Kabine mit direktem Gangzugang, sollen mittelfristig aber zu Discover Airlines wechseln. Damit bleiben 17 vergleichsweise junge Airbus A350 mit der klassischen Lufthansa Business Class übrig, die eigentlich ideale Kandidaten für ein Retrofit wären.

Neue A350-900 werden dagegen zunächst nicht erwartet, mit weiteren Auslieferungen rechnet Lufthansa erst ab 2029. Noch in diesem Jahr kommt allerdings der größere Airbus A350-1000 zur Flotte. Vier Maschinen sollen 2026 ausgeliefert werden, weitere folgen 2027. Diese Flugzeuge erhalten von Anfang an Allegris und werden in München stationiert. Insgesamt hat die Lufthansa Group 15 Airbus A350-1000 fest bestellt.

Noch schneller wächst Allegris bei der Boeing 787-9. Lufthansa betreibt aktuell 18 Dreamliner, von denen drei noch über die sogenannte Hainan-Kabine verfügen. Die übrigen 15 wurden bereits mit Allegris ausgeliefert. Bis zu neun weitere Boeing 787-9 sollen noch 2026 zur Flotte stoßen, fünf weitere sind für 2027 vorgesehen. Alleine durch diese Neuauslieferungen dürfte der Allegris-Anteil bei Lufthansa also auch ganz ohne Retrofit deutlich steigen.

Das größte Fragezeichen bleibt die Boeing 747-8. Lufthansa betreibt noch 17 Exemplare des moderneren Jumbos und will diese noch viele Jahre einsetzen. Anders als bei A340 und Boeing 747-400 lässt sich die alte Business Class hier also nicht einfach durch eine baldige Ausflottung erledigen. Die Boeing 747-8 soll grundsätzlich Allegris erhalten, allerdings stellt insbesondere das Oberdeck bei der Integration der neuen Sitze eine Herausforderung dar. Bis heute wurde keine einzige 747-8 entsprechend umgebaut. Sollte Lufthansa am Ende auch beim Jumbo auf eine alternative Business-Class-Lösung setzen, wäre dies ein weiteres Indiz dafür, dass die ursprünglichen Pläne für ein umfangreiches Allegris-Retrofit der Bestandsflotte nicht wie vorgesehen aufgehen.

Airbus A380 bekommt neue Business Class – aber kein Allegris

Auf der Airbus A380-Teilflotte findet derzeit tatsächlich ein Retrofit statt, hier kommen aber andere Sitze in die Kabinen. Drei der acht Lufthansa Airbus A380 besitzen inzwischen eine neue Business Class in einer 1-2-1-Konfiguration. Bis 2027 sollen alle acht Maschinen entsprechend umgebaut werden.

Damit beseitigt Lufthansa zumindest einen der größten Nachteile der bisherigen Business Class. Jeder Passagier erhält künftig direkten Zugang zum Gang. Gleichzeitig zeigt die Entscheidung aber auch, dass Lufthansa bei der Modernisierung der Bestandsflotte nicht um jeden Preis an Allegris festhält.

2027 könnte zum entscheidenden Jahr werden

Die kommenden 12 bis 18 Monate dürften die Lufthansa-Langstreckenflotte stärker verändern als die vergangenen Jahre. Noch 2026 sollen die Airbus A340-600 verschwinden, zwei Boeing 747-400 die Flotte verlassen und zahlreiche neue Boeing 787 hinzukommen. Gleichzeitig startet die Auslieferung der Airbus A350-1000.

2027 werden noch mehr Maschinen ausgeflottet, weitere A350-1000 und Boeing 787 kommen hinzu und erstmals soll auch die lange verzögerte Boeing 777-9 zur Lufthansa stoßen. Lufthansa nennt inzwischen selbst das kommende Jahr für den ersten Einsatz der 777-9 mit Allegris. Dadurch dürfte der Anteil der alten Business Class automatisch deutlich sinken – selbst wenn Lufthansa weiterhin kaum bestehende Flugzeuge umrüstet. Bis dahin bleibt noch ein Sammelsurium an verschiedenen Sitzvarianten:

Das sind die fünf verschiedenen Lufthansa Business Class Sitze

Macht Lufthansa bei Allegris die Rolle rückwärts? | Frankfurtflyer Kommentar

Von einer Rolle rückwärts kann man bei Allegris wohl eher nicht sprechen, da laufend neue Flugzeuge zur Flotte stoßen und diese alle die neuen Kabinen haben. Beim ursprünglich geplanten Retrofit sieht es allerdings anders aus: Mehr als zwei Jahre nach dem Start wurde noch kein einziges bestehendes Lufthansa-Flugzeug auf Allegris umgerüstet.

Bei diversen Teilflotten ist das angesichts der bevorstehenden Ausflottung nachvollziehbar, bei den je 17 Airbus A350 und Boeing 747-8 mit alter Business Class muss sich zeigen, was vom geplanten Retrofit noch übrig bleibt. Der Allegris-Anteil wird in den kommenden Jahren trotzdem schnell steigen, dies geschieht aber vor allem durch Neuauslieferungen und das Verschwinden älterer Flugzeuge.

8 Kommentare

      • Hallo Yoghi, die Ursache dafür könnte sein, dass viele Kunden in den letzten Jahren vom Verhalten der Lufthansa extrem enttäuscht sind. Leider bestätigen solche Artikel dies dann immer wieder.
        Unabhängig vom Tonfall steckt hinter der Kritik halt meist ein Funken Wahrheit. Wenn Lufthansa es schafft, wieder mehr Fans zu gewinnen, reduziert sich die Kritik wahrscheinlich automatisch.

  1. Vielen Dank, dass wir ihr das Thema aufgreift.
    Wir hatten es kürzlich beim Thread zu den verschiedenen BC der Lufthansa schon.

    Dass 29 Monate nach Einführung von Allegris noch keine einzige 359 und vor allem keine 748 umgerüstet wurde, ist natürlich enttäuschend.

    Dafür gibt es natürlich Gründe wie ihr schreibt. Von der teils chaotischen Einflottungsphase von 789 und 779, Anpassung des Flugzeugbedarfs (Mainline schrumpft, 359er zu Discover) und die technischen Herausforderungen des Sitzes für die 748 in Business Oberdeck und First. Die zahlreichen Qualitätsmängel des Sitzes tun ihr übriges, damit ist man im Konzern nicht zufrieden.

    Vielleicht flottet man die 748 auch bald aus…
    Bei den 380 wette ich, dass die es nicht bis 2030 in der Flotte schaffen.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn wir eher früher als später ein qualitativ besseres Produkt als Allegris bei LH sehen werden. (Bislang bin ich erst 3x im 359 mit ihr geflogen)

  2. Dass nach über zwei Jahren noch kein einziges Bestandsflugzeug umgerüstet wurde, passiert bei Lufthansa garantiert wieder auf „vielfachen Kundenwunsch“ – genau wie das schrittweise Streichen des Essens (der Tasting Heimat Apfel in der Pappschachtel war die Krönung) oder die unverschämten Mondpreise für Sitzplatzreservierungen, die man selbst treuen Statuskunden mittlerweile ohne mit der Wimper zu zucken abknöpft.
    Man darf nicht vergessen, jahrelang existierte diese angebliche neue Business-Class nur als bunte Rendering-Grafik in den PowerPoint-Folien der Marketingabteilung. Ein potemkinsches Dorf im Luftraum, das primär dazu diente die 5-Sterne-Bewertung beizubehalten
    Der Retrofit wird jetzt einfach so lange kreativ ausgesessen und verschoben, bis die alten Mühlen von selbst auf dem Schrottplatz landen und Neuauslieferungen die Statistik schönfärben. Inzwischen unterscheidet sich der selbsternannte „Premium-Kranich“ ohnehin kaum noch von Ryanair oder Wizz Air. Einziger Unterschied? Der saftige Aufpreis auf dem Ticket, mit dem man weiterhin den Mythos einer A-Klasse aufrechterhält, während man längst auf Billigflieger-Niveau gelandet ist.

  3. Offenbar hat man bei LH langsam verstanden, dass die Allegris-Konfiguration heute schon vorgestern ist. Selbst die vielgescholtenen US-Linien DL und AA bieten in ihren neuen Business Klassen etwas, dass im LH-Konzern allenfalls noch AZ bietet.
    Natürlich können sie das nicht zugeben, aber es dürfte künftig eine einfachere und logischere Kabine geben mit überwiegend ähnlichen 1-2-1 Sitzen in einer Reihe, sowie einem etwas exklusiveren Bereich in Reihe 1. Grundlage vermutlich Elevate Ascent oder Vantage XL, also eine Hinorientierung zu den neuen Produkten bei Edelweiss und Discover nur mit Kabinentür.

    Es wäre Unsinn den Allegris-Irrweg weiter zu beschreiten, die Konfiguration und das Tarifmodell sind höchstens Vielfliegern, oder nicht-Selbstzahlern vermittelbar. Sonst niemandem. Ich fliege, sofern überhaupt noch LH-Gruppe nur noch mit AZ, auch wenn das beim Service Abstriche bedeutet.

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