Air Baltic kurz vor der Pleite? | Welche Auswirkungen hätte dies auf Lufthansa?

Air Baltic Airbus A220-300

Die lettische Airline Air Baltic ist in Deutschland vor allen Dingen als Wet-Leasing-Airline bekannt, und die meisten werden wohl ihre Erfahrung mit ihr gemacht haben, als sie eigentlich einen Lufthansa-, Swiss-, Austrian-Airlines- oder Discover-Airlines-Flug gebucht hatten und Air Baltic den Flug im Auftrag für die Lufthansa-Gruppe durchgeführt hat

Das Wichtigste auf einen Blick:

💶 Finanzielle Schieflage: Air Baltic soll bis zu 150 Millionen Euro an frischen Krediten benötigen.
✈️ Folgen für Lufthansa: Ein Grounding könnte den Flugplan der Lufthansa-Gruppe mit bis zu 21 Wet-Lease-Flugzeugen erheblich beeinträchtigen.
🇱🇻 Staat unter Druck: Lufthansa will kein weiteres Geld investieren – nun steht vor allem Lettland als Mehrheitseigentümer in der Verantwortung.

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Dabei ist das Konzept des Wet-Leasings nichts Ungewöhnliches. Im Grunde stellt Air Baltic dabei das Flugzeug, die Crews und die Wartung bereit, um Flüge für Lufthansa durchzuführen, wenn die Lufthansa-Gruppe selbst Kapazitätsengpässe hat, wie z. B. meistens im Sommer, wenn es chronisch an verfügbaren Flugzeugen, gemessen an der Nachfrage, fehlt.

Die Bedeutung von Air Baltic ist für die Lufthansa-Gruppe inzwischen sogar so groß, dass man in die lettische Airline investiert hat. Für etwa 14 Millionen Euro hat Lufthansa im September 2025 10 % der Airline aus Riga gekauft. Diese Beteiligung galt immer als strategisch und wurde nie mit der Absicht eingegangen, Air Baltic komplett zu übernehmen. Die verbleibenden Anteile von Air Baltic liegen komplett beim lettischen Staat.

Air Baltic scheint allerdings in letzter Zeit gewaltig in finanzielle Schieflage geraten zu sein. Und es wird berichtet, dass sie bis zu 150 Millionen Euro an frischen Krediten benötigt. Den zusätzlichen Finanzierungsbedarf begründet man in Riga mit den stark gestiegenen Spritpreisen sowie dem Druck aus aktuell bestehenden Krediten in Höhe von 380 Millionen Euro, die eine jährliche Zinsbelastung von 56,2 Millionen Euro mit sich bringen. Lufthansa hat hier bereits abgewunken. Man sieht, wenn überhaupt, Lettland als größten Anteilseigner in der Pflicht.

Aktuell gibt es mehrere Pressemeldungen, die besagen, dass die Situation bei Air Baltic so schlecht ist, dass man schon mit einem Air-Baltic-Grounding rechnen könnte. Wenn eine Airline in Europa Insolvenz anmeldet, erlischt gewöhnlich auch sofort die Betriebsgenehmigung, was bedeutet, dass sie alle Flüge einstellen muss.

Dies hätte natürlich auch gravierende Auswirkungen auf den Lufthansa-Flugplan, denn im Sommer fliegen bis zu 21 Flugzeuge von Air Baltic im Auftrag von Lufthansa bzw. Airlines der Lufthansa-Gruppe. Sollte sie tatsächlich bald plötzlich und unkoordiniert kollabieren, würde dies auch zu einer ganzen Reihe von Flugausfällen bei Lufthansa und ihren Töchtern führen.

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass sowohl Lufthansa als auch Lettland daran interessiert sind, eine solche Situation zu vermeiden. Allerdings hat die Geschichte gezeigt, dass dies nicht immer möglich ist. Man denke hier nur an die Swissair-Pleite, auch wenn dies ein ganz eigener Skandal war.

Air Baltic kurz vor der Pleite? | Frankfurtflyer Kommentar

Air Baltic ist für Lufthansa extrem wichtig geworden, vor allen Dingen im Sommer. Daher bin ich mir sehr sicher, dass man in Frankfurt ganz genau beobachtet, was aktuell in Riga passiert.

Wenn die Berichte stimmen, dass Air Baltic tatsächlich schon in Kürze in Zahlungsschwierigkeiten kommen könnte, wäre dies natürlich sehr problematisch für die Lufthansa-Gruppe, da man die Airline insbesondere im Sommer unbedingt braucht und keine eigenen Alternativen bieten könnte. Flugausfälle wären hier die direkte Folge, auch wenn dies natürlich irgendwie doch abgefangen werden könnte.

Es gibt allerdings auch Berichte, dass man sich in Litauen und Estland darauf vorbereitet, dass Air Baltic noch diesen Sommer ausfällt, und Pläne für etwaige Rückholflüge von gestrandeten Urlaubern auflegen würde.

12 Kommentare

    • Vermutlich sind das tatsächlich Zinsen und Tilgung. Wobei gerade bei solchen Krediten Zinssätze, die auch mal zweistellig sein könnten, gar nicht so unüblich sind. Der Finanzbedarf von Air Baltic wird auf etwa 150 Millionen Euro bemessen, was ungefähr der aktuelle Wert der Airline ist oder diesen sogar übersteigt

      • Ich denke mal, das werden sogar wirklich nur die Zinsen sein. alleine die Anleihe hat ein Volumen von 340 Mio. EUR und einen Kupon von 14,5% p.a. Dasmacht schon gut 49 Mio. EUR Zinsen pro Jahr… der Rest kommt da schnell zusammen…

        Ich finds schade um die Anleihe, das gab die letzten Jahre immer schöne Zinsen… da werd ich wohl etwas Geld abschreiben dürfen, aber der Zuns war ja Indikator genug für das Risiko…. Da war ich wohl etwas gierig 🙂

        • Mit 14,5 % pro Jahr ist dies ein ziemlich klarer Indikator für eine hohe Risikoanleihe. Das sollte jedem klar sein, und eigentlich war hier auch für institutionelle Investoren aufgesetzt bei 100.000 € Nominaleinlage.

          Dass die Anlage in schwerer Gefahr ist, dürfte eigentlich seit Mitte März klar sein, seit der Bond mit unter 40 Cent pro Euro gehandelt wird.

  1. Oh, jetzt wirds‘s interessant: wo sind denn heute im Corporate-Bereich zweistellige Zinssätze üblich? Welche Risiko-Aufschläge oder sonstige Covenants gelten da? Frage für einen Freund…

    • Für deinen Freund: ein der letzten von Air Baltic ausgegebenen Anleihen hat einen Coupon von 14,5 %. Falls du es mir nicht glaubst, Google is your friend.

  2. gute nachrichten, der markt reguliert sich. die überdurchschnittlichen gehälter der fantastischen lh gruppe sollten damit auch überdacht werden. keine bitterheit, nur freude(schadenfreude).

    • Wobei sehr genau der Wet-Leasing-Partner ist, mit den niedrigen Gehältern, der jetzt finanzielle Probleme hat. Es wird ja gesagt, dass Lufthansa Air Baltic auch deswegen einsetzt, da es für sie günstiger ist, die teuren Wet-Leasing-Verträge bei Air Baltic zu bezahlen, als eigene Crews fliegen zu lassen. Zumindest, wenn man diese nicht zu 100 % auslasten kann im Winter

  3. Ohne AirBaltic ist die gesamte Region tot. Ich bezweifle, dass der Staat die Pleite gehen lässt. Dafür ist die Airline zu wichtig. Gleiches gilt für Estland und Litauen.

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