Lufthansa baut um, der Konzern will die Fluggesellschaften enger zusammenführen und auch die Verbindungen in Europa besser aufeinander abstimmen. Die Kurzstreckenflüge bereiten der Airlinegruppe schon länger Sorgen, wofür es mehrere Gründe gibt. Durch die Multihub-Strategie werden viele Zubringer angeboten, es gibt also zu hohe Kapazitäten. Die Kosten sind schon länger ein Problem, inzwischen fressen die Verluste in diesem Bereich sogar fast die gesamten Gewinne der Langstrecke auf. Das soll sich ändern.
💶 Teure Kurzstrecke: Die Verluste fressen laut Carsten Spohr fast alle Gewinne der Lufthansa-Langstrecke auf.
✈️ Weniger Zubringer: Lufthansa will das wachsende Langstreckengeschäft künftig mit weniger Kurzstreckenkapazität bedienen.
🔄 Sechs Drehkreuze: Frankfurt, München, Zürich, Wien, Brüssel und Rom sollen besser aufeinander abgestimmt werden.
Mit dem kostenlosen Frankfurtflyer Newsletter keine News mehr verpassen
Kurzstrecke frisst fast alle Gewinne der Langstrecke auf
Lufthansa verdient mit ihren Langstreckenflügen Geld, doch davon bleibt offenbar deutlich weniger übrig als gewünscht. Laut Konzernchef Spohr verzehren die Verluste der Kurzstrecke mehr oder weniger fast alle Gewinne der Langstrecke. Der Manager äußerte sich laut aero.de vor Medienvertretern in Frankfurt, seine Konsequenz ist eindeutig: „Das kann und wird nicht so bleiben.“
Dass der Europaverkehr ein Sorgenkind der Lufthansa ist, ist nicht neu. Bereits im Sommer wurde berichtet, dass Lufthansa die Kurzstreckenflotte weiter verkleinern will. Damals war von bis zu 15 weiteren Flugzeugen die Rede, die bei der Kernmarke aus der Europaflotte verschwinden könnten. Der Konzernchef räumt dabei ein, dass Lufthansa in der Vergangenheit wahrscheinlich zu viel Kapazität auf der Kurzstrecke angeboten hat. Man habe daher entschieden, das wachsende Langstreckengeschäft mit weniger Kurzstreckenkapazität zu füttern.
Sorgenkind Kurzstrecke: Lufthansa will weniger Flugzeuge einsetzen
Sechs Lufthansa-Drehkreuze sollen besser zusammenspielen
Ein wichtiger Hebel soll die engere Abstimmung innerhalb der Lufthansa Group werden. Der Konzern betreibt inzwischen sechs große Interkontinental-Drehkreuze in Frankfurt, München, Zürich, Wien, Brüssel und Rom. Bisher benötigen die einzelnen Hubs jeweils ein entsprechendes Netz aus europäischen Zubringerflügen. Genau hier will man ansetzen, indem die Flugpläne und Verbindungen stärker aufeinander abgestimmt werden, damit weniger Kurzstreckenflüge und Flugzeuge notwendig sind.
Die Verbindungsqualität soll darunter nicht leiden, es gebe Möglichkeiten, mit weniger Produktion mindestens die gleiche Zahl sinnvoller Verbindungen über die sechs Drehkreuze anzubieten. Im Idealfall soll sich die Qualität sogar verbessern. Die stärkere Verzahnung der einzelnen Airlines gehört ohnehin zur neuen Strategie der Lufthansa Group. Entscheidungen über Netzwerk, Flotte und Vertrieb werden zunehmend zentral gesteuert.
Natürlich will man auch sparen, eine der Antworten ist City Airlines. Die noch junge Fluggesellschaft soll Zubringer zu niedrigeren Kosten produzieren und wird dafür in den kommenden Jahren deutlich wachsen. Auch Discover Airlines soll zusätzliche Verbindungen übernehmen. Bei Lufthansa selbst wird die Kurzstreckenflotte dagegen kleiner.
Ein Teil der Überkapazitäten entstand laut Spohr auch durch die Lieferprobleme der Flugzeughersteller. Neue Langstreckenjets kamen wesentlich später als ursprünglich geplant, während sich Flugzeuge für die Kurzstrecke leichter beschaffen oder ersetzen ließen. Dadurch entwickelte sich das Verhältnis zwischen Lang- und Kurzstreckenkapazität offenbar nicht so, wie Lufthansa ursprünglich geplant hatte.
Lufthansa: Verluste der Kurzstrecke fressen fast alle Langstreckengewinne auf | Frankfurtflyer Kommentar
Dass Lufthansa auf der Kurzstrecke Probleme hat, ist nichts Neues. Klar ist auch, dass sich etwas ändern muss, wenn die Verluste dort fast den gesamten Gewinn der Langstrecke auffressen. Wieder stellt sich die Frage, wie viel man kürzen kann, ohne das eigene Geschäftsmodell zu beschädigen. Die Hubs der Lufthansa Group funktionieren nicht nur wegen der Passagiere aus dem jeweiligen Einzugsgebiet. Ein großer Teil der Langstreckenflüge lebt von den Umsteigern, die erst einmal irgendwie zum Drehkreuz gebracht werden müssen.
Hier kann man durchaus ansetzen und die Zusammenarbeit der Hubs stärken. Nicht jeder Flughafen muss an jedes Drehkreuz angebunden werden. Statt zehn tägliche Frequenzen nach Frankfurt, München und Zürich könnte man beispielsweise acht Flüge nur noch zu einem oder zwei der Hubs anbieten und so auch eine bessere Auswahl der Zeiten ermöglichen. Nachteil: Es entfallen Nonstopflüge, einige Fluggäste müssten dann einen zusätzlichen Umstieg akzeptieren.
Das Problem wird aber trotzdem nicht verschwinden. Wer ein großes Netzwerk mit zahlreichen Langstreckenverbindungen betreiben will, braucht Zubringer. Damit dies zuverlässig funktioniert, muss man Geld in die Hand nehmen und nicht immer versuchen, auf das Kostenniveau einer easyJet zu kommen.


Antworten