Bei Lufthansa fressen die Verluste der Kurzstrecke die Gewinne der Langstrecke auf

Im Lufthansa A321neo, Foto: Robert

Lufthansa baut um, der Konzern will die Fluggesellschaften enger zusammenführen und auch die Verbindungen in Europa besser aufeinander abstimmen. Die Kurzstreckenflüge bereiten der Airlinegruppe schon länger Sorgen, wofür es mehrere Gründe gibt. Durch die Multihub-Strategie werden viele Zubringer angeboten, es gibt also zu hohe Kapazitäten. Die Kosten sind schon länger ein Problem, inzwischen fressen die Verluste in diesem Bereich sogar fast die gesamten Gewinne der Langstrecke auf. Das soll sich ändern.

Das Wichtigste auf einen Blick:

💶 Teure Kurzstrecke: Die Verluste fressen laut Carsten Spohr fast alle Gewinne der Lufthansa-Langstrecke auf.

✈️ Weniger Zubringer: Lufthansa will das wachsende Langstreckengeschäft künftig mit weniger Kurzstreckenkapazität bedienen.

🔄 Sechs Drehkreuze: Frankfurt, München, Zürich, Wien, Brüssel und Rom sollen besser aufeinander abgestimmt werden.

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Kurzstrecke frisst fast alle Gewinne der Langstrecke auf

Lufthansa verdient mit ihren Langstreckenflügen Geld, doch davon bleibt offenbar deutlich weniger übrig als gewünscht. Laut Konzernchef Spohr verzehren die Verluste der Kurzstrecke mehr oder weniger fast alle Gewinne der Langstrecke. Der Manager äußerte sich laut aero.de vor Medienvertretern in Frankfurt, seine Konsequenz ist eindeutig: „Das kann und wird nicht so bleiben.“

Dass der Europaverkehr ein Sorgenkind der Lufthansa ist, ist nicht neu. Bereits im Sommer wurde berichtet, dass Lufthansa die Kurzstreckenflotte weiter verkleinern will. Damals war von bis zu 15 weiteren Flugzeugen die Rede, die bei der Kernmarke aus der Europaflotte verschwinden könnten. Der Konzernchef räumt dabei ein, dass Lufthansa in der Vergangenheit wahrscheinlich zu viel Kapazität auf der Kurzstrecke angeboten hat. Man habe daher entschieden, das wachsende Langstreckengeschäft mit weniger Kurzstreckenkapazität zu füttern.

Sorgenkind Kurzstrecke: Lufthansa will weniger Flugzeuge einsetzen

Sechs Lufthansa-Drehkreuze sollen besser zusammenspielen

Ein wichtiger Hebel soll die engere Abstimmung innerhalb der Lufthansa Group werden. Der Konzern betreibt inzwischen sechs große Interkontinental-Drehkreuze in Frankfurt, München, Zürich, Wien, Brüssel und Rom. Bisher benötigen die einzelnen Hubs jeweils ein entsprechendes Netz aus europäischen Zubringerflügen. Genau hier will man ansetzen, indem die Flugpläne und Verbindungen stärker aufeinander abgestimmt werden, damit weniger Kurzstreckenflüge und Flugzeuge notwendig sind.

Die Verbindungsqualität soll darunter nicht leiden, es gebe Möglichkeiten, mit weniger Produktion mindestens die gleiche Zahl sinnvoller Verbindungen über die sechs Drehkreuze anzubieten. Im Idealfall soll sich die Qualität sogar verbessern. Die stärkere Verzahnung der einzelnen Airlines gehört ohnehin zur neuen Strategie der Lufthansa Group. Entscheidungen über Netzwerk, Flotte und Vertrieb werden zunehmend zentral gesteuert.

Natürlich will man auch sparen, eine der Antworten ist City Airlines. Die noch junge Fluggesellschaft soll Zubringer zu niedrigeren Kosten produzieren und wird dafür in den kommenden Jahren deutlich wachsen. Auch Discover Airlines soll zusätzliche Verbindungen übernehmen. Bei Lufthansa selbst wird die Kurzstreckenflotte dagegen kleiner.

Ein Teil der Überkapazitäten entstand laut Spohr auch durch die Lieferprobleme der Flugzeughersteller. Neue Langstreckenjets kamen wesentlich später als ursprünglich geplant, während sich Flugzeuge für die Kurzstrecke leichter beschaffen oder ersetzen ließen. Dadurch entwickelte sich das Verhältnis zwischen Lang- und Kurzstreckenkapazität offenbar nicht so, wie Lufthansa ursprünglich geplant hatte.

Lufthansa: Verluste der Kurzstrecke fressen fast alle Langstreckengewinne auf | Frankfurtflyer Kommentar

Dass Lufthansa auf der Kurzstrecke Probleme hat, ist nichts Neues. Klar ist auch, dass sich etwas ändern muss, wenn die Verluste dort fast den gesamten Gewinn der Langstrecke auffressen. Wieder stellt sich die Frage, wie viel man kürzen kann, ohne das eigene Geschäftsmodell zu beschädigen. Die Hubs der Lufthansa Group funktionieren nicht nur wegen der Passagiere aus dem jeweiligen Einzugsgebiet. Ein großer Teil der Langstreckenflüge lebt von den Umsteigern, die erst einmal irgendwie zum Drehkreuz gebracht werden müssen.

Hier kann man durchaus ansetzen und die Zusammenarbeit der Hubs stärken. Nicht jeder Flughafen muss an jedes Drehkreuz angebunden werden. Statt zehn tägliche Frequenzen nach Frankfurt, München und Zürich könnte man beispielsweise acht Flüge nur noch zu einem oder zwei der Hubs anbieten und so auch eine bessere Auswahl der Zeiten ermöglichen. Nachteil: Es entfallen Nonstopflüge, einige Fluggäste müssten dann einen zusätzlichen Umstieg akzeptieren.

Das Problem wird aber trotzdem nicht verschwinden. Wer ein großes Netzwerk mit zahlreichen Langstreckenverbindungen betreiben will, braucht Zubringer. Damit dies zuverlässig funktioniert, muss man Geld in die Hand nehmen und nicht immer versuchen, auf das Kostenniveau einer easyJet zu kommen.

8 Kommentare

  1. Ich bleibe bei meiner Prognose: LH als ausführende Airline wird abgeschafft. Zuerst mittelfristig in Europa, langfristig dann auch auf der Langstrecke. Irgendwann wird es so ähnlich sein, wie es jahrelang bei „Austrian Airlines op. by Tyrolean Airways“ war, dann heißt es eben LH op. by was auch immer.
    Ein symbolisches Flugzeug wird natürlich vorerst bleiben, und zum echten 100. Geburtstag kann man das „was auch immer“ ja dann in LH umbenennen.

  2. LH Mainline ist einfach zu teuer und irgendwann wird das auch das Personal einsehen müssen und nicht gleich einfach wieder streiken. Mit ewigen Streiks vernichten sie selbst ihre Arbeitsplätze. Nicht umsonst fliegt OS schon alle Flüge VIE nach FRA, MUC und ZRH. Selbst Nightstopps sind schon billiger als den Flug von der Mainline durchführen zu lassen. Bitter aber es ist die Wahrheit.

    • Schön das Narrativ des Managements wiederholen. Derzeit 7,6 ct/skm. Würde das Cockpit für umsonst fliegen wären es 7,9/skm. Das Geld wird ganz woanders verbrannt: viel zu viele AOCs die das Gleiche machen. Dadurch ein ineffiziente Komplexität. Viel zu spät spritsparende ACs bestellt. Allegris ein Desaster. Wenn wir erst im Nachgang auffällt, dass ich den Sitz nicht überall einbauen kann oder er keine Zulassung von der FAA hat und ich Monatelang die 787 ohne C Class fliegen lassen muss, dann frag ich mich schon warum dafür keiner Verantwortung übernehmen muss. Und schaut man mal zur AF/KLM die in etwa die gleichen Gehälter hat wie LH Piloten aber dafür 10-15% Marge macht, liegt es an allem nur nicht am Personal.

  3. Wer macht Verluste…. Technik, Catering, Boden, Kurz oder Langstrecke. Wer sich ein bisschen damit auskennt weiß dass das eine ohne dem anderen nicht auskommt. Ein Konzern der im Kampf gegen eine Gewerkschaft hunderte Millionen in Sand setzt einfach umzuzeigen: wir können das, hat keine wirtschaftliche Sorgen. Mit 80% Kerosin hedging müsste Lufthansa alle andere Konkurrenten platt machen…. oder ständig jammern wie schlecht es dem Konzern geht.

  4. Brauche ich wirklich im Stundentakt Flieger zwischen Wien und Frankfurt oder Frankfurt und Zürich? Warum fliegen alle Lufthansa Group Airlines Mehr oder weniger zur gleichen Uhrzeit ab, zum Beispiel Chicago, New York Washington, Singapore ab? Warum kann KLM einen Emb190 Jet innerhalb von 30 Minuten am Boden umdrehen und die Lufthansa nicht?
    Laut Spohr läuft doch der Verkauf der Zusatzservice Mega gut. Ebenso ist man doch angeblich auch immer sehr schnell. Ausverkauft in den Premium Reiseklassen. Und das Langstreckengeschäft soll wachsen mit weniger Kurzstreckenzubringen?🤔 das Angebot an Langstreckenziel in Südamerika und Asien ist einfach nur Mau und wenn es ein Ziel gibt, dann fliegen alle Gruppen Airlines diesen einzig Ziel an. 🫣Es tut mir leid, das passt doch alles nicht zusammen.

  5. Nachdem z.B. gar keine Zubringer von STR nach FRA mehr angeboten werden, orientieren sich die Reisenden um… Da leidet halt auch die Langstrecke drunter. Komischerweise bietet KLM die Strecke STR-AMS bis zu 5 mal täglich an und die Flüge sind voll.

  6. Ich verstehe echt nicht wie die Kurzstrecke Verluste machen kann. Alle Flüge die ich von Berlin fliege sind i.d.R. ausgebucht, egal ob nach MUC, FRA, VIE oder ZRH. Und ein Tagestrip kostet meist mehr als 500€ in Y – da muss doch der Rubel rollen.

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