Das Crewrest – Pause auf der Langstrecke

Der erste Boeing 787 Dreamliner beim Start in Bremen. Foto: Serbastian

“Haben Sie Pause auf dem Flug?“

“Können Sie sich hinlegen?“

“Wo schlafen Sie eigentlich?“

Diese und ähnliche Fragen bekommen Flugbegleiter häufig von den Passagieren auf Langstreckenflügen gestellt. Heutzutage ist bei vielen Airlines zum Glück ein Ruhebereich für die Kabinenbesatzung fest verbaut. Dies war jedoch nicht immer der Fall.

Das Crewrest – von der Box zum Bett

Ich bin mittlerweile seit weit über 10 Jahren als Flugbegleiter tätig und konnte in dieser Zeit schon einige verschiedene Möglichkeiten auf einem langen Flug Ruhe zu finden „testen“. Auf besonders langen Flügen ist es mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben, dass die Crews mindestens eine Pause von 90 Minuten haben müssen. Das sind vor allem Flüge mit einer Flugzeit von neun Stunden und mehr.

Doch auch auf kürzeren Flügen kann eine Pause – eine kleine Auszeit von dem Trubel in der Kabine – ein wahrer Segen für die Crews sein. Gerade bei Charter-Airlines sind oder waren diese Ruhemöglichkeiten für die Kabinenbesatzung begrenzt. Oft musste hier ein einfacher Flugbegleitersitz in der Küche herhalten. Um diesen etwas „komfortabler“ zu gestalten wurden Boxen als Beinauflagen umfunktioniert und Schlafdecken in die Kabinendecke geklemmt um etwas mehr „Privatsphäre“ beim Ruhen zu haben. Jeder kann sich vorstellen, dass inmitten einer Flugzeugküche die Chance einen erholsamen Schlaf zu bekommen eher gering ist. Denn hier sind die „Gongs“ der Passagierrufe laut zu hören.

Mit etwas Glück werden aber auch Passagiersitze für die Crews geblockt um schlafen zu können. Dies hab ich auch einige Male erlebt… . Ja, man kann die Augen schließen aber wirklich zur Ruhe kommt man selten. Zwar waren wir mit einem Vorhang als Sichtschutz gesegnet, dieser kann natürlich nicht verhindern (oder provoziert es eher) das einige Passagiere voller Neugier den Vorhang öffnen um Fotos zu machen. Aber das ist freilich ein anderes Thema.

Glücklicherweise sind auf so gut wie allen modernen Langstreckenjets heutzutage fest eingebaute Crewrests für die Flugbegleiter installiert. Es sei hier angemerkt, dass für die Cockpitbesatzungen schon seit Jahrzehnten Crewrests verbaut worden sind.

Das Crewrest – Schlafen zwischen Fracht oder Handgepäck

Wie bereits erwähnt verfügen moderne Jets über feste Crewrests. Diese sind allerdings je nach Flugzeugtyp an verschiedenen Orten im Flugzeug verbaut.

Bei der Airbus A330/340 und beim A380 befinden sich diese im Frachtbereich in einer gesonderten Sektion.

Beim A350 und der Boeing 747 sind sie allerdings im Decken- beziehungsweise Heckbereich der Kabine untergebracht.

Allen gemein ist, dass sie von der Kabine aus erreicht werden können und natürlich vor unberechtigtem Zugang gesichert sind. Das Erreichen der oft so sehnlichst erwarteten Betten für die Crews ist aber bisweilen „sportlich“. So sind die Treppen in der Regel äußerst steil und gerade für Flugbegleiterinnen mit hohen Absätzen eine Herausforderung. Auch eine geringe Deckenhöhe im Crewrest gestaltet das Umziehen bisher zu einem akrobatischem Akt.

Das Crewrest – zwischen Koje und Bett

In meiner Karriere konnte ich mittlerweile fünf verschiedene Crewrests „testen“. Und jedes hat seine ganz eigenen Vorzüge, aber auch Nachteile. Ein großer Pluspunkt des Crewrests auf dem A380 ist beispielsweise viel Platz zum Umziehen und eine eigene Toilette, exklusiv für Flugbegleiter. Hier möchte ich eine kleine Anekdote anführen;

Es ist ja hinlänglich bekannt, dass das Spülen im Flugzeug oft sehr laut ist. Auch wenn es bei modernen Jets mittlerweile besser geworden ist. Allerdings ist die Abwasser-Rohrführung so angelegt, dass diese unter dem Bett des Kabinenchefs verläuft. Daher hieß es ab und zu;

„Gelb steht, braun geht“

Ich werde das hier nicht weiter kommentieren aber ich gehe davon aus, dass dem ein oder anderen geschätzten Leser gerade ein kleines Schmunzeln oder Naserümpfen widerfahren ist.

Abgesehen von der Toilette im A380 unterscheiden sich die verschiedenen Crewrests besonders in der Größe der Betten und auch in der Deckenhöhe des Crewrests an sich. Auch das Beziehen der Betten, die manchmal nur krabbelnd erreicht werden können, stellen gerade für ältere Kollegen eine Herausforderung dar. Ich zähle mich zwar noch lange nicht dazu, aber auch mir sind diese Betten oft etwas zu „sportlich“ zu erreichen.

Da die Betten an eine bestimmte Arbeitsposition gekoppelt sind, spielt dies für manche Kollegen eine ausschlaggebende Rolle bei der Wahl des Arbeitsbereichs. Ob man nun aber zum Schlafen kommt ist oft nicht gewiss. Manchmal ist es zu warm, dann zu kalt und gerade Turbulenzen können einen aus den schönsten Träumen reißen – da gehts den Crews wie den Passagieren. Auch die Ausrichtung des Bettes kann eine Rolle spielen. So kann man mit dem Kopf in Flugrichtung, gegen die Flugrichtung oder sogar quer zur selbigen liegen. Durch die im Kopfbereich verbauten Sauerstoffmasken ist eine andere Liegeposition sogar offiziell verboten!

Das Crewrest – der Kündigung ganz nah

Der schlimmste Moment für jeden ist natürlich das Wecken. Denn egal wie lang die Pause sein mag, oft befindet man sich im Tiefschlaf wenn das Wecken für den Schichtwechsel oder den Servicebeginn kommt. Scherzhaft sagen wir immer, wenn man den Kollegen einen Aufhebungsvertrag hinhalten würde nur um weiterschlafen zu können, einige würde bestimmt nur zu gern unterschreiben!

Zum Glück kommt es nicht so weit und man wird meist in der Kabine von den Kollegen mit frischem Kaffee erwartet. Dann ist das fiese Wecken oft wieder vergessen. Dennoch dauert es, wie bei jedem von uns etwas bis man wieder richtig in Fahrt kommt.

Das Crewrest – Frankfurtflyer Kommentar

Das Crewrest ist ein Segen für das Kabinenpersonal. Egal ob man nun zum Schlafen kommt oder einfach nur mal die Füße hochlegt und die Ruhe genießt. Diese kleine Auszeit gibt den Crews das Durchhaltevermögen auch einen Flug von über 11 Stunden zu meistern und trotzdem bei der Landung noch ein – wenn auch manchmal etwas müdes – Lächeln übrig zu haben. Lange haben Besatzungen und auch Gewerkschaften für den festen Einbau solcher Ruhemöglichkeiten für die Kabinencrews gekämpft. Denn in erster Linie ist ein Flugbegleiter für die Sicherheit der Passagiere an Bord verantwortlich. Und jeder, der schon einmal übermüdet Auto gefahren ist weiß, wie gefährlich Müdigkeit sein kann.

Daher bietet das Crewrest viele Vorteile,

+ eine fitte Crew für Notfälle

+ eine entspannte(re) Crew bei Problemen mit dem Essen und Anschlussflügen

+ ein Lächeln und (weniger) Augenringe beim Verabschieden

10 Kommentare

  1. Muss man als Flugbegleiter eigentlich ab und zu trainieren, sich durch diese Pseudogepäckfächer hindurch aus dem oben liegenden Ruheraum in die Kabine „abzuseilen“?
    So wie die hübsche Dame auf dem 5.ten Bild von oben?

    https://www.businessinsider.com/secret-airplane-bedrooms-where-flight-attendants-sleep-2016-5#but-some-cabins-are-entered-through-a-secret-hatch-that-looks-like-a-typical-overhead-bin-this-is-on-american-airlines-boeing-773-4

    • Das ist der Notausstieg. Ich gehe stark davon aus daß AA auch reguläre Eingänge zum Crewrset hat und das Bild zum Posing dient 🙂

  2. Ich saß mal in einer KLM 777 in Reihe 1. Da habe ich die Tür zum Crewrest gesehen, als „meine“ Flugbegleiterin sich in ihre verdiente Pause verabschiedet. Beneidet habe ich sie nicht, dass sie in den „Keller“ hinabsteigen musste, dachte sofort, dass es da sicher nicht so gut Schall isoliert ist wie an meinem Komfortablen Platz. Als ich 20 Minuten vor der Landung in KIX wach wurde, hatte sie jedenfalls ein frisches Lächeln und einen Kaffee für mich parat

    • Das ist für mich bis heute ein Mysterium, wie die jederzeit (auch auf Langstrecke) top gepflegt aussehen können. Und ich bin immerhin mit einer verheiratet, die das beruflich mehrere Jahre gemacht hat.

  3. Preisfrage : Deutschunterricht gehabt in der Schule ??? Vertraut mir der Regel wie ein zusammengesetztes Substantiv im Deutschen den entsprechenden Artikel bekommt???

    Die Crew , der Rest = DER CREWREST!!! und nicht das. Reden wir von der Unterbringung dann heißt es das. In dem Artikel geht es aber um die Pause an sich und deshalb der.
    Bitte achtet ein wenig auf diese KLEINIGKEITEN.

    Danke

    • @Peco: ich beneide Deine Intelligenz. Menschen wie Du sorgen dafür, dass (oder das? oder daß?) ich ruhig schlafen kann – im Wissen, notfalls von Dir berichtigt zu werden. Bitte lass‘ mir Deine Email-Adresse zukommen, damit ich meine Schriftstücke zukünftig von Dir korrigieren lassen kann. (Ironie *OFF*) …. man kann sicherlich das Eine oder Andere bei FF bemängeln (gelegentlich „Clickbait“-Überschriften o.ä.),aber bzgl. Crewrest so ein Fass aufzumachen zeugt von ausgeprägter Langeweile. Oder ist es gar Schlimmeres?!? FF kostet uns nix, Spiegel online etc schon – DA wirst Du erst recht fündig, wenn es um die schlechte Erhaltung der deutschen Sprache geht. Leider. Gute Nacht.

  4. Mich würde interessieren, ob es nun bei der Condor, mit dem Erwerb des 330 neo, auch ein crewrest gibt.
    Bisher gab es ja, wenn überhaupt,nur geblockte Passagiersitze

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