Eine echte Business Class auf Mittelstrecken bei Lufthansa ist ein genialer Schachzug (hoffentlich verstolpert man es nicht wieder!)

Eurowings Premium BIZ Class. Foto: Eurowings

Lufthansa spielt ganz offensichtlich schon seit Jahren immer wieder mit der Idee eine „echte“ Business Class für Mittelstrecken einzuführen. Im letzten Jahr hat man hier etwas experimentiert und in der Lufthansa Gruppe gibt es mit Eurowings ein Experiment für „echte Business Class Sitze“ auf der Strecke nach Dubai und auch ITA Airways fliegt mit Airbus A321neo und sogar einer Lie Flat Business Class, vorrangig in den Nahen Osten.

Nun will Lufthansa wohl auch für die Mainline das Experiment wagen und mit Lufthansa Airbus A320/A321 und echten Business Class Sitzen auf der Kurz- und Mittelstrecke fliegen. Hierbei will man sich wohl aber vorerst an dem Konzept von Eurowings orientieren und hier keine Langstrecken Business Class Sitze mit Lie Flat Angebot bieten, sondern breit, bequeme Ruhesessel.

Ganz neu ist diese Idee schon deshalb nicht, da man es einmal vor Jahren angeboten hat und der alt Ehrwürdige Airbus A300-600 hatte eine „echte Business Class“ an Bord hatte. Diese auch gerne als „Konti- Schaufel“ bezeichneten Jets, wurden auf sehr stark nachgefragten Europaflügen eingesetzt, wie z.B. auch nach London oder Düsseldorf. Ihre eigentlichen sehr Sinnvollen Einsätze hatten sie aber auf längeren Flügen bis nach Nordafrika oder Zentralafrika.

Eine sehr vergleichbare Business Class will man nun wohl auf einigen Airbus A320, bzw. Airbus A321 installieren und diese wohl vorrangig auf längeren Strecken wie nach Kairo, Tel Aviv oder Amman einsetzen, welche eigentlich im Lufthansa Netzwerk historisch noch als Langstrecken gelten, auch da sie bis vor 10 Jahren mit Airbus A340 und Boeing 747 geflogen wurden.

Lufthansa setzt genau auf diesen Strecken nun aber vorrangig Airbus A321 ein, welche für Lufthansa natürlich deutlich wirtschaftlicher sind als ein Großraumflugzeug. Allerdings hat man hier nur die „Europa Business Class“ an Bord, welche auf einem 4+ Stunden Flug sicher kein Hauptgewinn ist, insbesondere wenn man bedenkt, dass Flüge nach Kairo oder Tel Aviv in der Business Class durchaus 2.000+ Euro kosten können.

Die Beschwerden der Passagiere waren hier immer wieder umfangreich, aber leider haben die Gäste hier nicht mit den Füßen abgestimmt, sodass Airlines den Einsatz von Airbus A321 auf diesen Strecken standardisiert haben.

Dass Lufthansa hier nun gegensteuern will und auch unter dem wieder aufkeimenden Premium Anspruch des Kranichs, eine echte Business Class einführen wird, ist durchaus zu begrüßen, aber ich sehe hier auch gewisse Risiken, wenngleich das Konzept recht risikoarm und auch genial für Lufthansa sein könnte, zumindest unter der Voraussetzung, dass man durch den Einsatz der besseren Business Class Sitze auch mehr Geld für das Ticket bekommt.

Lufthansa setzt genau deshalb auch auf das Konzept von Eurowings, denn hier kann man deutlich leichtere und platzsparender Sitze verbauen als die Versionen, die ITA Airways im Airbus A321 verbaut hat.

Dass man sich hier für die „Eurowings Version“ entschieden hat, spricht auch dafür, dass man bei Eurowings zwar eine gewisse Zahlungsbereitschaft für solche Sitze gesehen hat, aber diese nicht so hoch ist um eine Langstrecken Business Class im A321 zu rechtfertigen.

Daneben haben die „Eurowings Version“ Business Class Sitze auch den sehr großen Vorteil, dass man sie schnell in die Flugzeuge ein und ausbauen kann. Man könnte hier quasi über Nacht die Flugzeuge umrüsten (wohl sogar am Gate), sodass man auf unterschiedliche Nachfragen reagieren könnte.

Lufthansa hätte mit dieser neuen Subflotte aber auch die Chance auf einigen Strecken innerhalb Europas mit einem echten Premium Produkt zu punkten. Ich denke hier vor allen an Strecken die man in Konkurrenz zu British Airways, Air France oder Iberia betreibt und ich wäre nicht überrascht, wenn man diese Flugzeuge nicht auch auf Flügen nach London, Paris und Madrid sehen wird.

Ich sehe aber auch ein großes Risiko!

Grundsätzlich werden diese Sitze für Business Class Passagiere erst einmal eine spürbare Aufwertung sein, weshalb ich diesen Schritt und das experiment als sehr positiv bewerten würde.

Natürlich wird Lufthansa versuchen, durch diese Sitze auch die Ticketpreise auf den Strecken anzuheben, zu mindest im Schnitt, was dazu führen wird, dass hier Schnäppchen seltener werden, aber dies ist auch das gute Recht der Airline, welche ihre Investition auch wieder verdienen will.

Ein großes Risiko sehe ich aber in der Verführung die für Lufthansa entsteht, die Flugzeuge dann auf noch mehr der kürzeren Langstrecken einzusetzen. So kann ein Airbus A321neo durchaus Flüge von bis zu 6 Stunden fliegen und man könnte durchaus auch damit Langstrecken ablösen die aktuell mit einem Airbus A330-300 geflogen werden.

Ich befürchte sehr, dass wir hier solche Verlagerungen sehen werden, was nicht im Interesse der Passagiere sein kann und ich glaube auch, es wäre für Lufthansa langfristig nicht positiv, wenn man z.B. die Flüge nach Saudi Arabien oder nach Dubai auf Airbus A321 umstellt, auch wenn hier eine „echte Business Class“ an Bord hat.

Man konkurriert hier mit immer besser werdenden Airlines in der Golf Region, welche auf Flügen nach Europa eine vollwertige, Langstrecken Business Class anbieten und das in einem Markt welcher gerade im Premium Segment immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Lufthansa will sich mit bequemen Business Class Sitzen auf Mittelstrecken wagen

Eine echte Business Class auf Mittelstrecken bei Lufthansa ist ein genialer Schachzug (hoffentlich verstolpert man es nicht wieder!) | Frankfurtflyer Kommentar

Ein eigenes Mittelstrecken Business Class Produkt würde Lufthansa gut tuen, dass steht außer Frage und ich freue mich sehr, dass man diesen Schritt nun geht. Ich bin mir eigentlich sicher, dass es zur Kundenzufriedenheit bei den wichtigen Business Class Gästen, sehr positive Auswirkungen haben wird.

Allerdings mache ich mir auch gewisse Sorgen, dass man mit diesem Experiment, dass es doch erst einmal sein wird, zu erfolgreich sein wird. Sollte man hier auf die Idee kommen mit diesem Produkt auch weitere „kürzere Langstrecken“ zu ersetzen, was sicherlich erst einmal Kosten senkt, wäre dies für die Passagiere eine gewisse Katastrophe.

Man bedenke nur, dass man mit einem Airbus A321XLR (welchen Lufthansa noch nicht bestellt hat) auch problemlos bis nach Indien fliegen kann. Dies kann man mit einer Kabine wie ITA Airways machen und so ein Langstrecken Angebot bieten, aber auch mit einer Kabine wie sie Eurowings hat. Letzteres wäre auf Flügen nach Indien (oder auch nur nach Saudi Arabien oder Dubai) sicherlich eher eine „Billigflieger Version“, aber auf Flügen nach Kairo und Tel Aviv absolut ein Gewinn.

9 Kommentare

  1. LH könnte sich auch beim Star Alliance Partner CM umsehen. Die haben eine reine 737 Flotte und bieten in den meisten Flugzeugen eine Business mit besseren Sesseln, oder gar richtigen Business-Sitzen an. Viele Strecken ab PTY sind nicht notwendigerweise lang (MIA 3.25 Std.), aber das Produkt wird sehr gut angenommen, gerade von Umsteigern.

    • Panama nach Miami ist das schon eine Flugstrecke ähnlich wie München nach Kairo (okay etwas länger ist es nach Kairo schon aber groß ist der unterschied nicht).

      Copa fliegt aber auch durchaus bis zu 7 Stunden mit den Fliegern und genau das wünschen wir uns ja nicht.

  2. Geil, uralte 3-3 Bestuhlung mit freiem Nebensitz und einem Polster für 7000 EUR auf der Mittelstrecke und dabei vom Personal angepflaumt werden. Genau das will der Kunde.

  3. Auch wenn es keine klassische Business Class Destination ist.. eine echte Business für die rund 4:40h (aus DE) auf die Kanarischen Inseln fände ich persönlich gut. Nur einmal in den Genuss gekommen da Condor einen Aircraft Change hatte und ein widebody als Ersatz kam 😁

  4. Was ich immer nicht verstehe, warum es immer darum geht, die Ticketpreise nach oben zu treiben. Das ist immer sehr einfach, einfach die Preise zu erhöhen.

    Wir wundern uns warum die Leute nicht viel mehr fliegen als obwohl in anderen Gegenden der Erde immer mehr geflogen wird. Vielleicht liegt es an immer höheren Ticketpreisen?

    Zum einen werden zur Zeit drei günstige Sitze verbaut, zukünfitg dann 2 Sitze je Seite und Reihe. Wie hoch ist der Unterschied beim Preis pro Reihe im Einkauf? Was müssteso ein Sitz pro PAX im Jahr mehr einnehmen um +/-0 dabei herauszukommen?

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