Kommt nun das Verbot von Flugtarifen ohne großes Handgepäck? Die EU verhandelt derzeit über eine Reform der Fluggastrechte und könnte Billigflieger sowie Airlines wie Lufthansa zu Änderungen ihrer Tarifmodelle zwingen. Kurz vor Ablauf einer wichtigen Frist zeichnet sich nun ein Kompromiss ab.
🧳 EU sucht Kompromiss: Verbot von Tarifen ohne großes Handgepäck steht auf der Kippe.
💶 Basispreis könnte künftig immer ein großes Handgepäckstück enthalten – mit optionalem Rabatt bei Abwahl.
⏳ Entscheidung bis 15. Juni 2026: Nur noch wenige Tage bleiben für eine Einigung.
Economy-Class-Tarife ohne ein großes Handgepäckstück, wie z. B. einen Trolley, gibt es schon lange. Vorreiter waren in Europa die klassischen Billigflieger, namentlich Ryanair und EasyJet. Ganz frisch ist auch Lufthansa auf den Zug aufgesprungen und bietet auf der Kurz- und Mittelstrecke Flüge mit reduziertem Kabinengepäck an. Statt eines Trolleykoffers heißt es im billigsten Tarif nur noch Personal Item, wie eine Hand- oder Notebooktasche, die kreativ ausgelegt oft auch ein Weekender ist.
EU prüft Mindestregelung für Handgepäck
Doch diese Praxis könnte schon bald verschwinden, denn die EU prüft seit mehr als einem Jahr ein Mindest-Handgepäck. Im ursprünglichen Vorschlag des Verkehrsausschusses war von mindestens 7 Kilogramm und einem Mindestmaß von 100 cm zusätzlich zum persönlichen Gegenstand die Rede.
Diese Anpassung des Mindest-Handgepäcks stieß in den Verhandlungen jedoch auf erheblichen Widerstand. Nicht alle EU-Mitgliedsstaaten waren begeistert und blockierten das Vorhaben. Die Fronten waren so festgefahren, dass sich mittlerweile ein Vermittlungsausschuss mit dem Thema auseinandersetzt.
Kompromiss kurz vor Ablauf der Frist
Für eine Lösung wird die Zeit allerdings so langsam knapp. Denn bis Montag, den 15. Juni 2026, muss eine Entscheidung gefällt werden. Sonst ist das Vorhaben wohl für lange Zeit vom Tisch. Und ähnlich wie bei den Kompensationsregelungen bei Verspätungen und Annullierungen zeichnet sich nun auch beim Handgepäck ein Kompromiss ab.
Die Idee des eingebrachten Kompromisses besagt ebenfalls, dass Fluggesellschaften zukünftig den Basispreis transparent mit inkludiertem großen Handgepäckstück ausweisen müssen. Fluggäste können optional das größere Carry-on abwählen und sich so einen Rabatt auf den Ticketpreis sichern. Ein Mindestgewicht oder Mindestmaße soll es hingegen weiterhin nicht geben.
Dieser Kompromissvorschlag wird derzeit von den Botschaftern der EU-Mitgliedsstaaten geprüft. Bis zum 15. Juni 2026 sind es jedoch nur noch wenige Tage.
Frankfurtflyer Kommentar
Braucht es ein fest eingepreistes Carry-on-Gepäckstück, weil der durchschnittliche EU-Bürger nicht mündig genug ist, unterschiedliche Flugtarife mit verschiedenen Leistungsbestandteilen zu vergleichen? Ich sage klar nein und halte die EU wieder einmal für extrem übergriffig.
Dennoch nehme ich es etwas amüsiert zur Kenntnis, dass Lufthansa für die Umsetzung meines Vorschlags zum Tarif ohne großes Handgepäck rund zwei Jahre gebraucht hat, das jedoch in einer Phase getan hat, als ein Verbot solcher Tarife bereits breit in der EU diskutiert wurde.
Entweder man war sich seiner Lobbyarbeit so sicher oder ist da in Köln völlig losgelöst von der Realität.
Muss ein Basis-Flugticket ein großes Handgepäckstück beinhalten? Was denkt ihr? Kommentiert gerne unter diesem Beitrag.
Ich frage mich, ob die EU nichts Wichtigeres zu tun hat, als sich um solche Nebensächlichkeiten zu kümmern. Aus meiner Sicht wichtig ist, dass der Kunde nicht in die Irre geführt wird. Die Anbieter müssen klar und transparent ausweisen, ob im angebotenen Tarif das Handgepäck inkludiert ist oder eben nicht. Den Rest soll der Markt regeln.
Ich fände es viel schöner, wenn man in der Flugsuche direkt alle Leistungen vergleichen kann. Also dort auch in einem Infofenster Preise für Sitzplatz (auch mehr Beinfreiheit zum Beispiel), zusätzliches Gepäck usw. sehen könnte.
Wenn man wirklich fair vergleichen möchte zwischen den Anbietern ist man immer gezwungen erstmal die Passagierdaten mit allem drum und dran einzugeben nur um zu sehen was die Sitzplätze oder ähnliches Kosten. Das finde ich ziemlich nervig.
Was Flugsuchmaschinen angeht, gibt es vermutlich nichts, was die mehr hassen, als Transparenz 🙂
Die Idee ist gut. Eine vordefinierte Mischkalkulation, von der man ggf. Komponenten abwählen kann.
Zum einen macht sich das psychologisch günstiger. Die Mischkalkulation beinhaltet bereits festgelegte Komponenten, die dann nicht mit steigendem Frust addiert werden.
Zum Anderen entspannt sich der Kampf um die 10 Spitzenplätze in den Ergebnissen der Suchmaschinen.
Na, es gibt ja dann immer noch den Zahlungsrabatt, wenn Du die nepalesische Diners Club Kreditkarte hast. 😉
Das Stimmt leider. Die Hintergründe der Unternehmen kann ich sogar nachvollziehen. Ich vermute die wenigsten machen sich die Mühe und klicken mal wirklich alles durch und vergleichen, sondern gehen einfach auf den billigsten Anbieter und buchen mit allen Zusatzleistungen.
Bei diesem Kundenverhalten würde ich als Airline auch versuchen ganz oben aufzutauchen in der Suche.
LH zum Beispiel hat dieser Tarif auf mehrfachen Kunden Wunsch erst eingeführt
Ich finde es richtig das die EU bei Zuviel Kreativität der Unternehmen eingreift und da Riegel vorschieben.
Sonst müssen wir als Verbraucher am Ende für alles mögliche zahlen und die Flüge werden nicht günstiger.
Oder haben sich eurer Meinung nach seit Einführung der Gebühren die Tickets günstiger geworden. Nein wenn ihr früher 100€ im billigsten Tarif bezahlt habt, kostet es heute ebenfalls aber halt ohne Gepäck.
Die Shrinkflation ist überall und muss angeprangert werden.
Und 99% der Passagiere reisen mindestens mit eben Rucksack oder trolley und nicht mit kleiner Handtasche. Trifft es auf euch nicht zu, schön für euch aber wir leben in einer Solidargemeinschaft auch wenn einige nur an sich in erster Linie denken. Aber auch die merken nicht dass die am Ende nichts sparen und langfristig nur draufzahlen
Hier geht es nicht um normale Preissteigerungen oder um Shrinkflation, hier geht es um Ancillaries und Unbundling und darum, ob noch eine Vergleichbarkeit beim Buchen gegeben ist oder nicht.
Im Flugzeug sitzt keine Solidargemeinschaft.
Airlines müssen und sollen Gewinne machen, und ich als Kundin muss und werde nicht an andere Kunden denken, wenn ich meinen Flug und die Zusatzleistungen buche und zahle.
Für Transparenz und Vergleichbarkeit bin ich in diesem Kontext definitiv.
Wenn die EU hier klare Regeln schafft – sehr gerne.
@Leo, ich weiß ja nicht wie alt Du bist, aber FRÜHER gab es nur Tickets mit Aufgabegepäck und alle, die keinen Koffer aufgegeben haben, haben den Koffer-Transport der anderen quersubventioniert. Das zum Thema „wir Verbraucher müssen für alles Mögliche zahlen“. Das System des Unbundlings ist für manche Leistungen (Koffer, Loungebesuch, bessere Sitze) im Kern eigentlich richtig. Wer es möglichst günstig haben will, kann es günstig haben, wer es komfortabler haben will, zahlt dafür. Dass es da dann Grauzonen gibt und Möglichkeiten, kostenpflichtige Leistungen manchmal doch kostenlos zu bekommen, wird immer so sein. Und zum Thema „günstige Flüge“: Flüge werden nicht günstiger durch Regulierung. Flüge werden günstiger durch Konkurrenz, wenn nicht zur der LH Konzern eine Strecke bedient sondern es die Wahl gibt. Sieht man sehr eindrucksvoll an FRA-Mailand. Von 1 Anbieter (LH) auf 3 (LH, Condor, Easyjet). Spürbare Auswirkung! Konkurrenz belebt das Geschäft, nicht Regulierung!
Leo: Ihre Haltung ist richtig, denn der Verbraucher muss vor übergriffigen Konzernen und Unternehmen besser geschützt werden. 99.9% aller Passagiere reisen mit mehr als einer kleinen Handtasche. Und wie sie richtig erkannt haben, dieser neue Tarif ist nichts anderes als ein versteckter Preisaufschlag, denn die Preise der Handtasche liegen nun da, wo früher noch ein Cabintrolley möglich war. Zudem bringt dieser neue Tarif noch mehr Diskussionen und Verspätungen und all die Unterschiede machen es auch für die Crews nicht einfacher. Totaler Schwachsinn aber perfider Schachzug der Airlines für Mehreinnahmen.
ich würde eine einheitliche Regelung gut finden.
warum?
selbst erlebt
gebucht pauschal mit essen trinken und großem Handgepäck ( nile Air )
vom Veranstalter umgebucht ohne essen trinken und Handgepäck ( Eurowings)
was zur Folge hatte 23 Tage vor Abflug neue Rucksäcke gekauft
mit Airline in Verbindung setzen da das medical Board gepäck nicht in die kleine Tasche passt schließlich wollen sie das Rollstuhl Akku usw in das Handgepäck muss
Da ist aber der Veranstalter in der Pflicht und nicht die Airline, wenn der Veranstalter was anderes bei der Airline bucht als er Dir verkauft hat!
Völlige Überregulierung! Das Ryanair/Easyjet Modell hat dazu geführt, dass nicht zu viele Koffer in der Kabine sind und das Boarding zügig geht und Fliegen für ALLE zeitlich effizienter wird. Das Problem, dass ggf zu viele Koffer in der Kabine sind, wird das Rabatt-Modell nicht unbedingt lösen. Aber bei der LH ist es insbesondere vom Timing deshalb lustig, weil sie das einführen, während Brüssel das Gegenteil diktieren wird UND durch die Gepäckfächer in den NEOs sich die genannte Situation doch auf vielen Flügen merklich entspannt. Das Hauptproblem was ich auch sehe, ist dass zur Kontrolle der Maßnahmen (Trolley gebucht oder nicht) jemand da ist zur Kontrolle der sich dann die Trolleys ggf genau anschaut und dann am Ende auch noch wiegt! Und dann wird’s eklig…
Ich wäre sehr gerne bereit 50€ extra zu bezahlen und meinen extra grossen Trolley (127cm Gurtmaß) mit 18kg offiziell ins Handgepäck zu bekommen und so das Aufgabegepäck zu sparen. Leider gibt es diese Option in Europa quasi nicht. BA erlaubt 23kg im Handgepäck. In den US wird bei UA / DL / AA quasi immer alles geduldet auch wenn die Richtlinie was anderes sagt.
Ich fände ich es sehr gut wenn man gesetzlich festlegen würde, dass bei Handgepäck für die Angabe der zulässigen Maße das Gurtmaß als Vorgabe gilt und nicht das Mass jeder einzelnen Seite. Denn bei konkreten Massen hat man sehr oft eben nicht den passenden Koffer weil eine Seite ein paar cm zu gross ist wenngleich die andere deutlich unter dem Maß liegt.
Bei Aufgabegepäck ist das heutzutage meist auch schon so.
Ob ein Preis nun inklusive Handgepäck oder ohne angegeben wird, ist mir völlig egal. Ich bin selber alt genug die Preise vergleichen zu können. Ich möchte nur eben die gewissen Optionen angeboten bekommen.
Ich fände es gut wenn die Airlines alle ihre Tarife und Co zwingend digital veröffentlichen müssten. Und zwar so dass man mit Google und Co gut vergleichen kann.
Denn dann entsteht echte Transparenz und man wird nicht nach suchen und klicken davon überrascht dass man für 3 Wochen nur ein Mini Koffer dabei hat.
Nervig ist aber, dass ich mit dem neuen Lufthansa-Tarif zum Check-in Schalter musste, um meine Bordkarte zu erhalten. Dies diente auf Nachfrage ausschließlich dazu, zu kontrollieren, ob ich mich an die neue Gepäckregel tatsächlich auch halte. Obwohl man ja zusätzlich am Gate kontrolliert wird. So vergrault man Vielflieger immer weiter…
Jetzt springt also auch die Lufthansa auf den Zug der Kundenschikane und -abzocke mit Handgepäck. Ok, Die Lufthansa ist längst nahe dem niedrigen Niveau von Easyjet, Ryanair & Co. und Lichtjahre entfernt von Ethihad und Emirates.