Hat Lufthansa todkranken Passagier auf der Langstrecke fliegen lassen?

Ein Lufthansa Airbus A380 muss nach Bangkok zurückkehren, nachdem ein Passagier an Bord verstorben war. Foto: Lufthansa

Sensationslust hin oder her, das was sich auf einem Lufthansa-Flug von Bangkok nach München ereignet haben muss, gleicht einer menschlichen Tragödie. Wenn sich die Ereignisse so zugetragen haben, wie es eine Zeugin berichtet, ist das ein handfester Skandal um die deutsche Vorzeige-Airline Lufthansa und die handelnden Personen.

Was war passiert? Lufthansa führt einen täglichen Flug von Bangkok (BKK) nach München (MUC) durch. Typischerweise fliegt ein Airbus A380 die Strecke direkt in elf bis zwölf Stunden, um die Passagiere danach wohlbehalten in der bayrischen Landeshauptstadt abzusetzen.

Am Donnerstag, 8. Februar 2024 kam es allerdings nicht soweit. Lufthansa-Flug LH773 startete zwar nur mit einer knappen halben Stunde Verspätung, kehrte aber dann nach kurzer Zeit wieder nach Bangkok zurück.

Zwischenzeitlich hatte sich scheinbar eine menschliche Tragödige ereignet.

Die Tragödie lag in dem Fall in einem medizinischen Notfall. Ein medizinischer Notfall an Bord eines Fluges ist aber nichts außergewöhnliches. Ist ein Fluggast in einem zu kritischen Zustand, wird er nicht an Bord gelassen.

Am Donnerstag, 8. Februar 2024 scheint sich das etwas anders verhalten zu haben. Denn nach einem Medienbericht hat die Lufthansa scheinbar einen todkranken Passagier an Bord des Airbus A380 gelassen.

Screenshot: Flightradar24.com

Hat Lufthansa todkranken Passagier auf der Langstrecke fliegen lassen? | Falsche Entscheidung

So lässt sich zumindest der Vorwurf der Schweizer Pflegefachkraft Karin Missfelder zusammenfassen, die an diesem Tag ebenfalls mit an Bord des Airbus A380 war. Sie bemerkte schon vor dem Boarding, dass da ein Passagier in einem kritischen Gesundheitszustand war. „Er hatte Kaltschweiss, atmete viel zu schnell, war bereits apathisch.“ berichtete sie gegenüber dem Schweizer Nachrichtenportal Blick.ch.

Bei dem kranken Passagier soll es sich um einen 63 Jahre alten Deutschen gehandelt haben, der mit seiner philippinischen Frau unterwegs war. Diese entschuldigte den ungewöhnlichen Gesundheitszustand damit, dass der Fluggast unter Zeitdruck hätte zum Gate rennen müssen.

Das sei zu diesem Zeitpunkt nicht nur Frau Missfelder aufgefallen. Auch eine Flugbegleiterin erkundigte sich nach dem Gesundheitszustand des auffälligen Passagieres. Scheinbar erhielt er ein „fit to fly“, obwohl er noch vor dem Start mehrfach Blut in eine Kotztüte spuckte.

Auch das hatte aber scheinbar die Kabinenbesatzung nicht davon abgehalten mit dem kranken Passagier an Bord die Reise Richtung Deutschland anzutreten. Karin Missfelder hatte Bedenken und intervenierte laut dem Bericht von Blick.ch. Erst zu diesem Zeitpunkt sei der Kapitän hinzugezogen und ein Arzt konsultiert worden.

Sie berichtet: „Er hat dann über die Lautsprecher nach einem Arzt gerufen – und ein junger, etwa 30-jähriger Mann aus Polen mit schlechtem Englisch hat sich den Deutschen angeschaut.“ Nachdem er aber den Puls gefühlt habe, sei auch der junge Arzt davon überzeugt gewesen, dass der kranke Passagier die Reise antreten könne.

Nachdem Lufthansa Flug LH773 abgehoben war, verschlechterte sich der Zustand des Passagiers noch weiter. Karin Missfleder berichtet: „Es war der absolute Horror, alle haben geschrien.“ Der Mann soll literweise Blut verloren haben. Auch die Wände seien voll mit Blut  gewesen.

Sofort hätten die Flugbegleiter mit der Reanimation begonnen. Die Rettungsmaßnahmen empfand die Zeugin „leider etwas dilettantisch.“, merkte ergänzend jedoch an „aber sie haben etwa eine halbe Stunde durchgehalten.“ Zu diesem Zeitpunkt sei bereits klar gewesen sei, dass der Mann nicht mehr gelebt habe. „Es war totenstill an Bord.“

Der Crew blieb scheinbar keine andere Wahl als den verstorbenen Passagier in der Galley zwischenzulagern. Der Pilot informierte die anderen Pasagiere, dass der 63-jährige leider verstorben war. Der Airbus A380 kehrte nach Bangkok zurück.

Hat Lufthansa todkranken Passagier auf der Langstrecke fliegen lassen? | Schlechte Betreuung am Boden

Die Pflegefachkraft Karin Missfelder klagt auch das Verhalten von Lufthansa nach der Landung weiter an: „Niemand kümmerte sich um uns, wir warteten zwei Stunden. Es war kein Care-Team da, niemand. Wir mussten alle zu einem Schalter, wo wir dann einen 10-Franken-Gutschein erhalten haben.

Noch viel schlimmer sie jedoch gewesen, dass die Ehefrau des Verstorbenen völlig allein gelassen worden sei. Sie habe ohne Begleitung völlig apathisch durch den Zoll gemusst und auch alle weiteren Formalitäten erledigen müssen.

Hat Lufthansa todkranken Passagier auf der Langstrecke fliegen lassen? | Wie kann es zu dem Vorfall gekommen sein?

Ein medizinischer Notfall kann immer mal vorkommen. Auch vor dem Flug kann durchaus festgestellt werden, dass ein Passagier krank ist und trotzdem auf die Reise gehen. In der Regel findet in solch einem Fall eine enge Abstimmung zwischen Passagier, Kabinenbesatzung und Cockpit statt.

Identifiziert ein Mitarbeiter vom Bodenpersonal oder der Kabinenbesatzung an Bord, dass es einem Passagier nicht gut geht, wird in der Regel der Kapitän informiert. Dieser trifft üblicherweise die Entscheidung, ob der Fluggast mitgenommen wird oder am Boden bleibt. Oder aber wenn das Flugzeug schon abgehoben ist, ob der Flug bis zum geplanten Ziel durchgeführt wird.

Nach meinem Kenntnisstand kann es auch sein, dass der betroffene Passagier eine Art Disclaimer unterschreibt und auch entgegen der Empfehlung den Flug wahrnimmt.

Im dümmsten Fall kommuniziert die Kabinenbesatzung nicht einmal mit der Cockpit-Crew. Das wäre dann in solch einem Fall arg fahrlässig, bei dem hohen Qualitätsmaßstab den man an Lufthansa (im Bereich Personal ) hat, jedoch eher unwahrscheinlich.

Hat Lufthansa totkranken Passagier auf der Langstrecke fliegen lassen? | Frankfurtflyer Kommentar

Ein Passagier, der gegenüber anderen Mitreisenden schon am Gate auffällig wurde und noch vor dem Start Blut gespuckt haben soll, verstirbt auf seinem Flug von Bangkok nach Deutschland. Der Verstorbene wird in der Galley zwischengeparkt und der Flug kehrt nach Thailand zurück.

Wenn sich die Aussagen der Zeugin bewahrheiten sollten, ist das schon ein Skandal. Wie kann ein Flug mit einer Person, die an mehreren Punkten vor dem Abflug schon auffällig geworden ist, überhaupt stattfinden. Haben sie sich auf das Urteil des jungen Arztes verlassen, der scheinbar eine fatale Fehleinschätzung getroffen hat? So wie sich die Schilderung anhört, konnte die Crew mit ihren Erste Hilfe Maßnahmen hier gar nicht weit kommen, was natürlich für alle schlimm ist – auch für die Crew und Mitpassagiere. Von Nicole (ebenso wie die mitteilungsbedürftige Dame im Artikel Pflegefachkraft): Ich finde es auch schwierig, dass die Pflegefachkraft, die hoffentlich eine ordentliche pflegerische Ausbildung inklusive aller erweiterten Erste Hilfe Maßnahmen hat nicht geholfen hat und nur im Nachgang etwas spöttisch über die Maßnahmen der Crew spricht. Das sind mir die liebsten Kolleginnen gewesen. Immer alles besser wissen, aber selbst nichts machen. Fast wie Zuschauer beim Fußball vor dem Fernseher. Ohne jetzt die genaue Ursache zu kennen, hört sich das für mich nach einem extrem akuten Fall einer bestimmten Erkrankung an, die weder Crew noch der Arzt von außen betrachtet erkennen können. Worum es sich hier handeln könnte möchte ich nicht sagen. Ich wünsche Der Ehefrau, den Mitreisenden und vor allem der Crew, dass sie das Erlebte gut verarbeiten können.

19 Kommentare

  1. Traurig das es passiert ist, aber ein Skandal ist es auch nicht. Der Blick ist die Schweizer BILD also ist es hier eh alles aufgebauscht.

    Die Ehefrau scheint beim Boarding ja auch nicht ganz die Wahrheit gesagt zu haben und eine ggf. eine Krankheit verschleiert.

    Wenn die Crew dann einen Arzt dazu holt und der versichert das passt schon alles, kann ich schon verstehen das er mit durfte. Ich wundere mich nur das ein junger polnischer Arzt kaum englisch spricht. Junge Akademiker in Polen sprechen eigentlich gutes Englisch.

    Und zu der Pflegefachkraft, natürlich sieht erste Hilfe bei ungelernten weniger professionell aus. Warum hat die sie oder der Arzt die Wiederbelebung nicht übernommen?

    Die Dame ist nur Sensationsgeil, dass ist alles.

    • Ja, die Dame : Plegefachkraft und dann nicht den Asch aufreissen um einen sehr kranken Mann zu helfen! Peinlich und, als Schweizerin, kein Beispiel von solider Kwalität !

  2. Ich kann die Kritik an Lufthansa hier absolut nicht nachvollziehen. Die Besatzung hat den Kapitän informiert, der hat einen Arzt hinzugezogen, mehr Fachkompetenz geht nicht. Wenn sich der Arzt geirrt hat, kann Lufthansa da ja wohl nichts dafür. Die Hauptschuld liegt ganz klar beim Toten und seiner Frau, wer so krank ist und trotzdem fliegen will, der muss mit allen Konsequenzen auch klar kommen.

    • Ich teile deine Meinung teilweise. Ich sehe es genauso, dass die Crew keinerlei Schuld trifft. Aber die Schuld dem Toten und seiner Frau geben? Wer weiss was das für ein Leiden war, vielleicht sind sie von einem grippalen Infekt ausgegangen – vielleicht ist keine Krankheit bekannt gewesen. Das weiss man nie.

  3. Jaja die Frau Missfellder und literweise Blut. Ein wenig Mitteilungsbedürftig die Dame. Mal schauen was am Ende noch war ist von dem. Für den Mann natürlich tragisch und die Frau traurig. Das mit dem Lufthansa alleine gelassen . Der Flieger geht gegen kurz vor Mitternacht los und mehr als einen echten Lufthansa MA wird es ja nicht geben der Rest ist Personal von AOT. Das da keiner ist in solch einem Notfall sollte man denke ich wissen. LH hat halt nur diesen einen Flug am Tag und nach der Abfertigung braucht man dann erst wieder am nächsten Tag Personal vor Ort. Solche Vorkommnisse werden immer auf unvorbereitetes Personal treffen, weil wie will man sich auch darauf vorbereiten.

    • mehr als einen echten Lufthansa MA wird es ja nicht geben der Rest ist Personal von AOT

      Also ich hatte im November Bekanntschaft am Checkin und Gate gemacht mit einer Thailady, die seit 40 (!!) Jahren bei LH arbeitete – sagte sie stolz!

      Vielleicht war es ja die, die hier als „einzige von LH“ da war?

  4. 1. Warum hat sie als ausgebildete Pflegefachkraft der Unfallchirugie die Crew nicht unterstützt statt Bilder zu machen?
    2. Woher kennt sie den Inhalt der Kotztüte des Passagiers und woher soll die Crew ihn kennen? Dies hätte von der Ehefrau mitgeteilt werden müssen.
    3. Oft Kommen Passagiere in der letzten Minute an Bord gerannt, sind dann kurzatmig und geschwitzt. Wie sollte man daraus einen kommenden Notfall ableiten?
    Fotos machen und 85 Interviews geben…ist ja klar worauf sie aus ist. Dass ihr Bericht den Tatsachen entspricht, darf angezweifelt werden.

    • Das fand ich als ehemalige Pflegekraft auch am Schlimmsten. Zu lesen, dass sie nichts besseres zu tun hat als sich über die Crew lustig zu machen anstatt mal zu helfen.

  5. Ich weiß nicht.

    a) Todkranker Passagier an Bord. Skandal!
    b) Gesunder Passagier, nur gerade nach 36 schlaflosen Stunden extrem zerknittert, abgewiesen. Skandal!

    Der Klassiker, wie man es macht, macht man es verkehrt.

    Dumm gelaufen, so wie es aussieht für die Auflage ein wenig zurechtgebogen. Sh… happens.

    Und ja, die zeitliche Distanz zwischen – scheinbar – perfekter Gesundheit und Exitus kann seeehr kurz sein.

  6. Leider muss ich was den letzten Absatz betrifft ( Nicole) deutlich wiedersprechen. Jede medizinisch ausgebildete Fachkraft sei’s ein Arzt/Ärztin oder eine diplomierte medizinische Fachkraft (Krankenschwester/Krankenpfleger) oder Personal aus dem Bereich der Notfallrettung hätte am Gate/ oder vor dem Boarding den akuten fraglich lebensbedrolichen Zustand des leider verstorbenen Patienten erkennen müssen, vor allem ein Arzt.Laut oben beschriebenen Symptomen wie mehrmaligen Bluterbrechen (fraglich Kaffeesatz/oder frischem Blut)-Apathisch(also Vigilantzvermindert)-zusätzlich eine erhöhte Atemfrequenz(Tachypnoe) und noch Kaltschweissigkeit sind alles deutliche Anzeichen eines kritischen Patienten,da gibt es keine Zweifel so ein Patienten-Zustand muss jeder Arzt der Humanmedizin oder geschultes Personal der Notfallmedizin präklinisch erkennen.Folgende Verdachtsdiagnosen könnte man stellen: Gi-Blutung/Schockgeschehen/Sepsis-Zeichen(Qsofa-Kriterien mindestens 2von 3 da kein RR-Wert beschrieben wird, jede einzelne Verdachtsdiagnose erfüllt schon die Kriterien eines kritischen Patienten der nicht fliegen sollte ,sondern ins nächste Krankenhaus zur akuten medizinischen Notfallversorgung verbracht wird.Noch ein Wort zu den wohl durchgeführten Reanimationsmassnahmen:Reanimationen sind immer mit einem erhörten Stress-Level verbunden besonders bei ungünstigen Krankheitsverläufen (Patient erbricht die ganze Zeit z.b Blut/anderen Mageninhalt)oder die räumlichen Begebenheiten sind einfach schlecht,kommen diese Punkte zusammen ,ist es schon für gut ausgebildetes Personal (Medizin) eine nicht zu unterschätzende Aufgabe,deswegen wäre ich immer vorsichtig mit einer Bewertung (Reanimationsmassnahmen)sondern froh wenn überhaupt jemand mit der Reanimation anfängt. Ich hoffe das alle Beteiligten besonders aber die Ehefrau dieses Trauma so gut und schnell wie möglich verarbeiten.

  7. Ich war auf dem Flieger, leider. Zum Glück im Oberdeck, so dass ich das ganze Drama im Unterdeck nicht hautnah miterleben musste. Ganz klar ist aber, dass noch während wir am Boden waren, zweimal nach einem Arzt an Board gerufen wurde. Zu diesem Zeitpunkt war noch das Boarding und man hätte sicherlich den Passagier problemlos an den medizinischen Dienst des Flughafen BKK übergeben können. Das ist fatalerweise nicht passiert und die Konsequenzen waren ja nun, wie bekannt, weitreichend. Wir haben auch erst vom Kapitän nach der Landung die Info erhalten, dass der Passagier verstorben ist, nicht während des Fluges. Das was sehr schlimmes passiert sein musste, war aber klar. Es war sehr viel Unruhe bei der gesamten Crew spürbar, es gab mit zittriger Stimme einen weitere Durchsage mit einem Notfallcode und es wurde wieder nach einem Arzt gerufen. Nachdem der Flieger umgedreht ist, war im ganze Flieger eine bedrückende Stimmung und es war total still. Nach der Rückkehr war es sehr chaotisch, keinerlei Infos, es gab für Stunden noch nicht mal Wasser zum trinken. Nachdem wir endlich wieder in Thailand immigriert waren, ich denke es war so gegen 7 Uhr morgens, wusste keiner wohin und wie es weitergeht. Am Boden habe ich nur zwei Thais gesehen, die uns zu absolut schäbigen Bussen geleitet haben und uns in ein total runtergekommenes Hotel (Avana Hotel and Convention Centre) in Bangkok gefahren haben. Was für eine Zumutung von LH. Ich bin sofort wieder in ein Taxi und in ein anderes Hotel. Alles in allem eine ganz schreckliche Erfahrung, die ich niemanden Wünsche.

    • Vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht. Ich würde das gerne in einem Update des Artikels mit einbauen.

      Man tappt immer schnell in die Falle und will die Airline Lösung in Anspruch nehmen. Ich auch. Das ist aber ein Fehler. Lieber direkt ins Hotel eigener Wahl und später Belege einreichen. Das geht meist schneller und ist komfortabler.

    • Angesichts der Tragik des Vorfalls dürfte der Hinweis auf die von Ihnen empfundene Schäbigkeit des Busses und Hotels den meisten Lesern doch etwas pietätlos und unpassend erscheinen

    • Ich möchte einmal aus Sicht eines Crew Members ( ich war NICHT an Bord ) die Vorgehensweise schildern.

      Beim Boarden steht man nicht mit 2 FB`s ( Flugbegleiter ) an der Tür, um mit einem höflichen „ Hallo „ die Gäste primär zu begrüßen, sondern auch um die Gäste visuell zu checken, ob Auffälligkeiten vorliegen ( z. B. Gesundheitszustand ). In diesem Fall ist es der Crew offensichtlich nicht aufgefallen, das ein Gast mit gesundheitlichen Problemen einsteigt. Dies stellt allerdings nicht die Problematik dar, es kann immer mal was dazwischen kommen, was ablenkt, aber darum steht auch meistens zu zweit an der Tür.

      Wäre am Boden nichts weiter Auffälliges passiert und erst nach take off eine rapide Gesundheitsverschlechetrung eingetreten, hätte man sagen können „ bad luck „, man hätte einen Arzt ausgerufen und entsprechende Maßnahmen bis zu einem diverding veranlasst.

      Ausdrücklich möchte ich erwähnen, das alle Crew Member bestens auf solche Notfälle ausgebildet sind und in regelmßigen Trainings überprüft werden, abschließend mit einem schriftlichen Test als Nachweis.

      In diesem konkreten Fall stellt sich allerdings die Situation vollkommen anders dar! Der erkrankte Gast ist bereits am Boden durch Mitreisende aufgefallen und die Besatzung wurde informiert. Das Flugzeug stand zu diesem Zeitpunkt noch am Gate und es hätten zahlreiche Maßnahmen unternommen werden können und müssen. Frei nach dem Motto: Alle Probleme, die man am Boden lassen kann, lassen wir auch am Boden.

      Meiner Meinung nach hat in diesem Fall die Zusammenarbeit zwischen Cockpit und Kabinenchef nicht funktioniert. Ein Besatzungsmitglied hat sich nach Mitteiklung anderer Passagiere den betroffenen Gast angeschaut. Die Aussage „ fit to fly „ kann und darf nicht von einem Flugbegleiter kommen – hier stehen der Purser in Zusammenarbeit mit dem Cpt in der Verantwortung. Der hinzugezogene Arzt hat sich offen sichtlich kein ausreichendes Bild über den Zustand des Gastes gemacht, den Puls zu messen und nach dem körperlichem befinden zu fragen reicht nicht aus. Um überhaupt einen Arzt zu finden, der eine solche Entscheidung treffen soll, wird em Arzt VOR jeder Beurteilung ein Haftubngsausschlußformular überreicht, das im Falle einer Fehleinschätzung kein Regress gefordert wird.

      Vielleicht wollte der Arzt auch nur schnell nach Europa und hat deshalb sein offensichtlich fehlerhaftes OK zum mitreisen gegeben. In letzter Konsequenz und Verantwortung entscheidet allerdings der Cpt, der sich i. d. R. An die Beurteilung des Arztes orientiert.

      Da das Flugzeug noch am Boden stand, wäre die sicherste Option gewesen, die thailändischen Behörden zu informieren und einen Arzt schnellst möglich an Bord zu beordern. Dies ist an jedem internationalem Flugahfen möglich und geschieht sehr schnell, das med. Personal an _Bord kommt. Vielleicht hätte bei rechtzeitiger Information an die thailändischen Behörden der Mann gerettet werden können. Was genau gesundheitlich vorlag, weiss niemand von uns und ist reine Spekulation.

      Der entscheidende Punkt ist aber der Faktor Zeit! Und dieser Faktor ist ist meiner Meinung nach vor dem Faktor Mensch gestellt worden. Besatzungen unterliegen strengen Flugdienstzeitregelungen, die immer eingehalten werden müssen. Die FDZ ( Flugdienstzeit ) beginnt nicht mit Abflug, sondern mit der Abholung im Hotel. Dazu gerechnet wird die Flugzeit und die Nacharbeitungszeit nach dem Flug. Wird die max FDZ überschritten, darf das Flugzeug erst gar nicht starten und muss, wenn die FDZ abgelaufen ist, zwischenlanden und erst die gesetzliche Ruhezeit eingehalten werden, ehe weiter geflogen werden darf oder es muss eine neue Crew eingeflogen werden, die den fug übernimmt, wenn unterwegs zwischengelandet werden muss.

      Wenn nun in BKK am Boden ein externer Arzt gerufen worden wäre, hätte dies etwas Zeit gekostet, danach die Untersuchung. Der Arzt hätte in diesem Fall höchstwahrscheinlich eine Mitreise unterbunden ( Spekulation ). Wenn der Gast abgeladen worden wäre, hätte auch das Gepäck des Gastes wieder ausgeladen werden müssen. Bei einem A380 und ca 1000 Gepäckstücken keine schnelle Aufgabe, die gespäckstücke werden zwar in Containern transportiert und man weiss in welchem Container das Gespäck sich befindet, nur hätte in diesem Fall wieder die gesamte Maschinerie geordert werden müssen. Entladungensfahrzeuge, Loader usw……der Slot wäre verloren gegangen, es hätte ein neuer Fklugplan erstellt werden müssen usw…das gesamte Procedure hätte soviel Zeit gekostet, das die Crew mit angrenzender Sicherheit aus der Zeit gefallen wäre und der Fug hätte gecancelt werden müssen, bis die erneute Ruhezeit der Crew eingehalten worden wäre. Das zeiht einen _Rattenschwanz nach sich…..kostet zudem eine große Menge Geld. Die Crew und Flugzeugrotation geht verloren, Anschlussflüge der Passagiere gehen verloren ( die wenigsten Passagieren hätten MUC als Endziel gehabt ), Hotelübernachtungen und -Verpflegung, Regressansprüche usw……

      Ich vermute, das wollte der verantwortliche Flugzeugführer umgehen und hat deshalb auf die Standart Procedure verzichtet und sich auf die Expertise des Arztes an Bord verlassen. Ein fataler Fehler, der möglicherweise ein Menschenleben gekostet hat.
      Ich kenne LH nur als äusserst Sicherheitsbewusst und nicht als fahrlässig handelnde Airline. In diesem Fall ist offensichtlich eine Menge schief gelaufen. Die Konsequenz daraus und das Moralberständnis aus diesem Vorfall müssen sich die beteiligten Protagonisten selbst zuschreiben und damit in Zukunft leben müssen.

      • danke vielmals frank für dieses statement und vor allem die hintergrundinfo.
        das mit dem anfang der FDZ wußte ich absolut nicht und erklärt so einiges im nachinein. leider ist man dann auch immer schlauer. wäre jetzt nichts passiert ( also wäre der fluggast nicht verstorben ) würde man hier absolut gar nichts lesen. daher meinen absolute hochachtung vor dem gesamten fliegenden personal. die haben alle eine unheimliche verantwortung zu tragen. aber es gibt halt keine 100%tige sicherheit

        • Hier wurde meiner Ansicht nach der Faktor Zeit/Kosten vor dem Faktor Mensch gestellt.

          Aufgepoppt ist die Angelegenheit ja auch nur, da die 773 mit dem bereits am Boden erheblich erkranktem Gast trotzdem geflogen ist.

          Eine eindeutig falsche und zu verurteilende Entscheidung des Cpt, aber er muss mit dieser Verantwortung evtl. Ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben, leben.

          Medizinische Notfälle, auch mit Todesfolge während eines Fluges, passieren täglich x-mal auf der WElt ( nicht immer mit Todesfolge ). Man hört nur nichts davon, da in der Regel sinnvolle Entscheidungen von den Entscheidungsträgern an Bord eines Fligzeuges getroffen werden

  8. Sebastian @Frankfurtflyer!
    Schon diese sensationstgeile Überschrift und null recherchierter Inhalt, sind absolutes BILD Niveau. Schade, dass Sie nicht noch ein blutiges Bild oben drauf gepackt haben.
    Sebastian, Sie haben die unterste Stufe des Journalismus erreicht!

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