Japan Airlines verbietet Crews Alkohol im Layover

Foto: JAL

Nach mehreren Vorfällen mit überhöhtem Alkoholkonsum zieht Japan Airlines die Reißleine. Die Fluggesellschaft verbietet ihren Crews nicht nur, vor dem Dienst alkoholische Getränke zu konsumieren, die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter müssen ab sofort auch im Layover trocken bleiben. In den vergangenen Monaten kam es häufiger zu Unregelmäßigkeiten, weil einzelne Besatzungsmitglieder beim Aufenthalt zu tief ins Glas geschaut haben.

Das Wichtigste auf einen Blick:

✈️ Japan Airlines verbietet Flugbegleitern Alkohol während Layovern
🍷 Auslöser war ein Vorfall mit zwei Crewmitgliedern in Hiroshima
⚠️ Die Airline stand schon mehrfach wegen Alkoholvorfällen in der Kritik

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Die japanische Fluggesellschaft JAL hat ihren mehr als 6.000 Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern untersagt, während dienstlicher Aufenthalte Alkohol zu trinken. Das Verbot gilt sowohl auf internationalen Layovern als auch innerhalb Japans. Auslöser war ein Vorfall am 23. Mai 2026 in Hiroshima. Zwei Flugbegleiterinnen waren am nächsten Morgen auf dem Flug JL252 nach Tokio-Haneda eingeteilt. Am Abend vor dem Start hatten sich die beiden Crewmitglieder in der Hotelbar getroffen.

Nach den bisherigen Regeln von Japan Airlines musste der Alkoholkonsum spätestens zwölf Stunden vor Dienstbeginn beendet sein. Genau daran hielten sich die beiden jedoch nicht. Die Chefstewardess, die laut PYOK seit den frühen 1990er-Jahren für Japan Airlines arbeitet, soll zwei Bier und zwei Gläser Wein getrunken haben. Der letzte Drink wurde demnach erst nach Ablauf der internen Zwölf-Stunden-Frist serviert.

Am nächsten Morgen zeigte ein vorgeschriebener Selbsttest vor Dienstbeginn einen zu hohen Atemalkoholwert an. Die Purserin meldete dies offenbar nicht sofort, sondern ging davon aus, dass der Wert bis zum zweiten Test am Flughafen wieder sinken würde. Dort wurde jedoch erneut ein zu hoher Wert festgestellt. Ihre Kollegin, mit der sie am Vorabend getrunken hatte, hatte sich bereits krankgemeldet. Damit fehlten kurzfristig zwei Crewmitglieder. Japan Airlines musste Ersatz organisieren, der Flug nach Tokio startete verspätet.

Für Japan Airlines ist der Vorfall besonders heikel, weil Alkoholprobleme bei Crews dort seit Jahren ein Reizthema sind. Die Airline hatte bereits mehrere Zwischenfälle mit alkoholisierten Besatzungsmitgliedern. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt 2018 der Fall eines JAL-Piloten in London-Heathrow. Der Mann war vor einem Flug nach Tokio betrunken aufgefallen, wurde von der Polizei festgenommen und später zu einer Haftstrafe verurteilt.

Die neue Regel geht nun deutlich weiter als bei vielen anderen Fluggesellschaften. In mehreren Ländern gelten feste Mindestzeiten zwischen Alkoholkonsum und Dienstbeginn. In den USA und Großbritannien ist häufig von der sogenannten „Bottle-to-Throttle“-Regel die Rede, also mindestens acht Stunden Abstand zwischen Alkohol und Dienst. Japan Airlines hatte bereits eine strengere Zwölf-Stunden-Regel. Nun reicht dem Unternehmen selbst das offenbar nicht mehr aus.

JAL erteilt Crews Alkoholverbot | Frankfurtflyer Kommentar

Nach einem langen Tag im Flugzeug ist eine gemeinsame Runde im Restaurant oder der Absacker an der Hotelbar eine Wohltat. Hier hat man gleichzeitig auch die Möglichkeit, den zurückliegenden Dienst zu besprechen und Pläne für das Layover zu schmieden. Das funktioniert natürlich auch mit einem Mocktail oder Softdrink, in dem Fall nimmt einem der Arbeitgeber aber ein Stück Freiheit.

Ein einzelner Vorfall mit zwei Flugbegleiterinnen hätte vermutlich noch keine solche Reaktion ausgelöst. Bei JAL reiht sich der Fall jedoch in eine längere Geschichte von Alkoholproblemen ein, die die Airline einen schlechten Ruf fürchten lässt. Trotzdem wirkt das Verbot wie eine kollektive Bestrafung. Mehr als 6.000 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter müssen nun auf etwas verzichten, das bei vielen Crews weltweit völlig normal ist. Ein Drink ist schließlich nicht automatisch ein Sicherheitsrisiko, solange die bestehenden Regeln eingehalten werden.

Japan Airlines hatte bisher schon strenge Vorgaben und sogar Selbsttests, trotzdem kam es immer wieder zu Auffälligkeiten. Das Management sieht darin jetzt den einzigen Weg, um Behörden und Öffentlichkeit zu beruhigen. Für die Crews dürfte es sich dennoch bitter anfühlen, weil viele nun für das Fehlverhalten weniger Kollegen mitbezahlen.

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