Lufthansa Group stoppt Flottenmodernisierung bei Austrian Airlines

Boeing 787, Foto: Austrian Airlines

Noch vor wenigen Jahren hatte Austrian Airlines eine Langstreckenflotte, die einem fliegenden Altersheim glich. Einige der Boeing 767 und 777 haben schon ihren 30. Geburtstag hinter sich. Die erste 767 wurde nun ausgeflottet, bis zum Jahresende wird die Teilflotte vollständig aufgelöst. Als Nachfolger kommen zunächst gebrauchte, aber deutlich modernere Boeing 787-9 nach Wien. Später sollten dann auch fünf fabrikneue Dreamliner der Modernisierung dienen, der Lufthansa-Konzern hat es sich allerdings anders überlegt.

Das Wichtigste auf einen Blick:

✈️ Lufthansa vergibt fünf für Austrian Airlines vorgesehene Boeing 787-9 anderweitig.

🛫 Die alten Boeing 777 müssen mindestens bis 2029 oder 2030 weiterfliegen.

💶 Austrian verweist auf hohe Standortkosten in Wien und schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

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Lufthansa zieht fünf neue Boeing 787 von Austrian Airlines ab

Eigentlich sollte Austrian Airlines bis Ende 2028 insgesamt zwölf Boeing 787-9 erhalten und damit ihre bisherige Langstreckenflotte vollständig erneuern. Die teilweise mehr als 30 Jahre alten Boeing 767 und 777 sollten durch die moderneren und sparsameren Dreamliner ersetzt werden. Nun hat die Lufthansa Group ihre Pläne geändert. Fünf fabrikneue Boeing 787-9, die ab Ende 2027 für Austrian Airlines vorgesehen waren, sollen innerhalb des Konzerns anderweitig eingesetzt werden.

Damit verliert Austrian einen wesentlichen Teil der ursprünglich geplanten Flottenmodernisierung. Die fünf Flugzeuge wären die ersten fabrikneuen Langstreckenjets seit rund drei Jahrzehnten gewesen, die direkt an Austrian Airlines ausgeliefert worden wären.

Die Einführung des Dreamliners wird jetzt aber auch nicht eingestellt. Derzeit verfügt Austrian Airlines über drei aktive Boeing 787-9, ein weiterer Dreamliner wird derzeit für den Liniendienst vorbereitet. Zwei Maschinen stammen ursprünglich von Bamboo Airways, zwei weitere kamen aus dem Lufthansa-Bestand und waren zuvor bei Hainan Airlines im Einsatz. Drei weitere gebrauchte Boeing 787-9 sollen 2027 folgen.

Austrian Airlines Business Class im ehemaligen Bamboo Dreamliner. Foto: Austrian

Boeing 777 bleiben bei Austrian Airlines bis 2030

Die Entscheidung hat unmittelbare Auswirkungen auf die bestehende Langstreckenflotte. Während die Boeing 767 verschwinden, müssen die sechs Boeing 777-200ER deutlich länger im Einsatz bleiben. Ursprünglich war geplant, auch diese Flugzeuge bis Ende 2028 zu ersetzen, diese müssen aber noch bis Anfang 2030 durchhalten. Die Maschinen gehören zu den ältesten Langstreckenflugzeugen innerhalb der Lufthansa Group.

Die Betriebskosten der betagten Triple Seven sind durch den Treibstoffverbrauch vergleichsweise hoch. In den kommenden Jahren dürften auch die Ausgaben für die Wartung ansteigen. Auch für Passagiere macht sich das Alter bemerkbar, denn die Boeing 777 verfügen über alte Kabinen mit betagten Sitzen.

Austrian Airlines Flotte bleibt ein fliegendes Altersheim

Hohe Standortkosten in Wien gefährden Investitionen

Hinter der Entscheidung des Konzerns stehen wirtschaftliche Überlegungen, Austrian Airlines verdient zu wenig Geld. Das Mitglied der Star Alliance beklagt seit längerer Zeit die hohen Kosten am Standort Wien und fordert eine Entlastung bei der österreichischen Flugabgabe. Chefin Annette Mann bezeichnete den Flughafen Schwechat zuletzt als zweitteuersten Luftfahrtstandort Europas.

Das letzte Quartal war aber durchaus erfolgreich, die AUA steigerte den Umsatz um 13 Prozent und verbesserte das operative Ergebnis um 19 Prozent. Über die ersten neun Monate betrachtet fällt die Bilanz allerdings schwächer aus. Trotz eines Umsatzanstiegs sank das bereinigte operative Ergebnis um 37 Prozent auf 48 Millionen Euro.

Die Fluggesellschaft verweist deshalb auf die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die geringe Profitabilität des Standorts. Neue Flugzeuge seien zudem weltweit knapp, weshalb auch innerhalb der Lufthansa Group um die verfügbaren Maschinen konkurriert werde. Wachstumsinvestitionen innerhalb des Konzerns erfolgen dort, wo langfristig die besten wirtschaftlichen Perspektiven bestehen.

Die Gespräche mit der österreichischen Bundesregierung über eine Verbesserung der Standortbedingungen laufen weiter. Nach Angaben der Fluggesellschaft könnten sie entscheidend dafür sein, ob und wie die notwendige Erneuerung der Langstreckenflotte fortgesetzt werden kann.

Lufthansa Group stoppt Flottenmodernisierung bei Austrian Airlines | Frankfurtflyer Kommentar

Es ist ein Jammer. Die teilweise mehr als 30 Jahre alten Flugzeuge der AUA hätten schon längst einen Nachfolger verdient. Dass die betagten Boeing 777 nun bis mindestens Ende 2029 beziehungsweise Anfang 2030 im Einsatz bleiben müssen, dürfte weder für die Airline noch für die Passagiere besonders erfreulich sein. Die Entscheidung des Mutterkonzerns ist für Austrian Airlines ein deutlicher Rückschlag.

Natürlich kann man die Überlegungen der Verantwortlichen ein Stück weit nachvollziehen. Bei der Verteilung neuer Flugzeuge muss man auch auf die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Gesellschaften achten. Austrian hat es gerade mit den alten Maschinen schwer, wirtschaftlich zu operieren und die Margen zu erhöhen. Dieses Problem sollte langfristig gelöst werden, die neuen Dreamliner wären dafür eine gute Option gewesen. Nun verschiebt sich die überfällige Erneuerung der kompletten Langstreckenflotte weiter.

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