Lufthansa und Air France/ KLM greifen nach TAP Air Portugal

TAP Air Portugal ist eine der letzten großen staatlichen Airlines in Europa. Nun treibt die Regierung in Lissabon allerdings die Privatisierung voran, und hierfür sucht man einen strategischen Partner. Im Bieterverfahren haben nun sowohl Lufthansa als auch Air France/KLM ein bindendes Angebot für bis zu 49,9 % der Anteile an TAP abgegeben.

Das Wichtigste auf einen Blick:

✈️ Bieterverfahren: Lufthansa und Air France-KLM haben bindende Angebote für einen Einstieg bei TAP Air Portugal abgegeben.
🇵🇹 Portugal behält die Kontrolle: Die Regierung will die Mehrheit an TAP behalten und maximal 49,9 % privatisieren.
🌎 Strategisch wichtig: TAP gilt mit ihrem starken Streckennetz nach Südamerika und Afrika als attraktive Übernahme.

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Dabei ist das Volumen der individuellen Angebote von Lufthansa und Air France/KLM nicht öffentlich. Allerdings möchte die Regierung in Lissabon vorerst die Mehrheit an TAP behalten, weshalb nur 49,9 % überhaupt privatisiert werden. Daneben sollen bis zu 5 % der Anteile als Mitarbeiteraktien an Beschäftigte von TAP gehen, weshalb die Beteiligung sich höchstwahrscheinlich auf 44,9 % belaufen wird.

TAP Air Portugal ist vor allen Dingen in der Corona-Krise in schwere Schieflage geraten und hat einen Milliardenverlust bilanzieren müssen. Portugal hat die Airline damals übernommen und insgesamt über 3,2 Milliarden Euro zur Stützung der Fluggesellschaft investiert. Seit 2022 kann man auch wieder kleine Gewinne ausweisen, weshalb man sich nun stark genug fühlt, die Airline zu privatisieren.

Entscheidend für die Regierung in Lissabon ist, dass TAP auch weiterhin in Portugal ansässig bleibt und hier die Anbindung Portugals an die Welt sowie Arbeitsplätze im Land sicherstellt. Hier sieht man aktuell vor allen Dingen einen strategischen Partner, der helfen soll, die Airline weiter auszubauen.

Sowohl Lufthansa als auch KLM sind vor allen Dingen deshalb an der Airline interessiert, da sie als Südamerika-Spezialist gilt und auch ein attraktives Streckennetz nach Afrika unterhält. Auch auf den wichtigen nordamerikanischen Verbindungen bietet TAP durchaus eine Reihe von Frequenzen an.

Lufthansa hat schon in der Vergangenheit damit geworben, dass man TAP in das transatlantische Joint Venture zwischen United Airlines und der Lufthansa-Gruppe aufnehmen könnte. Hier hätte man eine enorme Verkaufskraft durch die Lufthansa-Gruppe und könnte den Ertrag auf den wichtigen Transatlantikflügen sicherlich spürbar steigern, was für TAP sehr wertvoll wäre.

Die Lufthansa-Gruppe bietet TAP damit Aussichten wie Swiss, ITA Airways oder Austrian Airlines, die alle nach der Übernahme durch Lufthansa als Erfolgsgeschichte gelten.

Air France/KLM könnte wohl Vergleichbares anbieten und hat zuletzt mit SAS gezeigt, dass man auch eine Star-Alliance-Airline erfolgreich in das SkyTeam-Joint-Venture um Air France/KLM und Delta Airlines holen kann. Für SAS hat sich diese Übernahme sehr positiv entwickelt.

Lufthansa und Air France/KLM greifen nach TAP Air Portugal | Frankfurtflyer Kommentar

Es ist ohne Zweifel sehr spannend, aktuell nach Portugal zu schauen, um zu sehen, was in Zukunft mit TAP passiert. Je nachdem, welchen strategischen Partner die Regierung in Lissabon auswählt, werden sich die Weichen für die Airline unterschiedlich stellen.

Gerade für Lufthansa hätte die Übernahme von TAP durchaus eine enorme Bedeutung, denn die Star Alliance ist inzwischen in Südamerika verhältnismäßig schwach aufgestellt. Würde man nun das Star-Alliance-Mitglied TAP Air Portugal auch noch an die SkyTeam-Allianz verlieren, wäre dies einigermaßen dramatisch.

Klar ist aber, dass kleine Airlines wie TAP in Europa wenig Chancen haben, alleine erfolgreich zu sein. Schon länger ist klar, dass man in Europa mehr oder weniger auf drei große Luftfahrtgruppen hinausläuft. Neben Lufthansa und Air France/KLM gibt es dann auch noch die IAG-Gruppe um British Airways und Iberia, die sich allerdings schon früher aus dem Bieterrennen um TAP zurückgezogen hat.

5 Kommentare

  1. Ich hoffe schwer, dass die LH den Zuschlag nicht bekommt.
    Sie hat bereits zu viele Marken/ Linien und sollte zunächst ihren eigenen Laden in Ordnung bringen.
    Lissabon ist der grösste europäische Flughafen mit nur einer Bahn, und der Bau des neuen Flughafens in Alcochete dürfte bis mindestens 2035 dauern, wenn er nicht vorher gestoppt wird. Was will die LH denn mit einem weiteren Hub? Sie hat ja schon keine richtige Verwendung für VIE und BRU; ZRH hält sie nur, um die Kaufkraft abzuschöpfen. Da ist KLM/AF mit AMS und CDG deutlich schlanker aufgestellt, ob CPH wirklich eine Hub-Funktion behält wird sich weisen.
    Zudem versteht die LH Lateinamerika immer noch nicht, die Flüge FRA-PTY wurden gestrichen, die Direktflüge ZRH-EZE; ZRH-MEX ebenfalls. Es muss ja noch Fluglinien geben, für Leute, welche die katastrophalen LH-Produkte umgehen möchten.

  2. Die Lufthansa Group sollte sich stärker darauf konzentrieren, ihr eigenes Unternehmen besser zu führen. Es scheint, dass sowohl die Mitarbeiter als auch die Kunden unzufrieden sind. Stattdessen scheint Herr Spohr darauf aus zu sein, den Wettbewerb in der EU auszuschalten.

    • Hier muss man wirklich sehr differenzieren zwischen der Lufthansa-Gruppe und Lufthansa Airlines selber. Die Aufgabe von Herrn Spohr ist es, tatsächlich nicht Lufthansa Airline zu führen, sondern die Lufthansa Gruppe, das heißt alle Airlines der Gruppe. Es wird ja sehr gerne verkannt.

      Grundsätzlich ist es in dem Konzern allerdings problemlos möglich, sowohl sich selber zu restrukturieren als auch zu expandieren, denn es sind zwei unterschiedliche Kompetenzfelder.

      Aber ich gebe dir recht, und es steht außer Zweifel, dass bei Lufthansa Airlines einiges in Argen liegt und man hier weiterhin reagieren muss.

      • Die LH Group dürfte im letzten Jahrzehnt mit mehr als 20 unterschiedlichen Beratungsunternehmen zusammengearbeitet haben (Presseberichte). Die Selbstrestrukturierungsfähigkeit und ein Verkennen des Steuermanns bestreite ich. Hoffentlich geht TAP nicht an die LH Group!

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