Höhere Kerosinpreise, gesperrte Lufträume und Streckenstreichungen zwingen viele Fluggesellschaften wie die Lufthansa zum Handeln. Nachdem zahlreiche Routen zum Teil langfristig aus dem Programm genommen wurden, können an anderer Stelle diverse Zusatzflüge aufgelegt werden. Davon profitieren mehrere Urlaubsziele in Europa, es soll aber auch zusätzliche Langstreckenverbindungen geben. Gleichzeitig wurde bekannt, dass der Luftfahrtkonzern prüft, mehrere Flugzeuge stillzulegen.
✈️ Lufthansa prüft die Stilllegung von bis zu 40 Flugzeugen aufgrund steigender Kosten und geopolitischer Lage
🌍 Über 1.600 zusätzliche Flüge innerhalb Europas und auf Langstrecken geplant
⛽ Steigende Kerosinpreise und Umwege belasten den Betrieb erheblich
Der Krieg im Nahen Osten trifft die Lufthansa Group zunehmend spürbar und zwingt den Konzern zu weiteren Gegenmaßnahmen. Nachdem mehrere Strecken stellenweise bis zum Herbst auf Eis gelegt werden, wird derzeit geprüft, zunächst rund 20 Flugzeuge vorübergehend stillzulegen. Sollte sich die Lage weiter verschärfen, könnten laut Handelsblatt sogar bis zu 40 Maschinen betroffen sein.
Im Fokus stehen dabei vor allem ältere Flugzeuge, die ohnehin kurz vor der Ausflottung stehen. Insgesamt würde dies einer Kapazitätsreduzierung von rund 2,5 Prozent entsprechen. Hintergrund sind vor allem die stark gestiegenen Kosten, allen voran beim Treibstoff.
Lufthansa und die anderen Group-Airlines haben zwar große Teile ihres Kerosinbedarfs abgesichert (Hedging), doch der nicht abgesicherte Anteil verursacht weiterhin erhebliche Mehrkosten in Milliardenhöhe. Gleichzeitig verlängern sich Flugzeiten durch Umwege rund um gesperrte Lufträume, was zusätzliche Belastungen mit sich bringt.

Zusatzflüge als Reaktion auf veränderte Nachfrage
Trotz dieser Herausforderungen baut die Lufthansa Group ihr Flugangebot im Sommer 2026 deutlich aus. Hintergrund ist eine kurzfristig veränderte Nachfrage: Da wichtige Drehkreuze im Nahen Osten nur eingeschränkt funktionieren, weichen viele Reisende auf Direktverbindungen über Europa aus.
Lufthansa reagiert darauf mit zusätzlichen Langstreckenflügen, unter anderem nach Indien. So werden laut Mitteilung zusätzliche Frequenzen von Frankfurt nach Chennai, Delhi und Hyderabad sowie von München nach Bangalore angeboten. Auch SWISS stockt ihr Angebot nach Delhi deutlich auf, hier wurden die Frequenzen sogar verdoppelt.
Im Europaverkehr sind zwischen April und Oktober rund 540 zusätzliche Flüge ab Frankfurt und München geplant. Besonders touristische Ziele in Südeuropa sowie ausgewählte Destinationen in Nordeuropa profitieren von der Ausweitung. Tochter Eurowings hat schon vor einigen Tagen eine Aufstockung verkündet, alleine nach Palma de Mallorca soll es 100 zusätzliche Flüge geben.

Zusammen mit dem Programm der Konzerntöchter ergibt sich ein spürbares Plus. Austrian Airlines plant rund 700 zusätzliche Flüge ab Wien, SWISS über 100 ab Zürich und Brussels Airlines etwa 170 ab Brüssel. Insgesamt summiert sich das auf rund 1.600 zusätzliche Verbindungen innerhalb der Lufthansa Group. Diese Kapazitäten werden möglich, u.a. weil Ressourcen aus dem Nahost-Programm kurzfristig umverteilt werden.
Widersprüchliche Entwicklung im Markt
Kurzfristig profitiert die Lufthansa sogar von der aktuellen Situation, doch mittel- bis langfristig könnte sich das Bild drehen. Steigende Ticketpreise als Folge höherer Kosten könnten die Nachfrage dämpfen. Parallel dazu zeigen sich ähnliche Entwicklungen auch bei anderen Airlines. Kapazitäten werden vorsichtiger geplant, schwächere Strecken reduziert und Flugzeuge anders eingeplant.

Mehr Flüge, weniger Flugzeuge: Krise zwingt Lufthansa zum Spagat | Frankfurtflyer Kommentar
Die Meldungen klingen zunächst etwas widersprüchlich, denn Lufthansa und deren Töchter können stellenweise von der Krise profitieren. Derzeit sind viele Direktflüge zwischen Europa und Asien ziemlich gefragt, da viele Fluggäste nicht mehr über die Drehkreuze am Golf fliegen können bzw. wollen.
Gleichzeitig sind für die Gruppe viele Destinationen wie Abu Dhabi, Amman, Beirut, Dubai, Kuwait, Maskat, Riad, Teheran und Tel Aviv vorübergehend weggebrochen. Das Nahost-Programm kann stellenweise kompensiert werden, die Nachfrage für Reisen nach Süd- und Westeuropa ist spürbar gestiegen, der Konzern hat auch schon reagiert.
Nun steigen aber auch die Ticketpreise, einige Kundengruppen fallen dadurch weg. Die Folge: Lufthansa prüft derzeit, mehrere Flugzeuge stillzulegen, wobei noch nicht entschieden ist, welche Typen betroffen sind. Logisch wäre es, sich jetzt von den älteren und ineffizienten Modellen zu trennen, wobei hier aber noch weitere Parameter wie Kapazitäten und lizenziertes Personal eine Rolle spielen.
Antworten