Das Jahr 2020 stellte die Luftfahrt vor eine noch nie dagewesene Krise, und auch Lufthansa musste nahezu den kompletten Flugbetrieb – mit Ausnahme weniger essenzieller Verbindungen – einstellen. Während der Corona-Krise wurde viel darüber spekuliert, wie lange es dauern würde, bis sich die Luftfahrt wieder erholt, oder ob sie überhaupt jemals wieder das Vorkrisenniveau erreichen würde. Bereits 2022 wurde jedoch deutlich, dass die Erholung schneller als erwartet verlaufen würde – was die Branche wiederum vor neue Herausforderungen stellte.
✈️ Lufthansa unter Vorkrisenniveau: 2025 nur rund 88 % der Kapazität von 2019.
📉 Gruppe stärker: Eurowings und Austrian Airlines wachsen über das Niveau von 2019 hinaus.
🌍 Strategischer Umbau: Wachstum wird zunehmend ins Ausland und zu günstigeren Airlines verlagert.
Inzwischen hat die Branche die Krise weitgehend hinter sich gelassen. Im Jahr 2025 lag das weltweite Flugangebot bereits rund 10 Prozent über dem Niveau von 2019, das üblicherweise als Referenzjahr vor der Pandemie dient. Allerdings haben sich nicht alle Airlines und Märkte gleich schnell erholt. Lufthansa bietet aktuell weiterhin nur rund 88 Prozent der Kapazität von 2019 an.
Damit ist Lufthansa innerhalb der eigenen Gruppe sogar das Schlusslicht. Airlines wie Austrian Airlines oder Eurowings bieten inzwischen mehr Kapazität als noch 2019 an. Dies zeigt auch, dass Lufthansa bewusst Kapazitäten innerhalb der Gruppe verschoben hat, da sich die Märkte teilweise stark verändert haben.
In der Präsentation der Jahresergebnisse der Lufthansa Group werden unter anderem die verfügbaren Sitzplatzkilometer (ASK) für 2025 im Vergleich zu 2019 aufgeführt. Insgesamt erreicht die Gruppe wieder 94,4 Prozent des Vorkrisenniveaus – allerdings ist die Entwicklung innerhalb der Airlines sehr unterschiedlich:
- Eurowings: 121,4 % der ASK von 2019
- Austrian Airlines: 100,4 % der ASK von 2019
- SWISS: 99,7 % der ASK von 2019
- Brussels Airlines: 90 % der ASK von 2019
- Lufthansa: 88,1 % der ASK von 2019
Unter „Lufthansa“ werden dabei die Lufthansa Airlines zusammengefasst, also neben der Kernmarke auch Lufthansa CityLine, Lufthansa City Airlines sowie Discover Airlines.
Reduziert hat Lufthansa vor allem das Angebot auf der Kurzstrecke. So werden beispielsweise deutlich weniger innerdeutsche Flüge durchgeführt, und auch viele europäische Verbindungen wurden zunehmend an Eurowings übertragen. Dies erklärt den Rückgang bei Lufthansa selbst, während das Langstreckenangebot des Kranichs inzwischen wieder auf dem Niveau von 2019 liegt oder dieses sogar leicht übertrifft.

Noch keine vollständige Erholung: Lufthansa hat weiterhin nur 88 % des Angebots von vor der Corona-Krise | Frankfurtflyer Kommentar
Die Erholung der Kernmarke Lufthansa bleibt deutlich hinter der Entwicklung der gesamten Gruppe zurück. Es ist gut möglich, dass Lufthansa auch langfristig nicht mehr die Größe von 2019 erreichen wird – und das ist durchaus gewollt.
Lufthansa hat insbesondere auf der Kurzstrecke ein strukturelles Kostenproblem und ist dort im Vergleich zu Wettbewerbern oft zu teuer. Airlines wie Eurowings können deutlich günstiger produzieren und übernehmen daher zunehmend diese Verkehre.
Es überrascht daher wenig, dass Wachstum vor allem bei den günstigeren Tochtergesellschaften sowie bei den ausländischen Airlines der Gruppe stattfindet. Das bedeutet auch: Wachstum findet nicht mehr primär in Deutschland statt – im Gegenteil, Kapazitäten werden gezielt ins Ausland verlagert.
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