Radikaler Schrumpfkurs: Air Baltic will 18 Airbus A220 abgeben

Air Baltic Airbus A220-300

Air Baltic hatte einmal große Pläne, und bis 2031 wollte man 100 Airbus A220 in der Flotte haben und in Riga einen Europa-Hub aufbauen. Sogar über potenzielle Langstreckenflüge wurde schon nachgedacht. Allerdings haben sich diese Pläne vermutlich mit den schweren finanziellen Schwierigkeiten von Air Baltic nun zumindest mittelfristig zerschlagen. Die Airline braucht dringend neue Finanzmittel, und es wird von einem Finanzbedarf von etwa 150 Millionen Euro gesprochen, was in etwa dem Wert der Airline entspricht.

Das Wichtigste auf einen Blick:

✈️ Radikaler Flottenabbau: Air Baltic will 18 Airbus A220 abgeben und die Flotte bis Ende 2026 auf nur noch 36 Flugzeuge verkleinern.
📉 Wachstumspläne gestoppt: Das ursprüngliche Ziel von 100 Airbus A220 bis 2031 ist angesichts der finanziellen Probleme vom Tisch.
💶 Finanzielle Sorgen: Air Baltic benötigt rund 150 Millionen Euro und muss gleichzeitig mit weniger Wet-Lease-Aufträgen von Lufthansa rechnen.

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Lufthansa selber ist mit einer Beteiligung von 10 % der größte Anteilseigner neben der lettischen Regierung, allerdings hat man in Frankfurt schon abgewunken und möchte kein weiteres Geld in Air Baltic investieren und sieht hier eher die Regierung in Riga in der Pflicht. Nun hat man aber ein umfangreiches Sparprogramm aufgelegt, und Air Baltic soll um fast 40 % kleiner werden. 18 Airbus A220 sollen die Flotte verlassen, nachdem bereits zwei Flugzeuge vorzeitig an den Leasinggeber zurückgegeben wurden. Damit wird die Flotte bis Ende 2026 von einst 56 auf nur noch 36 Flugzeuge reduziert werden.

Mit diesem Sparprogramm sind auch die Wachstumspläne von Air Baltic vorerst einmal Geschichte. Bis 2028 will die Airline die Flotte dann gar nicht mehr vergrößern und ab 2028 in wenigen Schritten bis 2031 auf nur noch 41 Flugzeuge perspektivisch ausbauen. Die einmal anvisierten 100 Airbus A220 stehen aktuell nicht mehr zur Debatte. Air Baltic selbst schreibt hierzu:

Der vorherige Geschäftsplan, der im Vorfeld des geplanten Börsengangs entwickelt worden war, ging von einem anhaltenden Wachstum der Passagierzahlen und Ticketerlöse im Baltikum und auf den europäischen Märkten aus und sah einen Ausbau der Flotte auf 100 Flugzeuge vor.

Für die nun anstehende Umstrukturierung nennt Air Baltic verschiedene Gründe, unter anderem die geopolitischen Faktoren in der Ukraine und dem Nahen Osten und die anhaltenden Probleme mit den Pratt&Whitney-Triebwerken, welche die Flugzeuge nicht so einsatzbereit halten, wie dies eigentlich nötig wäre.

Zuletzt hat auch Lufthansa für schlechte Nachrichten gesorgt, denn man möchte im kommenden Sommer weniger Wet-Leasing-Flüge von Air Baltic in Anspruch nehmen. Dabei war vor allen Dingen das Wet-Leasing für Air Baltic ein sehr entscheidender Geschäftszweig. Wenn es dann nun wegfällt, ist dies ein weiteres Problem für die Airline, weshalb der Schrumpfkurs vermutlich mehr als angebracht ist.

Radikaler Schrumpfkurs: Air Baltic will 18 Airbus A220 abgeben | Frankfurtflyer Kommentar

Der nun aufgezeigte radikale Schrumpfkurs von Air Baltic zeigt, wie ernst die Lage bei der Airline ist. Vor allen Dingen in litauischen und estländischen Medien wurde bereits darüber spekuliert, dass man eine Insolvenz möglicherweise nicht mehr abwenden könnte und dann ein Grounding der Airline noch diesen Sommer bevorstehen würde. Es scheint zwar so zu sein, als könne man dies abwenden, allerdings muss man nun sehr drastische Schritte gehen.

Dass man 18 Airbus A320 nun in sehr kurzer Zeit zurückgibt, ist ein sehr deutliches Signal über den Ernst der Lage. Hiermit einher gehen übrigens auch eine ganze Reihe von Flugstreichungen, denn Air Baltic wird einige Ziele komplett aus dem Programm nehmen müssen. Betroffen ist hierbei unter anderem die Strecke von Berlin nach Riga.

Direkte Auswirkungen auf das Lufthansa-Flugprogramm dürfte dies nun allerdings nicht haben, denn Air Baltic wird wahrscheinlich vorrangig die Wet-Leasing-Verträge einhalten wollen, da man hier offenkundig mehr Geld verdienen kann als mit den eigenen Flügen.

6 Kommentare

  1. Schade.
    Wieviele Verbindungen betrieb Air Baltic eigentlich zu russischen Flughäfen? Das war doch vermutlich auch ein erheblicher Teil des Geschäftsbetriebs.

    Dazu etwas o. T. Wir haben uns vor nicht allzu langer Zeit die Brücke über die Narva zwischen der Stadt Narva und Ivanograd angesehen. Riesenbrücke in landschaftlich toller Umgebung, benutzt von vielleicht 100 Fußgängern pro Stunde. In etwa vergleichbar mit Bahnhof Friedrichstraße zu DDR-Zeiten. Sehr deprimierend.

    Air Baltic ist womöglich durch den weggebrochenen Verkehr in Richtung Russland auch so ein Trauerfall geworden.

  2. Es immer wieder faszinierend, wie die Manager solcher Unternehmen externe Gründe suchen, um ihr eigenes Versagen zu verschleiern. Der Ukrainekrieg ist nicht erst seit gestern, jener in Iran betrifft die Routen der Letten gar nicht. Ein Wunder, dass C19 nicht auch noch herhalten musste.
    Es zeugt von Hybris, wenn man meint, dass ein Mini-Staat wie Lettland mit 1.9 Mio. Einwohnern einmal eine „Hub-Funktion“ erhalten sollte. Das haben bisher weder Tschechien, noch Ungarn, beide über 5 Mal grösser, nicht geschafft.
    Ich hoffe, dass Air Baltic schon bald ganz verschwindet, dann kann man vielleicht wieder mit einem LH-Gruppe Produkt fliegen und nicht mit dem Billigflieger zum Premiumpreis, wo das Personal gar kein Deutsch und äusserst holpriges Englisch spricht.

    • BT A223 sind von allen LX Kurzstrecken die besten Flieger.
      Business Class vorne Zweierreihe sehr beliebt, da Nebensitz frei. Also schon mal besser als die A320/A321
      Starlink WLAN. Top und sehr schnell
      Kabine sehr einladend. Da ich nur vorne fliege, kann ich die Sprachkompetenz nicht beurteilen. Die Purser reden einwandfrei Englisch. Dass mind 1 F/A Deutsch/Franz. können müsste, ist aber das Versäumnis der LH Group. Man könnte ja jeweils eine eigene F/A auf den BT operierten Flüge einsetzen. Eins ist sicher BT operierte Flüge sind besser als die von Helvetic, denn die Helvetic Strukturen sind Low Cost ind mit den Tieflöhnen, die die bezahlen, kriegt man in der CH auch nur schwierig richtig gutes Personal.
      Der Ukrainekonflikt hat eindeutig einen Einfluss auf BT, denn nicht nur besuchen weniger Touristen das Baltikum, auch fehlt ein möglicher Russland/Belarus und Ukraine Markt, wo BT erfolgreich als Drehscheibe fungieren könnte. Andere Faktoren spielen natürlich auch eine Rolle. Ich hoffe jedoch, dass uns BT noch lange erhalten bleibt.

  3. Da LX die A221 abgeben möchte, soll sie ein Teil der BT 223 übernehmen. Ev gibts sonst noch Bedarf in der LH Group. Sonst wäre vielleicht JU ein Abnehmer

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