Ryanair reagiert allergisch auf Steuern und überhöhte Gebühren, der Billigflieger zieht daher bald auch an der deutschen Hauptstadt den Stecker. Die Iren wollen zwar auch in Zukunft den BER im Netz behalten, Ryanair wird aber mit Flugzeugen und Besatzungen von anderen Stationen kommen. Der Hauptstadtflughafen verliert zahlreiche Verbindungen, unterm Strich wird das Programm des Lowcosters ab Herbst um die Hälfte reduziert.
✈️ Basis-Schließung: Ryanair gibt BER-Station zum Oktober 2026 auf
📉 Angebot halbiert: Streckennetz und Passagierzahlen brechen massiv ein
💸 Kostenstreit: Hohe Gebühren und Steuern treiben Airline aus Berlin
Nach elf Jahren ist Schluss: Die irische Low-Cost-Airline Ryanair wird ihre Basis am Flughafen Berlin Brandenburg zum 24. Oktober 2026 schließen. Insgesamt sieben stationierte Boeing 737 werden abgezogen und künftig an anderen Standorten innerhalb Europas eingesetzt.
Deutlicher Einschnitt für den Standort Berlin
Mit dem Rückzug verliert Berlin nicht nur stationierte Flugzeuge, sondern auch einen erheblichen Teil des Streckennetzes. Ryanair plant, das Angebot im Winterflugplan 2026/27 um rund 50 Prozent zu reduzieren. Das Passagieraufkommen soll von etwa 4,5 Millionen auf nur noch rund 2,2 Millionen Reisende sinken.
Zahlreiche Verbindungen werden gestrichen oder deutlich ausgedünnt. Betroffen sind unter anderem Ziele wie Bologna, Pisa oder Tallinn, während selbst stark nachgefragte Strecken wie London mit weniger Frequenzen bedient werden sollen.

Streit um Gebühren und Steuern eskaliert
Als Hauptgrund nennt Ryanair die steigenden Kosten am Standort Deutschland. Konkret kritisiert die Airline sowohl die hohen Flughafenentgelte am BER als auch die deutsche Luftverkehrsteuer. Laut Ryanair seien die Gebühren seit der Pandemie bereits um rund 50 Prozent gestiegen, weitere Erhöhungen von bis zu zehn Prozent stünden im Raum.
Die Betreibergesellschaft des Flughafens weist diese Darstellung allerdings zurück und spricht von laufenden Verhandlungen. Dennoch nutzt Ryanair die Situation für einen klaren strategischen Schritt: Die sieben Flugzeuge sollen künftig in Länder verlagert werden, die geringere Abgaben oder gar keine Luftverkehrsteuer erheben – darunter Schweden, Italien oder Albanien.

Für die rund 210 betroffenen Crewmitglieder soll es keine Entlassungen geben. Ihnen werden alternative Einsatzmöglichkeiten innerhalb des europäischen Streckennetzes angeboten. Damit bleibt Ryanair seiner Linie treu, Kapazitäten flexibel dorthin zu verschieben, wo die Kostenstruktur attraktiver ist.
Ryanair schließt Basis in Berlin und halbiert Angebot in der deutschen Hauptstadt | Frankfurtflyer Kommentar
Der Luftverkehrsstandort Deutschland bereitet derzeit vielen Gesellschaften im internationalen Wettbewerb Schwierigkeiten. Die hohen Steuern und Gebühren treffen insbesondere Low-Cost-Carrier, deren Geschäftsmodell stark auf niedrigen Kosten basiert. In Berlin muss Ryanair aber auch gegen die dort größere easyJet antreten, die Lufthansa Group ist ebenfalls stark vertreten.
Ryanair reagiert aber auch gerne mit solchen radikalen Schritten, in der Vergangenheit wurden auch schon Basen geschlossen und nach einer Pause wieder eröffnet. Auf das Personal nimmt man da kaum Rücksicht, wer nicht nach Dublin, London oder an einen anderen Standort ziehen will, muss das Unternehmen verlassen.
Antworten