Die Verantwortlichen bei KLM haben schon lange an einem neuen Konzept für den Bordservice der Economy Class auf Europaflügen experimentiert. Auf einigen Strecken wurden testweise Snacks und Sandwiches verkauft, ab Oktober kommt dann das, was eigentlich offensichtlich war: Die Niederländer streichen das Gratis-Sandwich und führen auf fast allen Kurz- und Mittelstreckenflügen einen Buy-on-Board-Service ein. Ein bisschen was soll es aber auch in Zukunft trotzdem ohne Aufpreis geben.
🥪 KLM schafft ab Oktober das kostenlose Sandwich auf Europaflügen ab.
💳 Mahlzeiten und weitere Snacks werden künftig gegen Bezahlung angeboten.
☕ Stroopwafel, Kaffee, Tee, Wasser und Orangensaft bleiben grundsätzlich kostenlos.
KLM führt „Grand Café“ ein
KLM stellt den Bordservice in der Economy Class auf Europaflügen ab Oktober um. Unter dem Namen „Grand Café KLM“ sollen Passagiere künftig eine größere Auswahl an Speisen und Getränken bekommen. Ein wesentlicher Teil davon ist allerdings nicht mehr im Ticketpreis enthalten.
Damit bestätigt sich, was sich bereits seit einiger Zeit abgezeichnet hatte. KLM hatte auf verschiedenen Strecken mit einem neuen Cateringkonzept experimentiert und dabei sowohl das angebotene Sortiment als auch die Abläufe an Bord getestet. Was nach einer Erweiterung klingen soll, bedeutet auch den Abschied von einer bisherigen Leistung. Das kostenlose Sandwich, das KLM auf zahlreichen Europaflügen verteilt, wird nicht Bestandteil des neuen Angebots sein. Wer künftig etwas Umfangreicheres essen möchte, muss dafür bezahlen.
Passagiere erhalten dafür die Möglichkeit, bereits vor dem Abflug eine Mahlzeit zu bestellen. KLM nennt als Beispiele eine Poke Bowl und einen Caesar Salad. Auch spontan kann man sich während des Fluges für verschiedene kostenpflichtige Produkte entscheiden. Auf der Bordkarte sollen unter anderem ein Wrap mit Lachs und Ei sowie Joghurt mit Früchten stehen.

Buy on Board wurde bereits getestet
Überraschend kommt die Entscheidung nicht. KLM arbeitet schon länger an einer Neuausrichtung des Economy-Service auf europäischen Strecken.
Wie wir bereits berichtet haben, wurde das neue Konzept im Frühjahr auf ausgewählten Verbindungen getestet. Dazu gehörten Flüge von und nach Birmingham, Helsinki, Madrid, Oslo und Valencia. Passagiere konnten dort zusätzliche Snacks, Sandwiches, Wraps und Getränke kaufen. Auch die Vorbestellung umfangreicherer Mahlzeiten wurde erprobt.
KLM wollte mit den Tests nicht nur herausfinden, welche Produkte bei den Passagieren ankommen. Auch die Abläufe rund um Lagerung, Beladung und Verkauf an Bord wurden untersucht. Nun hat man sich entschieden, das Konzept regulär einzuführen.
KLM verkauft nun Getränke & Snacks auf Kurz- und Mittelstrecken
KLM will nicht ganz auf Gratis-Service verzichten
KLM streicht mit der Einführung des Grand Café nicht alle kostenlosen Leistungen. Auch künftig soll in der Economy Class eine Kleinigkeit enthalten sein: Die bekannte Stroopwafel wird weiterhin verteilt. Außerdem nennt KLM Kaffee, Tee, Wasser und Orangensaft als kostenlose Getränke. Auf sehr kurzen Verbindungen kann das Angebot allerdings eingeschränkt werden.
Die SkyTeam-Fluggesellschaft begründet das neue Konzept mit dem Wunsch der Reisenden nach mehr Auswahl und Flexibilität. Passagiere sollen selbst entscheiden können, ob und was sie während des Fluges essen möchten. Gleichzeitig verweist man darauf, dass kostenpflichtige Angebote inzwischen bei zahlreichen europäischen Netzwerkairlines üblich sind.
Weil die Kunden es so wollten? KLM führt Buy on Board ein | Frankfurtflyer Kommentar
Dass KLM diesen Schritt geht, kommt nicht überraschend. Die Niederländer haben den Verkauf von Speisen und Getränken lange genug getestet, bald wird das Konzept ausgerollt. Der größeren Auswahl kann man hier & da auch etwas abgewinnen, dafür fällt aber eine bisher inkludierte Leistung weg.
KLM feiert die Neuerung und zeigt sich überzeugt, dass die Fluggäste alle auf die Party kommen. Man spricht von mehr Auswahl und Flexibilität und will damit das Reiseerlebnis verbessern. Das erinnert an Lufthansa, als man die Onboard Delights eingeführt und mit Kundenwünschen argumentiert hat. Auch in dem Fall kann man sich nur schwer vorstellen, dass besonders viele Passagiere darum gebeten haben, künftig für das Essen bezahlen zu dürfen.
Immerhin bleibt KLM bei den kostenlosen Leistungen etwas großzügiger. Die Stroopwafel wird weiterhin verteilt, es gibt auch auch Kaffee, Tee oder O-Saft ohne Aufpreis, bei diversen Netzwerkern ist das keine Selbstverständlichkeit mehr. Unterm Strich wird einfach gespart, bisher hat man sich mit solchen Kleinigkeiten noch spürbar von den anderen abgehoben. Schade.
Konzerne sind da um die Leute zu veräppeln und auszurauben. Respekt ist eh weg. Qualität meist Mangelware.
Aber die Leute wollen es so. Sie wollen veräppelt oder belogen und ausgenommen werden. Was in der Wirtschaft gilt, gilt auch in der Politik.
Wenn ich für den Service bezahlen muss, so ist das Flugerlebnis einfach nicht dasselbe, wie wenn der Service inkludiert ist. Bei letzterem fühle ich mich umsorgt oder eben als Gast! Wenn ich für den Service bezahlen muss, so bin ich „nur“ Passagier. Hier liegt auch den Unterschied zu den Billigfluggesellschaften. Ich verstehe nicht, weshalb die Legacy Carrier ein derartiges Differenzierungsmerkmal leichtfertig aufgeben; vor allem, wenn die Einsparungen – wie dies bei Lufthansa der Fall ist – unter 50 Cent pro Passagier liegen. Im Onlineverkauf könnten ja trotzdem andere und qualitativ höherwertige Produkte zum Kauf angeboten werden.