Air France-KLM ausgestochen: TAP Air Portugal wird Teil der Lufthansa Group

Eigentlich wollte man erst am Mittwoch bekanntgeben, wer das Rennen um den Einstieg bei TAP Air Portugal gemacht hat. Am Dienstagabend hat ein portugiesischer Fernsehsender berichtet, dass sich die Lufthansa Group gegen Air France KLM durchgesetzt hat. Demnach waren es in erster Linie finanzielle Vorteile für den Staat, die für den deutschen Konzern gesprochen haben.

[UPDATE]

Inzwischen hat die portugiesische Regierung die Entscheidung offiziell bestätigt. Die Lufthansa Group soll zunächst 44,9 Prozent an TAP Air Portugal übernehmen und bietet dafür 1,025 Milliarden Euro. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Beteiligung auf 49,9 Prozent und der Kaufpreis auf bis zu 1,2 Milliarden Euro steigen. Die Verträge müssen allerdings noch unterzeichnet und der Einstieg von den zuständigen Behörden genehmigt werden.

Das Wichtigste auf einen Blick:

✈️ Lufthansa soll den Zuschlag für 44,9 Prozent an TAP Air Portugal erhalten.

💶 Das Angebot und die Finanzkraft des Konzerns sollen den Ausschlag gegeben haben.

🌍 Mit TAP könnte Lufthansa ihre Position auf dem südamerikanischen Markt stärken.

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Lufthansa hat den Zuschlag für TAP Air Portugal erhalten

Die Privatisierung der portugiesischen Fluggesellschaft TAP Air Portugal beschäftigt die Luftfahrtbranche schon seit mehreren Jahren. Im Sommer 2025 hatte die portugiesische Regierung einen neuen Anlauf gestartet, um einen größeren Anteil an der staatlichen Airline zu verkaufen.

Zuletzt waren noch zwei Interessenten im Rennen: die Lufthansa Group und Air France-KLM. Beide Konzerne hatten im September verbindliche Angebote für eine Beteiligung von 44,9 Prozent eingereicht. Zuvor hatte die portugiesische Regierung die Bieter aufgefordert, ihre Angebote nachzubessern.

Nun ist die Entscheidung gefallen. Wie der portugiesische Fernsehsender SIC am Dienstagabend unter Berufung auf mit dem Verfahren vertraute Quellen berichtete, soll die Lufthansa Group den Zuschlag erhalten. Die offizielle Bekanntgabe erfolgte am Mittwoch. Dafür hatte die portugiesische Regierung eine außerordentliche Kabinettssitzung angesetzt.

Portugal will zunächst 44,9 Prozent an TAP verkaufen, weitere fünf Prozent sind für die Mitarbeiter vorgesehen. Der Staat würde damit die Mehrheit an der Fluggesellschaft behalten. Nach Informationen von Bloomberg haben Lufthansa und Air France-KLM zuletzt jeweils mehr als eine Milliarde Euro für das Anteilspaket geboten. Mit der erwarteten Entscheidung ist der Einstieg allerdings noch nicht abgeschlossen. Es folgen weitere Vertragsverhandlungen und die wettbewerbsrechtliche Prüfung durch die EU-Kommission. Nach früheren Angaben aus Portugal könnte die Transaktion erst 2028 abgeschlossen werden.

Foto: Lufthansa

Ausschlaggebend für die Entscheidung soll vor allem das finanzielle Angebot gewesen sein. Lufthansa bietet nach Angaben des Fernsehsenders an, den Kaufpreis vollständig in bar zu bezahlen. Air France-KLM soll dagegen eine Kombination aus Bargeld und Aktien des eigenen Konzerns vorgeschlagen haben.

Für den portugiesischen Staat wäre das Angebot aus Deutschland damit attraktiver. Auch die größere Finanzkraft und die Investitionsmöglichkeiten der Lufthansa Group sollen bei der Bewertung eine wichtige Rolle gespielt haben. Hinzu kommt die Strategie für den Standort Lissabon. Lufthansa setzt sich für einen möglichst schnellen Bau des neuen Flughafens sowie eine Erweiterung der Kapazitäten am bestehenden Flughafen Portela ein.

TAP würde Lufthansa in Südamerika stärken

Mit TAP Air Portugal könnte die Lufthansa Group ihr internationales Streckennetz weiter ausbauen. Besonders interessant ist dabei die starke Präsenz der portugiesischen Fluggesellschaft in Brasilien und auf weiteren Verbindungen von und nach Südamerika. TAP verfügt schon heute über ein umfangreiches Streckennetz, für Lufthansa wäre eine Beteiligung daher eine Möglichkeit, die eigene Position in diesem Markt zu stärken und zusätzliche Umsteigeverbindungen über Lissabon anzubieten.

Auch aus Sicht der Luftfahrtallianzen ist der Einstieg interessant. TAP gehört bereits zur Star Alliance, ein Wechsel der Allianz wäre bei einer Beteiligung durch Lufthansa somit nicht erforderlich. Offen wäre allerdings, wie eng man TAP in die Lufthansa Group integriert.

Lufthansa plant Einstieg bei TAP und ein atlantisches Drehkreuz in Lissabon

Portugal könnte zum zweitgrößten Lufthansa-Aktionär werden

Mit der zunächst geplanten Minderheitsbeteiligung könnte es allerdings nicht getan sein. Die portugiesische Regierung hat auch eine zweite Phase der Privatisierung in Aussicht gestellt. Dabei könnte Portugal weiteres Geld bekommen und seine verbleibenden TAP-Anteile gegen Aktien der Lufthansa Group eintauschen. TAP wäre damit vollständig privatisiert, während der portugiesische Staat im Gegenzug zum zweitgrößten Aktionär des deutschen Luftfahrtkonzerns werden könnte.

Bis dahin dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Nach Angaben des portugiesischen Finanzministers könnte allein die wettbewerbsrechtliche Prüfung durch die EU-Kommission bis zu 24 Monate dauern. Ein Abschluss der Transaktion wäre damit möglicherweise erst 2028 zu erwarten. Ob Lufthansa bereits vorher Einfluss auf die Unternehmensführung von TAP nehmen darf, ist ebenfalls noch offen.

Air France-KLM ausgestochen: TAP wird Teil der Lufthansa Group | Frankfurtflyer Kommentar

Wird Lissabon zum siebten Drehkreuz der Lufthansa? Mit TAP Air Portugal soll eine weitere Fluggesellschaft in die Group integriert werden, die Konsolidierung in Europa wird vorangetrieben. Der südamerikanische Markt hat Potenzial, der Ausbau des Streckennetzes wäre auch für Air France-KLM sehr interessant gewesen. Doch anscheinend hat sich der Kranich durchgesetzt.

TAP könnte Teil eines transatlantischen Joint Ventures werden und auch bei Miles&More integriert werden. Für die Passagiere könnten sich langfristig zusätzliche Verbindungen und Vorteile ergeben, wobei noch völlig offen ist, wie stark TAP tatsächlich in den Konzern integriert werden soll. Warten wir erst einmal ab, bis die portugiesische Regierung ihre Entscheidung offiziell bekannt gibt.

21 Kommentare

    • Strategisch absolut sinnvoll, das ist eine einmalige Gelegenheit. Dann muss es aber daran gehen, die Integration und das Heben der Skaleneffekte in der Gruppe konsequent durchzuziehen.

    • Schade? Ich hoffe eher, dass sie nicht auf die Idee kommen, die Bestuhlung der TAP-Kurzstrecke zu übernehmen. Nie wieder Eco TAP hinter Reihe 14. Die Flieger sind nur bis zu den Notausgängen gut. Ach ja, und wer sich beschwert, dass es bei LH nur noch Wasser gibt, der ist auch noch nicht TAP geflogen. Es geht immer noch weiter runter. Eigentlich kann man bei denen nur C buchen.

    • Ich verstehe dass man diesen Gedanken bei den Vielen Marken und auch den vielen Zukäufen bei der LH Gruppe hat, allerdings muss man auch ehrlich sagen, dass es keine der beiden anderen großen Gruppen in Europa aktuell so konsistent versucht, eine einheitliche Airline mit mehren Hubs in verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen AOC zu schaffen wie Lufthansa.

      Wenn man sich anschaut wie gut inzwischen LH, LX und OS aufeinander ausgerichtet sind, dass kann ich bei AF und KLM oder auch IB und BA nicht sehen. Ob man das als Passagier gut findet, ist noch mal ein anderes Thema.

  1. Diese Konsolidierungen sind eine Fehlentwicklung. Man muss nur in die USA schauen, was das für den Konsumenten heisst. Fliege nächste Woche LAXCLT und bezahle 1200 USD für das Returnticket.

    • Aber was soll die Alternative sein? Airlines wie TAP sind zu klein zum (alleine) Überleben und zu groß, um sie einfach vom Markt verschwinden zu lassen. Dass kein Land bereit ist, so ein Unternehmen mit Steuergeldern am Leben zu halten, kann ich verstehen, dass ist den Steuerzahlern nicht zu vermitteln.

      • Die EU ist so konzipiert, dass sie Konzernen dient. Liberalismus ist nix anderes als das Recht des Stärkeren und dann sind wir wieder mitten im Mittelalter. Kein Wunder haben die Kleinen keine Chance mehr, es wird ihnen ja bewusst auch das Leben erschwert. Wir sehen in allen Bereichen der Wirtschaft, dass wir Richtung Monololisierung zugehen. Absolute Fehlentwicklung!

      • Die EU ist so konzipiert, dass sie Konzernen dient. Liberalismus ist nix anderes als das Recht des Stärkeren und dann sind wir wieder mitten im Mittelalter. Kein Wunder haben die Kleinen keine Chance mehr, es wird ihnen ja bewusst auch das Leben erschwert. Wir sehen in allen Bereichen der Wirtschaft, dass wir Richtung Monopolisierung zugehen. Absolute Fehlentwicklung!

    • Also eigentlich ist es in den USA so, dass man aufgrund der drei großen und potenten Airlines (und daneben gibt es ja noch eine ganze Reihe anderer) so, dass sie sich sehr intensiv gegenseitig Konkurrenz machen und dies auch lange durchhalten können. Für den Konsumenten ist das eher positiv als zwei kleine von denen am ende einer hops geht.

      In Europa ist eher das Problem, dass man sich nicht in die Märkte der anderen traut! Lufthansa dürfte z.B. auch von Paris nach Madrid fliegen und hier in direkter Konkurrenz von Iberia und Air France fliegen. Das macht man aber aus historischen gründen nicht, da „fremde“ Marken hier wenig angenommen werden von den Passagieren.

    • Ein übersättigter Markt wird bzw. muss sich irgendwann konsolidieren, ob man dies nun gut findet oder nicht. Und Hand aufs Herz: 1200 USD für ein Returnticket zwischen der US-Ost- und Westküste sind im Grunde genommen ein normaler Preis. Wir haben uns lediglich daran gewöhnt, dass Fliegen viele Jahre lang viel zu billig war. Für den Fluggast war das zwar toll, jedoch hinterlässt ein ruinöser Preiskampf langfristig am Ende ausschließlich Verlierer!

      • Eine Monoplisierung dient vor allem den Aktionären und es ist ein weiteres Mittel um Vermögen von unten und mitte nach ganz oben zu verschieben, nebst der Krisenagenda seit 2020, die massivste Auswirkungen auf die bottom 90% der Gesellschaft hat. Alleine in den USA hat sich die Zahl der Milliardäre seit 2019 von 500 auf 1000 Leute verdoppelt.

  2. und die ganze Swiss, das einzig richtige rentable im Konzern, gab’s für 200 milliönli geschenkt. mal schauen, woher die 450 Mio Synergien herkommen. wahrscheinlich reine management Phantasie. strategisch macht es sicher Sinn, wenn die Märkte gleich bleiben, oder sich gar positiv entwickeln. und wenn, UND nur wenn, LH auch dort Mondpreise abzocken kann beim Passagier.

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