Die Star Alliance ist das erste und bis heute größte globale Luftfahrtbündnis. Gegründet wurde sie 1997 von Lufthansa, United Airlines, Air Canada, THAI Airways und SAS Scandinavian Airlines. Fast drei Jahrzehnte später verbindet die Allianz mehr als zwei Dutzend Fluggesellschaften und über 1.000 Ziele weltweit. Trotzdem hat sich in den vergangenen Jahren ungewöhnlich viel verändert. Mit SAS hat sich 2024 sogar eines der fünf Gründungsmitglieder verabschiedet. Dafür sind inzwischen ITA Airways und die Lufthansa-Tochter City Airlines hinzugekommen. Der nächste Abgang steht allerdings schon fest: Asiana Airlines wird Ende 2026 aus der Star Alliance ausscheiden und später vollständig in Korean Air aufgehen.
Auch abseits der Mitgliederliste gab es Veränderungen. Die Star Alliance experimentierte mit Connecting Partnern, intermodalen Mitgliedern und sogar einer eigenen Kreditkarte. Nicht alle Ideen haben sich durchgesetzt.
Von fünf Airlines zum größten Luftfahrtbündnis der Welt
Als Lufthansa, United Airlines, Air Canada, THAI Airways und SAS im Mai 1997 die Star Alliance gründeten, war das Konzept noch neu. Fluggesellschaften, die zum Teil auf anderen Märkten selbst Konkurrenten waren, wollten Flugpläne und Vertriebswege besser miteinander verzahnen und ihren Passagieren ein möglichst durchgängiges Reiseerlebnis bieten.

In den folgenden Jahren wuchs die Allianz schnell. Airlines wie Singapore Airlines, ANA, Austrian Airlines, Air New Zealand, Turkish Airlines, SWISS, TAP Air Portugal oder South African Airways kamen hinzu. Andere Mitglieder verschwanden wieder. Adria Airways, VARIG, Ansett Australia und Spanair stellten den Betrieb ein. Gesellschaften wie Continental Airlines, US Airways oder TACA gingen im Zuge von Übernahmen und Fusionen in anderen Mitgliedern auf.
Auch TAM verließ das Bündnis nach der Fusion mit LAN und wechselte als Teil der heutigen LATAM-Gruppe zur oneworld Alliance, bevor LATAM auch diese Allianz wieder verließ. Der prominenteste freiwillige Abgang der jüngeren Vergangenheit war allerdings SAS. Das skandinavische Gründungsmitglied verließ die Star Alliance am 31. August 2024 und wechselte einen Tag später zum SkyTeam.
ITA Airways ist das jüngste Mitglied
Eine der größten Veränderungen gab es in den letzten Monaten. ITA Airways ist seit dem 1. April vollständiges Mitglied der Star Alliance und damit offiziell im Bündnis angekommen. Die italienische Fluggesellschaft hatte zuvor das SkyTeam verlassen und wurde nach dem Einstieg der Lufthansa Group schrittweise in deren Strukturen integriert.
ITA Airways wird vollständig in Miles & More und die Star Alliance integriert
Davon profitieren insbesondere Vielfliegende. Statusvorteile werden nun allianzweit anerkannt, Meilen können bei den unterschiedlichen Partnerprogrammen gesammelt und eingelöst werden und auch die jeweiligen Loungevorteile gelten entsprechend der Star-Alliance-Regeln. Parallel wurde ITA Airways noch enger an Miles & More angebunden. Das bisherige eigene Vielfliegerprogramm Volare wurde eingestellt, Miles & More wird zum zentralen Programm der Italiener.
Auch Lufthansa City Airlines gehört inzwischen dazu
Eine Besonderheit ist Lufthansa City Airlines. Die noch junge Lufthansa-Tochter startete 2024 mit eigenen Flügen und übernimmt inzwischen einen zunehmenden Teil der europäischen Zubringerverbindungen in München und Frankfurt. Seit September 2025 ist City Airlines laut Lufthansa Group dauerhaft in die Star Alliance eingebunden. Dadurch gelten die entsprechenden Allianzvorteile auch auf den Flügen mit dem Airlinecode VL.
Ganz eindeutig ist die Darstellung allerdings nicht. Die Star Alliance führt aktuell weiterhin 26 Mitgliedsairlines und listet City Airlines auf ihrer öffentlichen Mitgliederübersicht nicht separat als zusätzliches Vollmitglied. Die Gesellschaft ist damit praktisch vollständig in das System eingebunden, wird aber nicht wie Lufthansa, SWISS oder Austrian als eigenständiges Mitglied gezählt.

Für die Kundschaft ist die Konstruktion letztlich weniger wichtig. Entscheidend ist, dass die Flüge nicht mehr außerhalb der üblichen Star-Alliance-Systematik stehen und Statusvorteile entsprechend genutzt werden können.
Asiana Airlines verschwindet aus der Star Alliance
Während ITA und City Airlines neu hinzugekommen sind, steht bereits der nächste große Abgang fest. Asiana Airlines wird die Star Alliance am 16. Dezember 2026 um 23:59 Uhr koreanischer Zeit offiziell verlassen. Die südkoreanische Fluggesellschaft ist seit 2003 Mitglied und war damit über zwei Jahrzehnte ein wichtiger Partner in Nordostasien.
Grund ist nicht etwa ein Allianzwechsel, Asiana Airlines wird vollständig in Korean Air integriert und soll langfristig auch als eigenständige Marke verschwinden. Korean Air gehört zum konkurrierenden SkyTeam, entsprechend gibt es für Asiana innerhalb der Star Alliance keine Zukunft.
Bis zum Austritt gelten die Star-Alliance-Vorteile grundsätzlich weiter. Anschließend verlieren Statusgäste unter anderem den allianzweiten Loungezugang und andere Privilegien auf Asiana-Flügen. Für die Star Alliance ist der Verlust durchaus relevant. Asiana verfügte über ein umfangreiches asiatisches Streckennetz und einen wichtigen Hub in Seoul-Incheon. Vollständig verschwindet die Allianz dort allerdings nicht. Auch nach dem Austritt sollen 14 Star-Alliance-Mitglieder Seoul bedienen.
Connecting und Intermodal Partner
Neben den regulären Mitgliedern gibt es weitere Partner. Derzeit ist Juneyao Air aus Shanghai der einzige sogenannte Connecting Partner. Die Airline ist seit 2017 angebunden, allerdings deutlich eingeschränkter als ein Vollmitglied. THAI Smile war ebenfalls Connecting Partner, wurde inzwischen aber in THAI Airways integriert.
Hinzu kommen zwei Intermodal Partner: die Deutsche Bahn (DB) und die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Damit erweitert die Star Alliance ihr Netzwerk über Fluggesellschaften hinaus und bindet auch Bahnverbindungen in bestimmte Reisen und Vielfliegerprogramme ein. Während das Connecting-Partner-Konzept bislang kaum gewachsen ist, könnte die Einbindung weiterer Verkehrsträger künftig durchaus an Bedeutung gewinnen.

Diese Vorteile bringt die Star Alliance
Der eigentliche Sinn einer Airline-Allianz hat sich seit 1997 nicht grundlegend verändert. Die einzelnen Fluggesellschaften sollen ihr Netz miteinander verknüpfen und gemeinsam ein Angebot schaffen, das keine Gesellschaft alleine bereitstellen könnte.
Dazu gehören unter anderem:
- aufeinander abgestimmte Flugpläne
- Flüge mehrerer Airlines innerhalb einer Buchung
- durchgechecktes Gepäck auf vielen Umsteigeverbindungen
- gegenseitiges Sammeln und Einlösen von Meilen
- Anerkennung des Vielfliegerstatus
- Priority Check-in und Priority Boarding
- zusätzliches Freigepäck entsprechend den jeweiligen Regeln
- gemeinsamer Loungezugang
- bevorzugte Gepäckbehandlung
- gemeinsame Infrastruktur an zahlreichen Flughäfen
Gerade für die viel fliegenden Passagiere ist die gegenseitige Statusanerkennung einer der größten Vorteile.

Star Alliance Silver und Gold
Die Star Alliance selbst betreibt kein eigenes Vielfliegerprogramm. Den Status erhält man über Programme der Mitgliedsgesellschaften, beispielsweise Miles & More, Aegean Miles+Bonus, Turkish Airlines Miles&Smiles, Singapore Airlines KrisFlyer oder United MileagePlus.
Die Programme definieren selbst, unter welchen Voraussetzungen ein Mitglied die entsprechende Stufe erreicht. Innerhalb der Allianz gibt es anschließend zwei einheitliche Kategorien:
Star Alliance Silver bietet nur relativ wenige zusätzliche Vorteile.
Deutlich interessanter ist Star Alliance Gold. Dazu gehören unter anderem Priority Check-in, bevorzugtes Boarding, zusätzliches Freigepäck und der Zugang zu zahlreichen Business-Class-Lounges der Allianzpartner.
Gerade der Loungezugang macht den Status wertvoll. Er gilt grundsätzlich auch dann, wenn man am jeweiligen Tag in der Economy Class unterwegs ist, solange die entsprechenden Bedingungen erfüllt sind. Eine schon länger diskutierte zusätzliche Statusstufe oberhalb von Star Alliance Gold wurde bislang nicht eingeführt.
Neben den Lounges der einzelnen Fluggesellschaften betreibt bzw. vermarktet die Allianz auch Einrichtungen unter dem eigenen Namen. Solche Star Alliance Lounges gibt oder gab es unter anderem in Los Angeles, Paris und Amsterdam.
Nicht alle Vorteile sind wirklich einheitlich
So praktisch die Allianz sein kann, ist das Reiseerlebnis nicht immer einheitlich. Die einzelnen Gesellschaften behalten ihre eigenen Tarife, Buchungsklassen und Vielfliegerprogramme. Dadurch gibt es teilweise erhebliche Unterschiede bei der Meilengutschrift oder bei Prämienflügen. Auch günstige Light-Tarife haben die Sache komplizierter gemacht. Leistungen wie Freigepäck oder Sitzplatzreservierung sind je nach Fluggesellschaft, Tarif und Status unterschiedlich geregelt.
Hinzu kommt, dass einige Lufthansa-Group-Airlines wie Eurowings, Discover Airlines oder Edelweiss keine eigenständigen Star-Alliance-Mitglieder sind. Wer von einem klassischen Lufthansa-Flug auf eine solche Gesellschaft umsteigt, kann daher nicht automatisch davon ausgehen, dass alle Allianzvorteile weitergelten. Gerade hier könnte die Star Alliance deutlich einfacher werden.
Sind Airline-Allianzen überhaupt noch zeitgemäß?
Diese Frage wird praktisch seit der Gründung der großen Bündnisse gestellt. Die Strukturen sind inzwischen wesentlich komplexer als noch in den 90er-Jahren. Airlines arbeiten längst auch außerhalb ihrer Allianz intensiv zusammen. Es gibt Codeshares, bilaterale Partnerschaften, Joint Ventures und Beteiligungen. Lufthansa kooperiert beispielsweise auch mit Cathay Pacific oder LATAM, die nicht Mitglied der Star Alliance sind.
Manche Kooperationen innerhalb eines Joint Ventures sind wirtschaftlich sogar wesentlich enger als die allgemeine Zusammenarbeit innerhalb einer Allianz. Trotzdem haben die Bündnisse insbesondere für Passagiere einen entscheidenden Vorteil, denn siie schaffen einen gewissen gemeinsamen Standard.
Ein Star-Alliance-Gold-Mitglied weiß grundsätzlich, welche Kernvorteile es bei ANA, Lufthansa, United, Turkish Airlines oder Singapore Airlines erwarten kann. Ohne Allianz müsste jede einzelne Kooperation separat geregelt und verstanden werden.
Die Größe der Star Alliance bedeutet nicht automatisch, dass das Netz überall besonders stark ist. Australien ist dafür das offensichtlichste Beispiel. Seit dem Zusammenbruch von Ansett Australia im Jahr 2001 gibt es dort kein heimisches Star-Alliance-Mitglied mehr. Air New Zealand und Singapore Airlines bieten zwar umfangreiche Verbindungen nach Australien an, die starke lokale Position von Qantas und Virgin Australia kann das Bündnis damit aber nicht ersetzen.
Auch in Südamerika ist die Situation nicht mehr so stark wie früher, Avianca und Copa Airlines operieren dort, es gibt aber auch große Lücken.
Das Experiment mit der eigenen Star-Alliance-Kreditkarte endet
Eine besonders interessante Idee startete 2022 in Australien. Gemeinsam mit HSBC führte die Allianz dort die weltweit erste Kreditkarte ein, die direkt mit einer kompletten Airline-Allianz und nicht nur mit einer einzelnen Fluggesellschaft verbunden war. Mit der Karte konnten Star Alliance Rewards Punkte gesammelt und anschließend zu mehreren teilnehmenden Vielfliegerprogrammen übertragen werden.
Noch außergewöhnlicher war die Möglichkeit, über entsprechende Kartenumsätze sogar einen Star Alliance Silver oder Gold Status zu erhalten. Australien war für einen solchen Versuch naheliegend. Da die Allianz dort kein lokales Mitglied hat, geriet das Produkt kaum mit einer bestehenden Kreditkarte eines Mitglieds in Konflikt.
Der Versuch wird nun allerdings vorerst beendet. HSBC zieht sich aus dem australischen Privatkundengeschäft zurück und stellt die Star Alliance Credit Card am 18. November 2026 ein. Ob damit auch das gesamte Star Alliance Rewards Konzept endgültig verschwindet, ist noch nicht klar. Die Einstellung der Kreditkarte hängt schließlich unmittelbar mit dem Rückzug von HSBC zusammen.

Wohin geht die Reise?
Die vergangenen Jahre zeigten wieder, vor welchem Problem die Allianzen stehen. Einerseits sind sie weiterhin relevant, da sie eine Einheit bei Buchung oder Loungezugang schaffen. Andererseits reicht eine klassische Allianzmitgliedschaft längst nicht mehr aus.
Fluggesellschaften schließen unabhängig davon Joint Ventures und Codeshare-Abkommen oder kaufen sich gegenseitig. Gleichzeitig existieren innerhalb großer Airlinegruppen immer mehr Töchter, die nicht vollständig Teil der jeweiligen Allianz sind. Das Connecting-Partner-Konzept sollte solche Probleme teilweise lösen, hat sich bisher aber kaum entwickelt.
Alliance-Guide: Die Star Alliance heute | Frankfurtflyer Kommentar
Die Star Alliance ist auch fast 30 Jahre nach ihrer Gründung nicht überflüssig geworden. Aus Sicht der viel fliegenden Kundschaft ist das Bündnis weiterhin enorm wertvoll. Wer einen Star Alliance Gold Status besitzt, kann mit zahlreichen Airlines um die Welt fliegen und sich trotzdem auf bestimmte Kernvorteile verlassen.
Trotzdem ist nicht alles so einheitlich, wie es sein könnte. Light-Tarife, zahlreiche Tochtergesellschaften außerhalb der Allianz und individuelle Kooperationen machen die Regeln teilweise unnötig kompliziert. Auch bei neuen Konzepten fehlt die Konsequenz, Connecting und Intermodal Partner klingt interessant, bei der Bahn können wir aber sehen, dass leider nicht viel dahinter ist.
Der Verlust von SAS war durchaus schmerzhaft, mit ITA Airways gab es einen Neuzugang. City Airlines ist jetzt auch eingebunden, dafür steht mit Asiana schon der nächste prominente Abgang fest.



Der größte „Quertreiber“ in der *A dürfte derzeit LHG sein. Während SQ und TG ihre Nichtallianztöchter mittlerweile integriert haben wird bei LHG fleißig ausgebaut. WK, EW, E6, EN, 4Y. Und 4U gabs ja auch mal. Fortsetzung dürfte folgen…