Condor ist neben Lufthansa die zweite große Airline in Deutschland. Und auch wenn man aufgrund der historischen Verbindung der beiden Airlines – immerhin war Condor vor Jahrzehnten eine Lufthansa-Tochter – vermuten könnte, dass sie immer noch zusammengehören, sind Lufthansa und Condor erbitterte Konkurrenten geworden. Condor hat sich im Zuge der Neuaufstellung der letzten Jahre zudem mehr zu einer Netzwerk-Airline entwickelt, die unabhängig von den Strukturen der Lufthansa ist. Aktuell ist man aber auch aktiv auf der Suche nach einem neuen Eigentümer.
✈️ Condor sucht aktiv nach einem neuen Eigentümer.
🌍 Golf-Airlines wie Emirates, Etihad und Qatar Airways gelten als mögliche Partner.
⚖️ EU-Eigentumsregeln schließen eine vollständige Übernahme derzeit aus.
Nachdem klar ist, dass Condor nicht wieder in die Lufthansa-Gruppe zurückkehren kann, da dies auch von den Kartellämtern und der EU nicht genehmigt werden dürfte, braucht man hier auch eine neue strategische Partnerschaft. Der Condor-CEO Peter Gerber sagte hierzu in einem Interview, dass es sehr wahrscheinlich sei, dass Condor bei „einem größeren Konglomerat andocken wird“, und bringt hier direkt auch die Golf-Airlines Emirates, Etihad Airways und Qatar Airways ins Spiel. Aber könnten die Golf-Airlines Condor auch wirklich übernehmen?
Im Detail führt der Condor-CEO dieses Gedankenspiel – mehr ist es aktuell zumindest offiziell nicht – gar nicht aus, aber eigentlich wird sehr schnell klar, dass Condor nicht komplett von einer Golf-Airline wie Emirates oder Etihad Airways, mit denen man schon Partnerschaften unterhält, übernommen werden kann. Sobald Condor zu über 49,9 % von Nicht-EU-Eignern übernommen würde, fiele der Status als EU-Airline weg und damit würden z. B. auch erst einmal alle Streckenrechte etc. verfallen.
Eine direkte Beteiligung von über 49 % durch eine Golf-Airline ist also gar nicht möglich, und dies war übrigens auch seinerzeit eines der großen Probleme von Air Berlin. Denn nachdem Etihad Airways die Beteiligung an der Airline auf fast 30 % ausgebaut hatte, stand man vor einem kritischen Punkt, an dem man den anderen Anteilseignern ein Übernahmeangebot hätte machen müssen, und es bestand die Gefahr, dass Etihad plötzlich mehr als 50 % von Air Berlin gehalten hätte, mit allen negativen Auswirkungen.
Generell erinnert die neuerliche Partnerschaft von Condor und Etihad Airways, die nicht nur Flüge von Condor zwischen Frankfurt und Berlin nach Abu Dhabi beinhaltet, sondern auch Flüge zwischen Abu Dhabi und Bangkok, die von Condor durchgeführt werden, doch auffallend an das System bei Air Berlin, insbesondere wenn nun auch über eine Beteiligung gesprochen wird.

Condor befindet sich aktuell zu 51 % im Eigentum des Finanzinvestors Attestor, und die verbleibenden 49 % sind im Eigentum von Bund und Ländern, als Teil der Corona-Rettungshilfen. Gerade der Teil von Condor, der dem Staat gehört, könnte durchaus vollständig oder in Teilen an eine Golf-Airline verkauft werden, wobei hierbei sichergestellt werden muss, dass Attestor seinen Anteil weiterhin hält. Allerdings ist auch hier ein Verkauf geplant, da Attestor Condor immer nur „sanieren“ und damit für einen Verkauf attraktiver machen wollte.
Condor sieht Chance für Verkauf an Emirates, Etihad oder Qatar Airways | Geht das überhaupt? | Frankfurtflyer-Kommentar
Es klingt erst einmal nach einem sehr spannenden Szenario, wenn zum Beispiel Emirates Condor übernehmen würde, um so vollen Zugang zum Markt in Europa zu bekommen. Eine 100-prozentige Übernahme ist aber absolut ausgeschlossen, da man Condor dann nicht mehr so betreiben könnte, wie man es aktuell tut. Wobei natürlich eine Minderheitsbeteiligung einer Golf-Airline durchaus denkbar ist, und die Staatsfonds in Katar oder auch den Vereinigten Arabischen Emiraten haben sich durchaus schon strategisch an ausländischen Airlines beteiligt. So hält Qatar Airways z. B. inzwischen 25 % an der British-Airways-Mutter IAG.
Grundsätzlich ist es durchaus denkbar, dass diese Aussage des Condor-CEOs auch eine große Nebelkerze ist und man von aktuellen Verhandlungen ablenken will. Undenkbar ist es nicht, dass die British-Airways-Mutter IAG oder auch Air France-KLM bei Condor einsteigen, um hier eine große deutsche Airline, auch aufgrund der Konkurrenzsituation mit Lufthansa, mit in die Gruppe zu holen.
Eine Angliederung an IAG mit British Airways und Iberia oder auch an Air France-KLM wäre für Condor wohl auch langfristig extrem positiv. Hier ist es aber zusätzlich noch denkbar, dass das Investment in Condor nicht nur von IAG oder Air France-KLM allein getätigt wird, sondern dass man sich hierfür einen strategischen Partner wie Qatar Airways oder Etihad Airways mit ins Boot holt. Spannend sind diese Gedanken auf jeden Fall.
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