Desaster bei der Zertifizierung: Delta will neuen Business-Class-Sitz wieder abschaffen

Foto: Safran VUE

Die Fluggesellschaften werden bei der Entwicklung von Premiumprodukten immer kreativer, doch bei der Zertifizierung von neuen Sitzen kommt es auch immer wieder zu Problemen. Delta Air Lines wird bei der Zulassung der neuen Business Class ungeduldig, die Fluggesellschaft aus den USA könnte sich daher gegen den ursprünglich geplanten Sitz entscheiden. Das Rennen wird dann ein anderer Hersteller machen.

Das Wichtigste auf einen Blick:

✈️ Delta könnte den ursprünglich geplanten Safran-VUE-Sitz wegen anhaltender Zertifizierungsprobleme aufgeben.
🛫 Mehrere Airbus A321neo konnten monatelang nicht wie vorgesehen eingesetzt werden und fliegen derzeit mit einer Notlösung.
💺 Thompson Aero VantageSOLO gilt als aussichtsreiche Alternative und könnte den Zuschlag erhalten.

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Delta Air Lines arbeitet seit Jahren an einer besonders hochwertigen Variante des Airbus A321neo. Die Flugzeuge sollen künftig auf längeren und besonders wichtigen Kontinentalstrecken innerhalb der USA eingesetzt werden und dabei ein Produkt bieten, das man eher von Langstrecken kennt. Geplant sind vollständig flache Betten in der Business Class, eine Premium Economy Class sowie eine großzügig gestaltete Economy Class.

Safran-VUE-Sitz sorgt weiterhin für Probleme

Ursprünglich wollte Delta dabei auf den neuen Safran-VUE-Sitz setzen. Dieser Reverse-Herringbone-Sitz gilt als besonders attraktiv, da die Passagiere einen direkten Gangzugang erhalten und gleichzeitig besser vom Kabinengang abgeschirmt werden. Genau diese Sitze sorgen jedoch seit langer Zeit für erhebliche Probleme bei der Zertifizierung.

Die Situation ist inzwischen so angespannt, dass Delta mehrere Airbus A321neo über Monate hinweg nicht einsetzen konnte. Einige Flugzeuge wurden bereits 2024 ausgeliefert, mussten aber direkt eingelagert werden. Um die Maschinen überhaupt nutzen zu können, entschied sich die Fluggesellschaft zu einer ungewöhnlichen Zwischenlösung. Statt der geplanten Business Class wurden die Flugzeuge mit einer stark vergrößerten Domestic First Class ausgestattet. Die Jets fliegen nun mit insgesamt 44 First-Class-Sitzen auf ausgewählten Inlandsrouten ab Atlanta.

Foto: DElta

Delta prüft Alternative von Thompson Aero

Eigentlich war zuletzt davon ausgegangen worden, dass die ursprüngliche Kabine spätestens 2028 eingeführt werden könnte. Doch mittlerweile scheint selbst dieser Zeitplan unsicher. Ein Manager der Gesellschaft äußerte sich inzwischen entsprechend, demnach will Delta künftig nicht mehr ausschließlich auf Safran setzen. Stattdessen wird auch der Thompson Aero VantageSOLO als Alternative geprüft.

Laut OMAAT bekommt der Sitzhersteller den Zuschlag, der zuerst eine Zulassung erhält. Damit macht Delta aus dem Zertifizierungsprozess einen direkten Wettbewerb zwischen zwei Anbietern. Für Safran erhöht sich dadurch der Druck erheblich, Thompson hat gute Chancen, denn deren Aero VantageSOLO kommt bereits in ähnlicher Form bei anderen Fluggesellschaften zum Einsatz. So nutzen unter anderem die Airbus A321LR von JetBlue und die neuen Airbus A321XLR von Iberia ein vergleichbares Produkt.

Foto: Thompson Vantage

Für Delta wäre ein Wechsel allerdings nicht ideal. Die Fluggesellschaft wollte sich mit dem Reverse-Herringbone-Konzept bewusst von der Konkurrenz abheben. Sollte nun der VantageSOLO-Sitz zum Einsatz kommen, würde man sich stärker an den Lösungen anderer Airlines orientieren und einen Teil des geplanten Wettbewerbsvorteils verlieren.

Desaster bei der Zertifizierung: Delta will neuen Business-Class-Sitz wieder abschaffen | Frankfurtflyer Kommentar

Die Entwicklung moderner Premiumkabinen ist inzwischen ziemlich kompliziert geworden. Die Sitze werden immer aufwendiger, gleichzeitig steigen die Anforderungen der Aufsichtsbehörden. Für die Airlines bedeutet das nicht nur Verzögerungen, sondern auch erhebliche Kosten. Delta hat mehrere Flugzeuge jahrelang nicht wie geplant nutzen können und diese mit einer Notlösung versehen, um Schadensbegrenzung zu betreiben. Nun muss man möglicherweise sogar das gesamte Sitzkonzept überdenken.

Die Entwicklung erinnert an die Probleme, die Lufthansa mit Allegris erlebt hat. Immer mehr Airlines investieren hohe Summen in neue Premiumprodukte, man möchte dabei innovativ sein, unterschätzt aber offenbar den Aufwand bei der Zertifizierung. Für Delta ist die Situation besonders ärgerlich, weil die effizienten Flugzeuge längst ausgeliefert wurden und eigentlich schon seit Jahren auf den lukrativen Transkontinentalstrecken Geld verdienen sollten.

Langsam dürfte es für die Fluggesellschaft wichtiger sein, die Flugzeuge endlich wie geplant einzusetzen, als an einem Produkt festzuhalten, dessen Zulassung weiterhin in weiter Ferne liegt.

1 Kommentar

  1. Das klingt schonmal gaaaanz anders, als ständige Ankündigungen, warum ein Produkt „auf besonderen Kundenwunsch“ zum Zeitpunkt X kommt. Und dann geraume Zeit später die selbe Jubelmeldung, warum es „auf besonderen Kundenwunsch“ Zeitpunkt Y wird …

    Hier wird ein Problem adressiert und eine Lösung präsentiert.

    Das Ergebnis (Verzögerung) ist zwar das selbe, aber kommunikativ liegen Welten dazwischen. Als Kunde signalisiert man mir hier: „Du bist wichtig, wir arbeiten entschlossen daran, dass Du es bei uns gut und demnächst noch besser hast und damit etwas für Dein Geld bekommst.“

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