Kaum noch Ersatzteile: Darum will Lufthansa den A340-600 los werden

Foto: Lufthansa

Der Airbus A340-600 gehört eigentlich noch nicht zum alten Eisen, und mit einem Durchschnittsalter von etwa 17 Jahren sind die Flugzeuge bei weitem nicht die ältesten Langstreckenflugzeuge in der Lufthansa-Flotte. Dennoch will Lufthansa den Airbus A340-600 möglichst schnell loswerden, und eigentlich war der letzte Flug für den A340-600 schon einmal für den 11. Januar angesetzt.

Das Wichtigste auf einen Blick:

✈️ Verlängerte Einsatzzeit: Der A340-600 bleibt wegen Lieferverzögerungen neuer Jets länger im Einsatz.
🧩 Ersatzteilproblem: Ersatzteile sind weltweit kaum verfügbar, Lufthansa hortet Reserven.
💸 Wirtschaftlichkeit: Hohe Betriebskosten, Lufthansa bevorzugt den älteren A340-300.

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Immer weitere Verzögerungen bei der Auslieferung von neuen Langstreckenflugzeugen und vermutlich auch der Verkauf von zwei Boeing 747-8 an die US Air Force sorgen nun dafür, dass der Airbus A340-600 doch noch ein paar Monate länger bei Lufthansa durchhalten muss. Wirklich glücklich kann man darüber bei Lufthansa aber nicht sein, denn das Flugzeug ist inzwischen für Lufthansa eine „operative Herausforderung“, wie der Lufthansa-Chef Jens Ritter kürzlich gegenüber Aero International sagte.

Dabei beziehen sich diese operativen Herausforderungen auf die Aspekte, die den Airbus A340-600 im Betrieb so teuer und damit oft auch nicht ausreichend wirtschaftlich machen. Der Airbus A340-600 gilt in der Wartung als sehr teuer, was wiederum nicht direkt an den Wartungskosten selbst liegt, sondern an der Tatsache, dass Ersatzteile für das Flugzeug weltweit kaum noch verfügbar sind und damit schwer zu beschaffen.

Lufthansa hat daher enorme Reserven an Ersatzteilen für den Airbus A340-600 aufgebaut und so zum Beispiel auch alle weltweit verfügbaren Bremsenteile aufgekauft. Wenn man bedenkt, dass man im Sommer 2026 nur noch mit bis zu drei Airbus A340-600 fliegen will, ist dies durchaus ein bemerkenswertes Investment, das auch klar macht, wie ungern Lufthansa dies gemacht haben muss und dass die Entscheidung mehr aus der Not heraus getroffen wurde.

Eine so kleine Subflotte von nur noch drei Airbus A340-600 bringt aber auch in sich selbst einiges an operativen Herausforderungen (und damit Kosten) mit sich, denn man muss hier auch eine gewisse Reserve für Ausfälle vorhalten. Lufthansa fährt (oder fliegt) aktuell mit einer Reserve von 20 %, was üppig ist, aber nötig war, um den Flugplan wieder zu stabilisieren.

Im Falle von nur drei Flugzeugen bedeutet dies, dass ein Flugzeug fast nicht genutzt werden kann, was naturgemäß nicht so effizient ist wie bei einer größeren Flotte von Dutzenden Maschinen eines Flugzeugtyps.

Lufthansa zieht den Airbus A340-300 dem Airbus A340-600 vor!

Dieser hohe operative Aufwand und die damit verbundenen Kosten sind auch der Grund, warum Lufthansa den Airbus A340-600 schon mindestens ein Jahr vor dem Airbus A340-300 aus der Flotte entfernen will – und das, obwohl der Airbus A340-300 mit einem Durchschnittsalter von über 26 Jahren fast zehn Jahre älter ist als der Airbus A340-600.

Der Airbus A340-300 ist weltweit noch deutlich häufiger im Einsatz (und hat in Teilen auch einige Parallelen zum Airbus A321). Dies sorgt dafür, dass Ersatzteile deutlich einfacher verfügbar sind, was die Kosten senkt.

Hinzu kommt, dass die Größe und Kapazität, insbesondere auch die möglichen Frachtkapazitäten des Airbus A340-300, für Lufthansa in Verbindung mit der hohen Reichweite als „ideal“ gelten.

Der Airbus A340-300 hat für Lufthansa lediglich das Problem des höheren Treibstoffverbrauchs, allerdings kompensiert die Tatsache, dass die Flugzeuge komplett bezahlt und abgeschrieben sind, hier einiges in der betriebswirtschaftlichen Auswertung der Flugzeuge.

Kaum noch Ersatzteile: Darum will Lufthansa den A340-600 loswerden | Frankfurtflyer Kommentar

Der Airbus A340-600 war nie ein Erfolg von Airbus, und viele Airlines, die das Flugzeug gekauft haben, wollten ihn ohnehin recht schnell loswerden. Lufthansa war der größte Betreiber des Airbus A340-600 weltweit, und entsprechend hat man diese Flugzeuge nun auch noch zur Verfügung. Aufgrund fehlender Alternativen muss man nun auf den Airbus A340-600 zurückgreifen, obwohl man dieses Flugzeug eigentlich schon mehrfach stilllegen wollte.

Dabei geht es für Lufthansa bei der „Abneigung“ gegen den Airbus A340-600 weniger um die erhöhten Spritkosten des Airbus A340-600 als um den hohen Aufwand im Betrieb, der vor allem auch aus der aufwändigen Wartung und Ersatzteilbeschaffung resultiert.

 

8 Kommentare

  1. Zum arbeiten als Kabinencrew ein toller Flieger, mit viel Platz und im vergleich zu anderen Fliegern viele Waschräume. Alleine die Economy Toiletten im Lower Deck sind einzigartig.

  2. Also wer das behauptet hat wirklich keine Ahnung, Teile stehen in
    Mengen zur Verfügung und aktuell lagern 8 in TEV die gerade
    alle als teileträger vorhanden sind. Es gibt mehr als genug Teile. Die LHT hofft, dass noch einige als Cargo weiterfliegen, damit sie Teile verkaufen können, weil
    Sie soviele haben.

    • Dann hat das LH Management wohl auch keine Ahnung davon, was in ihrem Konzern und auf dem Markt passiert.

      Es geht ja nicht nur um Dinge die man aus gebrauchten Flugzeugen ausbauen kann und auch hier ist der Nachschub sehr Endlich! Es reicht schon, dass ein Teil für eine Bremse fehlt und der Jet steht am Boden. Daher musste LH Technik ein absurdes (gemessen an der Flottengröße) Lager an Teilen für den 340-600 eröffnen.

  3. Bin bereits mehrfach mit dem A340-600 geflogen und dabei hat der A340-600 immer einen sehe guten optischen Eindruck bei mir hinterlassen. Der A340-300 wirkte als wie gewollt aber nicht gekonnt auf mich.
    Jedoch ist der 787 Dreamliner noch eine größere Katastrophe

  4. Bemerkenswert, dass ausgerechnet dieser Airbus bzgl. der Ersatzteile so aus der Reihe tanzt. Ich hätte eigentlich gedacht, dass der Großteil an Ersatzteilen A330/340-weit gleich wären und somit der A346 als größere Variante am länger überleben würde (so ähnlich wie z.B. bei der 767-200/300 oder 777-200/300ER).
    Schade, dass es nie dazu kam, dass ich mal in einem mitfliegen konnte.

    • Na ja, der ist um einiges schwerer, was andere Bremen und Fahrwerke nit sich bringt, dann hast du noch die Triebwerke, die es so auch nur an dem gibt und so zieht sich das halt durch.

      Eigentlich stand schon vor der Pandemie fest, dass man die 2020/21 abstellen wollte.

  5. Also ich habe den A340 geliebt – in der Business Class bei den vielen Nachtflügen von Shanghai nach München oder privat in der Economy mit der 2-4-2 Bestuhlung mit Frau oder den beiden Töchtern und nicht diese blöden 3er Sitzen. Und in der Tat, die Waschräume sind großzügiger als in anderen Maschinen.

  6. Kann ich nicht bestätigen, deshalb auch der interne Spitzname „Galeere“!
    Vor allem die Arbeitspositionen an der Tür, an der der Abgang zum Toiletten-Deck ist, sind fies, da dort ständig wartende Passagiere im Weg stehen. Das ist, vor allem, Morgens, eine echte Herausforderung für die Crew!

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