Lufthansa hat sich einiges vorgenommen. Die Kranichlinie will das Langstreckenangebot weiter ausbauen, zusätzliche Frequenzen auflegen und 2027 auch neue Ziele aufnehmen. Die angekündigten Flüge nach Columbus und Phoenix stehen dabei im Vordergrund, eine andere Veränderung ist etwas in den Hintergrund gerückt. Lufthansa gibt die Verbindungen nach Seattle ab Frankfurt und München an die günstigere Ferienfluggesellschaft Discover Airlines ab. Dieses Muster ist nicht neu und könnte künftig noch häufiger zu beobachten sein.
✈️ Discover Airlines übernimmt ab Ende März 2027 die Lufthansa-Flüge nach Seattle.
🛫 Betroffen sind beide Verbindungen ab Frankfurt und München.
🔄 Schon früher hat Lufthansa mehrere Langstrecken an Discover Airlines abgegeben.
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Discover Airlines übernimmt Lufthansa-Flüge nach Seattle
Lufthansa fliegt bereits seit vielen Jahren nonstop von Frankfurt nach Seattle, seit 2024 gibt es auch eine Verbindung ab München. Im Sommer werden beide Strecken zeitweise täglich angeboten. Doch ab dem Sommerflugplan 2027 wird die Kranichlinie auf beiden Routen nicht mehr selbst fliegen. Wie Discover Airlines in einer Pressemitteilung bestätigt, übernimmt die Tochtergesellschaft ab Ende März 2027 die bislang von Lufthansa angebotenen Verbindungen zwischen Seattle und den beiden deutschen Drehkreuzen.
Für Passagiere mit bereits bestehenden Buchungen soll die Umstellung automatisch erfolgen. Laut Discover Airlines „ändert sich nichts“, zumindest müssen Reisende selbst nichts unternehmen. Die Änderungen werden in den kommenden Wochen in den Buchungssystemen vorgenommen.
Ganz so einfach ist es allerdings nicht, denn mit dem Wechsel ändert sich beispielsweise das Bordprodukt. Statt der bisher eingesetzten Lufthansa-Flugzeuge, darunter Airbus A350-900, werden künftig Airbus A330 von Discover Airlines eingesetzt. Die Ferienfluggesellschaft bietet ebenfalls Business Class und Premium Economy an, verfügt jedoch über eine andere Kabinenausstattung und ein anderes Servicekonzept.
Fun Fact: Über viele Jahre setzte Lufthansa auf der Strecke nach Seattle selbst Airbus A330 ein, die in einer nahezu identischen Kabinenkonfiguration unterwegs waren. Die Flugzeuge trugen damals allerdings noch die Lufthansa-Lackierung. Mit dem Wechsel zu Discover Airlines kehrt also gewissermaßen ein alter Bekannter auf die Strecke zurück.
Auch bei den Statusvorteilen gibt es Unterschiede. Discover Airlines gehört nicht zur Star Alliance, weshalb Mitglieder anderer Star-Alliance-Programme mit Goldstatus nicht automatisch die gewohnten Vorteile erhalten. Miles & More Senatoren und HON Circle Member können dagegen weiterhin bestimmte Privilegien wie den Loungezugang nutzen.
Lufthansa gibt nicht zum ersten Mal Strecken an Discover ab
Die Verlagerung von Seattle ist kein Einzelfall. Bereits vor Jahren übernahm Discover Airlines die Lufthansa-Verbindungen nach Orlando und Philadelphia, später folgte Minneapolis. Auch auf der Kurz- und Mittelstrecke gibt es entsprechende Entwicklungen. Discover hat bereits zahlreiche klassische Ferienziele übernommen, im Sommer 2026 wurden die Lufthansa-Verbindungen nach Larnaka auf Zypern vollständig an den Ferienflieger übergeben.
Dahinter dürften vor allem wirtschaftliche Überlegungen stehen. Discover Airlines ist als Ferienfluggesellschaft schlanker aufgestellt als die Lufthansa-Kernmarke. Die Flotte ist weniger komplex, die Strukturen sind einfacher und die Personalkosten niedriger. Dadurch lassen sich bestimmte Strecken möglicherweise wirtschaftlicher betreiben.
Gleichzeitig kann Lufthansa ihre eigenen Flugzeuge stärker auf andere Märkte konzentrieren. Für 2027 wurden bereits neue Langstrecken nach Columbus in Ohio und Phoenix in Arizona angekündigt. Besonders in Columbus sieht Lufthansa offenbar Potenzial durch Geschäftsreisende, während die Konkurrenz von und nach Seattle zunimmt. So plant Alaska Airlines weitere Langstrecken ab Seattle, auch Delta Air Lines will 2027 zahlreiche europäische Ziele direkt ansteuern.
Discover Airlines wächst weiter
Bei Discover Airlines stehen die Zeichen ohnehin auf Wachstum. Die Konzerntochter baut ihre Langstreckenflotte aus und erhält weitere Airbus A330-300, die zuvor bei Lufthansa eingesetzt wurden. Künftig sollen auch Airbus A350-900 aus Beständen der Lufthansa zu Discover Airlines wechseln.
In München wächst die Discover-Flotte ab März 2027 um einen weiteren Airbus A330-300 auf insgesamt zehn Flugzeuge. Gleichzeitig wird unter anderem die Verbindung nach Windhoek auf fünf wöchentliche Flüge ausgebaut.

Auch neue Ziele kommen hinzu. Ab Juni 2027 fliegt Discover Airlines dreimal pro Woche von Frankfurt nach Edmonton in Kanada. Im Dezember folgt Belize City mit zwei wöchentlichen Verbindungen. Mit der wachsenden Flotte verfügt Discover Airlines über zusätzliche Kapazitäten, um weitere Strecken zu übernehmen. Ob und welche Lufthansa-Verbindungen künftig betroffen sein könnten, ist allerdings noch offen.
Lufthansa schiebt Langstrecken zur günstigeren Tochter Discover Airlines | Frankfurtflyer Kommentar
Die Verlagerung der Seattle-Flüge überrascht mich nicht unbedingt. Lufthansa hat schon mehrfach Verbindungen an Discover Airlines abgegeben, dahinter dürften vor allem wirtschaftliche Gründe stehen. Die Ferienfluggesellschaft kann mit schlankeren Strukturen und niedrigeren Kosten arbeiten. Gleichzeitig konzentriert sich die Kernmarke zunehmend auf Strecken, auf denen sich mit Geschäftsreisenden und einem hochwertigen Premiumprodukt höhere Erträge erzielen lassen.
Man sollte meinen, dass Seattle auch ein bedeutender Geschäftsreisemarkt ist. Offenbar reicht das allein nicht aus, um die Strecke weiterhin unter der Marke Lufthansa zu betreiben. Daher gehe ich davon aus, dass wir künftig noch weitere solcher Verlagerungen sehen werden. Discover Airlines wächst und bekommt zusätzliche Langstreckenflugzeuge, darunter auch Airbus A350-900. Aus meiner Sicht könnten beispielsweise Kapstadt oder Miami weitere Kandidaten sein. Konkrete Ankündigungen dazu gibt es allerdings nicht.
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