Als Lufthansa die vorzeitige Schließung von CityLine bekannt gab, wurde dies vor allem mit Kostengründen begründet. Der Schritt galt aber auch als Signal in Richtung der Gewerkschaften. Die Entscheidung wurde im April verkündet, als die Crews der Mainline im Streik waren. Das Ende der Regionaltochter war zwar bereits besiegelt, sollte jedoch erst im darauffolgenden Jahr vollzogen werden. Die CityLine galt als zu teuer, daher sollte die neue City Airlines die Rolle als günstigere Zubringer-Airline übernehmen. Inzwischen zeigen sich jedoch die Nebenwirkungen der Entscheidung immer deutlicher. Während Lufthansa Frequenzen reduziert und zahlreiche Strecken aus dem Programm nimmt, profitieren Wettbewerber von den frei gewordenen Marktanteilen. Die Frage stellt sich daher zunehmend, ob das abrupte Ende von CityLine nicht mehr Probleme geschaffen als gelöst hat.
Die Schließung von Lufthansa CityLine sollte ursprünglich ein wichtiger Baustein sein, um die Kosten auf der Kurz- und Mittelstrecke zu senken. Die neue Lufthansa City Airlines übernimmt schrittweise Aufgaben der ehemaligen Regionaltochter, doch der Übergang verläuft deutlich langsamer als der Abbau der alten Strukturen.
Parallel hat Lufthansa bereits zahlreiche Strecken eingestellt oder Frequenzen reduziert. Besonders an den Drehkreuzen Frankfurt und München wurden Verbindungen gestrichen, die über Jahre hinweg als wichtige Zubringer für das Langstreckennetz dienten. Gleichzeitig kündigte der Konzern weitere Kürzungen auf innerdeutschen und europäischen Strecken an. Auch für den Sommer 2026 stehen erneut Frequenzreduzierungen und einzelne Streichungen auf dem Programm.
Höhere Nachfrage bei der Konkurrenz
Dass diese Entwicklung den Wettbewerbern in die Hände spielt, bestätigt nun ausgerechnet einer der schärfsten Konkurrenten. Der Deutschland-Chef von Air France-KLM erklärte gegenüber aeroTELEGRAPH, dass man unmittelbar nach dem Betriebsstopp von Lufthansa CityLine einen deutlichen Anstieg des Passagieraufkommens auf den eigenen Flügen festgestellt habe.
Interessant ist dabei, dass Air France und KLM gar keine neuen Strecken nach Deutschland aufnehmen mussten. Stattdessen profitieren die beiden Airlines von ihrem bereits bestehenden Netz. KLM verbindet neun deutsche Flughäfen mit Amsterdam, Air France fliegt sieben deutsche Flughäfen von Paris aus an. Sobald Lufthansa Verbindungen reduziert oder ganz streicht, entstehen für Reisende attraktive Alternativen über Amsterdam-Schiphol oder Paris-Charles de Gaulle.
Genau hier liegt das eigentliche Problem. Lufthansa verliert nicht nur lokale Passagiere auf einzelnen Strecken, sondern potenziell auch Umsteiger für ihr gesamtes Langstreckennetz. Wer künftig nicht mehr bequem über Frankfurt oder München reisen kann, gewöhnt sich möglicherweise an andere Drehkreuze und vielleicht auch an andere Meilenprogramme. Bei Flying Blue halten nach Aussagen des Managers Tausende deutsche Mitglieder den höchsten Status. Die Stellungnahme von Air France-KLM zeigt jedenfalls, dass die Nachfrage nicht unbedingt verschwunden ist.

CityLine war zu teuer, aber…
Natürlich war CityLine aus Sicht des Managements kein zukunftsfähiges Modell mehr. Die hohen Personalkosten und die tariflichen Rahmenbedingungen galten als Wettbewerbsnachteil. Dennoch stellt sich die Frage, ob die Schließung zu früh erfolgt ist. Die neue City Airlines verfügt bislang noch nicht über die Größe und Kapazität, um sämtliche weggefallenen Verbindungen zu ersetzen. Der jungen Tochter fehlt außerdem das geeignete Fluggerät, um profitabel auf Nischenstrecken operieren zu können. Das könnte sich mit der Einflottung des Airbus A220 ändern, bis die Jets eintreffen, dauert es jedoch noch.
Lufthansa befindet sich damit in einer schwierigen Übergangsphase. Während man auf der Langstrecke wieder wächst und zusätzliche Frequenzen plant, wird das Fundament des Drehkreuzsystems gleichzeitig geschwächt. Genau das war jedoch über Jahrzehnte eine der größten Stärken des Konzerns.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob City Airlines die entstandenen Lücken schließen kann. Die aktuellen Aussagen von Air France-KLM liefern jedoch bereits einen deutlichen Hinweis darauf, dass das vorzeitige Ende von Lufthansa CityLine zumindest kurzfristig vor allem einem nutzt: der Konkurrenz.
Meinung: Das Problem war nicht die Schließung von Lufthansa CityLine – sondern ihr Tempo | Frankfurtflyer Kommentar
Nach mehreren Streikrunden folgte Mitte April ein fünftägiger Ausstand der Crews von Lufthansa und der Tochter CityLine. Flugbegleiter und Piloten wechselten sich dabei ab, der lang anhaltende Stillstand hatte massive Auswirkungen auf den weltweiten Flugbetrieb. Das Management zog daraufhin die Reißleine und stampfte die einstige Regionaltochter über Nacht ein.
Unternehmerisch ist die Entscheidung nachvollziehbar, der Konzern musste sich schließlich wehren und ein möglichst starkes Signal senden. Damit hat man sich auch vorzeitig von einem teuren Flugbetrieb verabschiedet, dessen Ende ohnehin bereits besiegelt war. Die Geschwindigkeit erscheint dennoch fragwürdig, da Lufthansa damit vermeidbare Angebotslücken geschaffen hat, die der Konkurrenz in einer ohnehin schwierigen Marktphase zusätzliche Chancen eröffneten.
Während der Sommer an Fahrt aufnimmt, stehen in München und Frankfurt derzeit Dutzende Flugzeuge ungenutzt herum, zahlreiche Crewmember sitzen zuhause. Die Verantwortlichen haben aber in den Krisensitzungen sicherlich die eine oder andere Rechnung aufgemacht und die Risiken gegeneinander abgewogen. Nun stellt sich jedoch die Frage, was unter dem Strich teurer wird: das hastige Ende der ungeliebten Tochter oder das Stück vom Kuchen, das sich nun die Konkurrenz sichert.
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Ich bleibe dabei, das war nichts als eine bockige Kurzschlussreaktion des Managements, wenn nicht sogar nur die eines einzelnen.
Wer ein Tochterunternehmen durch ein anderes ersetzen möchte muss einen Plan für den Übergang haben. Hier wurde jedoch alles über den Haufen geworfen und von jetzt auf gleich geschlossen. Erst am nächsten Tag hat man begonnen, sich Gedanken über das „wie jetzt weiter?“ zu machen. Das freigestellte Personal sitzt derweil monatelang zu Hause rum und muss dafür noch weiterbezahlt werden. Unverantwortlich.
Die Konkurrenz freut sich jedenfalls.
Jetzt fliegt wenigstens ein „anständiges“ Fluggerät zwischen Basel und München ✈️✈️.