Qantas Project Sunrise: Airbus A350-1000ULR landet nach fast 20 Stunden Flug erstmals in Australien

Qantas möchte mit dem Projekt Sunrise die Grenzen des Möglichen bei Ultra-Langstreckenflügen ausreizen. Erstmals will man von den Wirtschaftsmetropolen Sydney und Melbourne in Australien nonstop nach Europa sowie an die US-Ostküste nach New York fliegen. Die Flugzeit hierbei wird etwa 20 Stunden und mehr betragen, und man benötigt dafür ein Flugzeug, wie es bisher noch keines gab. Airbus hat sich mit dem A350-1000ULR der Herausforderung angenommen und eine Ultralangstreckenversion des größten aktuellen Airbus-Langstreckenflugzeugs gebaut.

Das Wichtigste auf einen Blick:

✈️ Erster Testflug: Der Airbus A350-1000ULR ist nach 19 Stunden und 13 Minuten von Toulouse in Melbourne gelandet.
🌍 Project Sunrise: Qantas plant ab Herbst 2027 Nonstopflüge von Sydney und Melbourne nach Europa und New York.
💺 Premium-Kabine: Trotz Zulassung für bis zu 480 Passagiere stattet Qantas das Flugzeug mit nur 238 Sitzen aus.

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Am Abend des 23. Juli ist die F-WULR, wie das Testflugzeug aktuell bei Airbus registriert ist, zu einem ersten Test von Toulouse nach Melbourne aufgebrochen. Hierbei wurde ein wirklicher Langstreckenpassagierflug simuliert, und man wollte aufzeigen, dass dies mit diesem Flugzeug problemlos möglich ist. Die Flugzeit betrug hierbei 19 Stunden und 13 Minuten, wobei Toulouse weiter südlich liegt und die eigentlich geplanten Flüge von Australien nach London vermutlich die 20-Stunden-Marke knacken werden.

Dieser erste Testflug von Europa nach Australien ist einer von mehreren Flügen der Zertifizierungskampagne, die das Flugzeug aktuell durchlaufen muss. Airbus will mit diesen Flügen unter Beweis stellen, dass der Airbus A350-1000ULR den extremen Herausforderungen gewachsen ist, die diese Flüge mit sich bringen.

Der Airbus A350-1000ULR hat einen um etwa 20.000 l vergrößerten Treibstofftank, wodurch die Reichweite des Flugzeugs auch bei voller Nutzlast auf etwa 19.000 km erhöht werden konnte. Damit sind Linienflüge von 22 bis 23 Stunden möglich, welche nicht nur dem Flugzeug, sondern auch der Besatzung und den Passagieren einiges abverlangen werden.

Qantas investiert schon jetzt in die Untersuchung von Ultralangstreckenflügen und darin, wie man diese besonders angenehm gestalten kann. So fliegt man z. B. auch schon von Perth direkt nach London, und auf diesen 17-Stunden-Flügen serviert man z. B. besondere Menüs. Es gibt auch Empfehlungen zum Schlafrhythmus und zur Gymnastik am Sitzplatz.

Nicht nur in Australien erwartet man mit großer Aufmerksamkeit die Project-Sunrise-Flüge, welche ab dem Herbst 2027 dann endgültig mit Passagieren an Bord abheben sollen. Bis dahin muss Airbus noch einige Testflüge durchführen, um das Flugzeug auch zuzulassen. Daher sind bei diesen Ultra-Long-Range-Testflügen auch jede Menge Messinstrumente mit an Bord.

Der Rückflug ist für den 27. Juli geplant und wird sogar noch länger dauern als der Hinflug. Aktuell hat man einen Flugplan eingereicht, welcher 23 Stunden dauern soll.

Die Landung des ersten Airbus A350-1000ULR war in Melbourne ein wahres Spektakel und wurde nicht nur von Planespottern live am Flughafen, sondern auch im Fernsehen begleitet.

Aber die Airbus A350-1000ULR von Qantas werden sehr große Premium-Kabinen bekommen, und auch wenn das Flugzeug für bis zu 480 Passagiere zugelassen ist, wird Qantas nur 238 Sitze verbauen. Die normalen Airbus A350-1000 werden möglicherweise eine hiervon abweichende Kabine haben.

Folgende Aufteilung plant Qantas:

  • 6 First-Class-Suiten in einer 1-1-1-Anordnung
  • 52 Business-Class-Suiten in einer 1-2-1-Anordnung
  • 40 Premium-Economy-Class-Sitze in einer 2-4-2-Anordnung
  • 140 Economy-Class-Sitze in einer 3-3-3-Anordnung

Neue Qantas First Class im Airbus A350-1000

Der Airbus A350-1000 soll das neue Flaggschiff von Qantas werden, und man wird perspektivisch hiermit auch den Airbus A380 als solches ablösen. Entsprechend gibt es hier auch eine First Class, und diese hat Qantas komplett neu entwickelt.

Dabei trumpft die neue Qantas First Class vor allem mit einer Sache auf, die im Flugzeug extrem teuer ist – nämlich Platz. So wird jeder Passagier in seiner Suite etwa vier Quadratmeter Platz haben, und neben dem eigentlichen First-Class-Sessel wird auch jeder Passagier ein eigenes Bett in der Suite haben.

Qantas setzt im Airbus A350-1000 in der First Class nicht auf die eigentlich übliche 1-2-1-Bestuhlung, sondern auf eine 1-1-1-Bestuhlung, was zeigt, wie breit diese First-Class-Suiten sein werden. Insgesamt wird der Airbus A350-1000 nur sechs dieser neuen Qantas First-Class-Sitze haben.

Die neuen Qantas First-Class-Suiten werden dabei extrem privat und großzügig sein, sodass man die 20 Stunden zwischen Europa und Australien hier auch gut verbringen kann. Bei Ticketpreisen von vermutlich über 20.000 Euro sollte man aber auch einiges erwarten können.

Übrigens ist Qantas neben Lufthansa und SWISS die einzige Airline, die aktuell für den Airbus A350 mit einer First Class plant. Auch Lufthansa wird hier auf eine 1-1-1-Bestuhlung setzen, allerdings sogar nur in einer Reihe.

Die neue Qantas Business Class im Airbus A350-1000

Mit 52 Sitzen in einer 1-2-1-Anordnung wird die neue Business Class im Airbus A350-1000 bei Qantas überdurchschnittlich groß sein. Wie es inzwischen mehr und mehr üblich wird, setzt auch Qantas hier auf Minisuiten in der Business Class.

Mit über zwei Metern Bettlänge und 64 Zentimetern Sitzbreite bietet dieser Sitz durchaus viel Platz zum Schlafen, was auf den extrem langen Flügen sicherlich ein großes Thema sein wird. Qantas ist dafür bekannt, auch in der Business Class Dinge wie Matratzen und Pyjamas anzubieten, was einen Top-Schlafkomfort verspricht.

Die 1,2 Meter hohen Türen bieten hier zwar mehr Privatsphäre, aber man wird natürlich dennoch in die Suiten hineinschauen können.

Auch zum Arbeiten wird der Sitz viele Möglichkeiten bieten, denn neben dem großen Tisch und Ablageflächen soll es auch diverse Anschlüsse für USB-A, USB-C, 110-Volt-Steckdosen und kabelloses Laden für Handys am Sitz geben.

Dazu gibt es noch einen persönlichen 18″-Monitor, den man auch mit seinen eigenen Bluetooth-Kopfhörern kabellos verbinden kann.

Neue Qantas Premium Economy Class im Airbus A350-1000

Mit 40 Sitzen wird Qantas eine vergleichsweise große Premium-Economy-Class-Kabine im Airbus A350-1000 verbauen, und die Sitze werden in fünf Reihen in einer 2-4-2-Anordnung eingebaut. Der Sitzabstand soll großzügige 40″ (1,01 Meter) betragen, allerdings werden die Sitze mit immerhin acht Sitzen in einer Reihe vergleichsweise eng sein. Zum Vergleich: Lufthansa verbaut in der Premium Economy Class im A350 nur sieben Sitze pro Reihe.

Das Design der Qantas Premium-Economy-Class-Sitze ist allerdings komplett überarbeitet worden, und die Kopfstütze mit Flügeln soll auch in dieser Klasse etwas mehr Privatsphäre bieten.

Jeder Sitz wird auch zwei USB-C- und eine 110-Volt-Steckdose zum Laden haben sowie einen 13″-Bildschirm, mit dem man sich auch via Bluetooth verbinden kann.

Neue Qantas Economy Class im Airbus A350-1000

Die Economy Class im Qantas A350-1000 wird recht normal mit einer 3-3-3-Bestuhlung sein, allerdings bietet man mit 33″ (83 Zentimetern) Sitzabstand etwas mehr Freiraum pro Passagier, als in der Branche inzwischen üblich ist. In den vorderen Reihen soll es sogar 34″ Zoll, also etwa 86 cm Sitzabstand, geben. Diese Sitze werden vermutlich Vielfliegern vorbehalten sein oder gegen eine Gebühr vergeben.

Mit Ausnahme der Fußstütze am Vordersitz sind es dann doch recht normale Economy-Class-Sitze für die 20-Stunden-Flüge, die Qantas hier vorsieht.

Jeder Sitz wird auch zwei USB-C- und eine 110-Volt-Steckdose zum Laden haben sowie einen 13″-Bildschirm, mit dem man sich auch via Bluetooth verbinden kann.

Wellbeing Zone im Qantas Airbus A350-1000

Der Qantas Airbus A350-1000 wird nicht über eine Bar oder Duschen verfügen, wie man es aus manchen Airbus A380 kennt, und Qantas hat auch keine der Studien umgesetzt, welche z. B. einen Fitnessraum oder Doppelstockbetten im Frachtraum vorgesehen haben. Aber man wird eine Wellbeing Zone anbieten, um den Passagieren die Möglichkeit zu bieten, sich etwas die Beine zu vertreten.

Die Wellbeing Zone wird zwischen der Premium Economy und der Economy Class positioniert und vermutlich für alle Passagiere zugänglich sein.

Hier kann man etwas stehen und sich an einer Snackbar bedienen. Auf einem 20-Stunden-Flug sicherlich ein Ort, den die Passagiere irgendwann gerne aufsuchen werden.

Qantas Project Sunrise: Airbus A350-1000ULR landet nach fast 20 Stunden Flug erstmals in Australien | Frankfurtflyer Kommentar

Seit Jahren arbeiten Qantas und Airbus an dem Projekt Sunrise, und man kommt nicht umhin, beeindruckt zu sein. Nach Jahren der Planung und Vorbereitung nimmt das Ganze nun Gestalt an, und es gibt nicht nur einen offiziellen Starttermin im Herbst 2027, der höchstwahrscheinlich auch eingehalten werden kann. Nun wurde auch der erste Testflug zwischen Europa und Australien durchgeführt, welcher zeigt, dass das Ganze machbar ist.

Für Qantas sind Nonstopflüge zwischen London und Sydney ein jahrzehntelanger Traum, und die sogenannte Känguru-Route kann bisher nur mit Zwischenstopps geflogen werden. Schaut man sich allerdings die Geschichte an, sieht man, wie man von einst fast unzähligen Zwischenlandungen auf dem Weg nach Europa aktuell bei nur einer Landung angekommen ist. Ab 2027 wird das Ganze nonstop möglich sein.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Qantas einen solchen Testflug durchführt. Bereits 1989 flog Qantas mit einer Boeing 747-400 von London nach Sydney in einem 20-stündigen Nonstopflug. Dieser Flug diente damals zu Werbezwecken und war nur möglich, da das Flugzeug keine Passagiere und keine Fracht an Bord hatte. Auch wenn die Boeing 747-400 für damalige Verhältnisse über eine enorme Reichweite verfügte, konnte sie das, was der Airbus A350-1000ULR nun leistet, einfach noch nicht.

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