So bereitet sich Lufthansa auf möglichen Treibstoffmangel in Europa vorbereiten

Airbus A380, Foto: Lufthansa

Auch wenn es aktuell ruhiger geworden ist, ist die Iran-Krise noch lange nicht überstanden, und vor allem die wichtige Straße von Hormus ist nach wie vor nicht oder nur sehr unzuverlässig befahrbar. Dies hat auch auf Europa und die Luftfahrt sehr direkte Folgen, denn 25% des Kerosins in Europa kommen aus der Golfregion und müssen daher zu großen Teilen durch die Straße von Hormus. Hieraus resultieren deutlich gestiegene Kerosinpreise, aber auch die Befürchtung von Knappheit in Europa.

Das Wichtigste auf einen Blick:

⛽ Lufthansa bereitet sich auf mögliche Treibstoffengpässe in Europa vor.

🌍 Die Iran-Krise sorgt für steigende Kerosinpreise und Unsicherheit bei der Versorgung.

✈️ Tankstopps und neue Treibstoffregelungen könnten Europas Airlines entlasten.

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Aktuell sieht man bei Lufthansa noch keine Treibstoffknappheit in Europa, und man kann dies nach Meinung des Vorstandes sechs Wochen im Voraus sehr gut prognostizieren, weshalb man bis Mitte Juni nicht mit Problemen rechnet. Dies bedeutet aber nicht, dass es hier nicht doch zu Knappheit kommen kann, ganz zu schweigen von den höheren Kosten. Daher will man sich schon jetzt vorbereiten und hat auch Forderungen an die Politik in Europa.

Die Kosten durch den Iran-Krieg sind für die Lufthansa Gruppe auf jeden Fall enorm, denn man hat hierdurch bereits 1,7 Milliarden Euro an Mehrkosten für Kerosin, und dies, obwohl man 83% der Treibstoffkäufe durch Hedging abgesichert hat. Hier wird der Preis für den Treibstoff bei den Anbietern im Voraus festgelegt, und man sichert sich hierdurch gegen Schwankungen der Preise weitestgehend ab. Für 2027 hat Lufthansa bisher auch schon 36 Prozent des Treibstoffbedarfs abgesichert, allerdings wartet man hier aktuell vermutlich noch ab, da die entsprechenden Hedging-Verträge bei den aktuellen Ölpreisen und der unklaren Entwicklung am Weltmarkt wohl sehr teuer sein werden. Kauft man den Sprit im Hedging zu teuer ein, wäre Lufthansa nicht die erste Airline, die dies in finanzielle Schieflage bringt.

Um die bis zu 25% Treibstoff aus der Golfregion zu kompensieren, die aktuell fehlen oder nur unzuverlässig fließen, hat man Kapazitäten in Raffinerien in Europa auf das Maximum erhöht, aber auch Treibstoff in Nigeria und den USA zugekauft. Dies fängt aktuell einen großen Teil auf, ist wohl aber in den Augen von Lufthansa und anderen Airlines in Europa zu wenig.

Daher fordert Lufthansa von der EU, dass man den in den USA eingesetzten JET-A-Treibstoff auch in Europa zulässt. Dieser unterscheidet sich im Detail vom in Europa verwendeten JET A1 zum Beispiel durch einen um 7 Grad niedrigeren Gefrierpunkt, aber auch die EASA sieht hier keinen technischen Grund, warum JET-A-Kerosin aus den USA nicht auch in Europa verwendet werden sollte und per Schnellgenehmigung von der EU zugelassen wird.

Diese Maßnahme würde nicht nur die Versorgung weiter sicherstellen und Knappheiten in Europa vorbeugen, sondern potenziell auch den Druck auf die Kerosinpreise in Europa abmildern.

Der Lufthansa-CEO, Carsten Spohr, sieht aber noch weitere Aufgaben bei der EU, um drastische Folgen durch einen möglichen Kerosinmangel in Europa abzufedern. So solle die EU die Slot-Regelungen temporär aufweichen, sodass Airlines keine Start- und Landerechte verlieren, wenn sie aufgrund von fehlendem Treibstoff Flüge nicht durchführen.

Daneben fordert er die EU auf, ganz pragmatisch den Treibstoff auch für Hin- und Rückflug tanken zu dürfen, was aktuell in Europa aus Klimaschutzgründen nicht erlaubt ist. Hierdurch könnte man allerdings an Flughäfen, wo ein Mangel besteht oder Kerosin sehr teuer ist, für Entlastung sorgen.

Zusätzliche Tankstopps sind als letztes Mittel denkbar

Sollte es in Europa wirklich zu nennenswerten Knappheiten kommen, erstellt man bei Lufthansa schon jetzt Pläne, wie man vor allem Langstreckenflüge mit Tankstopps planen kann. Hierbei würde man wohl vor allem auf dem Weg nach Asien, Südamerika oder Afrika mit einem Tankstopp auf dem Weg die Flüge dennoch durchführen können.

Denkbar wären hierbei wohl auch Stopps in Ländern, in denen die Raffinerien für Kerosin sitzen, also z.B. auch in Saudi-Arabien, den UAE oder auch Ländern in Afrika wie Nigeria.

So bereitet sich Lufthansa auf möglichen Treibstoffmangel in Europa vor | Frankfurtflyer Kommentar

Aktuell gibt es noch keinen Mangel an Flugzeugtreibstoff, und es ist auch nicht abzusehen, dass dieser in kürzester Zeit eintreten wird, da man mit großem Aufwand versucht, dies gerade zu verhindern. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass genau solch ein Szenario eintritt und Sprit in Europa knapp wird, mit umfangreichen Problemen.

Für Airlines wie Lufthansa ist es daher aktuell sehr wichtig, dass man sich auf diese Szenarien vorbereitet und Pläne entwickelt, da bekanntlich keine Krise so schlimm ist wie die, auf die man nicht vorbereitet ist. Dies gilt wohl insbesondere in der Luftfahrt, weshalb man sich hier kontinuierlich auf ein Worst-Case-Szenario vorbereitet.

Die Forderungen, dass man allerdings auch seitens der EU nun Maßnahmen ergreift, damit ein Treibstoffmangel nicht eintritt, sind dabei auch mehr als nachvollziehbar und hören sich grundsätzlich auch mehr als sinnvoll an. Ob man in Brüssel aber so pragmatisch entscheidet, wie es nötig wäre, oder erst, wenn das Problem auch eintritt, wird man abwarten müssen.

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