SWISS-Crews bringen das Wort Lufthansa nicht über die Lippen

Die Verantwortlichen der Lufthansa Group haben beschlossen, dass die einzelnen Airlines stärker als gemeinsamer Konzern auftreten sollen. Neben den entsprechenden Hinweisen auf Schildern am Check-in, vor der Lounge oder an den Flugzeugen gehören auch verpflichtende Bordansagen dazu. In den Ansagen soll auf die Zugehörigkeit zur Lufthansa Group hingewiesen werden. Bei der Schweizer Tochter SWISS scheint man damit aber Schwierigkeiten zu haben. Einige Crews weigern sich, die neuen Ansagen wie vorgesehen zu machen. Ein stiller Protest im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Wichtigste auf einen Blick:

🎙️ SWISS-Crews lassen die neue Lufthansa-Group-Bordansage auf einigen Flügen bewusst weg.
✈️ Hintergrund ist offenbar Unmut über die zunehmende Zentralisierung innerhalb der Lufthansa Group.
🇨🇭 Der Protest verdeutlicht die Sorge um die Eigenständigkeit der Schweizer Airline.

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Seit Februar sollen die leitenden Maîtres de Cabine bei der Begrüßung der Passagiere ausdrücklich darauf hinweisen, dass SWISS zur Lufthansa Group gehört. Zuvor wurde an dieser Stelle üblicherweise die Mitgliedschaft in der Star Alliance erwähnt. Nach Berichten der „NZZ am Sonntag“ wird die neue Formulierung jedoch keineswegs auf allen Flügen verwendet.

Demnach lassen einige Crews den vorgeschriebenen Satz bewusst weg. Mehrere anonyme Quellen sprechen von einem stillen Protest gegen die zunehmende Einflussnahme der deutschen Konzernmutter. SWISS selbst dementierte den Vorgang offenbar nicht, verwies gegenüber der Zeitung jedoch lediglich auf die standardisierten Bordansagen.

Für die meisten Passagiere dürfte kaum erkennbar sein, ob bei der Begrüßung ein einzelner Satz fehlt. Innerhalb der Belegschaft hat die neue Ansage offensichtlich aber eine größere Symbolkraft. Die Beschäftigten sollen nicht nur für SWISS stehen, sondern nun auch hörbar auf die Lufthansa Group als übergeordneten Konzern hinweisen.

Foto: SWISS

Lufthansa Group soll sichtbarer sein

Die neue Bordansage ist nur ein Teil der Strategie. Seit einigen Monaten wird die Zugehörigkeit zum Konzern auch an anderen Stellen deutlicher hervorgehoben. An Check-in-Schaltern, vor Lounges, auf den Internetseiten und auch an Flugzeugen wurde der Zusatz „Member of Lufthansa Group“ angebracht. Austrian, Brussels, Eurowings, SWISS & Co sollen zwar alle ihre Individualität behalten, über allem soll aber auch die Verbundenheit zum Kranich stehen.

SWISS gehört bereits seit 2005 zum Lufthansa-Konzern. Damals wurde den Beschäftigten und der Öffentlichkeit weitgehende Eigenständigkeit zugesichert. Die Airline sollte ihren Sitz in der Schweiz, ihre eigene Flotte und ihre starke Marke behalten. Auch in der offiziellen Konzernchronik wird SWISS weiterhin als weitgehend eigenständig operierende Fluggesellschaft beschrieben.

In den vergangenen Jahren wurden jedoch immer mehr Prozesse innerhalb der Lufthansa Group vereinheitlicht. Dazu gehören unter anderem die IT, der Einkauf, der Vertrieb, die Netzwerkplanung, Servicekonzepte, Flugzeugausstattungen und Teile des Revenue Managements. Gleichzeitig sollen Unterschiede zwischen den einzelnen Marken dort erhalten bleiben, wo sie einen Mehrwert bieten.

Entscheidungen werden verstärkt zentral getroffen

Genau an diesem Punkt scheint sich innerhalb der SWISS-Belegschaft Widerstand zu entwickeln. Ein Teil des Personals hat offenbar den Eindruck, dass immer mehr Entscheidungen in der Konzernzentrale getroffen werden. Dabei geht es nicht nur um Logos oder Formulierungen in einer Bordansage, sondern auch um Flugpläne, Preise, Systeme, Abläufe oder das Vielfliegerprogramm.

Mehrere Projekte sollen die Systeme der verschiedenen Fluggesellschaften vereinheitlichen. Die Lufthansa Group nennt eine gemeinsame, stärker automatisierte IT-Landschaft ausdrücklich als einen wichtigen Bestandteil ihrer langfristigen Strategie. Aus Sicht des Konzerns sind solche Maßnahmen nachvollziehbar. Idealerweise kann der Konzern möglichst viele gemeinsame Prozesse verwenden und dadurch Kosten senken. Gerade bei Einkauf, Technik oder IT lassen sich dadurch erhebliche Einsparungen erzielen.

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SWISS ist die Vorzeigeairline des Kranichs

SWISS gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten Fluggesellschaften des Konzerns. Die Schweizer Tochter erwirtschaftet regelmäßig hohe Gewinne und arbeitet profitabler als andere Teile des Konzerns. Gleichzeitig soll auch SWISS einen Beitrag zum gruppenweiten Sparprogramm leisten.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht in der stärkeren Zusammenarbeit dagegen keine Schwächung der Schweizer Airline. Er verweist darauf, dass europäische Fluggesellschaften allein zu klein seien, um im internationalen Wettbewerb dauerhaft bestehen zu können. SWISS profitiere von der Zugehörigkeit zur Lufthansa Group und bleibe dennoch eine eigenständige Marke.

SWISS-Crews bringen das Wort Lufthansa nicht über die Lippen | Frankfurtflyer Kommentar

Im ersten Moment wirkt es etwas kindisch zu hören, dass Beschäftigte eine vorgeschriebene Bordansage bewusst weglassen. Ein einzelner Satz über die Zugehörigkeit zur Lufthansa Group verändert weder das Produkt noch die Identität der Airline. Außerdem ist es kein Geheimnis, dass SWISS seit vielen Jahren zum deutschen Konzern gehört und auch von den gemeinsamen Strukturen profitiert.

Für die Beschäftigten bei SWISS stellt sich aber schon lange die Frage, wie viel Eigenständigkeit ihrer Airline am Ende noch übrig bleibt. Name und Schweizer Kreuz wurden nicht verändert, hinter den Kulissen werden die Unterschiede zwischen den Fluggesellschaften aber zunehmend kleiner. Man sollte den stillen Protest also nicht einfach als übertriebene Empfindlichkeit abtun. SWISS ist erfolgreich, besitzt eine starke Marke und genießt bei vielen Passagieren einen deutlich besseren Ruf als die Kernmarke. Es ist nachvollziehbar, dass die Beschäftigten diese Eigenständigkeit nicht schrittweise verlieren möchten.

Das Management sollte sich genau überlegen, wie weit die Vereinheitlichung gehen muss. Gemeinsame IT-Systeme, abgestimmte Flugpläne und ein zentraler Einkauf sind sinnvoll. Ob der Konzernname nun zusätzlich bei jeder Begrüßung an Bord genannt werden muss, darf man dagegen durchaus hinterfragen. Der kleine Widerstand zeigt jedenfalls, dass der Konzern die Fluggesellschaften zwar organisatorisch enger zusammenführen kann, eine gemeinsame Identität lässt sich aber nicht einfach per Dienstanweisung verordnen.

8 Kommentare

  1. Das finde ich sehr gut, die Gruppe nicht bei Namen zu nennen:
    Deren Image ist zu ramponiert und wird sich auf Jahre nicht erholen. Der Name steht für Pannen, Streiks, Verspätungen und Probleme aller Art.
    So wie man im Wahlkampf der Länder der BRD gerade nicht den Parteivorsitzenden aus Berlin mit den miserablen Beliebtheitswerten vor Ort haben möchte, so möchte man in der Schweiz nicht bei jedem Flug auf den/die Frankfurter hinweisen. Bleibt dabei!
    Ja, ja, ich weiß wer die SWISS gerettet hat, das ist aber jetzt ein Vierteljahrhundert her. Ja, ja, im Hintergrund soll man von mir aus Synergien schaffen, wo es sinnvoll ist, die IT vereinheitlichen und andere Maßnahmen treffen.
    Wenn sie aber so weitermachen, dann wird es gar kein bisschen SWISSness mehr gegen und endgültig alle Airlines der Gruppe werden einheitlich belanglos schlecht und beliebig austauschbar.
    LH will ich nicht fliegen und will ich nicht hören.

    • Also ich wäre jetzt an Deiner Stelle mal nicht so stolz auf die Swissness, wenn Piloten wie neulich offenbar darunter verstehen, vollgesoffen zum Dienst zu erscheinen. Zum Glück haben die Flugbegleiter die Piloten rechtzeitig gemeldet. Auch das Tanzen auf einer Tragfläche scheint zur Swissness zu zählen. Diesbezüglich sollten sich die Schweizer dann doch mehr an der Lufthansa als an British Airways orientieren.

    • Gegen die eigene Firma oder Konzernmutter arbeiten, geht selten gut aus. Ich verstehe daher viele Mitarbeiter in der ganzen Gruppe auch überhaupt nicht.

  2. Ich kann das voll verstehen. Es gibt keinen Grund stolz darauf zu sein, dass man zur Lufthansa Gruppe gehört, wenn man selber noch zu den besseren innerhalb der Gruppe gehört.

    Die ganze Kommunikation mit Lufthansa Gruppe geht mir schon gehörig auf die Nerven. Das Rebranding kostet viel Geld. Als Kunde habe ich quasi gar nichts davon. Allein schon das Miles & More, dann Lufthansa Group Miles & More oder wie auch immer heißen soll, ist doch total Banane.

    • Sagen wir es mal so…. Wie hoch waren die Verluste als Lufthansa angefangen hat bei SWISS zu investieren? SWISS hat vor dem Einstieg von LH kein Geld verdient und wurde erst von LH zu dem gemacht was sie heute sind. Das kann man natürlich alles ignorieren, aber ohne Lufthansa Gruppe wäre SWISS nicht so groß und erfolgreich wie heute.

  3. Ist genauso, wie wenn der Tata Konzern mehr Präsenz in den Land Rover Autohäuser und den Autos selbst haben möchte… Weder die Kunden noch die Mitarbeiter wünschen das. Tata ist hier aber schlauer, als die Lufthansa und lässt sowas bleiben…

  4. Swiss hat vor der Übernahme durch Lufthansa kein Geld verdient, ansonsten wäre sie nicht verkauft worden. Gleichzeitig hatte bzw. hat man aber – auch aufgrund der Erfahrungen des Swissair-Groundings – viel effizientere Strukturen als Lufthansa-Mainline. Hinzu kommt die Kaufkraft des Marktes Schweiz. Swiss ist heute sehr profitabel, insbesondere auch dank der Synergieeffekte, welche sich durch die Lufthansagruppe ergeben. Lufthansa wiederum bekommt von Swiss überdurchschnittlich viel Gewinn ausgeschüttet. Die Übernahme von Swiss durch Lufthansa war und ist für beide Seiten eine Win-Win-Situation und das wissen eigentlich auch alle. Wahrscheinlich wollen die Swiss-Mitarbeiter aber dagegen ankämpfen, dass Swiss je länger, je mehr zu „Lufthansa Switzerland“ wird.

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