Überfüllte Lounges | Wie Lufthansa das Problem in den Griff bekommen könnte

Lufthansa Senator Lounge München, Foto: Robert

Für Fluggäste, die einen Status haben und viel unterwegs sind, dürfte der Loungezugang der wertvollste Vorteil eines Vielfliegerprogramms sein. Vor dem Abflug kann man hier noch einen Kaffee trinken, etwas essen, arbeiten, sich ausruhen oder schon einmal auf den Urlaub anstoßen. Wie angenehm der Aufenthalt tatsächlich ist, hängt allerdings nicht nur vom Angebot, sondern auch von der Auslastung ab. Volle und teilweise überfüllte Lounges sorgen immer wieder für Kritik, ein Problem, das auch Lufthansa gut kennt. Eine Neuerung beim Miles & More Programm dürfte die Situation allerdings kaum entspannen. Im Gegenteil.

Wer sich beim Lufthansa Vielfliegerprogramm die goldene Miles & More Kreditkarte holt, kann derzeit auf ein besonderes Angebot zugreifen. Für eine Zuzahlung von 650 Euro oder 80.000 Prämienmeilen bekommt man den Frequent Traveller Status, ohne dafür ins Flugzeug zu steigen. Die silberne Statuskarte wird in dem Fall sofort ausgestellt und ist bis Ende Februar 2027 gültig. Damit hat man sofort die Vorteile eines Status und kann u. a. mit einer entsprechenden Bordkarte auch die Business Lounges besuchen.

Diese Nachricht hat überrascht und verwundert, einigen dürfte sie aber auch sauer aufstoßen, da man befürchtet, dass die Lounges noch voller werden. Man kann sich zwar jetzt den Status über die Kreditkarte auch kaufen, wer in die Lounge will, muss aber trotzdem einen Flug buchen und eine Bordkarte vorweisen. Wir werden also noch abwarten müssen, um zu sehen, ob es einen Unterschied geben wird.

Ob mit oder ohne Kreditkarten-Fast-Track: Das Problem wird zumindest zu Stoßzeiten bleiben. Vor der Lounge bilden sich Schlangen und darin findet man dann keinen Sitzplatz, ein abgegrastes Buffet und keine Ecke, um in Ruhe zu arbeiten oder zu entspannen. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten, um das Problem in den Griff zu bekommen. Hier ein paar Gedanken, wie man das Problem angehen könnte:

Senator Lounge nur für Senatoren

An den großen Standorten hat Lufthansa drei verschiedene Lounge-Typen. Neben den First Class Lounges gibt es noch die für Gäste der Business Class und die Senator Lounge, in die man nur mit dem Star Alliance Gold Status oder First Class Ticket kommt. Die Business- und Senator Lounges unterscheiden sich im Angebot nur wenig, der größte Unterschied ist die restriktivere Zugangsregel. Trotzdem sind die hochwertigeren Senator Lounges oft genauso voll.

Lufthansa Senator Lounge in Frankfurt. Foto: Sebastian

Ein Grund ist auch, dass die Passagiere mit dem Star-Alliance-Gold-Status auch einen Gast mitbringen dürfen. Diese müssen seit geraumer Zeit zwar zwingend auf demselben Flug wie der Statuskarteninhaber gebucht sein, diese Restriktion hat aber kaum eine spürbare Änderung gebracht. Um die Anzahl der Besucherinnen und Besucher zu limitieren, könnte man darüber nachdenken, den Zugang zur Senator Lounge auch nur den Senatoren zu ermöglichen. In dem Fall müssten sich alle, die die goldene Karte von Aegean Airlines, Turkish, United & Co. haben, mit der einfacheren Business Lounge begnügen.

Zugang für FTL begrenzen

Der Frequent Traveller ist insofern wertvoll, da man trotzdem in die Lounges darf. Dies gilt zwar nicht für Vertragslounges und es können auch keine Gäste mitgenommen werden, trotzdem kann man vor dem Abflug mit einem Flug der Lufthansa Group oder einen Partners bei Austrian, Brussels, ITA, LOT, Lufthansa oder SWISS in die Lounge.

Einen solchen Vorteil gibt es auch bei einer vergleichbaren Stufe in anderen Programmen, bei manchen ist die Anzahl der Besuche aber begrenzt. Man bekommt mit dem Silber-Status also ein paar Gutscheine oder ein gewisses Kontingent, von dem bei jedem Besuch ein Zugang abgezogen wird.

Business Class only

Während bei Lufthansa bzw. Miles & More der Status quasi alles überschreibt, verfolgen manche Gesellschaften einen anderen Weg. Die amerikanischen Carrier haben ihre Lounges in den letzten Jahren ziemlich aufgewertet, wer mit American, Delta oder United unterwegs ist, bekommt schon am Boden ein Premium-Produkt. Voraussetzung ist allerdings ein (bis auf einige Ausnahmen) internationales Ticket in der Business Class.

Al Mourjan Business Class Lounge in Doha. Foto: Qatar Airways

Ein solches Konzept verfolgt auch beim oneworld-Partner Qatar Airways. Dort gibt es mit dem Emerald zwar einen besonders hochwertigen Allianzstatus, mit dem man bei vielen Fluggesellschaften sogar Zugang zu den First Class Lounges erhält. Bei Qatar Airways gelten jedoch andere Regeln: Für den Zugang zu den meist hochwertig eingerichteten Business Class Lounges benötigt man auch ein entsprechendes Ticket in dieser Reiseklasse.. Bei Lufthansa wäre es vielleicht auch eine Überlegung wert, bestimmte Einrichtungen nur mit Business-Ticket zugänglich zu machen.

Basic & Light-Tarife ausschließen

Auch Lufthansa bietet schon längst Flugtickets im Basic- oder Light-Tarif an, in dem Fall sind diverse Zusatzleistungen wie Aufgabegepäck, Sitzplatzreservierung oder Umbuchung nicht inbegriffen bzw. nur gegen Aufpreis möglich. Wer einen Status hat und mit einem so günstigen Ticket fliegt, darf aber trotzdem in die Lounge. Dem könnte man einen Riegel vorschieben und die Billigtickets vom Loungebesuch ausschließen.

Mehr Platz statt weniger Gäste

Die naheliegendste Lösung wäre natürlich, nicht die Zahl der Gäste zu reduzieren, sondern mehr Platz zu schaffen. Lufthansa könnte bestehende Lounges vergrößern, zusätzliche Einrichtungen eröffnen oder weitere Flächen in den Terminals für die eigenen Premiumkunden nutzen. Damit müsste man weder einen Status abwerten noch bestimmte Tarife oder Kundengruppen vom Loungebesuch ausschließen.

Lufthansa Panorama Lounge Frankfurt, Foto: Robert

In der Praxis dürfte dieser Weg allerdings nicht ganz so einfach sein. Gerade an großen Drehkreuzen wie Frankfurt und München sind geeignete Flächen in den Terminals begrenzt und entsprechend begehrt. Neue oder größere Lounges kosten außerdem viel Geld und benötigen Zeit für Planung und Umbau. Langfristig wäre mehr Kapazität aber wohl die angenehmste Lösung für die Fluggäste. Ein gutes Beispiel war die Übernahme der Panorama Lounge in Frankfurt.

Keine Aktionen

Zu bestimmten Zeiten wie in den Ferien kann man den Zugang zur Lounge bei Verfügbarkeit auch kaufen. In der Regel sind die Einrichtungen während der Urlaubszeiten zwar etwas leerer, trotzdem gibt es auch dann Stoßzeiten und volle Lounges. Würde es solche Aktionen wie auch die aktuelle Promo mit dem Fast Track durch die Kreditkarte nicht geben, würde man den Zugangsregelungen wieder etwas Exklusivität geben.

Lufthansa Senator Lounge, L-Gates in München, Foto: Robert

Überfüllte Lounges – Wie Lufthansa das Problem in den Griff bekommen könnte | Frankfurtflyer Kommentar

Es ist und bleibt eine Gratwanderung mit den Lounges, die Fluggesellschaften möchten den treuen und wichtigsten Kunden einen Rückzugsort bieten, aber gleichzeitig auch Geld einnehmen. Je nach Allianz muss die Airline, die die Statuskarte oder das Ticket ausstellt bzw. den Flug durchführt, den Eintritt für die Lounge übernehmen. Für den Betreiber ist dies eine wichtige Einnahmequelle.

Manche Anbieter treiben das auch auf die Spitze, indem sie praktisch jeden reinlassen und gleichzeitig nur ein dürftiges Sortiment an abgepackten bzw. haltbaren Snacks und Billigprodukten anbieten.. Lufthansa hat zwar – verglichen mit so manchen anderen Einrichtungen – einen gewissen Standard, wenn die Lounge überfüllt ist, ist dieser aber kaum zu halten.

Es gibt durchaus Ideen, an den Zugangsregelungen zu schrauben, doch diese bergen immer ein gewisses Risiko. Damit kann man einen Status abwerten oder/und die Bestimmungen so verkomplizieren, dass sie kaum noch jemand versteht.

Was denkt Ihr? Hat Lufthansa überhaupt eine Möglichkeit, das Problem in den Griff zu bekommen? Welche Änderung würdet Ihr am liebsten umsetzen?

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