Verkehrte Welt bei Lufthansa: Economy Class könnte verkleinert werden

Besserer Service auch in der Holzklasse von Lufthansa. Foto: Robert

Der Ölpreis steigt und Flugreisen werden teurer, der Verkauf von Flugtickets läuft bei Lufthansa trotzdem gut. Insbesondere die Nachfrage nach Premium-Plätzen ist robust, mehr als die Hälfte des Umsatzes wird in den vorderen Klassen generiert. Laut Konzernchef Spohr sind die Sitze der First, Business und Premium Economy Class zuerst weg. In einigen Langstreckenflugzeugen könnte es daher bald entsprechende Änderungen bei der Konfiguration geben.

Das Wichtigste auf einen Blick:

💺 Premium zuerst voll: First, Business und Premium Economy verkaufen sich bei Lufthansa inzwischen schneller als die Economy Class.

💶 Mehr als die Hälfte: Auf der Langstrecke erzielt Lufthansa über 50 Prozent des Umsatzes mit den Premiumklassen.

✈️ Mehr Premiumsitze: Lufthansa prüft bereits größere Business- und Premium-Economy-Kabinen in einigen Langstreckenflugzeugen.

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Bei Lufthansa sind die teuren Plätze zuerst weg

Das Buchungsverhalten der Lufthansa-Passagiere hat sich offenbar grundlegend verändert. Früher füllte sich zunächst die Economy Class, während in der First und Business Class selbst kurz vor Abflug noch Plätze verfügbar waren. Inzwischen sei es genau umgekehrt, erklärte Lufthansa-Group-Chef Carsten Spohr bei einem Gespräch mit Journalisten in Frankfurt.

„Die First, die Business, Premium Economy verkaufen sich zuerst“, sagte der Manager. Gleichzeitig zeigt sich auf einigen Verbindungen eine gewisse Schwäche in der Economy Class. Dies soll beispielsweise auf einzelnen Strecken zwischen Deutschland und den USA zu beobachten sein.

Spohr spricht von einem weiterhin „ungebrochenen Premium-Boom“. Besonders wichtig ist diese Entwicklung für Lufthansa auf der Langstrecke. Dort erzielt der Konzern inzwischen mehr als die Hälfte des Umsatzes mit First, Business und Premium Economy Class. Der Trend beschränkt sich offenbar nicht auf Lufthansa. Auch bei anderen großen europäischen Airline-Gruppen wie Air France-KLM und IAG wurde zuletzt eine robuste Nachfrage nach Premiumreisen beobachtet.

Lufthansa Allegris First Class im Airbus A350-900, Foto: Robert

Lufthansa will mehr Premiumsitze einbauen

Die Entwicklung erklärt auch, warum Lufthansa die Aufteilung der Kabinen in einigen Langstreckenflugzeugen überdenkt. Erst vor wenigen Wochen haben wir darüber berichtet, dass Lufthansa mehr Premiumsitze in die Langstreckenflugzeuge einbauen will. Ein erstes Beispiel dafür ist der neue Airbus A350-1000. Lufthansa erwartet das erste Exemplar im November.

Obwohl der A350-1000 deutlich größer als der A350-900 ist, bekommt er lediglich rund 300 Sitzplätze. Dafür fallen die Premiumkabinen entsprechend groß aus. Vorgesehen sind drei First-Class-Sitze, 49 Plätze in der Business Class und 35 in der Premium Economy. Hinzu kommen 212 Economy-Sitze. Auch bei weiteren Airbus A350-900 und Boeing 787-9 könnten künftig größere Premiumkabinen eingebaut werden. Eine konkrete Entscheidung über die Konfigurationen weiterer Flugzeuge hat Lufthansa bisher allerdings nicht bekanntgegeben.

Boeing 787 in der Sonderlackierung, Foto: Lufthansa

Höhere Ticketpreise schrecken Premiumkunden kaum ab

Die Entwicklung ist vor dem Hintergrund der steigenden Ticketpreise ersteaunlich. Lufthansa rechnet inzwischen damit, dass die zusätzlichen Treibstoffkosten 2026 sogar die bisher erwarteten 1,5 Milliarden Euro übersteigen werden. Im August hatte der Konzern für das Gesamtjahr bereits mit Treibstoffkosten von 8,66 Milliarden Euro gerechnet. Einen Teil der zusätzlichen Kosten kann Lufthansa durch Absicherungsgeschäfte auffangen.

Gleichzeitig kann der Konzern derzeit höhere Ticketpreise am Markt durchsetzen. Spohr bezeichnet die Nachfrage insbesondere im Premiumsegment trotz dieser Preissteigerungen als „erstaunlich robust“. Auch die geopolitischen Unsicherheiten haben das Buchungsverhalten bislang offenbar kaum beeinflusst. Normalerweise sorgen Kriege und Krisen für eine gewisse Zurückhaltung bei Flugbuchungen, einen solchen Effekt kann Lufthansa momentan aber nicht erkennen.

Diese vier Sitztypen bietet Lufthansa derzeit in der Premium Economy Class

Verkehrte Welt bei Lufthansa: Economy Class könnte verkleinert werden | Frankfurtflyer Kommentar

Dass die Premiumklassen inzwischen vor der Economy Class voll werden, ist ein Novum. Die Konsequenzen könnten schon bald umgesetzt werden. Mit dem Airbus A350-1000 bekommen wir einen Vorgeschmack, dieser bekommt fast 90 Premium-Sitze. Wenn Lufthansa diese Plätze tatsächlich regelmäßig zu vernünftigen Preisen verkaufen kann, wäre es nur logisch, auch andere Flugzeuge entsprechend anzupassen.

Umso mehr verwundert es, dass man die Boeing 787-9 mit nur 28 Business-Class-Sitzen ausgestattet hat, der Dreamliner dürfte damit auf einigen Strecken schnell an seine Grenzen kommen. Gleichzeitig darf Lufthansa nicht vergessen, dass sich die Nachfrage auch zügig wieder verändern kann. Und beim Umbau sind sie nicht die schnellsten…

Danke: aeroTELEGRAPH

15 Kommentare

  1. Seit langem ist bekannt, das die Eco Premium das meiste Geld bringt. Manche Airlines reagieren erst spät und träge.Bei LH war die Eco Premium immer zu unterentwickelt.

    • Es ist einfach nur traurig gehört die Swiss oder besser die Swissair jetzt zu diesem Konzern wo ja nur die Swiss schwarze Zahlen hat von diesem Konzern also machen die Deutschen alles falsch und der Sevice in der Swiss ist seit sie bei Lufhansa sin sehr schlecht geworden

  2. Und weil CS das so sagt ist das natürlich auch alles so, und man muss hier auch nichts hinterfragen.

    Vor nicht allzulanger Zeit hat man mit der Einführung der neuen „Aufpreis – Business Class“, verkündet, diese deutlich zu reduzieren, da man weniger Geschäftsreisende erwartet. Andere sind diesen Schritt nicht gegangen. Jetzt atellt man es als wegweisende Erkenntnis dar, dass sich „vorne“ doch besser verkauft als gedacht.

    Das lustige: „A350-1000 … bekommt fast 90 Premium-Sitze“, den A346 gabs mit 92. Man wäre da also immer noch unter dem Stand vorher.

    • Man irrt sich.
      Ist doch aber nicht schlimm, vorausgesetzt der Sitztausch ist technisch nicht zu diffizil.

      Zu Geschäftsreisen kann ich jetzt nichts sagen. Bei Konferenzen waren die Vorträge eigentlich immer Alibiveranstaltungen. Die würden theoretisch auch remote durchführbar sein.
      Aber Kern waren immer die Postersessions. Da ging es in die interessanten Details. Manchmal mit aha-Effekt nach 5 Minuten Gespräch bezüglich der eigenen Arbeit des gesamten vergangenen Jahres.
      Und das geht nicht remote.

  3. Sehr schön finde ich den Punkt Kurzstrecke in dem Artikel AeroTelegraph. Da kann man das noch nicht so beobachten, wie bei Mitbewerbern jenseits des Atlantiks. Ach was? LH hat auch völlig überzogene Preise dafür und einen Eco-Sitz. Und bietet noch weniger als andere. BA Business gibt mir wenigstens Wahlessen und da gibt es auch mal gute Angebote. Das schafft LH Group nur bei EW oder per nachträglichem Upgrade.

    • Das ist auch nur eine Seite.
      BA hat genügend Schattenseiten und dazu gehören leider auch oft überzogene Preise (zumindest auf gewissen Routen).
      Immerhin konnten sie die App jetzt etwas verbessern.

      • Jede Airline hat irgendwo ihre Schattenseiten. Aber wenn eine selbsternannte „Premium“Airline ihren Premiumanspruch auf der Summe der Schattenseiten aller Mitbewerber begründet, dann wird da nichts mit Premium.

      • Natürlich gibt es auch negative Seiten, perfekt ist nichts. Aber dieses Zwangsessen bei LH stört mich persönlich sehr. Vor allem gerade zwangsweise Oktoberfest-Essen. Und seltsamerweise kriegt es Swiss auf D-ZRH hin, dass man was bestellt, LH auf D‑LHR nicht.

        LH kriegt das super auf den längeren Europastrecken hin. Das ist richtig gut, aber eben nicht auf den kürzeren. Und dann soll ich dafür 700 Euro und mehr hinblättern? Ich glaube nicht.

        Und wenn man jetzt auch noch Preise für Sitze und Gepäck dynamisch macht – was bitte fällt denen denn noch alles ein?

  4. Bedingt durch Allegris hat sich die Sitzplatzkapazität In den Premiumklassenetwas reduziert. Klar, dass die dann schneller ausverkauft sind. Nehmt das Beispiel First Class…da gibt’s nur noch drei statt acht Plätze.
    Das hat der Carsten wohl in seiner Argumentation nicht bedacht.

    Schlimmer ist allerdings, dass man trotzdem dessen bei Lufthansa nicht auf einen grünen Zweig bzgl. Ertragslage kommt.

    • Oder anders formuliert: Wo bitte sind jetzt die schwarzen Zahlen in der Bilanz der Kernmarke, die aus den so schnellen, den so zahlreichen, und den so gewinnbringenden Ticketverkäufen plus den vielen bejubelten Zusatzerlösen resultieren?

  5. Swiss hat in der a350 einen höheren Premium Anteil – das Konzept braucht man nicht lange planen und überlegen, nur schnell (insb. Sitze) bestellten, bevor der Boom vorbei ist

    • So schnell geht der Umbau leider wohl nicht und gerade bei Allegris sind wohl alle Sitze unterschiedlich, sodass man gewisse Lieferzeiten hat. Aber Ja man könnte das Umsetzten. Wie schnell ist natürlich eine sehr gute Frage.

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