Emirates gilt in vielen Bereichen als Vorreiter. Der Golfcarrier schafft es immer wieder, neue Produkte zu entwickeln und damit Maßstäbe zu setzen. Ob eine neuartige Kopfstütze in der Economy Class, die Trennwand in der künftigen Premium Economy oder die legendäre Bar und die Duschen im Airbus A380: Die Fluggesellschaft aus Dubai weiß zu beeindrucken. Das war auch so, als Emirates Ende 2017 eine völlig neue First Class vorgestellt hat. Die Luxusklasse sollte ihrem Namen alle Ehre machen und zum „Game Changer“ werden. Die Sitze, die zahlreichen Features und die komplett geschlossenen Suiten beeindrucken auch fast neun Jahre später noch. Es gibt allerdings ein Problem: die Verfügbarkeit.
✨ Emirates führte die Game Changer First Class Ende 2017 ein.
✈️ Fast neun Jahre später verfügen weiterhin nur neun Flugzeuge über die Suiten.
🛫 Die verspätete Boeing 777X sollte eigentlich für eine schnelle Verbreitung sorgen.
Neun Jahre und noch immer nur neun Flugzeuge
Bereits im April 2024 haben wir uns mit der Verfügbarkeit der Game Changer First Class beschäftigt. Damals fiel das Fazit ziemlich ernüchternd aus: Jahre nach der Einführung waren lediglich neun der gut 260 Emirates-Flugzeuge mit der neuen First Class ausgestattet. Dabei handelte es sich ausschließlich um die letzten neun Boeing 777-300ER, die Emirates Ende 2017 und im Jahr 2018 übernommen hatte.
Inzwischen sind weitere zweieinhalb Jahre vergangen. Das Portal OMAAT hat das Thema wieder aufgegriffen und stellt fest, dass sich an der entscheidenden Zahl nichts geändert hat. Noch immer gibt es genau neun Emirates-Flugzeuge mit der Game Changer First Class. Die Fluggesellschaft hat also bis heute kein einziges Bestandsflugzeug mit den neuen Suiten nachgerüstet. Wer den Game Changer erleben möchte, muss weiterhin gezielt nach den neun Boeing 777-300ER mit den Registrierungen A6-EQH bis A6-EQP suchen.

Eine First Class, die auch heute noch beeindruckt
Die Game Changer First Class wird von der Fluggesellschaft weiterhin prominent beworben und ist auch fast neun Jahre nach ihrer Premiere ein beeindruckendes Produkt. Das liegt vor allem an den sechs Suiten, die in einer 1-1-1-Konfiguration verbaut sind. Jede Suite lässt sich mit einer Tür vollständig verschließen. Die Trennwände reichen dabei vom Boden bis zur Kabinendecke und schaffen eine Privatsphäre, die selbst in der First Class bis heute nicht selbstverständlich (aber auch nicht jedermanns Sache) ist.
Emirates hat darüber hinaus zahlreiche technische Spielereien eingebaut. Beleuchtung und sogar die Temperatur können individuell eingestellt werden. Über ein Tablet lassen sich zahlreiche Funktionen der Suite bedienen und Passagiere können per Videoverbindung Kontakt mit der Crew aufnehmen. Eine weitere Besonderheit sind die beiden Suiten in der Mitte der Kabine. Da diese naturgemäß keinen Blick nach draußen bieten können, hat Emirates digitale Fenster eingebaut. Kameras übertragen dafür ein Livebild von außerhalb des Flugzeugs auf hochauflösende Bildschirme, die wie normale Fenster in die Seitenwand integriert sind.
Christoph konnte die Game Changer First Class selbst auf einem Flug von Frankfurt nach Dubai testen. Auch das Bett, der große Tisch, die vielen Ablagemöglichkeiten und das umfangreiche Entertainment haben dabei überzeugt. Das eigentliche Bordprodukt muss sich daher auch heute nicht verstecken. Umso erstaunlicher ist, dass Emirates diese First Class anschließend praktisch nicht weiter ausgerollt hat.

Eigentlich sollte die Boeing 777X übernehmen
Zum Zeitpunkt der Einführung sah die Strategie noch nachvollziehbar aus. Die letzten neu ausgelieferten Boeing 777-300ER erhielten bereits die Game Changer First Class und ab 2020 sollte mit der Boeing 777X die nächste Generation der Langstreckenflotte folgen. Auch dort sollte die neue First Class zum Einsatz kommen. Doch es kam bekanntlich anders. Die Boeing 777X hat sich über Jahre verzögert und Emirates wartet noch immer auf das erste Exemplar. Nach aktuellem Stand soll die Auslieferung 2027 beginnen.
Für Emirates wiegt die Verzögerung besonders schwer, denn keine andere Fluggesellschaft setzt derart stark auf den neuen Großraumjet. Inzwischen stehen 270 Boeing 777X in den Auftragsbüchern der Airline. Damit lässt sich zumindest erklären, warum aus den neun Game-Changer-Flugzeugen zunächst nicht wesentlich mehr geworden sind. Emirates wollte das neue Produkt offenbar vor allem mit der nächsten Flugzeuggeneration verbreiten und dürfte 2017 kaum damit gerechnet haben, dass zwischen der Einführung der neuen First Class und der ersten 777X rund zehn Jahre liegen würden.

Emirates rüstet um – aber nicht die First Class
Ganz erklären lässt sich der Stillstand damit allerdings nicht. Emirates hat inzwischen ein umfangreiches Modernisierungsprogramm für die Bestandsflotte gestartet und investiert viel Geld in die Kabinen der vorhandenen Airbus A380 und Boeing 777. Dabei wird unter anderem die Premium Economy Class eingebaut und auch die Business Class der Boeing 777 wird modernisiert. Bei der First Class bleibt Emirates dagegen beim bisherigen Produkt. Die vorhandenen Suiten bekommen zwar eine optische und technische Auffrischung, der Game Changer wird jedoch nicht eingebaut.
Dafür gibt es durchaus wirtschaftliche Gründe. Die neuen Suiten benötigen mehr Platz und sind entsprechend teuer. Während Emirates in einer Boeing 777-300ER acht Sitze der bisherigen First Class unterbringen kann, sind es beim Game Changer nur sechs. Eine Umrüstung würde also nicht nur eine erhebliche Investition bedeuten, sondern gleichzeitig die Zahl der verfügbaren First-Class-Sitze reduzieren. Für Emirates besteht zudem wenig wirtschaftlicher Druck. Auch die ältere First Class bietet vollständig flache Betten, viel Privatsphäre und wird mit dem gleichen umfangreichen Service kombiniert. Das Soft Product mit endlos viel Kaviar und diversen Nobelgetränken bleibt unabhängig von der verbauten Suite ein wichtiger Teil des Erlebnisses.
Erwähnenswert ist dennoch, wie prominent Emirates den Game Changer weiterhin präsentiert. Wer sich auf der Website der Airline über die First Class in der Boeing 777 informiert, bekommt auch die spektakulären neuen Suiten gezeigt. Der Hinweis, dass das Produkt nur auf ausgewählten Flügen und abhängig vom eingesetzten Flugzeug verfügbar ist, findet sich zwar ebenfalls. In der Realität trifft man aber in der überwältigenden Mehrheit der Boeing 777 weiterhin auf die ältere First Class. Der Game Changer ist damit fast neun Jahre nach seiner Einführung weniger zum Standard als vielmehr zu einem exklusiven Schaufensterprodukt geworden.
Emirates Game Changer: Die wohl beste First Class der Welt bleibt eine Rarität | Frankfurtflyer Kommentar
Nicht nur die Emirates-Fans, sondern auch viele andere Fluggäste und Blogger sind überzeugt, die Game Changer First Class ist eines der besten First-Class-Produkte der Welt. Einige der damals vorgestellten Ideen wirken selbst heute noch innovativ und die komplett geschlossene Suite bietet eine Privatsphäre, die nur wenige Airlines erreichen.
Genau deshalb ist es schade, dass Emirates aus diesem Produkt eine solche Rarität gemacht hat. Die Verzögerungen bei der Boeing 777X haben Emirates dabei zwar einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dass die Airline gleichzeitig hunderte Millionen in die Modernisierung der bestehenden Flotte investiert und den Game Changer trotzdem nicht nachrüstet, zeigt aber auch, dass dies inzwischen eine bewusste Entscheidung ist.
Aus wirtschaftlicher Sicht kann ich das sogar nachvollziehen. Emirates müsste viel Geld investieren und würde gleichzeitig zwei First-Class-Sitze pro Flugzeug verlieren. Aus Sicht der Passagiere bleibt trotzdem ein etwas merkwürdiger Eindruck. Ausgerechnet eines der Produkte, mit denen Emirates besonders gerne zeigt, was in der First Class möglich ist, können die meisten First-Class-Passagiere der Airline überhaupt nicht erleben.
Hier kommt Ihr zu unserer Review der Game Changer First Class:
Review: Neue Emirates First Class Boeing 777-300er Frankfurt nach Dubai „The Game Changer“


Antworten